Verfasst am: 20.01.2012, 18:25 Titel: Arbeit und Kind - alles zuviel momentan
Hallo in die Runde,
ich schildere Euch mal kurz meine aktuelle Situation und bin für jeden Ratschlag dankbar.
Ich (38J.) bin verheiratet und wir habe eine Pflegetochter (3J.) mit V.a. fragiles X-Syndrom. Momemtan einzige und vage Diagnose der Ärzte: Entwicklungsretardierung insbesondere im Sprachbereich (sie spricht noch nichts).
Mein Mann ist selbständig und meistens bis um 18.00 Uhr unterwegs. Die Kleine ist im integrativen Kiga von 08.30 Uhr - 14,30 Uhr. Ich selbst gehe vormittags 4 Std. arbeiten.
Alles schön und gut... Aber: Vor 6 Wochen kam mein Zusammenbruch. Schwindelanfälle, Schlaflosigkeit..Ständiger Infekt in Form von Erkältungen, etc. Ich war also 5 Wochen krank geschrieben. Und in diesen Wochen habe ich gemerkt, dass ich etwas ändern muss. Denn es ging mir dann auch wieder besser. Ich hatte vormittags die Zeit für den Haushalt und konnte mich richtig entspannen. Um 14.30 Uhr bin ich dann voller Elan an den kiga und hab die Kleine abgeholt. Und nachmittags konnte ich auch alles "gelassener" sehen. Vor meinem Zusammenbruch war ich recht schnell gereizt und teilweise auch recht schnell von manchen Situationen überfordert. Unsere Tochter braucht mich ab 14.30 Uhr jede Minute. Sie schätzt überhaupt keine Gefahren ein und kann sich nicht alleine beschäftigen D.h. wenn sie zu hause ist, bleibt hier alles andere liegen und ich bin NUR für sie zuständig. Sie hat mehrere authistische Verhaltensweisen . Ist sehr schnell reizüberflutet. An manchen tagen hat sie sogar Angst vor dem Staubsauger oder der Kaffeemaschine. Einmal die Woche bekomme ich durch die zusätzlichen Betreuungsleistungen Unterstützung von einer Fachkraft der Lebenshilfe (für 3 Std.).
Nun ja, ich bin seit Montag dieser Woche wieder arbeiten. Und merke, dass sowohl der Schwindel, als auch die Schlaflosigkeit wieder zurückkommen. Durch den Zusammenbruch und keine körperlichen Ursachen bekam ich seitens meiner Ärztin die Diagnose: psychosomatische Erschöpfung War es zu früh wieder arbeiten zu gehen ? Ich wollte ja nicht unbedingt in die Krankengeldzahlung fallen.
Bin ich momentan nur tatsächlich mit allem überfordert ? Weil ich nicht mal alleine auf die Toilette gehen kann, wenn die Kleine da ist ?
Woher nehmt ihr Eure Stärken zum Leben mit Euren besonderen Kindern ?
Ich habe momentan das Gefühl, mein Leben geht stark abwärts. Nur noch Arbeit und Kind - macht mich anscheinend depressiv. Bin aber seit letzter Woche in psychologischer Behandlung.
Wie versucht Ihr Eure sozialen Kontakte zu halten ? Bei mir ist es ziemlich schwierig.. Durch diese Reizüberflutungen fängt die Kleine aus heiterem himmel an zu schreien. D.h. selbst wenn bei mir mal eine bekannte zum Kaffee vorbeikommt, kann es sein, dass ich mich nicht mit ihr unterhalten kann, weil ich ein schreiendes Kind versorgen muss
Und wenn ich mit meinem Kind irgendwo hin gehe, kann es ebenso passieren, dass wir nach 10 Minuten wieder gehen, weil sie mit der Situation nicht klar kommt.
So- jetzt genug "gepienst"...
Vielleicht bekomme ich ja den ein oder anderen Tip, dass ich das Ganze wieder auf die Reihe bekomme
Liebe Jenny,
leider habe ich auch kein Rezept.Ich kann dir nur gedanklich mitfühlend ein Kraftpaket senden.
Ich glaube rückblickend ( meine Tochter ist 25 und bei deiner Beschreibung hab ich unsere ersten Jahre wiedererkannt ) kann ich nur sagen,dass es ein Prozess ist.Ich hab mich von Woche zu Woche gehangelt und ganz langsam viel verschiedene Werzeuge aufgesammelt die mir weiter halfen.Eine Weile tat mir eine Selbsthilfegruppe sehr gut.
Kannst du n icht ab und an mal Abends weg ? Mit einer Freundin schwimmen ? Eine Therme oder sowas ?
Ich für mich hab irgendwann begriffen,dass ich die Situation nicht ändern kann.Egal wie sehr ich strampel.Ich musste meine Einstellung,meine Sicht auf die Situation ändern damits mir besser ging.Und genau das ist ein Prozess denke ich durch den wir mit der Zeit gehen.
