Verfasst am: 12.01.2012, 16:56 Titel: Austausch gesucht: DS-Kinder, die nicht sprechen!
Hallo,
unser Sohn mit DS ist 5 und verfügt noch über kaum aktive Sprache. Sein Sprachverständnis ist sehr gut. Wem geht es auch so? Habt Ihr einen Talker?
Liebe Grüße Manu
Ich habe in meiner Klasse seit letztem Sommer einen kleinen 7jährigen DS-Charmeur, der kaum gesprochen, aber alles Alltagsbedeutsame schon gut verstanden hatte. Bei konsequentem Kommunikationstraining mit GuK ( Gebärdenunterstütze Kommunikation ) macht er nun tolle Fortschritte. Wir begleiten unsere Lautsprache mit den Gebärden. Er ahmt die Gebärden recht gut nach, merkt sie sich schnell und wendet sie überwiegend korrekt an. Wir verwenden in der Unterrichtssituation viele konkrete Gegenstände, Fotos & Bilder. Inzwischen lautiert der Kleine zu den Gebärden sehr sehr viel ( und laut *nerv* ) und man kann so manche Worte schon mit etwas Geduld recht gut verstehen ( oft ist es nur eine Sibe aus dem Wort - aber fast jeden Tag kommt was Neues ). Es macht allen Beteiligten mächtig Spaß!
Habt Ihr eine gute Logo, die sich mit unterstützter Kommunikation auskennt?
LG
Anne _________________ Anne&Thomas (43&47) mit David (9),Judith (8) & HANNAH (4) - Mitochondriopathie ("Morbus Leigh"), Entwicklungsverz., Ataxie, Stammhirnschädigung mit zentr.Koordinationsstörungen beim Sehen,Schlucken,Atmen&Herzfrequenz,daher Button&Tracheostoma, GuK, z.N. nächtl. Beatmung & Betablocker -> es hat sich schon viel regeneriert!!!
in meiner Klasse ist ein mittlerweile erwachsener junger Mann mit DS.
Er kann einige Worte sprechen, tut das aber sehr ungern.
Er ist seit vielen Jahren mit einem Talker versorgt und wendet den in Alltagssituationen gut an.
LG Katrin _________________ Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
das interessiert mich jetzt aber auch, erzähl mal: nutzt er den Talker spontan von sich aus im Alltag oder nur in den "typischen" Fördersituationen wie Essen & Unterricht & Therapie?
Meine Erfahrung mit Talkernutzung bei Menschen mit Förderbedarf geistige Entwicklung ist bislang so, dass der Talker von vielen durchaus recht gut bedient werden kann, aber dieses oft nur nach Aufforderung oder eben ritualisiert in den typischen o.a. Situationen geschieht. Ich hab bislang nur 2 Kids gehabt, die wirklich spontan und kreativ damit kommunizieren konnten - das war echt cool!
Aber selbst wenn die Bedienung nur überwiegend "geübt" gelingt - es ist doch schon eine tolle Erweiterung der Möglichkeiten und die Schüler werden von den Mitmenschen ganz anders wahrgenommen, nicht?!
LG
Anne _________________ Anne&Thomas (43&47) mit David (9),Judith (8) & HANNAH (4) - Mitochondriopathie ("Morbus Leigh"), Entwicklungsverz., Ataxie, Stammhirnschädigung mit zentr.Koordinationsstörungen beim Sehen,Schlucken,Atmen&Herzfrequenz,daher Button&Tracheostoma, GuK, z.N. nächtl. Beatmung & Betablocker -> es hat sich schon viel regeneriert!!!
es ist so, wie du vermutest. Der Junge Mann benutzt ihn fast ausschließlich beim Essen und im Unterricht, weil er "muss".
Dazu muss man aber auch sagen, dass der Talker uralt ist. Wir sind grad dabei einen neuen zu beantragen, der ihm mehr Möglichkeiten bietet.
