Verfasst am: 20.01.2012, 09:49 Titel: Zu Bobath wechseln bei spastischer Diparese?
Hallo und Guten Morgen,
da mein Mann und ich im Moment nicht weiter wissen, wollte ich Euch als Experten gerne mal um Eure Meinung bitten Leon wird im März 3 Jahre und "leidet" an einer spastischen Diparese. Er kann weder frei laufen noch stehen. Nun ist es seit ca. 4 Wochen so, dass er UNBEDINGT laufen will. Er schreit zeitweise das ganze Haus zusammen und sagt ständig, dass er laufen will. Nun ist es so, dass das mittlerweile an zwei Händen geführt auch ganz gut klappt, nur macht das langsam mein Rücken nicht mehr mit. Dazu kommt auch noch, dass er auch unsere Treppen "alleine" hoch und runter will. Wur turnen nach Vojta seitdem er 3 Monate alt ist und haben auch eine tolle Physiotherapeutin, allerdings meint sie, dass wir Leon noch nicht laufen lassen sollten und er so lange wie möglich auf dem Boden bleiben soll! Aber was soll ich machen bei dem Terror zuhause... Jetzt bin ich am überlegen, ob wir nicht zu Bobath wechseln sollten?! Die Heilpädagogin der FF hält es auch für sinnvoll!
Wie sind denn Eure Erfahrungen? Wäre dankbar für input, da es echt eine super schwere Entscheidung ist!
Viele Grüße und schonmal ein schönes Wochenende
Annika
als S. so alt war wie dein Kind, hatten wir genau den selben Stand.
Wir haben nur nach Bobath geturnt (bis heute).
Ich weiß nicht, womit die Therapeutin begründet, daß euer Leon auf dem Boden bleiben soll. Er hat den Willen sich in den Stand zu bringen und das finde ich gut. Denn aus dieser Perspektive eröffnet sich ihm ja ein total neuer Blickwinkel auf seine Umgebung und dies kann doch nur förderlich für seine weitere geistige Entwicklung auswirken.
Wir waren sehr froh, als S. in den Stand kam, sie nicht nur den Tisch von unten gesehen hat u. einen enormen Sprung in ihrer geistigen Entwicklung beobachten konnten.
Der ganz große Sprung kam dann in der Reha. Vom Krabbelkind zum Gehen an 4 Punkt Stützen. Dort ist die Therapiedichte ganz anders, das kann man zu Hause überhaupt nicht leisten. Vielleicht wäre das eine Option für euch.
LG Kathleen _________________ Kind (2005) ICP, Rolli fahrend, kann kurze Strecken gehen
Hallo Annika,
es schadet sicherlich nicht, mal für einige Zeit Bobath auszuprobieren. Wir selbst sind bei Erik auf Bobath umgestiegebn, als er 1 3/4 Jahre alt war und robben konnte. Ganz einfach, weil ich ihn nicht mehr halten konnte und weil ich das Gefühl hatte, er kann jetzt, wo er zumindest ein bisschen mobil ist, auch mehr selbst mitarbeiten. Wir gehen zusätzlich 2-3 x im Jahr zu Intensivwochen und turnen da und auch zu Hause nach Padovan und haben das Gefühl, das Erik stark davon profitiert. Es gibt nicht nur Vojta.
Allerdings würde ich nicht wechseln, nur weil deine Physiotherapeutin meint, dass ihr nicht mit ihm laufen sollt, wenn du mit Vojta an sich zufrieden bist (so kann man es aus deinem Beitrag rauslesen). Du musst es ihr ja nicht erzählen! Und du musst nicht alles 1:1 übernehmen, was ein Therapeut zu dir sagt. Geht ja gar nicht, schon mal alleine, weil es so viele verschiedene Meinungen gibt. Wenn der Arzt und auch andere Therapeuten dir das OK dafür gegeben haben, mit ihm Laufübungen zu machen und er es einfordert, spricht ja nichts dagegen.
