Verhinderungspflege = Ersatzpflege?

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Sonja Luzia
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Verhinderungspflege = Ersatzpflege?

Beitragvon Sonja Luzia » 09.03.2006, 23:38

Sorry, wahrscheinlich "dumme" Frage: Sind Verhinderungs- und Ersatzpflege identisch?

Danke für einen kurzen Tip

Sonja
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Beitragvon MichaelK » 10.03.2006, 13:51

Hallo Sonja ,

zwei Namen ein Sachverhalt, Sonja ! :D :roll:

LG Michael
Michael für den Liebling der Familie: Lars, geb 04/03 Lumbale Spina bifida mit HC (v-p-Ableitung), Arnold-Chiari-Malformation Typ 2
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Beitragvon AnjaD » 10.03.2006, 15:07

Hallo, Sonja!

Wenn ich richtig informiert bin, beziehen sich die Leistungen aus der Ersatzpflege auf die sog. Kurzzeitpflege (z.B. Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung), die der Verhinderungspflege aber auf die Leistungen, die man einer Betreuungsperson zu Hause zahlt. Sorry, wenn ich Michael erst mal widerspreche! Ich war kürzlich auf einer Veranstaltung, bei der es um genau solche Sachen ging. Dabei wurde auch erwähnt, dass man auf die Reihenfolge der Beantragung achten muß, wenn man beides in Anspruch nehmen will, da man ansonsten eben nicht BEIDE Leistungen in Anspruch nehmen kann. Es ist zwar derselbe Betrag, aber nicht dieselbe Leistung!!! (Es ging dabei um Eltern, die ihre Kids in einer Einrichtung betreuen lassen mußten und das über mehr als die erlaubten 28 Tage hinweg. Die zusätzliche Zeit wurde dann aus dem Geld für die Verhinderungspflege bezahlt).

GLG AnjaD
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Anja (*1969)mit F. und D. (*1998), D.: ADHS, L. (*2001) vorgeburtl. Schlaganfall, Hemiparese, Epi, GB und Y. (*2004) V.a. ADHS

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Beitragvon MichaelK » 10.03.2006, 15:54

Hallo Anja,
hab kein Problem damit Anja, wenn du mir widersprichst, im Gegensatz zu manch anderem :wink:
Ich versuchs nochmal.
Kurzzeitpflege und Ersatzpflege (Verhinderungspflege) sind beides "Sachleistungen"

Kurzzeitpflege
§ 42 SGB XI
Kann die häusliche Pflege zeitweise nicht, noch nicht oder nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden und reicht auch teilstationäre Pflege nicht aus, besteht Anspruch auf Pflege in einer vollstationären Einrichtung. Dies gilt:
1. für eine Übergangszeit im Anschluss an eine stationäre Behandlung des Pflegebedürftigen
oder
2. in sonstigen Krisensituationen, in denen vorübergehend häusliche oder teilstationäre Pflege nicht möglich oder nicht ausreichend ist.
(2) Der Anspruch auf Kurzzeitpflege ist auf vier Wochen pro Kalenderjahr beschränkt.


Häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson(= Verhinderungspflege)
§ 39 SGB XI
Ist eine Pflegeperson wegen Erholungsurlaubs, Krankheit oder aus anderen Gründen an der Pflege gehindert, übernimmt die Pflegekasse die Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für längstens vier Wochen je Kalenderjahr; § 34 Abs. 2 Satz 1 gilt nicht. Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson den Pflegebedürftigen vor der erstmaligen Verhinderungmindestens zwölf Monate in seiner häuslichen Umgebung gepflegt hat.........

Die Ersatzpflege (Verhinderungspflege) ist allerdings nicht auf den häuslichen Bereich beschränkt, wenn sich hier eben keine Ersatzpflegeperson findet. Ist die Ersatzpflege ausgeschöpft, kommt eventuell anschließend die "Kurzzeitpflege" infrage. Kann sein, dass es auch umgekehrt sein muß. da bin ich jetzt überfragt, ist mir zu kompliziert. :lol:
Ich vermute, dass hattest du mit dem Beispiel gemeint, Anja.

