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Asperger und Schule - unsere Erfahrungen und die Folgen
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Annette Schmidt
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Anmeldedatum: 25.02.2006
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BeitragVerfasst am: 17.03.2006, 01:43    Titel: Asperger und Schule - unsere Erfahrungen und die Folgen Antworten mit Zitat

Hallo Thomas!

Thomas hat folgendes geschrieben:

Das halte ich für eine unzulässige und - für betroffene Eltern - sehr verletzende Äußerung! Hier wird polemisch pauschalisiert.
Sicherlich sind viele Kinder dort, die einen schwierigen sozialen Hintergrund haben, aber es sind sicherlich auch Kinder anzutreffen, die aufgrund ihrer geistigen Behinderung hier beschult werden - und das hat nichts mit mangelnder Erziehung zu tun.


Deine Sicht kann ich vollkommen verstehen, ich bin eine dieser betroffenen Mütter, deren Kind garantiert keinen sozial problematischen Hintergrund hat, sondern dessen Fehler schlicht und einfach war, Autist zu sein. Leider war die Klassenlehrerin anderer Meinung, für sie waren wir der Erziehung unfähig.

Die ersten beiden Grundschuljahre war unser Verhältnis zur Lehrerin eigentlich relativ gut, aber als wir ihr die Diganose Autismus mitteilten und ihr Informationen darüber gaben, empfand sie das offenbar als Einmischung in ihre pädagogische Arbeit, seitdem beschränkte sich der Kontakt ihrerseits auf das absolut Notwendige. Und Nachteilsausgleich (im Grundgesetz steht, das niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werfen darf) gab es schon gleich gar nicht.

Ich erinnere mich noch gut an ein Elterngespräch, um das wir gebeten hatten, weil Ulis Verhalten zu Hause immer extremer wurde und wir ratlos waren. Es hieß, unser Kind hätte in der Schule keinerlei Probleme (warum durfte er dann nicht in eine Regelschule?) und würde sich zu Hause nur so verhalten, um uns zu testen, weil wir ihn überbehüten würden. Ihr Argument war damals, dass Autisten nicht sprechen und da unser Sohn sprach, hatten wir schon verloren.
Und wenn uns ihre Arbeit nicht passen würde, dann sollen wir ihn halt auf eine GB-Schule geben.

Nach diesem Gespräch wurde ich auch nicht mehr zu Veranstaltungen der Elternvertreter (z.B. Zeugniskonferenzen) eingeladen, obwohl ich offiziell weiter diese Funktion hatte. Auf Bitte um Rückruf oder schriftliche Rückmeldung via Eltern-Kontaktheft, wurde entweder gar nicht, oder erst mehrere Tage später reagiert. Das erinnert eher an trotziges Kleinkindverhalten, dafür muss ich nicht Sonderschulpädagogik studieren.
Wir haben halt einfach Pech gehabt, ich kenne eben auch Beispiele, wo es an der E-Schule ganz anders lief.

Fakt ist, dass in Ulis Klasse Kinder waren, die an der Grenze zur Lernbehinderung lagen, aber keine geistig behinderten Kinder. Dafür gibt es bei uns eine GB-Schule. Fakt ist auch, dass alle anderen aus problematischen Familien kamen, ich war als Elternvertreterin häufiger in der Schule, u.a. zu Konferenzen und habe viel mitbekommen. Wenn Eltern alkoholisiert zu Schulveranstaltungen am frühen Nachmittag erscheinen oder das betreffende Kind in vor Dreck starrenden Sachen in die Schule kommt, finde ich das schon sozial problematisch. (das Kind wurde dann auch der Familie entzogen und in einem Heim untergebracht).


Zitat:
Wir sind hier ein Forum für Eltern behinderter Kinder - aller behinderten Kinder! Es gibt zahlreiche Formen der Behinderung. Das sollten wir immer bedenken und nicht durch unbedachte Äußerungen eine andere Form der Behinderung abwerten.


Natürlich sind solche Kinder auch behindert, aber viele davon in der Regel nicht durch Hirnschädigungen oder was es auch sonst immer noch gibt, sondern meiner Meinung schon durch den sozialen Hintergrund. Die Kinder können auch nichts für ihr Verhalten, sie bekommen es ja nicht anders vorgelebt. Kinder lernen Sozialverhalten nun mal durch Nachahmung.