Nehm dir so viel Hilfe wie du kannst und versuch soviel Freiräume für dich zu schaffen wie es nur geht.
So mache ich es heute und es geht mir gut damit.
mir ging es ähnlich, mein Sohn war, bis er drei Jahre alt war, rund um die Uhr "an mir".
Fremdbetreuung ging gar nicht, ausser dass mein Mann mir am WE mal Freiraum verschafft hat.
Was mir hilft: meine Badewanne
mir gezielt Auszeiten nehmen, auch mit meinem Mann gemeinsam
und in diesem Jahr werden mein Mann und ich erstmalig einen Kurzurlaub alleine machen, um mal runterzukommen.
Ob das was bringt, kann ich Dir erst später verraten
LG
Martha _________________ mit Sohn 05, herzkrank
und Sohn 08, Austismusspektrumsstörung, Sprachentwicklungsstörung, Hypospadie, ASD, Epilepsie
Anmeldedatum: 07.04.2006 Beiträge: 202
Wohnort: Backnang(bei Stuttgart)
Verfasst am: 20.01.2012, 20:14 Titel:
Hallo Tina,
Ich denke, das Leben mit ein behindertes Kind ist einfach sehr anstrengend.
Und die Problemen die du schilderst haben bestimmt sehr viele Müttern. Ich habe auch seit Jahren Schlafstörung und auch anderen Körperliche Beschwerden wegen der Belastung durch meinen Sohn.
Seit dem wir Pflegegeld bekommen habe ich mich entschieden zu hause zu bleiben. Mit dem Geld und das Einkommen meines Mannes geht das. Ich weiss, dass ich auf Dauer nicht schaffen würde parallel zu der Pflege noch arbeiten zu gehen. Daswegen habe ich mir gesagt, lieber weniger Geld und dafür mehr Erholung für mich. Wenn der Max "mal" schafft in der Schule zu gehen, dann habe ich den halben Tag frei für mich und was sonst so zu tun ist.
Und zu deine Fragen : stark fühle ich mich nicht aber was mich antreibt ist meine Liebe zu meinem Kind. Ich reduziere meine Ansprüche auf das wichtigste, dass ich überhaupt schaffe ihm zu pflegen, betreuen, lieb haben, knudeln..das macht mich sehr zufrieden.
Und das mit Kontakten pflegen geht bei uns fast überhaupt nicht, leider. Es ist so und ich will mir deswegen auch keinen Stress machen. Was nicht geht..geht nicht. Wir machen das was geht oder wir holen uns die Betreuerin für ihm und er bleibt zu hause.
Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Kraft .
Liebe Grüße
Ani _________________ Ani mit Max(21.06.04). Durch angeborene Fehlbildung am Gehirn schwerstmehrfach behindert, Krampfanfälle.Lennox-Gastaut Syndrom, hochgradige Sehbehinderung, Skoliose und Hüftluxation. Trotz allem ein fröhliches und sehr süßes Kind.
"Wenn er lacht, geht bei mir die Sonne auf"
Ich will ja keine Werbung machen, aber das orthomol vital f aus der Apotheke hat mch innerhalb von 2 Wochen wieder aufgeputscht als es mir auch so schlecht ging. Jetzt nehme ich das orthomol immun und habe diesen Winter noch keine Erkältung gehabt genial !
Viele Gruesse Alexandra _________________ Alexandra,Rainer und unsere Zwillinge Julian und Nico,geb.22.07.04 Nico ist gesund, Julian : Amnion Schnürfurchen Syndrom : komplexe Hirnfehlbildung,Wasserkopf,VP-Shunt,Blind,Schwerhörig in den tiefen Tönen,Fehlbildungen an der Nase, Kopf, Hand und Füßen,Jejunumsonde,Tracheostoma,Bein-Schienen.17Std.Intensivpflege zuhause.
und in diesem Jahr werden mein Mann und ich erstmalig einen Kurzurlaub alleine machen, um mal runterzukommen.
mein Mann und ich auch, 4 Tage und Oma passt auf....wünsche euch viel Spaß _________________ Daniela (1981) und H. (1971) mit G. (Sohn, *2001, KISS), C. (Sohn, *2003, Asthma bronchiale), E. (Tochter, *2007) und Mika Leon (*01/2009, globale Entwicklungsstörung, Wahrnehmungsstörung,leichte Leukomalazie, GDB 80 G,B,H, Pflegestufe I)
nach meinem "Umfallen" hat mir mein Hausarzt den Rat gegeben Fünf grade sein zu lassen. Sprich nochmal meine Situation zu überdenken. Ich mußte also erst richtig krank werden um über mich nach zu denken.
5 grerade sein zu lassen, hat für mich die Bedeutung: höre auf dein Bauchgefühl und respektiere dieses Bauchnein.
Heute liegt hier viel mehr rum, der Boden wird auch nicht mehr jeden Tag gewischt und gebügelt wird auch nicht mehr alles.