Gruß,
Katja _________________ Katja mit Erik (geb. April'08), Frühchen 26. SSW, Hirnblutungen, Hydrocephalus (Shunt-versorgt), an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit (CI-versorgt), psychomotorische Retardierung
Vojta "verbietet" ja alles, was das Kind nicht selber und alleine machen kann. Ich will Vojta nicht verteufeln (haben wir selber ein halbes Jahr gemacht), aber es ist nicht auf Dauer die Allheil-Lösung. Wir haben Dominik irgendwann auch nicht mehr halten können und er hat nur noch geschrieen, wenn wir nur die Vojta-Übungen vorbereitet haben. Ich würde es ruhig - erstmal zusätzlich - mit Bobath probieren. Oder wie Katja mit Padovan (davon bin ich ja auch total überzeugt... damit haben wir Dominik auf die Füsse bekommen. Sind 2-3 mal im Jahr in Baiersbronn und ziehen die Übungen täglich durch). Therapie muss auch dem Kind gut tun, weil nur so erhält man die Motivation.
Liebe Grüsse
Bernhard _________________ Bernhard *69, Christiane *70
Dominik *15.10.07 Asphyxie bei Geburt, Entwicklungsverzögerung, Epi
Adoptivschwester *2006
Leon 2005 (+10SSW) Björn 2004 (+15SSW)
Unsere Galerie
Krankenpfleger bei einem 24h-Kinder-Intensivpflegedienst
Vielen Dank für Euren Antworten. Und es bestätigt mich eigentlich auch nur zu wechseln.
@ Katja, wir sind schon von Vojta überzeugt und der Meinung, dass Leon ohne Vojta nicht so weit wäre, aber wir denken auch, dass es immer Phasen in der Entwicklung entsehen, in denen man sich "umorientieren" sollte. Im Moment merken wir auch, dass das Konzept (3-4mal am Tag turnen unter absoluten Geschrei) nicht mehr in unseren Alltag "paßt" bzw. dass wir es nicht mehr durchhalten! Und ich sehe es auch genau so mit der geistigen Entwicklung. Seit den 4 Wochen hat er schon einen riesen Sprung gemacht, die FF war total baff, sie hatte in 5 Wochen nicht gesehen und auch sein Wortschatz hat sich enorm vergrößert!
Eine Reha möchte ich auch gerne machen, allerdings meinten die Ärzte letztes Jahr, dass Leon noch zu klein sei. Wollte es jetzt im Februar aber im SPZ aber ansprechen!
Das Probelm ist, dass Leon einen super Draht hat zur Physiotherapeutin und ich auch viel von Ihr halt, aber Sie meint, dass er erst laufen soll, wenn er praktisch von alleine aufsteht und losläuft. Ganz ohne Hilfe und Ohne Hilfsmittel. Aber so lange will ich nicht warten und wer weiß, ob er das überhaupt je schafft!
Von Padovan habe ich noch nie gehört, was ist das denn genau?
unsere Maus bekommt auch seit sie 6 Monate ist Vojta.
Jetzt ist sie 5 Jahre und kaum mehr zu halten.Unsere KG turnt mit ihr verschiedene Sachen weil sie muss viel motiviert werden.Und wenn sie Spass hat turnt sie gut mit.
Wir gehen seit sie 2 Jahre alt ist zu Petö (konduktive Förderung)und dort wurde auch hochziehen und stehen geübt.
Wir waren auch schon etliche Male in Baiersbronn üben Pandovan zuhause das sie auch gut mitmacht.
Aber ich denke man sollte beides fördern das Stehen/Laufen und das am Boden krabbeln/robben.
Selina hat jetzt einen Gehtrainer und da merk ich schon das macht ihr unheimlich Spass endlich mit anderen Kindern mithalten zu können.....aber es ist auch schwer sie jetzt am Boden zu motivieren--deshalb brauchen wir eine Therapie die ihr Spass macht und sie gerne mitmacht und da glaube sind wir mit Pandovan auf dem richtigen Weg...
LG Togram _________________ Selina geb. 06,Frühchen 26 SSW,extreme entwicklungsverzögert, cerebrale Bewegungsstörung,op. Herzfehler.
Eine Kämpferin mit einem ausgeprägten Trotzkopf!!