Zitat:
dass Autisten nicht pauschal in GB-Schulen beschult werden sollten und dass hier diffenzierter auf das jeweilige Kind geschaut werden müsste.


Es gibt keine Schulen, die optimal für normal begabte Autisten sind. Als es Ende 2004 darum ging, eine Einrichtung für unseren Sohn zu finden, hat ein Mitarbeiter des Jugendamtes 4 Wochen lang von morgens bis abends nicht anderes getan, als Hunderte von Einrichtungen in ganz Deutschland durchzutelefonieren. Nicht eine einzige hatte eine Schule für normal begabte Kinder angeschlossen, alles waren Gb- oder LB-Schulen und da sind Aspergerkinder in den allermeisten Fällen kognitiv absolut unterfordert. Abgesehen davon hatten die meisten dieser Einrichtungen auch noch nie was von Asperger gehört bzw. hatten gar keine oder nur sehr wenig Erfahrung.

Die Schule der Einrichtung, wo Uli jetzt lebt, ist auch eine Erziehungshilfe-Schule (Schwerpunkt emotionale und soziale Förderung), aber die Klassen sind nur halb so groß, wie an der E-Schule, an der er die Grundschulzeit verbrachte, es gibt zusätzliche Kräfte für die Klasse, einen separaten Nebenraum als Rückzugsmöglichkeit, vielfältige Nachteilsausgleiche und bei Bedarf wird auch Einzelunterricht erteilt. Und -ganz wichtig- man hat dort Erfahrung mit dem Unterrichten von Asperger-Autisten (insgesamt gibt es in den Wohngruppen der Stiftung 10) und ist immer offen für Tipps. Mehr als einmal wurden wir gebeten, wenn wir gutes Infomaterial finden würden, das an sie weiterzugeben. Die Lehrer sind auch nachmittags oft mit in der Wohngruppe um auch diesen Teil des Alltags der Kinder kennenzulernen.

Für uns die optimale Lösung, auch wenn uns dieser Schritt unglaublich schwer gefallen ist, aber in den Schulen vor Ort hätte Uli keine Chance mehr gehabt, obwohl die Bedingungen an der Sprachheilschule, an die er zu Beginn des 5. Schuljahres wechselte, eigentlich sehr gut waren. Aber die Erfahrungen aus der Grundschulzeit an der E-Schule saßen tief und Uli empfand die unter Schülern nun mal üblichen kleinen Neckereien als Bedrohung, bis er sich eines Tages aus lauter Verzweiflung sein Taschenmesser in den Schulrucksack packte. Ich habe es damals durch einen puren Zufall gefunden, bevor er zur Schule fuhr. Ich brauchte sein Zeugnis, dass er wegen der Abschaffung der Orientierungsstufe schon vor Schuljahresende bekam, um es für die Kinderpsychiaterin zu kopieren, bei der mein Mann und ich an diesem Tag einen Termin hatten. Diese war im Rucksack und dabei stieß ich auf des Messer.

Ich habe ihm ganz ruhig erklärt, dass er und wir eine Vereinbarung unterschrieben haben, dass in die Schule keine Waffen mitgebracht werden dürfen und ich ihm das Messer deshalb wegnehmen werde. Er explodierte, tobte und schrie, er brauche das Messer, um sich zu verteidigen, er würde in der Schule alle umbringen, die ihn ärgern.

Bei mir kamen sofort die Erinnerungen an den Amoklauf im Erfurter Gutenberg-Gymnasium hoch, mit dem mich ganz konkrete Namen verbinden. Ich habe 4 Jahre in Erfurt als Grundschullehrerin gearbeitet. Einige der Schüler, die zum Tatzeitpunkt an diesem Gymnasium waren, habe ich als Grundschüler unterrichtet und einer der erschossenen Lehrer war der Ehemann einer ehemaligen Kollegin, den ich persönlich kannte.

Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an diese Situation mit Uli zurückdenke und wage mir nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn ich das Messer nicht gefunden hätte. Dieser Vorfall war dann letztendlich der springende Punkt, dass wir einsehen mussten, dass unsere intensiven ambulanten Bemühungen erfolglos waren und uns seitens der Kinderpsychiaterin und der Autismustherapeutin eindringlich klargemacht wurde, dass uns die Sache aus dem Ruder läuft. Aber nicht, weil wir unfähig sind, sondern weil Uli besonders schwer betroffen ist und Autisten nun mal erhebliche Probleme im zwischenmenschlichen Bereich und Umgang mit Konflikten haben. Schon vorher gab es einige Vorfälle in der Schule, bei denen es zum Glück bis auf eine aufgeplatzte Lippe (Uli hatte mit einem Metallstuhl nach einem Schüler geworfen, der immer wieder Ulis Sachen durch die Klasse warf und trotz Ulis Bitten, das zu lassen, nicht damit aufhörte) nur materielle Schäden.

Als Uli dann einige Monate später in der Kinder- und Jugendpsychiatrie war, wurde uns schon nach zwei Wochen gesagt, er sei nicht therapierbar und in eine Gruppe integrierbar. Dort hat er einmal aus Wut eine volle Glas-Wasserflasche auf der Fensterbank seines Zimmer zertrümmert, ich will lieber nicht darüber nachdenken, was gewesen wäre, wenn es nicht die Fensterbank, sondern der Kopf eines anderen Kindes gewesen wäre. Und wegen ihm wurde die Klassenstärke der Klinikschule von 3 auf 2 Schüler reduziert. Man hat uns dann den Entlassungstermin mitgeteilt, ohne das wir wussten, wie es danach weitergehen soll. Die Eltern werden das schon regeln.....

Ein halbes Jahr Wartezeit auf den Klinikplatz trotz akuter Selbst- und Fremdgefährdung ist eigentlich unzumutbar und war auch für mich selber gefährlich, weil Uli einerseits auch mich körperlich angriff und ich andererseits mit der Situation nicht mehr klar kam, weil ich ständig in Angst lebte, dass er sich etwas antut, angekündigt hat er es oft genug und auch ganz konkret. Bei mir äußerte sich das in schweren Depressionen mit zwei Suizidversuchen und Selbstverletzungen in Stressituationen, zumal ich ungefähr die Hälfte des Monates schwerste Migräne hatte, mir aber trotzdem nichts anmerken lassen durfte und ruhig und geduldig versuchen musste, Uli wieder von der Palme runterzuholen, auf die er bei jeder noch so kleinen Lappalie kletterte (um es mal sinnbildlich auszudrücken). Es reichte schon aus, ihn ein zweites Mal ganz ruhig aufzufordern, doch bitte zum Essen zu kommen, dass er eine Stunde und länger tobte und schrie.

Das das Jugendamt die Einrichtung gefunden hat, in der Uli jetzt lebt und zur Schule geht und zudem auch noch sofort ein Platz frei war, weil sie gerade dabei war, eine Wohngruppe für Jugendliche mit Asperger-Syndrom aufzubauen, und das Ganze noch in relativer Nähe, gleicht einer Fügung. Noch einen Tag, bevor wir den Vorstellungstermin dort bekamen (der zufälligerweise am Tag nach der Entlassung aus der KJP war), war in einer Mail vom Jugendamt die Rede von 6-12 Monaten Wartezeit auf einen Platz in einer Spezialeinrichtune und von Orten wie Köln, Mannheim und dem Bodensee die Rede.

Ich glaube nicht, dass ich eine so lange Wartezeit unter den damaligen Bedingungen überstanden hätte, zur Schule ging Uli ja schon lange nicht mehr und Hilfen von außen hatten wir auch nicht. Die Autismustherapie war schon länger abgebrochen, nachdem er dort nach einem Vorfall in einer Gruppentherapie auch ankündigte alle umzubringen, wenn er da noch mal hinmüsse (ein anderer Autist mit zusätzlich Tourette-Syndrom hatte ihn aufs Übelste beschimpft und die Therapeutin und die beteiligten Studenten griffen erst ein, als die Sache eskalierte).
Das alles nicht, weil er boshaft und schlecht erzogen ist, sondern weil er in der Schule die Erfahrung gemacht hat, dass er sich nicht anders wehren kann und in seiner Verzweiflung nicht mehr weiterwusste.

