Hallo, nach langer Zeit melde ich mich mal wieder.
Unser Sohn ist seit ca. 3 Monaten in einer medizinisch-beruflichen Reha für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Dort hat er die gleichen Probleme, insbesondere bei der Arbeitsdiagnostik, wie in den bisherigen Maßnahmen auch. Nach längerer Beobachtung durch die begleitende Fachärztin ist diese zu der Diagnose "Schizoide Persönlichkeitsstörung" gekommen, nachdem unser Sohn sie quasi selbst darauf gebracht hat. Er hatte die Symptome im Internet gefunden und der Ärztin präsentiert. Sie konnte ihm da auch zustimmen. Bedingt durch diese Krankheit hat er eine Arbeitsstörung und ab und zu depressive Verstimmungen. Also zusammengefasst, es geht im schlecht. Durch die Arbeitsstörung läuft die Reha nicht nach Plan. Die Ärztin schlug jetzt vor: Zunächst eine ca. 3-monatige stationäre Therapie in der Psychiatrie und anschließend Fortsetzung der Reha. Denn erst sollte die Behandlung kommen und dann die Reha. Klingt für mich ganz einleuchtend. Aber unser Sohn kann sich nicht zu diesem Schritt entschließen. Psychiatrie ist für ihn = Klappse = lebenslang stigmatisiert. Er wäre dort von Montag bis Freitag stationär und könnte am Wochenende nach Hause kommen. Die Klinik ist nur 35 km von uns entfernt. Da er volljährig (gerade 22 geworden) ist kann man ihn natürlich nicht zwingen. Noch geht er zu der Rehamaßnahme aber ich fürchte, dass er dort aus dem Affekt heraus alles hinschmeißen könnte und einfach geht - ohne Alternative. Dann redet er wieder davon, er würde sich eine eigene Wohnung nehmen, sich einen Job suchen und könnte dann tun und lassen was er wolle. Das halte ich für absolut utopisch. Dann ist er nach ein paar Tagen wieder so frustriert, dass er am liebsten sofort eine Therapie möchte und erzählte mir, er habe überlegt sich irgendwo auf die Brücke zu stellen, dann würde man ihn sicher sofort zwangseinweisen. Warum kann er nicht einfach einen Vorstellungstermin in der Klinik vereinbaren und sich dort erst einmal informieren?
Man hat ihm in der Reha jetzt klipp und klar gesagt, dass er ohne Behandlung nicht für den 1. Arbeitsmarkt geeignet sei und dann nur der 2. Arbeitsmarkt in Frage käme, also Werkstatt für Behinderte. Das Wort ist für ihn schon schlimm genug und Werkstatt will er schon gar nicht, da er die größten Frustrationen bislang im Handwerk erlebt hat. Es gibt in dieser Werkstatt auch Arbeitsplätze im Büro-/Verwaltungsbereich, aber die sind heiß begehrt und mit langer Wartezeit versehen.
Zu allem Überfluss sagt mein Mann dann noch: Bevor der Junge in eine Behinderten-Werkstatt geht kann er hier besser auf dem Hof mitarbeiten. Das ist praktisch für uns und er muss sich nicht außer Haus frustrieren lassen. Aber er war hier im letzten Jahr über 1/2 Jahr lang auf dem Hof beschäftigt. Da war er auch frustriert, ließ sich total hängen, nahm überhaupt nicht am Leben teil, machte einen sehr depressiven Eindruck auf uns. Nur nach Aufforderung machte er mürrisch das Allernötigste. Das kann es nicht sein!!! Hierüber haben wir natürlich häufig Auseinandersetzungen, wo ich auch schon mit Auszug und Trennung gedroht habe für den Fall, dass unser Sohn sämtliche Hilfsangebote in den Wind schießt. Dass ich hier ausziehe möchte mein Sohn natürlich auf keinen Fall, denn dann fallen auch die "Hotel-Mama-Annehmlichkeiten" fort.
Wenn das hier so weitergeht habe ich das Gefühl, dass ich bald eine Therapie brauche. Aber ich kann mich überhaupt nicht hängen lassen, weil auch noch meine kranken alten Eltern auf meine Hilfe und Unterstützung angewiesen sind (das Los eines Einzelkindes).
Meine Frage an die anderen Foren-Leser:
Hat jemand Erfahrung mit dieser Krankheit, ist sie therapeutisch behandelbar? Wenn ich richtig darüber nachdenke, hatte unser Sohn eigentlich schon die Anzeichen dieser Krankheit seit er ca. 10 Jahre alt ist. Aber im Kindesalter haben wir das nicht so richtig wahrgenommen - nach dem Motto "das wird schon noch". Und mit etwas mütterlicher Unterstützung hat er ja auch seinen Realschulabschluss hinbekommen.
Nach längerer Beobachtung durch die begleitende Fachärztin ist diese zu der Diagnose "Schizoide Persönlichkeitsstörung" gekommen, nachdem unser Sohn sie quasi selbst darauf gebracht hat. Er hatte die Symptome im Internet gefunden und der Ärztin präsentiert. Sie konnte ihm da auch zustimmen. Bedingt durch diese Krankheit hat er eine Arbeitsstörung und ab und zu depressive Verstimmungen.
