Nicht jeder lebt und handelt so, wie die Umwelt es von ihm erwartet. Wer einfach anders oder "komisch" ist, wie man das früher nannte, braucht keine Therapie, sondern Akzeptanz.
Aber akzeptiert unsere Gesellschaft auch solche Menschen? Es geht doch immer nur um höher, weiter und anderweitige Verteilung von Rängen. In seiner ersten angefangenen Berufsausbildung stand unter jeder Klausur in der Berufsschule drunter z. B. "14. Platz von 15". Es war zwar nicht immer der zweitletzte Platz - auch mal besser, aber auch mal der letzte. Aber dieses ganze Prinzip ist doch zum Ko... Aber das gleiche Schema hatte schon der Mathelehrer in der 8. Klasse drauf. Aber da konnte unser Sohn natürlich gut mit leben, weil da oft stand "2. Platz von 23".
Wer in dieser Leistungsgesellschaft nicht mithalten kann, wird doch gar nicht mehr integriert. Der traut sich doch gar nicht mehr irgendwo hinzugehen, weil fast jedes Gespräch damit anfängt "Und was machst du so?"
Wir werden von unseren Bekannten auch nur noch nach unserer Tochter gefragt - nach unserem Sohn fragt keiner mehr. Wahrscheinlich haben sie Angst, uns in Bedrängnis/Erklärungsnot zu bringen. Sie selber erzählen auch nur von guten Leistungen und Heldentaten ihrer Kinder.
Uns würde es selbstverständlich überhaupt nicht gut gefallen, wenn unser Sohn letztlich in der örtlichen WfbM landen würde. Allerdings wird dies nicht von uns abhängen.
Wenn es keine anderen Möglichkeiten gäbe, wäre diese Möglichkeit gleichwohl immer noch einem sozial isoliertem Leben ausschließlich zuhause vorzuziehen.
Ich denke aber für unseren sowie euren Sohn nicht an die große örtliche Einrichtung, sondern an eine Wohn-/und Arbeitseinrichtung für Menschen mit psychischen Besonderheiten (bei normaler geistiger Leistungsfähigkeit). Das ist schon ein Unterschied.
Was die örtliche WFbM hier bei mir angeht, so kann ich mit absolutem Wissen sagen: Dort arbeiten eben nicht nur Menschen mit geistiger Behinderung, sondern auch Menschen mit allein körperlicher Behinderung, psychischer Behinderung, reiner Sinnesschädigung. Mir sind dort - auch - Menschen mit erweitertem Schulabschluss persönlich bekannt.
Der Weg in so eine Werkstatt kann ganz unterschiedlich sein. Es kann jedem von uns passieren, dass er oder sie nach einer Erkrankung, die bleibende Schäden verursacht, letztlich dort landet (nach Schlaganfall z.B. oder mit einer fortschreitenden neurologischen Erkrankung, nach einem Autounfall...)
Nicht jeder lebt und handelt so, wie die Umwelt es von ihm erwartet. Wer einfach anders oder "komisch" ist, wie man das früher nannte, braucht keine Therapie, sondern Akzeptanz.
Aber akzeptiert unsere Gesellschaft auch solche Menschen?
Gute Frage. In erster Linie geht es mal darum, ob D U diesen Menschen so akezptierst, wie er ist. Dann fällt das auch dem Rest der Gesellschaft leichter, würde ich sagen.
Marianne22 hat folgendes geschrieben:
In seiner ersten angefangenen Berufsausbildung stand unter jeder Klausur in der Berufsschule drunter z. B. "14. Platz von 15". Es war zwar nicht immer der zweitletzte Platz - auch mal besser, aber auch mal der letzte. Aber dieses ganze Prinzip ist doch zum Ko...
Finde ich auch. Aber Therapie ist die falsche Antwort. Es wird immer einen 14. und einen 15. geben. Das liegt in der Natur der Sache.
Und dafür, ob dein Junge in der Leistungsgesellschaft mithalten kann oder nicht, bist du nicht mehr verantwortlich. Er ist jetzt erwachsen. Was du getan hast, hast du getan. Du hast wahrscheinlich Fehler gemacht, aber das haben wir alle. Du wirst ihm auch vieles mitgegeben haben, das er vielleicht nicht jetzt, dafür aber später mal gebrauchen kann. Wenn du vielleicht gar nicht mehr lebst.