Schade ist, das er dort, wo er jetzt ist, nur einen Hauptschulabschluss machen kann, seinen Wunsch, Informatik zu studieren, wird er so nicht verwirklichen können. Aber vielleicht gibt es ja in einigen Jahren mehr Möglichkeiten für solche Kinder, es ist zu hoffen.

Übrigens ist das Jahr 2006 zum internationalen Asperger-Jahr ernannt worden, es ist zu hoffen, dass dadurch diese Autismusform besser bekannt wird und vielen Kindern mit dieser Behinderung und deren Eltern unsere haarsträubenden Erfahrungen erspart bleiben.

Liebe Grüße

Annette


.........................................................................

Fortsetzung zu diesem ursprünglichen Thema:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic10413-0-asc-60.html

_________________
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, chronische Depression, EM-Rentnerin, GdB 50, mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Autismus, GdB 80, H, B, G; er lebt in WG der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung in Braunschweig
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Brigitte 1953
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BeitragVerfasst am: 17.03.2006, 07:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anette,

vielleicht geht die Entwicklung Deines Sohnes ja in die Richtung, dass er in paar Jahren durch aus auf normalem Wege alle Abschküsse nachmachen kann, um Informatik zu studieren.

Vielleicht beginnt er zu erkennen, das, wenn er etwas erreichen will, er auch hart an sich arbeiten muss, um zum Ziel zu kommen.

Auf den ersten Blick sieht es wirklich sehr schwierig aus, aber ich würde die Hoffnung nicht aufgeben und ihm seine Möglichkeiten immer wieder erklären.

Lieben Gruss

Brigitte Very Happy

_________________
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http://www.REHAkids.de/phpBB2/album.....personal.php?user_id=3073


Nimm die Dinge an, die du nicht ändern kannst.
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Christina-Maria
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BeitragVerfasst am: 17.03.2006, 10:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anette
Warum eröffnest du ein neues Thema und zitierst gleichzeitig aus dem alten?
Zitat:
Natürlich sind solche Kinder auch behindert, aber viele davon in der Regel nicht durch Hirnschädigungen oder was es auch sonst immer noch gibt, sondern meiner Meinung schon durch den sozialen Hintergrund. Die Kinder können auch nichts für ihr Verhalten, sie bekommen es ja nicht anders vorgelebt. Kinder lernen Sozialverhalten nun mal durch Nachahmung

Nein.Schon wieder pauschalisierung.
Genau dass gleiche könnte mann doch über dich sagen oder die anderen Eltern von Autisten.Dein Sohn hatte auch Verhaltensschwierigkeiten.
Es ist doch auch bei anderen Kindern so dass sie aufgrund ihrer Behinderrung und zwar Egal welcher Ursache sich auch nicht integrieren können.
Wieso sitzt ihr da auf einem so hohen Ross?
Mein Sohn schmiss Schultaschen um ,weinte ,schrie....veränderte sich vom ,,Sonnenschein,, zum Agressor und das nicht weil er ,,durch Nachahmung lernte,,.Und trotzdem würde ich nie einen Unterschied machen zu anderen die evtl.seelisch behindert sind aufgrund tragischer Umstände.
Herzlichst Christina
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marianne
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BeitragVerfasst am: 17.03.2006, 11:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Zusammen, ich denke, uns führt vielleicht eine andere Herangehensweise weiter, denn ich glaube, dass wir im Grunde alle ähnliche Ansichten haben.

Unser Sohn neigt ja auch zu agressivem Verhalten, wenn er überreizt ist. Aber nur dann. Also wünsche ich mir natürlich für ihn eine Schule, in der es nicht von Kindern wimmelt, die ständig gewaltbereit sind und aggressiv. Da geistige Behinderung und Lernbehinderung nicht automatisch mit Aggressionen verbunden sind, ist Janosch nun gut aufgehoben in seiner HPT für Kinder mit geistiger Behinderung, denn es herrscht dort überhaupt kein aggressives Klima. Eher schießt Janosch da schon mal negativ quer Wink.