Bleibt festzuhalten: Ersatzpflege = "Verhinderungspflege"; Kurzzeitpflege gibts aber auch noch.
Ist schon ne komplizierte Sache, mußte auch erstmal nachlesen. :wink:

LG Michael
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Alles beliebig kompliziert

Beitragvon Sonja Luzia » 11.03.2006, 02:21

Bisher glaubte ich, Verhinderungspflege und Ersatzpflege seien ein paar Schuh. Die Pflegedame, die einmal pro Halbjahr laut Krankenkasse nach dem rechten sehen soll, meinte aber, das seien zwei Dinge: folglich definitiv zweimal 1432 Euro pro Jahr. Das habe ich nicht geglaubt.

Aber jetzt hat mir die Krankenkasse neben dem laufenden Antrag auf Verhinderungspflege ein weiteres Formular zugesandt für die Beantragung von Ersatzpflege. Ich bin rechtschaffen verwirrt. Von Kurzzeitpflege ist da keine Rede.

Amtsirrtum oder gibt es da tatsächlich zwei Posten?

Sonja
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Beitragvon Sonja Luzia » 11.03.2006, 02:24

Sorry, Michael, Anja,

natürlich herzliche Grüße, danke für die Antworten, hab ich vergessen, nur bin ich jetzt noch multipler verwirrt. Weiß denn keiner sonst hier Aufschluß?

Ein gutes Wochenende
Sonja
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§ 39, § 42 und § 45 b SGB XI

Beitragvon edirita » 11.03.2006, 08:13

Hallo Sonja,
da kommt noch eine dritte Leistung dazu, je nachdem ob die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

Die Voraussetzungen für Leistungen nach § 45 b Pflegeleistungsergänzung werden i. d. R. bei der Pflegebegutachtung mit festgestellt. Es handelt sich um einen Anspruch über 460 € bei einem besonders hohen Berteuungsbedarf, der vor allem im geistigen Bereich lfestgestellt werden muß.
Diese Leistung kann nur über Anbieter wie Lebenshilfe, Caritas usw. erbracht werden.

Die Kurzzeitpflege § 42 beträgt 1432 € pro Jahr für nicht mehr als 28 Tage und kann nur in dafür anerkannnten Kurzzeitpflegeeinrichtungen - Anerkennung für die Einrichtung ist viel komplizierter als für § 45 b - erbracht werden. Kannn als sog. Tagespflegeerfolgen oder eben für bis zu 28 Tage mit übernachtung in einer solchen Einrichtung. Davon gibt es nicht viele wirklich gute für Kinder.

§ 39 die Verhinderungspflege, Ersatzpflege, Urlaubspflege oder wie immer sie genannnt wird, wird i. d. R. von einem Dienst - Familienentlastender Dienst, Pflegedienst erbracht. Das kann stundenweise geschehen - dann gilt die Grenze von 1432 €. Es kann auch tageweise, also übernacht geschehen, dann gelten beide Grenzen - die 1432 € und die 28 Tage. Die Verhinderungspflege kann auch privat abgerechnet werden. Die Pflegeperson muß keine einschlägige Ausbildung haben.
Die Verhinderungspflege kann, wenn man keinen Kurzzeitpflegeplatz findet, also eine Einrichtung die die Anerkennung der Pflegekasse hat, auch für Leistungen in einer Einrichtung genutzt werden, die Angebote, Kurzzeitpflege anbietet. Also der Angehörige ist über mehrere Tage weg. Abgerechnet wird aber über Verhinderungspflege.
Gibt es häufig bei Lebenshilfewohnheimen, aber auch in Altersheimen oder Schülerwohnheimen und Internaten.

Das monatliche Pflegegeld wird bei stundenweiser Inanspruchnahme aller oben genannten Leistungen nicht gekürzt, wenn 8 Stunden nicht überschritten werden. Bei Übernachtungen wird das Pflegegeld anteilsmäßig gekürzt, wobei der erste und letzte Tag als An/Abreisetag bei der Kürzung nicht berücksichtigt werden. Die Kassen händeln das unterschiedlich und oft so, daß diese An/Abreiseregelung nur ein mal pro Jahr möglich ist.

