Verfasst am: 20.01.2010, 12:29 Titel: Wer hat GU in der Sekundarstufe durchgesetzt?
Hallo,
wir kommen aus Hessen und unser Sohn hat jetzt 4 Jahre eine Regelgrundschule mit sonderpäd. Förderbedarf (Lernbehinderung und Körperbehinderung) besucht. Er hat einen Vollzeit Integrationshelfer. Im Sommer steht uns nun leider der Wechsel in die 5.Klasse bevor und somit ein Schulwechsel. Es gibt in fahrbarer Nähe keine KB-Schule. Es gibt massig Schulen für praktisch Bildbare, doch die wolllen ihn nicht aufnehmen, da er zudem noch am oberen Rand der Lernhilfe steht. Normale Lernhilfe-Schulen winken ab, weil sie mit KB-Kindern keine Erfahrungen haben (und auch keine machen wollen).
Wir wünschen uns eine weitere Beschulung im Gemeinsamen Unterricht, doch KEINE Schule möchte uns aufnehmen. Ausreden: Kein Personal, kein Platz, keine Erfahrung etc.
Ähnlich geht es einer anderen Familie aus unserem Ort. Der Junge kommt auch in die 5.Klasse und hat ein Tracheostoma (Luftröhrenschnitt) durch das er atmet und eine PEG-Sonde (Ernährungssonde). Sein Gesicht und sein Kehlkopf sind stark deformiert, sodass man ihn nur schwer verstehen kann. ABER: Dieser Junge ist kognitiv auf Realschulniveau und er blitzt genauso ab wie wir, da er eine ständige Begleitung braucht, falls das Tracheostoma zugeht. Das darf doch nicht sein!!!!
Hat von euch jemand Erfahrung mit der Durchsetzung von Gemeinsamen Unterricht und kann uns Tipps geben? Hat hier vielleicht schonmal jemand die neue UN-Konvention "eingeklagt" und kann weiterhelfen? _________________ LG
drillmama Sandra mit
Jonas
Samuel
Christian, Epilepsie, spastische Tetraparese
*6/99
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Wohnort: OWL in Nordrhein Westfalen
Verfasst am: 20.01.2010, 12:57 Titel:
Hey,
Lea ist in der 5.ten im GU, hier gibt es GsD eine Gesamtschule, die das macht sowie in der Umgebung zwei Hauptschulen mit GU.
Behinderte Kinder haben das Recht auf GU, berufe dich auf die Charten der Vereinten Nationen, die ist doch gerade erst verabschiedet worden. Also könnte man sich theoretisch den GU erklagen. Evtl. hilft ja der Wink, dass man das notfalls tun würde. Außerdem kann er den I-Helfer doch mitnehmen oder? Das wäre evtl. auch ein Argument an die, die sich das aufgrund mangelnder Erfahrung nicht zutrauen.
Es kommen bestimmt noch rechtlich fundiertere Tipps.
LG
Birte _________________ Jan (1/97 - 8/97 - Herzfehler), Lea (05/99, HC mit Entwicklungsverzögerung etc.), Jona (04/01, fit)
erstmal finde ich es unmöglich, dass ihr überall abblitzt ! Wie sieht es denn bei euch aus mit Gesamtschulen, die sind doch meist aufgeschlossener? Oder mit Privatschulen: Walddorf oder konfessionelle Schulen? Mein Sohn (ICP, Rolli-Fahrer, zielgleich) besucht eine integrative evangelische Gesamtschule, die auch Kinder nimmt, die nicht zielgleich unterrichtet werden. Ich kenne auch Hauptschulen, die den GU für LB-Kinder anbieten. Hast Du schon mal beim Schulamt nachgefragt. Wenn gar nichts geht, bleibt wohl nur die Klage .
Ich wünsche euch viel Erfolg und Durchhaltevermögen!
das Problem ist auch, das wir recht ländlich wohnen (50 km bis Frankfurt und da fährt man morgens ewig, weil alle ins Rhein-Main-Gebiet wollen) und es nicht so viele Möglichkeiten gibt.
Trotz UN-Konvention (die ja leider noch keine gesetzliche Umsetzung zur Folge hatte) dürfen die Schulen den GU ablehnen, was hier auch alle tun. Leider auch die Gesamtschulen. Mit konfessionellen Schulen sieht es hier schlecht aus, Waldorf lehnt es ab, dass unser Sohn zum Schreiben einen PC benutzt (ohne Worte), Montesssori nimmt I-Kinder nur in der Grundschule.
Das Schulamt weiß Bescheid, kann aber wohl keine Schule zwingen, zuzustimmen. Wir werden dann wohl irgendwann eine Zwangszuweisung zu einer Lernhilfeschule bekommen.
Ich kann kaum glauben, dass es wirklich Gesamtschulen gibt, die GU mitmachen. Was ich hier bisher an Reaktionen erlebt habe, ist nicht mehr schön.
Noch schlimmer finde ich die Situation für den anderen Jungen. Man kann doch so ein Kind nicht wegen körperlicher Probleme auf eine Lernhilfeschule oder gar PB-Schule tun - er hat Realschulniveau. Das ist für mich der Oberhammer!!! _________________ LG
drillmama Sandra mit
Jonas
Samuel
Christian, Epilepsie, spastische Tetraparese
*6/99
tut Euch mit den anderen Eltern zusammen und geht an die Presse... negative Publicity mag keine Schule!!! Das ist sehr unschön, aber sehr wirkungsvoll, wirkungsvoller als der Weg, sich reinzuklagen.Vor allem deutlich schneller. Erwähnt die ablehnenden Schulen und deren fadenscheinige Begründungen .