Nun sind wir, da Janosch aber ein Grenzkind ist, schon von Eltern, Lehrern und Schulrektoren gewarnt worden, dass, falls Janosch jemals auf das Lernbehinderungsniveau hochgefördert werden sollte, dass wir dann vorsichtig sein MÜSSEN bei der Schulwahl, weil an den Schulen für Lernbehinderung sehr viele gewaltbereite Kinder und Jugendliche seien. Begründet wurde das IMMER mit dem Argument, dass dort vorwiegend Kinder aus sehr problematischen Familien seien, in denen Gewalt und Aggressionen zum Alltag und normalen Umgang gehören. Denn wie bei unserem Janosch gibt es behinderungsbedingte Aggressionen, viel häufiger liegen aber soziale Probleme vor.

Und wenn ich verhindern möchte, dass Janosch, der selber zu Aggressionen neigt, dieses nicht ständig sich angewöhnt, dann ist es doch wichtig, eine Schule auf diese Argumente hin anzuschauen. Bislang müssen alle nur drauf achten, dass Janosch nicht überfordert wird, denn daheim und in seiner HPT gehören Aggressionen nicht zum normalen Alltag. Aber wenn sich das ändern würde und er ständig mit aggressivem Dauerverhalten konfrontiert wäre, wäre das sehr bedrohlich.

Ich denke, so geht es Eltern von Autisten auch wie uns mit Janosch. Besonders weil sie ja aufgrund ihrer eingeschränkten Kommunikationsfähigkeit auch oft Mobbing-Opfer sind.

Lieber Gruß!

Marianne
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BeitragVerfasst am: 17.03.2006, 11:58    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Marianne
Natürlich ist es wichtig zu schauen in welche Schule mann sein Kind bringt.Aber ich erwarte das differenziert wird und Aussagen abgewägt und überdacht werden.
Und jedes Kind auch dass aus schwierigen Verhältnissen hat das gleiche Recht.
Und mir geht die Hutschnur hoch wenn ich lese dass die Leute immer schnell dabei sind zu sagen ,,ach das kommt von den sozial-schwachen,,.
Meine Mutter hat 6 Kinder grossgezogen in einer Sozialbausiedlung.Alle sechs haben Abitur...wir sind Anwälte,Pädagogen,Lehrer,Selbstständige.......
Und ich kenne viele z.t. auch Abhängige oder Migranten die fast keine Chance haben...unter anderem auch weil alle gern auf die treten die ganz unten sind...die ihre Kinder von Herzen gern haben und genau wie wir das beste wollen und nur nicht wissen wie.
Es sind nicht alle Autisten GB genausowenig wie alle seelisch behinderten aus sozial schwachen Familien kommen die sich nicht kümmern.
Gruss Christina
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marianne
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BeitragVerfasst am: 17.03.2006, 12:13    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Christina, das kann ich nur unterschreiben und zwar deutlich. Die Gleichung: "Sozial schwach=Aus den Kindern wird nichts und sie sind noch gewaltbereit" darf nicht allgemeingültig sein. Das sie nicht gilt, sieht man ja schon, wenn man sich unter unseren Politikern umsieht, wer es da von schwierigen sozialen Bedingungen herauf geschafft hat.

Und wenn hier so geschrieben wird, dass diese Gleichung aufgemacht wird, ist das falsch und schadet dem guten Stil in diesem Forum. Ganz klar.

Aber es muss dennoch möglich sein, bedrohliche Faktoren in einer Schule für das eigene Kind zu benennen. Und wenn dies die vielen Kinder aus problematischen Familien sind, muss man das auch schreiben dürfen. Denn wenn ein Kind dann als Folge für sich und andere so gefährlich wird wie Annette es beschreibt, warum sollen dann Asperger-Eltern denselben Horror wieder und wieder erleben?

Jedes Kind hat dasselbe Recht, aber genauso wie ich unseren Janosch mit Blick auf das Wohl der anderen Kinder nicht in eine Gruppe verängstigter schüchterner Kinder geben würde, würde ich ihn in eine Gruppe/Schule geben wollen, in der ein hoher Aggressionspegel herrscht.

Es ist nicht der soziale Status, es ist die Gewaltbereitschaft oder die Vernachlässigung, unter denen die Kinder daheim leiden. Sie sind selber die größten Opfer.


ich denke, wir unterscheiden uns nicht groß in unserer Sichtweise. Laughing


Lieber Gruß!

