Wir sind neulich bei einem Elterngespräch in der Sprachheilschule, wo unsere Tochter die zweite Klasse besucht, gewesen.
Sie hat dieses Jahr zwei neue Lehrerinnen bekommen, und zum ersten Mal hören wir, dass unser Kind nicht sprachbehindert, sondern eher sprachbegabt sein soll. Sie zeigt spitzenmäßige Leistungen in Deutsch und Englisch bei mäßigen Leistungen in den übrigen Fächern. Die Lehrerinnen meinen, Ihre Probleme liegen in der Wahrnehmung und sie bräuchte dringend ergotherapeutische Hilfe.
Ich ärgere mich tierisch über mich selbst und über das SPZ, das jahrelang die motorischen Defizite meiner Tochter verharmloste und uns nie eine Ergotherapie anbot. Stattdessen haben wir bei einer Logopädin eine s.g. „Sprach-und-Spiel-Therapie“ gemacht, die nicht wirklich viel brachte.
Im ersten Schuljahr war Ergotherapie in der Schule integriert, ab dem 2. Jahr übernimmt es jedoch nicht mehr die Kasse.
Jetzt bin ich besorgt, woran ich eine gute Ergotherapeutin erkenne? Was bringt überhaupt 1 Wo/St im Alter von 8/5 Jahren? Was meint Ihr, kann man sich die „Kunstgriffe“ dieser Therapie einprägen und zuhause mit dem Kind arbeiten?
Liebe Grüße,
Natalja _________________ Natalja mit Anastassia 8/97, einer Leseratte und Anton 1/03, Zwerchfellhernie, perinatale cerebrale Schädigung, Hydrocephalus et vacuo, mehrfach behindert aber ein Sonnenschein
wenn Du eine gute Ergo-Praxis findest, dann wird man Dir dort auf jeden Fall ganz viele Tips geben, was Du mit Deiner Tochter machen kannst, um ihre Wahrnehmung zu verbessern.
Allerdings sind das (zumindest bei uns) keine Kunstgriffe, sondern es wird eher allgemein gezeigt, welche "Spiele" man mit dem Kind machen soll; es wird also leztlich so etwas wie gezieltes Spielen angeregt, wodurch das Kind in seinen Problembereichen gefördert werden soll.
Seitdem wir bei einer Ergotherapeutin in Behandlung sind, hat sich zumindest in unserer Wohnung einiges geändert; naja, Hüpfbälle, ein Trampolin, Schaukelbananen,...müssen irgentwohin. Wie Du siehst: wir bekommen wirklich viele Hinweise, wie unser Kind gezielt gefördert werden kann. Ob das was hilft? Weiss ich noch nicht, aber es macht ihm zumindest sehr viel Spass!
Bei der Suche nach einer guten Ergo-Praxis solltest Du Dich am besten auf die Erfahrungen anderer Mütter in der Schule und/oder im Bekanntenkreis verlassen, ansonsten einfach mal die Kinderärztin oder auch die Lehrerinnen fragen.
Bei der Ergo bekommt Ihr viele Tipps und Anregungen für zu Hause, dies sind oft Kleinigkeiten, die man prima in den Alltag und in das Pflegeprogramm integrieren kann z.B. kleine Massagen nach dem Bad oder spielerische Zwischenübungen, die täglich nur wenige Minuten in Anspruch nehmen.
Deinen Ärger über das SPZ kann ich gut nachvollziehen, aber bewerte die Aussagen der Lehrerinnen nicht über. Wahrnehmungsstörungen scheinen die neue Modekrankheit für alle Kinder zu sein, die nicht in das 0-8-15-Schema passen (mein Sohn gehört auch dazu). Früher hießen diese Kinder einfach "Hans-Guck-in -die-Luft" oder "Zappelphilip" oder "Träumerliese" und diese Kinder sind auch zu vernünftigen Erwachsenen herangewachsen - ohne die ganzen Therapien.
Viel Glück!
LG
Simona _________________ Simona (40) & Martin (41) mit
Finn (10) - cooler Bengel mit AD(H)S und einem Faible für Star Wars, Nintendo DS, Actionsfilme und Autos und Charlotte (7) - freundlicher und fröhlicher Sonnenschein mit Baustellen im kognitivem, sprachlichem und motorischem Bereich, Brille und einer großen Begeisterung für alles aus der Rubrik "Rosa" und Tiere.
