Ich habe nur deshalb nachgefragt, weil ich Dir keinen Ratschlag geben wollte, den Du schon durchhast!
Wie Du in meiner Signatur siehst, habe ich selbst eine autistischen Jungen, genau im Alter Deiner Tochter.
Er hat ebenfalls Eßprobleme - wenn auch nicht ganz so massiv wie Deine Tochter.
Was mir dazu noch einfällt, ist: ich würde keinen Versuch mehr starten, ohne 100%ig zu wissen, dass dieser Versuch definitiv erfolgreich ausgeht.
Das heißt: das Ihr nun wißt, dass sie mit Auto- und Fremdagressionen reagiert, wenn Ihr den Zeitpunkt bestimmen wollt, dann darf Euch diese Reaktion beim nächsten Mal nicht hindern, weiter zu machen.
Diesen Schritt würde ich mir allerdings sehr sehr gut überlegen - ob das der richtige Schritt ist ???
Wenn ja, dann solltest Du es bald machen - denn Deine Tochter lernt immer mehr Ausweich-Strategien und wird auch körperlich immer stärker...
Ich habe mit Timo Kämpfe durchgestanden, die mehr als grenzwertig waren - aber das geschah im Alter von 3-5 Jahren, da war ich ziemlich stark und Timo längst nicht so gewitzt und stark wie jetzt...
Die schlimmste Situation, an die ich mich erinnere, ist, dass Timo sich von einem Klettergerüst heruntergestürzt hat, um einer Anforderung auszuweichen - und ich ihn wirklich nur in der letzten Sekunde retten konnte...
Von der zertrümmerten Zimmereinrichtung und anderen Dingen will ich hier gar nicht erst reden...
Ich habe Timo in der ganzen Zeit niemals den Willen gebrochen (viele meinen ja, dass es bei einem Kampf um so etwas geht) - sondern wir haben geschafft, Zwänge zu durchbrechen. Ich bin froh, dass wir es gewagt haben.
Das Verhältnis zwischen mir und meinem Sohn ist durch diese Kämpfe deutlich besser geworden - so komisch das klingen mag.
Da er weiß, dass ich so stark bin, mit ihm gemeinsam einen Zwang zu durchbrechen, fordert er mich manchmal heraus - und er führt sich auch selbst immer wieder an seine Grenzen.
Dadurch hat er geschafft, Ängste zu überwinden, bei denen wir niemals für möglich gehalten hätten, dass er diese überwindet.
Aber: ich habe auch ein Gespür dafür entwickelt, wann ich nicht gegen seine Meinung kämpfen darf. Es gibt immer noch Ticks, bei denen Timo sehr unnachgiebig ist und bei denen ich genau weiß: egal, wie sehr ich auch darauf bestehen würde, ich würde verlieren...
Und: es ist auch keine Schande, sich einzugestehen, dass man gegen gewisse Zwänge machtlos ist. Autistische Zwänge sind ganz schön krass!
Ich möchte Dir nur Mut machen, auf Dein eigenes Gefühl zu hören - und auch danach zu handeln. Ich bin mir sicher, dass Du Deine Tochter da am besten kennst.
Gut, dass Du auf ein so tolles Team getroffen bist - dennoch: dieses Bauchgefühl kann Dir niemand abnehmen - kein noch so gutes fachliches Team.
Ich bin der Meinung, dass es keine Schande ist, wenn Deine Tochter die nächsten Jahre weiterhin nur aus der Flasche Nahrung zu sich nimmt.
Manchmal scheitert man eben. Oder man betrachtet es als "freie Willensäußerung".
Übrigens: es gibt auch tatsächlich Zwänge, die sich wirklich plötzlich, wenn ein neuer Entwicklungsschritt kommt, von selbst erledigen - auch wenn Du da im Moment vielleicht nicht mehr dran glauben magst....verständlicherweise!
Timo hat sich heute - nach 6,5 Jahren absoluter Panik vor jeglichen Rausch-Geräuschen - die Haare von unserer Nachbarin föhnen lassen, als wenn nichts gewesen wäre...was auch immer ihn da plötzlich geritten hat...
Die Frage ist, ob Du diese Geduld aufbringen willst - es kann auch noch Jahre dauern, bevor Deine Tochter auf diese Idee kommt - wenn überhaupt...
Nur: wenn Du den Kampf noch mal aufnimmst, dann tu Dir und Deiner Tochter den Gefallen und führe den Kampf zu Ende - oder laß die Klinik den Kampf ohne Dich ausfechten, wenn das in dem Alter besser klappt. Aber: am Ende muß der Erfolg stehen!
