Verfasst am: 02.06.2010, 15:08 Titel: Mit geistig behindertem Kind zum Zahnarzt
Hallo,
unser Sohn Marvin ist 8 Jahre alt. Ehemaliges Extrem-Frühchen mit geistiger Behinderung und ADHS.
Nun mußte ich letzte Woche mit unseren beiden Söhnen zur Vorsorge zum Zahnarzt.
Er stellte bei Marvin ein Loch im Zahn fest.
Seiner Meinung nach, würde er nicht für ein Loch, das Kind in Vollnarkose legen. (Was ja auch nicht in unserem Sinne ist)
Ich wies ihn darauf hin, das unser Sohn sich nur sehr schwer die Zähne putzen läßt und dabei ein Abwehrverhalten zeigt.
Er meinte man solle es dennoch versuchen.
Gestern waren wir nun bei dem Termin und es war für ALLE blanker Horror.
Marvin schrie, weinte, zappelte ohne Ende.
Als der Zahnarzt ihm dann auch noch einen Keil im Mund steckte, damit er diesen aufhält, wars ganz vorbei.
Der Zahnarzt war schon total genervt und meinte dann zu uns (mein Mann war mit) ob das an seiner Behinderung liegen würde.
Er könne sich das nicht erklären,er hätte schon zig Behinderten die Zähne gemacht, keiner hätte sich so Verhalten.
Nach 4 Unterbrechungen, fragte er mich ständig, ob er die Behandlung abbrechen soll.
Was er dann auf meinem Raten auch tat.
Wer kennt am Niederrhein einen guten Zahnarzt, der gut mit behinderten Kindern umgehen kann?
Oder sollte man wirklich, die Nächste Behandlung nur noch unter Vollnarkose machen lassen?
Über zahlreiche Antworten würde ich mich freuen.
Gruß Kerstin
da ich aus Niedersachsen komme, kann ich dir leider keinen Zahnarzt empfehlen.
Unser Sohn (geht gerne zum Zahnarzt) mußte vor ein paar Wochen ein Milchzahn gezogen werden. Vorher brauchte er immer nur zur Kontrolle und es war immer alles i.O.
Ich hatte auch furchtbare Angst und sah ihn schon unter Vollnarkose liegen.
Unser Zahnarzt hat bei ihm dann eine "Zahnarztgewöhnung" gemacht. Wir sind 2 Wochen lang 2x pro Woche gekommen. J.-P. mußte da nur den Mund aufmachen, wurde an die Geräusche des Zahnsteinentferners gewöhnt (wurde erst im Glas Wasser vorgemacht), dann 2 x Zahnstein entfernt (das 1. Mal nur 1 Zahn, beim 2. Mal 2 Zähne). Fand ich Klasse. J-P. fragte schon wann er wieder zum Zahnarzt dürfe.
Und dann wurde endlich der Zahn gezogen. Ich habe meinen Mann als Verstärkung mitgenommen, ging aber problemlos. Spritze für die Betäubung wurde super erklärt (wie Impfen) und dann war der Zahn ruckzuck draußen.
Vielleicht kannst du einen guten Zahnarzt bitten es ähnlich zu machen.
Bei einer Freundin von J.-P. (auch geistige Behinderung) muß es allerdings immer in Vollnarkose gemacht werden.
Klappt also sicher nicht bei jedem Kind so.
LG und drücke euch die Daumen
Heike _________________ Unser besonderes Kind wurde 1997 als Frühchen geboren und hat nach einer Hirnblutung eine Cerebrale Mehrfachbehinderung. Er ist Shunt versorgt und spricht nur wenig. Wir haben noch eine große, gesunde Tochter.
Mmh, ich weiß nicht, inwieweit das bei einem geistig behinderten Kind möglich ist, aber vielleicht könnte man es mit einer Behandlung unter Hypnose versuchen??
Oder eine spezielle Kinderzahnarztpraxis?
Was mir noch einfällt wäre, vor der Behandlung Dormicum zu geben?? Das ist dann nicht gleich eine komplette Vollnarkose, sondern nur eine leichte Sedierung und er wird hinterher von nix mehr wissen... mein Sohn hat schon zweimal was unter Dormicum-Einfluss bekommen und er hat dabei immer seilg gelächelt und alles mit sich machen lassen...