Marianne
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Christina-Maria
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BeitragVerfasst am: 17.03.2006, 12:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Marianne
Laughing Da hast du wohl Recht.....
Schade das von den gemeinten jetzt niemand mehr was sagt.Danke für dein Bemühen Marianne.
Gruss Christina
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Annette Schmidt
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BeitragVerfasst am: 17.03.2006, 16:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Christina!

Zitat:

Schade das von den gemeinten jetzt niemand mehr was sagt.


Bei mir liegt es ganz einfach daran, dass ich gerade erst von der Arbeit zurückgekommen bin.

Zitat:
Warum eröffnest du ein neues Thema und zitierst gleichzeitig aus dem alten?


Weil ich auf das von Thomas geschriebene eingehen wollte, was mich dazu veranlasst hat, etwas von unseren Erfahrungen zu erzählen, ich aber dafür nicht Minas Thema dafür vereinnahmen wollte, da es dort um ihr Problem geht und nicht um meins.

Zitat:
Dein Sohn hatte auch Verhaltensschwierigkeiten.


Ja, natürlich, deshalb musste er ja in diese Schule. Aber durch die Umstände dort wurde es immer schlimmer, weil derjenige, der anders ist und sich seltsam verhält,eben gemobbt wird. Das ist Alltag in Schulen, auch unter Schülern ohne Behinderung.

Zitat:
Wieso sitzt ihr da auf einem so hohen Ross?


Kam das bei Dir so an? Ich habe das keinesfalls so gemeint, dass ich die anderen Eltern verurteile und sie von oben herab betrachte. Mir tat es nur unendlich weh, unseren Sohn so leiden zu sehen und dass wir keinerlei Chance hatten, ihm zu helfen, weil von Seiten der Schule alles abgeblockt wurde. Das hat überhaupt nichts mit den anderen Eltern zu tun.

Andere Schüler haben Uli zwei Jacken zerrisssen, seinen Schulranzen in eine Mülltonne geworfen, ihm beim Aussteigen aus dem Schulbus ein Bein gestellt, dass er der Länge nach auf den Gehweg flog (zum Glück bliebe es "nur" bei Blutergüssen) und noch viele andere solcher "netten" Sachen. Es gab kaum Tage, wo mal nichts passierte.

Kommentar der Lehrerin: Für Vorfälle im Schulbus sei sie nicht zuständig, ebensowenig, wenn der "Täter" in einer anderen Klasse sei.
Und wenn eine Lehrerin sagt, dass es doch nur ein dummer Schülerstreich sei, wenn unser Kind von einem anderen Schüler mit einem brennenden Feuerzeug bedroht wird, mit der Bemerkung, ihn jetzt anzuzünden. dann zweifle ich wirklich am Sinn einer E-Schule. Ich bin der Meinung, dass so etwas mit allen Beteiligten besprochen werden muss, egal aus welchem Grund sich die Kinder so verhalten und das hat absolut nichts mit hohem Ross zu tun.

Viel zu oft kann Uli weinend aus der Schule, angespuckt, mit Saft bespritzt, blaue Flecken.... Aus Berichten der Einrichtung, in der er jetzt lebt, wissen wir, dass er dort mehr als ein halbes Jahr lang keine Nacht durchgeschlafen hat, oft mitten in der Nacht schreiend aufwachte, weil er Alpträume hatte und träumte, dass ihn seine ehemaligen Mitschüler verfolgen und umbringen wollen.

Zitat:
Und trotzdem würde ich nie einen Unterschied machen zu anderen die evtl.seelisch behindert sind aufgrund tragischer Umstände.


Wie ich schon in meinem ersten Beitrag geschrieben habe, die anderen Kinder konnten nichts dafür und ich mache denen auch keine Vorwürfe, aber die Lehrer hätten eingreifen müssen.
Und ich finde es auch nicht in Ordnung, die von mehreren Institutionen (u.a. das Gutachten einer Amtsärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die einzige hier, die so etwas erstellen durfte) unabhängig voneinander gestellte Diagnose anzuzweifeln, keinerlei Interesse zu zeigen, sich über die Behinderung zu informieren (angebotene Bücher und Informationsmaterial hielt man nicht für nötig) und uns Erziehungsunfähigkeit vorzuwerfen. Von Sonderschulpädagogen erwarte ich ich schon, dass sie an so etwas Interesse zeigen und sich bemühen, allen Schülern zu helfen, egal aus welchem Grund sie an dieser Schule sind. Vielleicht hätte es Uli einfacher gehabt, wenn wir nichts von der Diagnose gesagt hätten.

