Wie 17-jährigen vor die Türe bringen?

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celestine
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Wie 17-jährigen vor die Türe bringen?

Beitragvon celestine » 27.08.2013, 13:32

Hallo,

mein Sohn (wird bald 17) zieht sich mehr und mehr zurück. Mir fällt es gerade jetzt wo Ferien sind, total auf dass er von sich aus gar nicht mehr vor die Tür geht. Er meint, er braucht diese Zeit, und hat es mir so beschrieben: er wäre einfach kein sozialer Mensch, und braucht/möchte keinen Kontakt zu anderen, bwz die Kontakte die er hat, würden ihm reichen. Mannnnnnn auf der anderen Seite fängt die Schule dann bald wieder an, und dann wird er wieder von den ganzen Einflüssen überrollt. Ich weiß nicht wie ich ihn noch rauslocken könnte. Der Wochendurchschnitt beläuft sich auf ca 1 Stunde draussen sein. Das war einmal beim Shoppen in der nächst größeren Stadt. Ach ja offiziell ist er "nur" ADHS ler.
Sandra 35 mit 14 jährigem Sohn ADHS/HB und Verdacht auf Asperger.

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MartinaM.
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Beitragvon MartinaM. » 27.08.2013, 14:05

Lass ihm die Zeit allein, das ist wichtig zur Entspannung solche Zeiten voll nutzen zu dürfen.
Wenn die Schule dann wieder Alltag ist, dann ist das schon anstrengend genug. Und damit muss Aspie dann klarkommen, das geht umso besser, je intensiver die Zeit ohne Anforderungen sein darf.

Gib ihm Ruhe, akzeptiere seinen Wunsch - dann wird´s auch leichter für ihn und dich :wink:

*Rat-aus-eigener-Erfahrung* :)
"ach wie gut, dass ich dich gerettet habe, beinahe wärst du ertrunken" sagte der Affe und setzte den Fisch in den Baum.

me: F 84.5 AspergerAutismus

uli3
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Beitragvon uli3 » 27.08.2013, 14:22

Hallo,

ich bin der gleichen Meinung. Er braucht die Zeit um auszuspannen. Vielleicht lässt er sich aber ab und zu auf einen Waldspaziergang ein? Dann wär er wenigstens mal an der Luft ohne Leute. Vielleicht fällt dir ja so was ähnliches noch ein. Schwimmen im Fluß...


Lg Uli
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Beitragvon Heike Neumann » 28.08.2013, 09:21

Hallo,

so einen "Experten" habe ich auch. Er wird diese Woche 18 Jahre alt und raus gehen hasst er. Er würde, wenn es ginge, den ganzen lieben Tag nur drin verbringen.
In der Wohngruppe hat man das auch schnell mitbekommen und für ihn das deshalb zum tägl. Pflichtprogramm (mindestens 1 mal täglich für 1 Std. raus) gemacht.

Aber von meinem Gefühl her würde ich ihn hier zu Hause auch nicht zwingen raus zu gehen. Ich weiss, dass er draussen von seinen Wahrnehmungen her so extrem emfpindlich ist und alle Geräusche förmlich in sich aufsaugt und diese überhaupt nicht verarbeiten kann und es sicher eine Qual für ihn ist.

Deshalb schließe ich mich MartinaM. an. Es geht ihm sicher besser damit :wink: , zumal du ja schon weisst, dass wenn die Schule wieder los geht es für ihn richtig stressig wird. Ich glaube er braucht die Zeit der Ruhe für sich einfach.

L.G. Heike
Heike, Uwe, Marc (1995) Asperger Autismus(F84.5), Epilepsie, Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens, Neurodermitis (lebte 10 Jahre in der Mansfeld Löbbecke Stiftung); Anica (1997) gesund, Sternenkind Luca *+13.07.2001(Anencephalus 17.SSW) und Finjas (2005) Neurodermitis

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Re: Wie 17-jährigen vor die Türe bringen?

Beitragvon Regina Regenbogen » 28.08.2013, 09:58

celestine hat geschrieben: Ich weiß nicht wie ich ihn noch rauslocken könnte.


Warum möchtest du das denn entgegen seinem ausdrücklichen Wunsch?

Mein Jüngster ist in den Ferien auch kaum draussen gewesen, abgesehen von 2 Wochen Ferienfreizeit - die er aber auch mitmachen wollte. Ansonsten hockte er am liebsten den ganzen Tag im Schlafanzug zu Hause rum, ab und zu konnte sein Bruder ihn noch mal für eine Stunde auf den Fußballplatz locken.