Ich denke, eine Zahnklinik oder eine spezielle Kinderzahnarztpraxis werden Dir da schon weiterhelfen - einfach mal googeln, wird es in Eurer Nähe bestimmt geben, zur Not, bei der (Zahn)ärztekammer anrufen...
lG,
AnKa _________________ AnKa mit Tochterkind 10/02 u. Minimonk 11/05 mit Syndaktylien, extremen Knick-Senkfüßen, hyperreagiblem Nervensystem u. aut. Verhaltensmustern - seit Jan. '11 glückliches Regelschulkind!
habe auch einen geistig behinderten Jungen mit hyperaktiven Neigungen,
und mit ihm geht es mir kein bisschen anders als mit Dir,
aber gezwungen hat ein Zahnarzt das Kind nie,
wir gingen meist zu Zahnärzten die über 50% nur Kinder behandeln und somit ein Feingefühl entwickelt haben, wie man mit Kindern umgeht, aber und vorallem auch mit solchen Kindern wie wir sie haben.
Er hat immer soviel gesehen um zu erkennen wo es hinkt - und dann musste leider Jonathan in die Klinik und es wurde in der Narkose das Gebiss völlig überholt.
Die Narkose die das Kind bekommt ist keine Narkose im eigentlichen Sinne mit Beatmungsschlauch etc.,
sondern eine Sedierung die der Narkosearzt überwacht,
sodass ein Aufwachen schnell wieder möglich ist und meist auch eine Entlassung am gleichen Tag wieder erfolgen kann,
wenn keine sonstigen gesundheitlichen Gründe dem widersprechen.
Wir hatten meist mehrere Sachen auf einmal machen lassen,
weil Jonathan noch mehr Baustellen hatte, wie die Augeninnendruckmessung, und dann mussten eben mehrere Ärzte in der Klinik zum gleichen Zeitpunkt vor Ort sein.
Übrigens diese Sedierungsbehandlungen müssen nicht ausschließlich in einem Krankenhaus gemacht werden, wenn kein Grund vorliegt; es gibt dafür auch spezielle Kinderarztpraxen die einen Narkosearzt angestellt haben.
Ich kann Dir in Deiner Gegend keinen Arzt nennen - komme aus dem Süden von Deutschland.
Lieben Gruß - Isolde _________________ „Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten“ - Katharina von Siena "Einen Anfang zu machen ist das Geheimnis von weiterkommen" - chin. Weisheit
an die Hypnose hatte ich auch schon gedacht,
aber die ist sicher bei einem ADHS-Kind schwer möglich, weil es sich doch konzentrieren muss auf diese Hypnose,
und ich glaube das ist sehr schwer,
wenn ich mir meinen Sohn z.B. vorstelle - mit dem ginge das nicht.
Mit ihm geht leider nur die "harte" Tour, aber das wiederum hat auch den Vorteil, dass die Kinder dann nicht die Angst haben vorm Zahnarzt.
Zumindest ist es bei Jonathan so, dass er eigentlich keine Angst in dem Sinne hat, weil er noch nie hat Schmerzen spüren müssen,
er will halt nur nicht dass ihm einer da im Gesicht und Mund herumhandhabt,
weil es u.a. wegen Wahrnehmungsproblemen und teilweise auch Übersensibilität nicht möglich ist.
Lieben Gruß - Isolde _________________ „Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten“ - Katharina von Siena "Einen Anfang zu machen ist das Geheimnis von weiterkommen" - chin. Weisheit
Hallo,
habe Eure Antworten gelesen ,vielen Dank erst einmal dafür.
Das wussten wir auch nicht, das es sich lediglich um eine Sedierung handelt.
Hört sich ja schon mal beruhigend an.
Marvin wurde ab Geburt zu 100% beatmet. 4 Monate lang und wurde anschließend mit Sauerstoff entlassen.Bei einer Op die dann noch Anstand, wollte er nicht wach werden und Sie mußten die Intensivärzte hinzuziehen.
Die Hodenhochstand-OP vor 2 Jahren hat er ohne Nebenwirkungen gehabt.
Deshalb sind wir auch total verunsichert, wenn das Thema Narkose aufkommt.