Padovan ist eigentlich ein logopädisches Konzept. Die Erfinderin (Fr. Beatrice Padovan) vertritt die Ansicht, dass Motorik und Sprache zusammen gehören und hat eine Kombination aus Körper- und Mundübungen entwickelt, die die Eltern zu Hause selber (1mal am Tag) durchführen können (viel harmloser als Vojta, auch wenn unsere Therapeutin, die sowohl Bobath als auch Vojta gelernt hat, gemeint hat, es wären Vojta-Ansätze drin).
schau doch mal hier: www.logopaedie-iven.de
Wenn Dein Kleiner nur noch schreit und Vojta nur noch Gewalt ist und Euren Alltag über Gebühr belastet, würde ich damit aufhören. Wie gesagt: uns hat Vojta auch eine zeitlang etwas gebracht, aber irgendwann nicht mehr. Und wenn das Kind kongnitiv so fit ist, dass es selber auf die Füsse will, sollte man ihm das auch nicht verwehren. Ganz ursprünglich war Vojta auch eher für Babys und Frühgeborene gedacht.
Ich halte die Meinung Deiner Therapeutin auch für etwas streng. Mit 3 Jahren kann man schon langsam anfangen, über Hilfsmittel nachzudenken. Dominik hat mit 3 einen Rollator bekommen (den Crocodile von R82).
Wenn Du noch Fragen kannst, frage ruhig. Gerne auch per PN.
Liebe Grüsse
Bernhard _________________ Bernhard *69, Christiane *70
Dominik *15.10.07 Asphyxie bei Geburt, Entwicklungsverzögerung, Epi
Adoptivschwester *2006
Leon 2005 (+10SSW) Björn 2004 (+15SSW)
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Krankenpfleger bei einem 24h-Kinder-Intensivpflegedienst
Hallo,
ich sehe das so wie Bernhard. Vojta hat Erik auch viel gebracht, aber irgendwann muss bzw. kann man auch nach anderen Wegen schauen. Unsere Vojta-Therapeutin (die auch Bobath macht) hat immer gemeint, dass Vojta vor allem im 1. Lebensjahr wichtig ist ( bei Kindern, die wie Erik eine starke Hirnschädigung haben). Und für sie war es auch ok, als wir dann umgestiegen sind. Sie hatte allerdings keine so extremen Ansichten wie deine (obwohl das für Vojta-Therapeutinnen typisch ist).
Erik hat wie Dominik mit 3 Jahren einen Rollator bekommen.
Was Padovan istt, hat Bernhard schon erklärt. Die Übungen sind wirklich viel einfacher durchzuführen und Erik hat meistens sogar seinen Spaß dran und macht gut mit (nicht immer natürlich, aber fast immer).
Gruß,
Katja _________________ Katja mit Erik (geb. April'08), Frühchen 26. SSW, Hirnblutungen, Hydrocephalus (Shunt-versorgt), an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit (CI-versorgt), psychomotorische Retardierung
Das ist für mich auch neu, ich dacht immer Vojta turnt mal bis ins hohe Alter! Wir waren mal im SPZ beim Therapeuten und der meinte unsere Hürde sei die Pupertät und min. so lange müssten wir tägli. turnen. Da wurde mir ganz anders. Mittlerweile ist es so, das Leon schon schreit, wenn wir bei der Praxis die Tür reinkommen....
Vielen Dank für den Link, werde da gleich mal etwas stöbern. Vorallem wenn es einen logopädischen Ansatz hat könnte das auch was für uns sein. Leon spricht zwar echt schon gut mittlerweile auch 5-Wort Sätze, aber sehr verwaschen und für Aussenstehende nicht immer verständlich...
Einen Rollator hatten wir uns vor Weihnachten auch mal ausgeliehen, ohne das die Therapeutinn davon wusste, aber Leon hat sich nicht so getraut!
Habe hier im Forum nicht so die Erfahrung, was ist PN Ich habe nämlich noch min 1000 Fragen
Hallo Annika,
uns wurde, als wir erzählt haben, dass wir kein Vojta mehr machen, vom Arzt im SPZ an den Kopf geworfen, dass Erik dann keinerlei Fortschrittte mehr machen würde, wenn wir kein Vojta mehr turnen würden . 1 Monat später ist er in den Voerfüßer gegangen und 6 Monate später ist er gekrabbelt.
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Gruß,
Katja _________________ Katja mit Erik (geb. April'08), Frühchen 26. SSW, Hirnblutungen, Hydrocephalus (Shunt-versorgt), an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit (CI-versorgt), psychomotorische Retardierung
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