das ist hart, keine Frage.
Dennoch bleibe ich bei meiner Meinung. In diesem Falle würde ich mich gegen eigene Kinder entscheiden.
Gruß
Cindy
Du bist nicht in der Situation, du hast ein Kind.Mit einem Stück Abstand kann man bestimmte Entscheidung relativ einfach treffen. Denke bitte mal darüber nach.
Traurige Grüße
Cindy
Hallo Cindy,
ich war in einer ähnlichen Situation. Im 4. Monat der Schwangerschaft wurden übelste Prognosen (Trisomie 13/18 etc.) von Seiten der Ärzte abgegeben und wir hatten den Freifahrtsschein für eine Abtreibung nach der 12.SSW. Wir sind monatelang davon ausgegangen, dass Paula nur die Zeit in meinem Bauch und sonst keine mehr haben würde und haben uns für sie entschieden. Weil ich der Meinung bin, dass ich nicht das Recht habe, Leben zu beenden. Hätte dies alles auf einem Gendefekt beruht, den wir weitergeben, dann hätte ich mich gegen eigene Kinder entschieden, weil so etwas ein zweites Mal durchmachen zu müssen über meine Kräfte gegangen wäre.
Entgegen aller Prognosen ist aber alles anders gekommen, wir haben nun ein Kind, mit einigen Baustellen, von denen in der Schwangerschaft trotz so vieler Ultraschalls niemand etwas gesehen hat.
Das war eine harte Schule, die mich aber letztendlich in meiner Meinung nur bestärkt.
Mein Kinderwunsch darf nicht auf Kosten ungeborener Kinder gehen, die evtl. einen Gendefekt haben und dann aussortiert werden.
So seh ich das.
ich finde in diesen Fällen, wie es hier erlaubt wurde, sind nicht nur normale Schwangerschaften und Familien die eine Auslese wollen, sondern Familien, die durch verschiedene Situationen kein Kind haben können, bzw schon ein behindertes Kind haben und sich durchaus ein gesundes Kind wünschen.
Was ist daran falsch sich ein gesundes Kind zu wünschen, wenn man schon diesen Schicksal kennt?
Ich habe schon Annika, und zwar hätte ich sie nicht abgetrieben wenn wir es schon in der Schwangerschaft gewusst hätten, dass sie eine Behinderung hat, aber ein 2. mit dieser Mikrodeletion möchte ich wirklich nicht.
Mein Mann (mehr als ich) hat beschlossen, dass wir deswegen keine weitere Kinder haben sollten, wobei ich mir schon ein weiteres Kind sehnlichst wünsche, aber die Angst ist zu groß und das Wiederholungsrisiko für uns zu hoch.
Ich finde man darf auch, wie Steffi schon sagte, ein bisschen "egoistisch" sein, ich werde mein Leben lang für Annika da sein, aber ich möchte auch ein eigenes Leben haben, mich wieder neu kennen, denn ich habe mich regelrecht mit der Behinderung vergessen... ich finde es nicht schlimm.
Und klar "spielt" man dort auch mit Menschenleben, aber ich finde es da noch nicht so schlimm wie eine Spätabtreibung wenn das Kind schon komplett geformt ist und das Herz pocht... das ist für mich was anderes...
Und ich finde die Bedingungen in dem eine PID erlaubt ist sehr nachvollziehbar und gut.
LG
Erika _________________ Erika mit Annika: mikrodeletionsyndrom 17q21.31 mit allem, was dazu gehört: hypotonie, partielle Polymikrogyrie, Urachusfistel (operiert), Epilepsie (gut eingestellt), Mitralklappenprolaps, Entwicklungs- und Sprachentwicklungsverzögerung, Dyspraxie, uvm! unser Blog: http://annibutterfly.blogspot.com/
ich kann Euch darüber vielleicht auch etwas berichten:
Bei uns war es 2006 auch so, dass man bei der genetischen Untersuchung meines Mannes feststellte, dass er Träger einer schwerwiegenden Chromosomenanomalie ist. Dies bedeutete für uns: Entweder mit ICSI in Deutschland weitermachen und auf eine 5%-ige Chance auf ein gesundes Kind hoffen, oder aber ins nahe Ausland zu gehen (in unserem Fall war es Tschechien) und per PID "aussortieren" lassen. Klingt krass, aber es wurde nur auf diese Chromosomenanomalie untersucht. Denn hätte ich ein Kind mit dieser Anomalie ausgetragen, wäre es schwerst geistig und körperlich behindert gewesen...
Von den 6 befruchteten Eizellen, welche untersucht wurden, war genau eine ohne diese Translokation. Diese wurde mir dann eingesetzt und hat sich nicht festgebissen Weil ja hier die Rate nicht höhe ist, als bei einer natürlichen Schwangerschaft.
Das Ganze lief durch die Hormontherapie und diese Hin- und Herfahrerei unter einem furchbaren psychischen Stressfaktor ab. Also haben wir uns dazu entschlossen, uns gegen ein leibliches Kind zu entscheiden....Und keinen erneuten Versuch zu starten..
Nun ja - aber was soll ich sagen: Durch die Hintertür und in Form eines Pflegekindes hat dann doch ein besonderes Kind unsere Herzen und unser Leben erobert
Unsere Kleine Maus würde ich um nichts in der Welt wieder hergeben..
Vielleicht gibt es da oben tatsächlich jemanden, der uns dafür auserkoren hat, dass genau wir die richtige Familie sind für dieses Kind.
Und wir sind ja nun schon seit 3 Jahren in diese Situation reingewachsen...
Manchmal denke ich, klingt alles, wie in einem schlechtem Film. . Wir haben uns gegen ein schwerstbehindertes Kind entschieden und ein mittelgradig, behindertes Kind auf Umwegen erhalten..
Sicherlich, jetzt im Nachhinein betrachtet, wären wir auch mit einem leiblichen und behinderten Kind zurechtgekommen und in dieses Leben reingewachsen.
Aber damals traute ich mir das überhaupt nicht zu...
Es ist unser Lebensweg.. Auf den man sowieso nur bedingt Einfluss nehmen kann.
Wir hatten uns für diese PID entschieden, weil wir nicht vor der Entscheidung Spätabtreibung stehen wollten.. Denn diese Untersuchung wäre damals erst in der 16. SSW möglich gewesen. Und wie hätte ich mich die ersten Wochen über eine schwangerschaft freuen sollen, wenn die Angst vor der schweren Behinderung und vor einer Fehlgeburt und vor der großen Frage Abtreibung ja oder nein mitgelebt hätte ?
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