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Sollten die Förderschulen abgeschafft werden?
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Lynx01
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Beiträge: 10
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BeitragVerfasst am: 12.01.2012, 17:38    Titel: Sollten die Förderschulen abgeschafft werden? Antworten mit Zitat

Hallo!

Mich interessiert eure Meinung im Hinblick auf die gegenwärtige Diskussion innerhalb der wissenschaftlichen Sonderpädagogik, wonach das Förderschulwesen in seiner jetzigen Form zu reformieren, wenn nicht sogar abzuschaffen sei und vor allem die Mehrheit der Förderschüler/-innen, die derzeit eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen besuchen, besser im Regelschulwesen zu inkludieren sind.

Ich war zehn Jahre auf einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen und bin der Auffassung, dass nicht wenige Schüler zu Unrecht eine Förderschule besuchen müssen, sowie dass das Förderschulwesen ihre Schüler/-innen bezüglich ihrer schulischen Leistungen schlecht fördert und unzureichend auf ihre weitere schulische wie berufliche Zukunft vorbereitet.

Meines Erachtens werden viele Schüler/-innen mit festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf in die Förderschulen ausselektiert, obwohl sie keine nachweisbare Lernbehinderung besitzen und durchaus in der Lage wären, den Unterricht an einer Regelschule zu folgen, wenn dieser ihren Schwächen besser angepasst wäre. Auch bei meiner Wenigkeit habe ich erhebliche Zweifel, ob der zehnjährige Förderschulbesuch wirklich notwendig war.

Obwohl eine gute Förderschule im Vergleich zu einer Hauptschule durchaus Vorteile haben kann, überwiegen die Nachteile der Sonderschulbeschulung – wie seitens der Wissenschaft bestätigt wird – eindeutig die Vorteile.

Früher trug die heutige Förderschule die pejorativ klingende Bezeichnung „Sonderschule für Lernbehindere“. Obwohl im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit der Förderschüler/-innen eine erhebliche Heterogenität besteht, wird in der öffentlichen Wahrnehmung das Klischeebild des Sonderschülers vor allem von den leistungsschwächsten Förderschüler/-innen bestimmt, auf die die Bezeichnung „Lernbehinderte“ am ehesten zutrifft.

Hier wird wunderwar, mit Bezug auf eine reale Person, das Klischeebild des Sonderschülers beschrieben:

http://www.spiegel.de/karriere/beru.....n/0,1518,779311-2,00.html

Es gibt Förderschüler, wie die ehemalige Förderschülerin aus diesem Artikel, die sogar im Erwachsenenalter weder richtig schreiben noch lesen können und keine ihren Alter entsprechende intellektuelle Reife erreichen.

Lernbehinderte besitzen – nach Angaben so mancher Sekundärliteratur – eine sehr schlechte Allgemeinbildung, können sich nicht differenziert ausdrücken und erreichen maximal den intellektuellen Entwicklungsstand eines durchschnittlichen Zwölfjährigen.

Ich stelle mir die Frage, ob Förderschüler/-innen mit Migrationshintergrund dasselbe Recht für sich beanspruchen können, als „integriert“ zu gelten, wie Realschüler oder Gymnasiasten mit Migrationshintergrund. Diese Frage stelle mich mir, weil ich einen teilweise türkischen Migrationshintergrund habe und – im Gegensatz zu meinen Geschwister, die studiert haben – ein Förderschüler bin. Wenn ich diverse Studien und Berichte über die Integrationssituation der Türken in Deutschland lese, komme ich zum Schluss, dass der schulische Erfolg bei Migranten als der wichtigste Gradmesser für eine erfolgreiche Integration anzusehen ist und dass man als Migrant ein Gymnasium oder zumindest eine Realschule besuchen muss, um als „integriert“ zu gelten.

Ich habe noch nie gesehen, dass ein Förderschüler als Beispiel gelungener Integration gezeigt wurde.

Mich würde eure Meinung interessieren, ob es Sinn macht, das Förderschulwesen weiter bestehen zu lassen. Ich könnte zwar Argumente anführen, die sowohl für den Fortbestand der Förderschulen sprechen würden als auch Argumente nennen, die an der Legitimität des Förderschulwesens starke Zweifel lassen – aber das hier soll ja kein Referat werden.

Was mich auch interessieren würde, ob ihr persönlichen Kontakt zu Förderschüler/-innen habt.
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MamaAlexa
gesperrter User
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BeitragVerfasst am: 12.01.2012, 17:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
auf deine Frage in der Überschrift dieses Threads zu antworten: Nein, sie sollten nicht abgeschafft werden.

Und auf deine letzte Frage zu antworten: Ja, ich habe Kontakt zu Förderschülern. Mein Sohn geht in die 3. Klasse einer Schule für motorische Entwicklung und dort in den Förderbereich Lernen.

Gruss
Alexa

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Alexa mit Luca (* 2003); Sprachentwicklungsstörung; ohne Ursache
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27ronja10
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BeitragVerfasst am: 12.01.2012, 18:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lynx01,

bitte stelle Dich mal vor .

MfG. Ronja

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clarion
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BeitragVerfasst am: 12.01.2012, 18:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lynx,

nein Förderschulen sollte man nicht abschaffen. Ich habe selbst die gymnasiale Oberstufe an einer Förderschule für Schwerhörige und Gehörlose besucht. Das war die beste Schule, die ich in meinem Fall besuchen konnte. Vorher war ich auf einem normalen Gymnasium und habe mich sehr unwohl gefühlt. Meine Nichte kommt im Sommer in die erste Klasse auf die Förderschule Lernen. Sie ist global entwicklungsverzögert, im Sprechen, in der Motorik, in allem. Sie wird nicht mithalten können auf einer Regelschule. Warum sollte man ihr den Frust antun, immer die schlechteste und langsamste Schülerin zu sein? Wir hoffen, dass sie durch den geschützten Rahmen an der Förderschule einen Entwicklungsschub bekommt. Die angestrebte Förderschule liegt direkt neben einer Regelgrundschule und es gibt Koorporationen und Umschulungen, wenn die Kinder aufgeholt haben. Nicht das Konzept Förderschule ist falsch, sondern das, was manche Förderschulen daraus machen. Es muss jedem die Wahl zwischen Förderschule und mehr oder weniger gut gelungene Integration frei stehen.