Er braucht diese pure Ich-Zeit einfach zur Erholung, die Schulzeit ist anstrengend genug für ihn. Er ist glücklich und zufrieden damit, wäre er es nicht, würde ich mit ihm Wege finden, das zu ändern.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Beitragvon ehemalige Userin » 28.08.2013, 10:37

Hallo,

man hat doch genug soziale Kontakte. Keine Erledigung erfolgt ohne soziale Kontakte, ob ein Brief bei der Post abgeben oder einkaufen.

Das reicht, ich kann verstehen, wenn man die Ruhe zur Verfügung hat, auch in Anspruch nimmt. Es ist schön, mal keine Gesichter zu sehen, keine Gespräche zu führen, wenn die Zeit wieder vorbei ist, hat man genügend Kraft getankt.

Ich würde meinen Sohn in Ruhe lassen, er muss nicht raus gehen wenn er nicht will, allerdings ist es bei uns so, dass wir gerade jetzt die Einsamkeit genießen. Die kleine ist im Kindergarten und wir gehen ganz verlassene Waldwege, ohne reden, ohne Menschen und ich stelle fest, wichtig sind die nicht.

Wichtig wird es erst, wenn ein Mensch vor einem steht, oder eine Gruppe, ansonsten, würde ich nur versuchen etwas menschenfreie Frischluft zu ermöglichen.

Liebe Grüße

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Beitragvon Engrid » 28.08.2013, 10:58

Hallo,

Ich finde, es kommt schon auch drauf an, warum er nicht rausgeht.
Wenn er einfach drin bleiben will, weil er erholungsbedürftig ist, und es ihm drin gut geht ... Dann passt es ja.

Manchmal baut sich aber so ein "verkopftes" Abwägen auf, was könnte alles schiefgehen, wenn man nach draußen geht, und dann sehen die Kids nur noch das Risiko, nicht mehr die Chancen. Und verzichten lieber. Mein Sohn ist auch so gestrickt, den muss man phasenweise schon rauslocken, sonst wird das eine Abwärtsspirale. Vielleicht sollte man besser sagen "Einwärtsspirale".
MarkusB. Hat das vor ein paar Monaten gut beschrieben, vielleicht finde ich das nachher noch.

Liebe Grüße
Engrid
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Beitragvon Regina Regenbogen » 28.08.2013, 11:05

Engrid hat geschrieben:Manchmal baut sich aber so ein "verkopftes" Abwägen auf, was könnte alles schiefgehen, wenn man nach draußen geht, und dann sehen die Kids nur noch das Risiko, nicht mehr die Chancen.


Liest sich bei diesem jungen Mann aber nicht so.
celestine hat geschrieben:Er meint, er braucht diese Zeit, und hat es mir so beschrieben: er wäre einfach kein sozialer Mensch, und braucht/möchte keinen Kontakt zu anderen, bwz die Kontakte die er hat, würden ihm reichen.

Das sind die gleichen Argumente, die mein Sohn auch bringt.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)



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Beitragvon Engrid » 28.08.2013, 11:09

Wenn es so ist, dann ist es doch gut.

Aber wenn es nur "vorgeschützt" ist, dann nicht.

Hier ist Markus´Post in Iris´Thread, den ich gemeint hatte: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 71#1725471

Übrigens: Wenn "draussen sein" Shoppen in der Stadt wäre, dann wäre mein Sohn gar nicht mehr draussen. Das ist doch für einen Autisten, der nicht gern rausgeht, der totale Abturner - oder lieg ich da falsch? Lieber was, das direkt das Belohnungssystem aktiviert :wink: Bei uns: Spazieren gehen mit Schilder gucken, Züge gucken ... naja, meiner ist ja keine 17 und auch geistig eingeschränkt, aber das Prinzip müsste das gleiche sein.
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Jenny66
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Beitragvon Jenny66 » 28.08.2013, 13:45

Nun, mit 17 J. ist man ja in einem Alter, wo die Mutter einen nicht mehr an die Hand nehmen kann und meinetwegen zum Spielplatz fahren kann.

Unsere Tochter ist 14 J. und da ist es auch nicht anders. Und sie sagt genau das gleiche. Ich versuche schon immer die Arzttermine/Zahnarzttermine und Friseur mit in die Ferien zu packen. Dann hat sie nach der Schule damit keinen Stress und gleichzeitig ist sie dann auch mal kurz draußen, wenn Ferien sind. Oder wir machen einmal einen Ausflug in einen Freizeitpark. Danach ist dann aber auch wieder gut.

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