So, ich hoffe ich hab das verständlich rübergebracht.

Einen schönen Guten Morgen
edirita
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Beitragvon MichaelK » 11.03.2006, 10:46

Hallo Sonja ,
also deine ursprüngliche Frage, denk ich mal, kann man bejahen, Verhinderungspflege und Ersatzpflege sind demnach identisch.
Andere Leistungen gibt es auch noch, wie dargestellt, aber das ist dann auch ne andere Sache.

Aber jetzt hat mir die Krankenkasse neben dem laufenden Antrag auf Verhinderungspflege ein weiteres Formular zugesandt für die Beantragung von Ersatzpflege. Ich bin rechtschaffen verwirrt.


Das verwirrt mich denn auch. :roll: :roll: Vielleicht hängt es damit zusammen, wie du die Verhinderungspflege (Ersatzpflege) in Anspruch nehmen willst (Dauer, häuslich, Einrichtung)?? Sonst kann ich mir das nicht erklären. Einfach mal die PK anrufen und nachfragen.
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Beitragvon AnjaD » 11.03.2006, 11:42

Hallo!

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die beiden Dinge NICHT identisch sind!

Ich habe es so verstanden:

Es gibt Ersatzpflege und stundenweise Ersatzpflege. Die Aufwendungen für die Ersatzpflege betragen 1432€ jährlich und können für die Unterbringung des Kindes in einer Einrichtung beantragt werden , die Aufwendungen für die stundenweise Ersatzpflege betragen ebenfalls 1432€ jährlich und können quasi als "Stundenlohn" für einen Betreuer zu Hause verwendet werden (mit den üblichen Spielregeln wie nicht länger als 8 Stunden am Stück usw.).
Warum sonst hätten betroffene Eltern bei der bereits erwähnten Veranstaltung das extra so erklärt und uns "unwissende" Eltern extra darauf aufmerksam gemacht, dass es diese beiden Posten gibt UND man auf die Reihenfolge der Beantragung achten muß?
Außerdem mußte ich bei der Beantragung der Verhinderungspflege extra "stundenweise Ersatzpflege" auf den Antrag schreiben, damit eben nicht die Ersatzpflege genommen wurde...

Nochmal GLG

AnjaD
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Beitragvon MichaelK » 11.03.2006, 13:03

Hallo Anja,
(mit den üblichen Spielregeln wie nicht länger als 8 Stunden am Stück usw.).

Ja , also dass mit den "täglich unter 8 Stunden" ist soweit klar. Dient dazu, dass der Pflegegeldanspruch wegen der Ersatzpflege nicht verlorengeht. Deshalb auch "stundenweise Ersatzpflege(Verhinderungspflege)". So hat ja auch edirita geschrieben und so hab ich das auch immer gemacht.
Jetzt steht im SGB XI zur Ersatzpflege (Verhinderungspflege) :
Die Aufwendungen der Pflegekasse dürfen im Einzelfall 1.432 Euro im Kalenderjahr nicht überschreiten.

Ich versteh das so:
Die "stundenweise Ersatzpflege" ist keine eigenständige Leistung, sondern nur eine Anwendungsmöglichkeit für die Ersatzpflege.
Das man die Ersatzpflege quasi zweimal nutzen kann, hab ich noch nicht gehört. Muß aber mal dazusagen, dass ich auf dem Gebiet jetzt nicht so bewandert bin, weil wir noch keine stationären oder teilstationären Leistungen hatten. Ich hoff, dass sich edirita nochmal einschaltet (Profi auf dem Gebiet)!

Sonst könnte ich mirs nur so erklären, dass die Kasse im Fall von Sonja Ersatzpflege unglücklicherweise als Oberbegriff für alle möglichen Pflegesachleistungen verwendet.

LG Michael
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