Ich habe ein Jahr gebraucht um wieder richtig fit zu werden. Aber jetzt komme ich mit meiner Situation viel besser klar.
Judith _________________ Andreas 10/73, Judith 2/64 mit Sara 8/86, Ines 7/89, Anne 2/00 und Jonas *13.07.2005 †03.04.2006, SMA Typ I und Joshua 12/2008
Hallo an Alle
Vielen lieben dank für Eure Berichte und Ratschläge...
Hier im Forum fühle ich mich wohl - weil ich hier unter "Gleichgesinnten" bin und verstanden werde...
@Tina: Du schreibst, deine Tochter ist heute 25. Was macht sie heute ? Lebt sie bei Dir ? Wie hat sie sich entwickelt ?
@Judith: So etwas ähnliches hat mir meine Ärztin die vorletzte Woche auch gesagt. Und ich hätte mal auf sie hören sollen. Jetzt habe ich diese Woche auf eigene Faust wieder versucht durchzustarten.. Weil ich dachte, mein Ego braucht das.. Aber musste leider die Quittung kassieren.
Einerseits schwirrt in meinem Kopf die Verantwortung für meine Arbeit - und was dort wohl gesprochen wird, wenn ich die nächste Woche wieder krank bin. Andererseits muss ich wohl lernen - dass es nicht immer so geht. Mein Körper zeigt mir das ja ...
LG
Jenny _________________ Jenny(38J.)mit Pflegetochter(3J.) bisher noch keine Diagnose Entwicklungsretardierung, insbesondere im Sprachbereich (sie spricht noch kein einziges klares Wort), außerdem zeigen sich teilweise Verhaltensauffälligkeiten, die man dem großen Spektrum "Autismus" zuordnen könnte.. Oder vielleicht doch ADHS ? V.a.fragiles X-Syndrom.
Huhu Jenny,
ja das ist echt ne schwere Lernaufgabe.Leider müssen wir wohl erst bis an unsere Grenzen gehen um die erstmal kennenzulernen.
Ich brauchte auch immer Hörstürze,Bandscheibenvorfälle oder ähnliches bis ich gemerkt habe wie sehr ich mich übersehe.
Meine Große ist 25...da seh ich heute vieles anders.Mich interessiert heute gar nicht mehr was jemand über mich denkt.Die denken sowieso was sie wollen,egal was du machst.Da hste kaum Einfluss drauf.
Aber so hab ich auch erst im laufe der Zeit denken gelernt.Es ist halt ein anderes Leben wenn man plötzlich vor so gravierenden Veränderungen steht.Wer hat sich das schon gewünscht ?
Da kommen alle Möglichen Phasen die erst durchlaufen werden müßen.Manche Phasen bringt man schnell hinter sich und andere Wegstrecken bewältigt man nur langsam.So wars zumindest bei mir.
Heute sehe ich alles sehr Gelassen.Sabrina ist wie sie ist.Ich hab sie und mein Leben vollkommen akzeptiert....okay manchmal packt mich auch noch mal das "Jaulen" ;0)
Ja,meine Tochter lebt noch zuhause.Sie hat Pflegestufe 3 und geht in die Tagesförderstätte der Lebenshilfe bis ca 16 Uhr.
Heute ist es wesentlich einfacher mit ihr zu leben.Sie hat noch verrückte Ticks aber ich nehm die nicht mehr persönlich und lasse ihr das (meistens;0)
Ich hätte früher nie gedacht,dass wir so lange zusammenleben werden aber es läuft gut.
hallo jenny,
heute ist mein sohn fast 11j. . genau wie du hatte ich , als er 3 war ähnliche propbleme wie du. als er in die kita kam wurde mir erst bewusst , was es heisst ein besonderes kind zu haben! damal hab ich nur noch geheult und war ständig ganz unten! meine schwester hat damals hinter meinen rücken alles in die wege geleitet . sie hat dafür gesorgt, das mein sohn für eine woche versorgt war und hat einfach eine woche urlaub für uns gebucht heimlich wurde mein koffer gepackt und ich zum flughafen entführt so vor vollendeten tatsachen gestellt , sass ich schneller im flieger , als das ich noch irgendwas überlegen konnte wir hatten eine super schöne ferienn - woche ( meine schwerster und ich ) kein kind , kein druck, kein gar nichts nur urlaub pur seitdem mache ich das jedes jahr : eine woche nur für mich und glaub mir es gibt nichts schöneres und ich komme als neuer mensch zurück und habe kraft für die nächsten monate , bevor es wieder in urlaub geht und das tut uns beiden gut ich bin schön erholt und mirco hat eine ausgeglichene mama
ich kann nur jedem empfehlen das gleiche zu tun . ich hab da auch kein schlechtes gewissen , weil ich weiss papa, oma und opa und der rest der familie sind für meinen kleinen wirbelwind da
lg susanne _________________ Susanne(*67) und Mirco(2001) - tuberöse sclerose, epi , riesenzellastrozytom , authistische züge - unser wirbelwind
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