Werd mal schauen, ob ich eine Kinderarztpraxis finde, oder dergleichen.....
Einen schönen Abend wünsch ich noch allen.
Liebe Grüße Kerstin
Also das hört sich ja schrecklich an, wie der Zahnarzt reagiert hat...............
Woher kommt ihr???
Ich habe einen Sohn, entwicklungsverzögert, gehörlos und noch so paar Kleinigkeiten..
Und wir sind in einer super Zahnarztpraxis..... Die erklären udn zeigen alles bevor sie es machen. Julian dar auch die Geräte ausprobieren.
Die nehmen sich etrem viel Zeit.
Es wurde gebohrt, ein Zahn repariert und ein Zahn gezogen. Und das alles ohne Vollnarkose.
Ich kann die Praxis nur empfehlen!!!!!!!!!!!!!!!
Die ist in Fürth bei Nürnberg!!
Inka _________________ Julian, gehörlos, entwicklungsverzögert und Klumpfüße
es gibt noch die Möglichkeit Lachgas oder so ein **ist-mir-alles-egal-saft* Grundsätzlich finde ich, sollte jedes Kind auf die bevorstehende Behandlung vorbereitet werden und zwar vom Zahnarzt, nicht von dir oder sonst einem Familienangehörigen. Ist jetzt nicht böse gemeint, aber je mehr der ZA mit dem Kind spricht und eine Basis mit dem Kind aufbauen kann, desto leichter lässt es sich behandeln. Zunächst wäre wohl ein Termin gut, wo dein Sohn den Zahnarzt, seine Helfer und die Praxis kennenlernt und wenn dein Sohn einverstanden ist auch mal in den Mund schauen. Beim 2ten Termin könnte ja der Zahnarzt versuchen mit so nem elektrischen Bürstchen, was die für die Prof. Zahnreinigung verwenden, einzelnen Zähne kurz zu bürsten und dann wieder aus dem Mund und dann wieder in den Mund immer soweiter. Aber erst in den Mund, wenn der ZA das Gerät vorgestellt hat. Es an seinem Finger demonstiert hat und dann an dem Finger deines Sohnes demonstriert hat. Das kann man ja beim 3Termin auch versuchen und dann beim 4ten mit dem Bohrer.
Bei so nem Keil im Mund hätte ich auch Panik bekommen Für euch käme bestimmt ein Kinderzahnarzt gut in Frage, weil die machen genau sowas. Die Führen die Kinder langsam an die Behandlung heran. Aber auch gute ZA die keine Kinderzahnärte sind, machen sowas auch.
Hallo,
also da unsere gb-Tochter grundsätzlich panisch auf Ärzte reagiert (Weißkittel-Phobie - auch wenn er Jeans anhat...), wurde die erste erforderliche Zahnarztbehandlung auch mit Narkose gemacht (Zahnstein, 1 Loch, Röntgen - da sie nicht stillhalten kann).
Fand in der Zahnarztpraxis statt (da kommt 1mal die Woche ein Narkosefacharzt), hinterher saß ich bei ihr in einem Nebenzimmer, bis sie wieder wach war, und dann haben wir gemeinsam die Praxis verlassen, sie noch etwas wackelig, aber es ging.
War keine große Affäre.
Grüße,
Bea
Und wir sind in einer super Zahnarztpraxis..... Die erklären udn zeigen alles bevor sie es machen. Julian dar auch die Geräte ausprobieren.
Die nehmen sich etrem viel Zeit.
Es wurde gebohrt, ein Zahn repariert und ein Zahn gezogen. Und das alles ohne Vollnarkose.
Ich kann die Praxis nur empfehlen!!!!!!!!!!!!!!!
Die ist in Fürth bei Nürnberg!!
Inka
Hallo Inka,
wie heisst denn diese Praxis, komme nämlich aus Nürnberg
danke _________________ Luca Juni 2006, bisher noch keine Diagnose, aber entwicklungsverzögert ,Wahrnehmungsstörungen hypotonen Muskeltonus ... Außgeschlossen wurden nun: FRAX, Epilepsie und Autismus.Jedoch definitiv ein KISS-Syndrom! nun wurde eine leichte geistige behinderung diagnostiziert, da er auf den Stand eines 3 Jährigen ist.
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