Lynx, du schreibst sehr gewählt und geschraubt. Hast Du nach der Förderschule Schulabschlüsse nachgeholt?
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Felicitas74
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BeitragVerfasst am: 12.01.2012, 18:34    Titel: Antworten mit Zitat

Ich finde diese müßten sogar Themen präziser werden,den für viele Kinder die Besonders sind gibt es noch nicht mal ein Föderschwerpunkt.
und weil man in eine LB Schule geht heißt es nicht das diese keien Zukunft haben, momentan steckt meiner in eine berufstrainingsmassnahme,die 1 wochen geht plus 5 Wochen Praktikum verteilt auf 2 Schuljahre,kompitenztraining,und testungen und trainingsmassnahmen für stärkenerkennung um es ihnen einfacher zu machen ,wo ihre Stärke liegen für den beruf...allso, mir kann keiner sagen das nix gemacht wird
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Sandra1978
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BeitragVerfasst am: 12.01.2012, 19:14    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lynx01,

wenn die Grundschulen umgestaltet werden und eine Klassengröße von 15 Kindern Standard werden dann können sie gerne alle Förderschulen abschaffen.

Solange aber Kinder mit Defiziten in die Regelklasse mit 25 Kindern und mehr gepresst werden geht es nicht ohne die Förderschulen.

Ansonsten leiden alle darunter und damit meine ich nicht nur die Kinder mit besonderen Kindern sondern auch die anderen Kinder und vorallem die Lehrer.

Gruß Sandra

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Sarah geb. im Dezember 2003; AVWS; Sprachbehindert; Besucht die Förderschule Sprache
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Andrea5
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BeitragVerfasst am: 12.01.2012, 19:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lynx,

ich bin schon für gemeinsame Beschulung, also für Inklusion. Aber leider fehlt das
Knowhow dafür, teilweise Personal und Ausstattung.

Mein Sohn Ben besucht eine Waldorfförderschule und bin zufrieden. Leider gibt
es im Förderbereich geistige Entwicklung bei uns noch keine Inklusion. Das ist
im Moment nur im Förderbereich Lernen und das ist bei uns letztes Jahr erst
angefangen. Und unsere GB-Schulen haben auch keine Durchlässigkeit zu anderen
Schulabschlüssen wie Lernen oder Hauptschulabschluß. Und solche Förderschulen
würde ich abschaffen, die diese Durchlässigkeit nicht haben.

Ben hat den Förderbereich geistige Entwicklung, kann aber auf dieser Schule,
die er besucht, wenn er gut genug wird dafür, den Hauptschulabschluß dort machen.

LG
Andrea

_________________
Andrea Bj.1965/ Jan 11/98 KISS(KIDD), AVWS,
LRS, hypoton /Ben 01/04 KISS(KIDD) , frühkindl. Autismus, Wahrnehmungsprobleme, starke Sprachverzögerung, Hyperakusis
"WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT" (von Peter Thorwarth)
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Manuela15
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Beiträge: 56

BeitragVerfasst am: 12.01.2012, 19:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Andrea5,
ich weiß nicht von welcher Schule du sprichst, aber eine Durchlässigkeit ist immer gegeben, falls das Kind die entsprechenden Leistungen erbringt. Ich habe selber 12 Jahre an einer Schule für GE gearbeitet und, wenn auch nur 2, Schüler zur Schule Lernen zurück überweisen. Hierfür müssen die Kinder aber auch kognitiv in der Lage sein. Bei den meisten geistigen Behinderungen kann man das Ziel "Hauptschulabschluss" trotz intensivster Förderung nicht auch nur ansatzweise erreichen. Hierzu gehört die Beherrschung der Kulturtechniken; eine sehr abstrakte Leistung des Gehirns. Die meisten meiner GE Schüler konnten wenn es hoch kam, Wörter erlesen, mit viel Glück ihren Namen und ihre Adresse schreiben, im Zahlenraum bis max. 100 zählen. Vor Rechnen im eigenltichen Sinne konnte hier nicht die Rede sein. Und das trotz intensiver und unermüdlicher Förderung. Es fehlte ihnen einfach an den notwendigen Voraussetzungen, um diese abstrakte Leistung zu vollbringen. Das Lesen von Bildrezepten ging da schon besser. Das reicht aber noch nicht einmal für einen Förderschulabschluss in einer Förderschule Lernen.
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Andrea5
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Beiträge: 2985
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BeitragVerfasst am: 12.01.2012, 19:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Manuela,

vielleicht habe ich mich auch verkehrt ausgedrückt. Für mich heißt Durch-
lässigkeit zu anderen Schulabschlüssen, ohne die Schule zu wechseln zu müssen.

LG
Andrea

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Jutta T
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BeitragVerfasst am: 12.01.2012, 20:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lynx01,

sorry, aber ich denke bevor man sich hier äußert, wäre es doch schön zu wissen, WER diese Frage stellt ...... Warum stellst Du Dich nicht ersteinmal vor (was ja eigentlich jeder hier macht)?!

Hast Du ein "besonderes" Kind ?

Bist Du vielleicht Lehrer ?

Bist Du vielleicht vom Schulamt ?

.........
Gruss,
Jutta
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