Auch viele Schulen leben von ihrem Ruf, gerade so Halb-Private, wie die Waldorffschule.
Eine Freundin, deren Sohn in der Regelgrundschule von seiner Lehrerin offensichtlich benachteiligt wurde, ist diesen Weg erfolgreich gegangen. Ich versuche mal, diesen Artikel bei google.de noch irgendwie zu finden. Nach dem Artikel lief es in der Schule besser...
Sollte das keine Wirkung haben, schreibt an den Petitionsausschuss Eures Landtages unter Nennung Eurer Wunschschule und Berufung auf Grundgesetz und UN-Konvention. Ein sehr probates Mittel. Gerade im Bereich Schule kann dieser Ausschuss eine Menge bewirken. Ich habe das, als Juristin, schon zweimal mitbekommen, dass eine Bitte bzgl. Schule daran erfolgreich war. Schließt Euch auch hier mit den anderen Eltern zusammen.
Die Adresse solltest Du auf der Homepage des zuständigen Landtages finden. Petitionen sein meistend erfolgsversprechend, wenn sie realistisch sind, gesetzlich fundiert und man kein Geld will
Wenn Du Fragen zum Petitionsausschuss hast, gerne her damit.
Viel Glückl
LG,
AnKa _________________ AnKa mit Tochterkind 10/02 u. Minimonk 11/05 mit Syndaktylien, extremen Knick-Senkfüßen, hyperreagiblem Nervensystem u. aut. Verhaltensmustern - seit Jan. '11 glückliches Regelschulkind!
Ich habe den Artikel gefunden, möchte ihn aber ungern hier öffentlich rein stellen. Es geht um Presse UND Petitionsausschuss - wie gesagt, beides langfristig erfolgreich.
Sandra, ich schicke Dir den Link per PN, ich hoffe, das ist ok.
Falls noch jemand Interesse, bitte melden
LG,
AnKa _________________ AnKa mit Tochterkind 10/02 u. Minimonk 11/05 mit Syndaktylien, extremen Knick-Senkfüßen, hyperreagiblem Nervensystem u. aut. Verhaltensmustern - seit Jan. '11 glückliches Regelschulkind!
Hallo,
GU durchzusetzen - kann ich Dir leider nicht wirklich weiterhelfen. Außer den Vorschlägen, die schon gemacht worden sind. Eventuell noch mal zusätzlich Insitutionen wie Lebenshilfe oder ähnliche ansprechen.
Ich komme aus Frankfurt. Hier gibt es einige weiterführende Schulen die GU anbieten. Vor allem Gesamtschulen.
Meine Tochter besucht ein GYmnasium, Sie ist dort als Regelschülerin (entsprechende Empfehlung der Grundschule, in die sie auch schon als Regelschülerin ohne sonderpädagogischen Förderbedarf gegangen ist) eingeschult worden, hatte aber wegen ihrer Erkranrkung (Ehlers-Danlos-Syndrom) in der 5. Klasse noch eine Integrationshelfer, der sie wie schon in der Grundschule begleitete. Sie ist also keine richtige GU Schülerin. Aber ich finde, dass sich für den anderen Jungen solch eine Lösung auch in einer Realschule anbieten müsste. Beschulung mit Integrationshelfer, der die ganze Zeit dabei ist. Hier in Frankfurt gibt es mehrere Institutionen, die Integrationshilfe für die Stadt machen - der Cebeef und auch die Praunheimer Werkstätten. Vielleicht würde sich ein Anruf lohnen, um heruaszufinden, ob es vergleichbare Institutionen in Eurer Nähe gibt. In das Gymnasium geht jedenfalls auch ein Rollikind - glaube eine Klassenstufe unter meiner Tochter - der auch einen I-Helfer hat.
Ich wünsche Euch viel Glück und vor allem einen langen Atem!
Der Hess. Petitionsausschuss arbeitet prima und engagiert. Die Ausschussvorsitzende ist zudem Psych. und Lerntherapeutin.
(U.a. hatte dieser Ausschuss mit viel Engagement den Fall des seit mehr als 2 Jahren schulausgeschlossenen heute 11jährigen A. aus dem LK G.-G. bearbeitet - sie wissen, was Sache ist!)
In Frankfurt solltet ihr euch an die Kanzlei des Herrn von Plottnitz wenden. Der hat reichlich solcher Fälle in Bearbeitung und ist daher sachkundig.
Herr M. Bartsch, Journalist des Spiegel in Frankfurt, hatte kürzlich das hier verfasst:
wir haben hier im Moment auch das Problem,dass wir keine Schule für Jana finden.
Sie ist jetzt im 4.Schuljahr auf einer Regelschule mit GU und hat eine Realschul-Empfehlung. Wir haben (das erste Mal seit vier Jahren,dass die sich überhaupt melden) Post von der Schulrätin bekommen mit einer GU-Schulliste-leider nimmt keine dieser Schulen ein Rollikind auf!! Wir haben nach langem Suchen zwei Schulen gefunden,die Jana "genommen hätten"-da spielt aber die Stadt nicht mit! Denn die müssten ja den Fahrdienst bezahlen. Und die Gesamtschule bei uns im Ort nimmt keine GU-Kinder!! Wir zerbrechen uns seit Tagen den Kopf und finden keine Lösung!!
Liebe Grüße
Steffi _________________ Steffi mit Jana(6/99,29.SSW,CP),Sarah(Zwillingsschwester,Diparese)und Julia(4/96)
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