Alison McGhee: „Falling Boy“ (Jugendbuch)

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Alison McGhee: „Falling Boy“ (Jugendbuch)

Beitragvon Sabine » 02.09.2013, 13:39

Hallo,

hier kommt eine Buchvorstellung von Userin alexE:

Alison McGhee: „Falling Boy“ (Jugendbuch)

Beim Jugendbuch war ich neugierig, ob ich Romane finden würde, die literarisch über ein reines Problembuch hinausgehen. Und das habe ich! Eine Entdeckung dieser Art war „Falling Boy“. Zap, der Typ mit dem langen Pferdeschwanz, der das Gebäck und die Brote in der Bäckerei seines Vaters verkauft, hält Joseph, den Jungen im Rollstuhl, für einen Helden. Er habe seine Mutter vor einem Schicksal bewahrt, schlimmer als der Tod. Und geflogen sei er. Und Enzo, das Bienenkind, das merkwürdige Mädchen, glaubt ihm. Fast manisch hält sie an dem Bild fest, klickt immer wieder auf ihren Kuli, den sie dabei auf Joseph richtet, als wolle sie ihn bannen. Was sind das für merkwürdige Figuren? Grotesk, skurril, völlig rätselhaft. Irgendwie gaga, alle drei. Aus keinem wird man richtig schlau. Man ahnt: Zap und Enzo, die haben irgendwas miteinander zu tun, so giftig, wie die zwei miteinander umgehen. Aber was ist mit Joseph? Was ist wirklich mit ihm passiert? Wie ist er dem Tod von der Schippe gesprungen? Ist er tatsächlich geflogen?
Das Buch ist einfach atemberaubend, weil es ein tragisches Schicksal mit einer wirklich originellen und sehr poetisch geschriebenen Geschichte verbindet. Und außerdem hat die Autorin mit Enzo, dieser widerborstigen Göre, eine Figur erschaffen, die nichts unausgesprochen lässt. Feingefühl ist nämlich ein Fremdwort für sie. Und das tut so gut.
Im zeitgenössischen Sprachgebrauch scheut man sich nämlich, das Kind beim Namen zu nennen. Behinderte werden da oft zu „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“. Gleichzeitig ist jeder, der irgendein Gebrechen hat, gleich schwerbehindert. Aus irgendeinem Grund wird die Realität verzerrt. Einerseits will man niemanden verletzen, niemandem auf den Fuß treten. Andererseits glaubt man wohl, einem mit einem Handicap Gestraften besonders dann gerecht zu werden, wenn man die Sache möglichst tragisch darstellt. Als „Insider“ kann ich da oft nur den Kopf schütteln. Aber vielleicht liegt genau da der Hase im Pfeffer: Menschen, die außen vor bleiben, also keine Erfahrung mit Behinderten haben, wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen.

Alison McGhee: Falling Boy. Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann. München: Hanser 2009. 191 Seiten. 14,90 €. Ab 13.

LG
Sabine
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Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
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