Hallo Beate,
bei Anastassia wurden auch lange Zeit autistische Züge bis hin zum AspergerAutismus vermutet. Niemand war da aber ganz sicher. Und jetzt "entwickelt sie sich weg" von dieser Diagnose.
Es ist wirklich komisch, dass man so auf diese Sprach-und-Spiel-Therapie schwur und nichts anderes ausprobieren wollte.
LG,
Natalja _________________ Natalja mit Anastassia 8/97, einer Leseratte und Anton 1/03, Zwerchfellhernie, perinatale cerebrale Schädigung, Hydrocephalus et vacuo, mehrfach behindert aber ein Sonnenschein
Hallo Meike,
es freut mich zu hören, dass man gute Tipps bei der Ergotherapie bekommt.
Ich kann mich jedenfalls an keine guten Tipps während unserer gesamten SPZ-Karriere erinnern. Die Logopädin war selber sichtlich enttäuscht von ihrer Leistung. Sie sprach auch offen darüber, dass sie "aus dem Kind nicht schlau wird".
Das einzige Problem ist eine gute Ergo-Praxis zu finden. Zum SPZ gehe ich ganz bestimmt nicht.
Zitat:
naja, Hüpfbälle, ein Trampolin, Schaukelbananen,...müssen irgentwohin
Das alles fehlt bei uns auch nicht. Sind irgendwie selber drauf gekommen das anzuschaffen. Unsere Tochter ist auch sehr bewegungsfreudig, so dass man kaum auf die Idee kommt, sie wäre verzögert. Allerdings hat sie erst mit knapp 8 Jahren sicher Zweiradfahren gelernt, läuft immer noch wie ein Kleinkind und hat riesige Probleme mit der Schönschrift.
[/quote] _________________ Natalja mit Anastassia 8/97, einer Leseratte und Anton 1/03, Zwerchfellhernie, perinatale cerebrale Schädigung, Hydrocephalus et vacuo, mehrfach behindert aber ein Sonnenschein
Hallo Simona,
leider ist die Schule in einem anderen Ort und die ganzen Eltern wohnen ziemlich weit weg von hier. In unserem Bekanntenkreis gibt es nur kleine "Genius" , also keine Kinder die zusätzliche Förderung bräuchten.
Die Kinderärztin verweist auf das SPZ... also, schwierig.
Zitat:
Wahrnehmungsstörungen scheinen die neue Modekrankheit für alle Kinder zu sein, die nicht in das 0-8-15-Schema passen (mein Sohn gehört auch dazu). Früher hießen diese Kinder einfach "Hans-Guck-in -die-Luft" oder "Zappelphilip" oder "Träumerliese" und diese Kinder sind auch zu vernünftigen Erwachsenen herangewachsen - ohne die ganzen Therapien.
War genau meine Einstellung. Ist es im Grunde immer noch, nur hilft sie mir leider wenig, wenn in weniger als zwei Jahren die Zukunft meiner Tochter sich entscheidet.
LG,
Natalja _________________ Natalja mit Anastassia 8/97, einer Leseratte und Anton 1/03, Zwerchfellhernie, perinatale cerebrale Schädigung, Hydrocephalus et vacuo, mehrfach behindert aber ein Sonnenschein
Hallo!
bin selber Ergotherapeutin und kann gar nicht verstehen, wieso es immer wieder zu solch merkwürdigen Entscheidungen in SPZ's kommen kann. Habe selber die Erfahrung gemacht,dass es auch oft davon abhängt,welche Berufsgruppen bei der Testung anwesend sind. Sobald Logopäden die Überprüfung leiten ist Logopädie das "Allheilmittel" bei einer Überprüfung durch Ergos leider das gleiche in grün. Schon schade,dass imer noch so wenig berufsübergreifend geguckt wird (sollten doch alle im Interesse des Kindes halndeln und enscheiden!).
Komme zwar aus einer ganz anderen Richtung aber habe im Verlauf meiner Ausbildung schon öfter von Astrid Künnemann aus Konstanz gehört. Ist eine ausgebildete SI Therapeutin und machte bei meiner Fortbildung vor zwei Jahren einen ganz kompetenten sympathischen Eindruck.
Hoffe ich kann dir damit ein wenig helfen.
Gruss Tina
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