....passt auch alles zu Autismus ( Asperger Syndrom ). Ich würde dringend dazu raten, dies abklären zu lassen, von einer qualifizierten, erfahrenen Praxis / Ambulanz, die sich auf AS im Erwachsenenalter spezialisiert hat!!!.
Wo gute und empfehlenswerte Diagnostikstellen für Erwachsene in Norddeutschland sind, weiß ich nicht...... ggf hier nochmals gezielt danach fragen und bei MarkusB die aktuelle Liste anfordern: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewt.....ehlenswerte+anlaufstellen
Danke für die Tipps. Es geht aber nicht um Autismus sondern um die schizoide Persönlichkeitsstörung.
Zitat aus dem Deutschen Ärzteblatt:
"Nicht einfach ist die Differenzierung des Asperger-Syndroms und des „High functioning“-Autismus von einer schizoiden Persönlichkeitsstörung. Nach der ICD-10 schließt die Diagnose einer schizoiden Persönlichkeitsstörung das Asperger-Syndrom aus. Andererseits schließt das Asperger-Syndrom eine schizoide Persönlichkeitsstörung des Kindesalters ein."
Viele erwachsene AutistInnen haben zuerst die Diagnose schizoide Persönlichkeitsstörung bekommen, da sich die wenigsten Ärzte mit Autismus auskennen.
Von daher ist es möglich, dass auch dein Sohn eine Fehldiagnose erhalten hat. Aber das können nur Fachleute beurteilen.
Die Ängste deines Sohnes bezüglich einer stationären Aufnahme in der Psychiatrie kann ich sehr gut nachvollziehen.
Gibt es nicht die Möglichkeit einer ambulanten Therapie?
Zitat:
_________________ Sabine (01/62) Asperger-Autistin, mit Sohn (06/98) Asperger-Syndrom (F84.5 ICD-10), seit 04/2010 mit Schulbegleitung Ich bin Autistin
"Wenn du als Pinguin geboren wurdest, machen auch 7 Jahre Psychotherapie aus dir keine Giraffe!" (Eckart von Hirschhausen)
Er erzählte in dem Vortrag, dass er bei einem Psychiater war, der eine schizoide Persönlichkeitsstörung mit aufgesetzter Depression diagnostizierte. Ein zweiter und dritter Arzt kamen unabhängig voneinander ganz klar auf die Diagnose Asperger-Syndrom.
D.h. dass dieses differentialdiagnostisch ausgeschlossen werde sollte, bevor die Diagnose Schizoide Persönlichkeitsstörung gestellt wird.
Liebe Grüße
Annette _________________ Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, chronische Depression, EM-Rentnerin, GdB 50, mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Autismus, GdB 80, H, B, G; er lebt in WG der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung in Braunschweig
Hallo C.-Micha,
danke für die prompte Antwort. Deine Tochter ist ja nur etwas jünger als mein Sohn. Was arbeitet sie denn?
Gruß Marianne
Meine Tochter besucht nach schulischen Umwegen das Gymnasium MIT Schulbegleitung!
Die AS Diagnose wurde gestellt da war sie 15J.
Leider muss ich sagen, dass die Schizoide Persönlichkeitsstörung eben häufiger doch eine "Verlegenheits- bzw. Fehldiagnose" ist, von Fachleuten gestellt, die eben nicht an AS denken, keine oder nur wenig Ahnung hiervon haben und AS differentialdiagnostisch nicht über kompetente und erfahrene Kollegen, testen, ein- oder ausschließen lassen!
Für weitere Eingliederungs- und Teilhabemaßnahmen wäre das schon wichtig zu wissen......und für das Verständnis, warum manches eben nicht so läuft, wie sich das die NT-Gesellschaft erhofft.
Viele Grüße
C.-Micha _________________ -erwachsene Tochter: Asperger Autistin,
-Tochter: NT ....bald volljährig
Ich kann mich meinen Vorschreiberinnen nur anschließen. Mein Sohn hatte bis zum 15. Lebensjahr die Diagnose Schizophrenie, dann erst erhielten wir die Diagnose Autismus.
wir kennen uns schon, oder? "Schizoide Persönlichkeitsstörung" ist eine Diagnose aus der Mottenkiste der Psychiatrie. So etwas findest du zB in Oswald Bumkes Psychopathologie aus dem Jahre 1923, zuletzt aufgelegt 1942. "Schizoide Persönlichkeitsstörung" sagt nur etwas aus über die Art und Weise des Psychiaters, sich Vorstellungen über seine Mitmenschen zu machen. Mit irgendeiner Therapie oder irgendwelchen möglichen Hilfsangeboten steht diese Null-Diagnose in gar keinem Zusammenhang. Genauso hätte die Psychiaterin schreiben können: "Der junge Mann irgendwie Probleme. Keine Ahnung warum."
Gruß,
Norbert _________________ Vater von Lorenz, Jg. 1994, frühkindlicher Autismus mit schwerer bis schwerster geistiger Behinderung. Tochter Jg. 88, Studentin
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