Ich frage mich gerade, warum ich mich eigentlich schon wieder verteidige, das wollte ich mir endlich mal abgewöhnen, also höre ich jetzt lieber mal auf.

Liebe Grüße

Annette

_________________
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, chronische Depression, EM-Rentnerin, GdB 50, mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Autismus, GdB 80, H, B, G; er lebt in WG der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung in Braunschweig
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BeitragVerfasst am: 17.03.2006, 22:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anette
Ihr habt sehr schlimme Erfahrungen gemacht.Wirklich schlimm.Wir selbst haben seit Januar 2005 eine Strafanzeige gegen drei Lehrer am laufen wegen Nötigung,Freiheitsberaubung und Misshandlung von Schutzbefohlenen.
Du siehst ....ich kenne und verstehe das.
Ich wünsche euch alles Gute.
Herzlichst Christina
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BeitragVerfasst am: 21.03.2006, 01:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zusammen!
Ich bin heute zum ersten Mal in diesem Forum. Möchte uns erst einmal vorstellen:
Wir, das sind meine Frau, 2 Söhne, Tim, 14 und Max, 11 (das ist der mit dem Asperger-Syndrom) und ich, sind aktuell mal wieder fix und foxi! Bei Max, der bereits im Kindergarten und Grundschule relativ verhaltensauffällig war, ist erst im vergangenen Jahr das Asperger-Syndrom diagnostiziert worden, nachdem zuvor in verschiedenen ambulanten Sitzungen immer die Vermutung ADS geäußert wurde.
Nach der Grundschule, die Max von den Noten her sehr gut absolviert hat, haben wir ihn auf einem Gymnasium in unserer Stadt angemeldet (wo sein Bruder bereits seit zwei Jahren war). Wir haben die Diagnose zunächst verschwiegen (was aus heutiger Sicht ziemlich dämlich war), aber nach den ersten drei Wochen haben sich bereits massive Verhaltensauffälligkeiten bei Max gezeigt, die uns dazu veranlasst haben, uns zu "outen". Der Klassenlehrer war sehr verständnisvoll und hat versucht, die Problematik zu thematisieren und ist nach einigen weiteren Wochen wie wir zu der Erkenntnis gekommen, das eine Schulbegleitung eine Möglichkeit ist, die Situation zu entschärfen und Max die Möglichkeit zu geben, seiner Intelligenz entsprechend gefördert zu werden. Leider hat die Schulleiterin diese Möglichkeit von vorneherein kategorisch abgelehnt und bei weiteren "Ausrastern" unseres Sohnes entsprechende Konsequenzen in Form von Klassenkonferenz etc. angedroht... Na ja, lange Rede, kurzer Sinn, Max hatte auf dieser Schule keine Zukunft mehr, wir haben ihn krankschreiben lassen und nach einer Schule Ausschau gehalten, die ihn mit Schulbegleiter aufnehmen würde. Dies hat sich zunächst als äußerst problematisch herausgestellt, da besagte Schulleiterin uns den Rat gegeben hat, unser Kind sei an einer Regeschule nicht zu unterrichten und gehöre auf eine Privatschule. Dies Meinung hat sie dann auch gleich in allen anderen für Max in Frage kommenden Gymnasien kommuniziert, so daß wir mit unseren dortigen Anfragen kläglich gescheitert sind. Letztlich hat sich dann eine Gesamtschule vor Ort gefunden, die Max mit einer Schulbegleitung aufnehmen wollte.