Deine Tochter braucht keiner Anreize, dass essen Spaß macht (da habt Ihr ja wohl alles durch!) - sondern sie muß dann wissen, dass es schlichtweg keine Alternative gibt.
Ich hoffe von ganzem Herzen, Ihr findet eine gangbaren Weg!
Gruß
Kirsten _________________ Kirsten mit Timo (*2005), frühkindlicher Autismus
... damit das nicht so marzialisch klingt, möchte ich noch anfügen, dass du den "kampf" nicht gegen, sondern mit Deinem Kind führst.
Es bleibt diffizil, weil ja noch nicht ganz geklärt ist, warum sie dieses Eßverhalten zeigt. Ist es ein Zwang, also psychisch bedingt, oder ist es das Resultat einer extrem ausgeprägten sensorischen Wahrnehmung im Mund- und Rachenraum, zum Beispiel.
WENN es ein Zwang ist, dann sehe ich das wie Kirsten, allerdings ist es ja nun über einige Jahre "eingeschliffen" und also entsprechend schwer zu beenden; wenn sie nicht soweit ist ... Ich habe bei meinem (auch oft seeehr schwierigen und impulsiven Sohn) auch
Zitat:
ein Gespür dafür entwickelt, wann ich nicht gegen seine Meinung kämpfen darf. Es gibt immer noch Ticks, bei denen Timo sehr unnachgiebig ist
Ich gehe so Sachen erst an, wenn es entweder eine reine Notwendigkeit gibt (Bsp.: erstes Mal Zahnarzt konnte ich mir damals nicht mal vorstellen. In Deinem Fall: Wenn massive Mangelernährung droht), oder wenn ich eine Lösung sehe, BEVOR ich es angehe (dafür geht es dann manchmal besser als ich dache, weil man dieses "ich weiss jetzt wie´s gemacht wird" auch ausstrahlt, meiner hat da sehr feine Antennen)
Vielleicht fällt es ihr leichter an einem anderen Ort mit einer anderen Person? Mein Sohn zumindest hat da so radikale Trennungen beim Essen: Grütze nur bei Oma, Paprika nur beim Autofahren , in KiGa/Tagesstätte isst er ALLES und dazu noch gerne , weil das eben so ist in der Gruppe - manchmal denkt man, es geht um zwei verschiedene Kinder
Schwierig stelle ich mir vor - und vielleicht ist es bei ihr schon so gelandet? - wenn sie die Esserei als Machtkampfplatz begreift, da kannst Du kaum gewinnen bei dem Thema. Dann würde ich einfach mal Gras drüber wachsen lassen und tiefer hängen.
Ich hoffe nun, dass wenigstens ein bisschen was dabei war, was Dir weiterhilft. Toi toi toi. Und - kleiner Hoffnungsschimmer - wie bei Kirsten, auch bei uns lösen sich manche Dinge, gerade wenn ich gar nicht mehr dran glaube, unerwartet auf eine ganz andere Art und Weise.
Liebe Grüße, Ingrid _________________ Ingrid. Sohn (frühkindl. Autismus), Tochter, beide Grundschulkinder
"Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann" (Picabia)
Mein Bauchgefühl oder auch Gesprühr für die kleine Maus haben bisher
nur zum Erfolg geführt. Sie hat viele Zwänge, gegen die ich aber nichts unternehmen möchte. z.B. sie braucht einen großen Spiegel zum spielen, damit sie sich selber beobachten kann, sie spielt für ihr Leben gern mit leehren PET Flaschen... usw. Dagegen ist von meiner Seite absolut nichts einzuwenden.
Aber im Zorn zum wiederholten Male die Türzargen raus zu reißen oder das Mobiliar zu zertrümmern, dagegen mußte ich vorgehen....mit Erfolg!!!
Die letzte Eßterapie habe ich auch selbst abgebrochen, da Denise sich so massiv gewehrt hat.
Wir können sie nicht zum essen zwingen, das kann keiner. Der erste Impuls muß schon von ihr kommen.
Immer wieder beobachte ich sie beim Spielen. Da wandern dann Holzpuzzelstücke in den Mund und sie sagt: hmmmmm lecker.
Aber ihr habt ganz bestimmt recht..... jetzt muß für alle erst mal ne Pause in dieses Thema. Sie entwickelt sich sonst so toll... Sprache, Monorik, gesamtes Verhalten, in der Schule läuft es prima.
Ich gehe jetzt vielleicht erst mal die Reinlichkeit an. Da sie noch Windeln trägt wäre das eine "Baustelle" die ja auch sehr wichtig ist.
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