Marianne22 hat folgendes geschrieben:
Wir werden von unseren Bekannten auch nur noch nach unserer Tochter gefragt - nach unserem Sohn fragt keiner mehr. Wahrscheinlich haben sie Angst, uns in Bedrängnis/Erklärungsnot zu bringen. Sie selber erzählen auch nur von guten Leistungen und Heldentaten ihrer Kinder.
Schäm dich nicht für ihn! Das spürt er garantiert. Es hilft ihm nicht, im Gegenteil.
Gruß,
Norbert _________________ Vater von Lorenz, Jg. 1994, frühkindlicher Autismus mit schwerer bis schwerster geistiger Behinderung. Tochter Jg. 88, Studentin
wahrscheinlich ist es das Problem, dass man bzw. ich landläufig nur diese großen Werkstätten kennt, wo die Menschen Nistkästen für den Weihnachtsbazar basteln oder Erste-Hilfe-Kästen auffüllen oder Kerzen drehen etc.
kennst du Werkstätten? Hast du dir Werkstätten angeschaut?
Mich stört, wie abwertend du über Werkstätten denkst.
Mein Sohn besucht eine hervorragende Werkstatt mit ABWECHSLUNGSREICHEN Tätigkeiten......die Gärtnerei schneidet im Auftrag Hecken, mäht Rasen, pflegt große Anlagen Die Tischlerei stellt Schul- und Kindergartenmöbel her und fertigt Möbel auf Wunsch und nach Maß an. Die Liste könnte ich noch fortsetzen.
Von wegen Erste-Hilfe-Kästen auffüllen und eintönige Arbeit.
Die Anforderungen in der Werkstatt sind ziemlich hoch und KEINE Kinderspielerei.
Die Leute arbeiten dort teilweise sogar mit schweren Gerätschaften z.B. Motorsäge.
Die müssen fit und absolut zuverlässig sein.
Bitte schaue dir VIELE Werkstätten an, denn mit nur einer Werkstatt oder vom Hörensagen kann man sich keine runde Meinung bilden.
Ich bin sicher, du wirst dann eine positivere Einstellung zu Werkstätten erhalten.
Werkstätten haben auch eigenständige Bereiche für fitte psychisch kranke Menschen.
LG _________________ Sohn (19), Autismus, Intelligenzminderung, Epilepsie
Bitte schaue dir VIELE Werkstätten an, denn mit nur einer Werkstatt oder vom Hörensagen kann man sich keine runde Meinung bilden.
Mein Tipp dagegen wäre: Schau dir KEINE EINZIGE Werkstatt an. Das kann der selber, wenn es wirklich nötig werden sollte.
Gruß,
Norbert _________________ Vater von Lorenz, Jg. 1994, frühkindlicher Autismus mit schwerer bis schwerster geistiger Behinderung. Tochter Jg. 88, Studentin
im Prinzip hast du Recht, ABER mich stört Mariannes abwertende Meinung. Ich möchte nicht, dass diese Ansicht sich immer noch so breit macht in unserer Gesellschaft. Von daher kann es nicht schaden, wenn auch "Normalos" sich Werkstätten anschauen und über ihren Tellerrand schauen, BEVOR sie solche abwertenden Äußerungen verbreiten.
Sicher mag es schlechte und eintönige Werkstätten geben, ABER es gibt auch hervorragende Einrichtungen.
LG _________________ Sohn (19), Autismus, Intelligenzminderung, Epilepsie
mal ehrlich, manche "Fach-"Leute haben einen "echten Knall".
Wie ich schon nebenan geschrieben habe, ohne vernünftige Diagnostik, kann keine gezielte Therapie gemacht werden. Und gerade bei Autisten muss man DA anfangen, wo deren Interessen liegen und dann sich langsam vorarbeiten!!
erstaunte und verärgerte (über die Therapeutin) Grüße
Anita _________________ *1968
*1966 Mann
*1996 Sohn Asperger ICD-10 F84.5 hoher IQ
*1998 Tochter Verdacht auf Asperger, Knick-Senk-Füße
*2002 Tochter Verdacht auf Asperger, ADS F90.0 G, hoher IQ, starke Brille wegen Hornhautverkrümmung
*2007 Sohn Verdacht auf Asperger Hinzufallen ist keine Schande, liegen bleiben aber schon!!
Du kannst keine Beiträge in dieser Rubrik schreiben. Du kannst auf Beiträge in dieser Rubrik nicht antworten. Du kannst deine Beiträge in dieser Rubrik nicht bearbeiten. Du kannst deine Beiträge in dieser Rubrik nicht löschen. Du kannst an Umfragen in dieser Rubrik nicht mitmachen. Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten Du kannst Dateien in diesem Forum herunterladen