Mit der entsprechenden Diagnose und Unterstützung des Jugendamtes ist dann auch relativ zügig eine Schulbegleitung genehmigt worden und es konnte losgehen. Leider war es im Nachhinein betrachtet sehr blauäugig von uns zu hoffen, das nun alles wie am Schnürchen laufen würde. Trotz intensiver Aufklärungsarbeit unsererseits in der Schule und der Schulbegleitung hat es von Anfang an nicht funktioniert. Max wurde in eine Chaoten-Klasse gesteckt, mit der Intention der Schule, durch die Schulbegleiterin könne die gesamte Klasse in den Griff gebracht werden. Die Schulbegleiterin wiederum war mit dieser Aufgabe versändlicherweis völlig überfordert und ist vor allen Dingen Max von Anfang an nicht gerecht geworden. Sie hat letzlich keine Vertrauensbasis zu Max aufbauen können, Max fühlte sich am Ende von ihr alleine gelassen und "verraten" (so waren seine Worte). Was soll ich sagen; so wie in diversen Foren hier bereits geschildert, ist Max auch von einem Chaoten aus siner Klasse gemobbt und massiv unter Druck gesetzt worden -z.B.: du gehst jetzt zu dem "xxx" und haust ihm eine 'rein, sonst verprügele ich dich! etc.. Max konnte mit diesen Situationen überhaupt nicht umgehen und hat in den letzten 14 Tagen seiner "Gesamtschulkarriere" zunehmend aggressiv (zwei Scheiben eingetreten) und gewalttätig (zwei Mitschüler tätlich angegriffen, in einem Fall mit Nasenbluten!) reagiert hat. Zudem hat er nach dem letzten Vorfall versucht, sich in der Sporthalle von der Tribüne zu stürzen mit der Aussage, er wäre ja eh' alles Schuld, und wenn er nicht mehr da wäre, dann hätten alle keine Probleme mehr mit ihm. Dies führte letzlich zum Ausschluß von der Schule am 09.03.2006. Unabhängig davon, daß ich bis heute nicht weiß, wie es zu den tätlichen Übergriffen und den Sachbeschädigungen -trotz Schulbegleitung!- kommen konnte, ist Max jetzt zu Hause und wir wissen nun nicht, wie es weitergehen soll. Die für die Gesamtschule zuständige Bezirksregierung in D`dorf verweist uns nun an das hiesige Schulamt, dieses wiederum hat auch keine Idee -ausser der pauschalen Aussage, dann müssten wir ihn jetzt an einer Hauptschule anmelden?!- und die Sachbearbeiterin beim Jugendamt verweist uns auch an die Schulbehörden. Der behandelnde Psychologe hat uns geraten, Max aufgrund des Suizidversuches stationär einweisen zu lassen, was wir mit Hinweis auf die relativ entspannte Situation zu Hause abgelehnt haben. Fakt ist, das Max aktuell zu Hause ist, er wird vormittags in der Familie betreut (Schwiegereltern; Schwägerin, Nachbarn), da meine Frau halbtags berufstätig ist, und nachmittags ist er dann zu Hause. Die massiven Auffälligkeiten, die in der Schule durch den massiven Druck enstanden sind, lassen sich zu Hause und auch in unserer Verwandschaft absolut nicht nachvollziehen, hier ist Max bis auf "normale" Wutanfälle, wenn er den Fernseher ausmachen soll, etc. volig unauffällig und lässt sich auch schnell wieder beruhigen.
Wow, das ist jetzt viel Lesestoff für euch, aber das musste mal raus!
Jetzt wissen wir aber nicht, wie es mit Max nun weitergehen soll, denn einerseits ist er überdurchschnittlich intelligent, die schriftlichen Noten waren -trotz häufigen Ausschlußes aus dem Unterrricht- immer im Bereich sehr gut bis befriedigend, andererseits ist er durch sein mangelndes Sozialverhalten nicht in der Lage, dem Unterricht in einer normalen Regelschule zu folgen (und das trotz Schulbegleitung).

Sicherlich ist hier einiges schief gelaufen, was die Intention der Schule, die Schulbegleitung und auch die fehlende therapeutische Unterstützung -hier stehen wir in Grefrath immer noch auf der Warteliste- angeht, aber welche Regelschule mit der Möglichkeit eines gymnasialen Abschlusses nimmt Max denn jetzt noch?!

Wir wissen grad' echt nicht mehr weiter und sind für Anregungen,Tipps und Hilfen jeglicher Art sehr dankbar!

So das wär's fürs Erste, ist auch schon spät geworden! Wink

Viele liebe Grüße an alle Interessierten und vielleicht bis bald

Peter Sad

_________________
Vater von Max, 04.10.94, Asperger-Diagnose seit 05/2005
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