Er nutzt ihn darüberhinaus nur dann, wenn es wirklich, um seine Bedürfnisse geht- und die sind eben nur zu Bruchstücken auf dem Talker gespeichert. Aber dann kriegt er immer ein fettes Lob
LG Katrin _________________ Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
kannst Du den Talker dann nicht ein wenig umprogrammieren? Unnützes runterschmeißen und dann z.B. seine aktuelle Interessen drauf packen ( "Ich sammel Funky Beans von Real, Du auch?" ) oder auch Floskeln wie "Mistwetter heute!" oder "Mahlzeit!". Ich hab meinen Kids auch gerne die Highlights im Jahr mit Worten draufgepackt ( "Ich mache Praktikum in der Werkstatt!" / "Wir waren auf Klassenfahrt in..." oder "Ich hab bald Geburtstag" und sowas in der Art ).
Einer meiner ehemaligen Schüler ( kognitiv recht fit ) hatte z.B. auch coole Sprüche oder kleine Witze drauf ( "Ey, Du hast ja nicht mehr alle Latten am Zaun!" und so ). Das fand er super und es war sehr sehr publikumswirksam. Die Leute kamen und staunten und so kam die Unterhaltung oft erst in Gang.
Beim Kioskverkauf in der Schule war er oft der "Verkäufer" und begrüßte die "Kunden" mit "Guten Morgen, was möchtest Du haben?" - das Eintüten der Weingummis mußte dann allerdings ein anderer Schüler machen, weil er dazu motorisch nicht in der Lage war.
Was ich noch bislang noch nicht so recht umgesetzt bekommen hatte, ist die Verwendung von den "kleinen kommunikativen Wörtern", mit denen man sich entgegen des üblichen Vokabel-Wissens eher universell äußern kann. Das wären z.B. "süß", "cool", "äzend"... Naja, Theorie & Praxis... Z.Zt hab ich eh kein Kind mit Talker. Aber es ist ein faszinierendes Thema.
@ Manu:
Enrtschuldige das Fachgeplänkel in Deinem Thread!
Voraussetzung für die Talker-Nutzung ist ein Verständnis für Ursache & Wirkung ( z.B. ich muß den Schalter drücken, damit das Licht angeht ) sowie die Fähigkeit, Bilder zu verstehen ( Verknüpfung von dem Bildinhalt "Glas" mit dem Bedürfnis "Ich möchte was trinken" ). Es gibt als Vorstufe sog. "BigMacs", das sind große Tast-Schalter ( wie "Buzzer" im TV ), die man mit individuellen Srüchen programmieren und mit Bildern versehen kann. So kann man z.B. mit dem Kind gemeinsam ein Lied singen, wobei das Kind durch Tastendruck jedesmal das Abspielen des vorher draufgesungenen Refrains auslösen kann.
Liebe Grüße
Anne _________________ Anne&Thomas (43&47) mit David (9),Judith (8) & HANNAH (4) - Mitochondriopathie ("Morbus Leigh"), Entwicklungsverz., Ataxie, Stammhirnschädigung mit zentr.Koordinationsstörungen beim Sehen,Schlucken,Atmen&Herzfrequenz,daher Button&Tracheostoma, GuK, z.N. nächtl. Beatmung & Betablocker -> es hat sich schon viel regeneriert!!!
genau das ist ja das Problem bei dem Gerät.
Es dauert ca. 5 Minuten, um EINE neue Mitteilung zu speichern.
Ich habe seeeehr lange damit zugebracht, die Namen aller Mitschüler zu speichern bzw. zu ändern im neuen Schuljahr.
Das liegt eben daran, dass das Ding so alt ist.
Wir belegen ihn schon mit neuen Sachen, z.B. hat er letzte Woche beim Betriebsbesuch der Werkstatt auch Fragen gestellt, die wir auf dem Talker eingespeichert hatten.
Ich hoffe, dass die KK demnächst das Bewilligungsschreiben schickt, damit wir mit dem "neuen" endlich loslegen können.
Meine anderen DS- Schüler mit schwer verständlicher Sprache werden zum einen mit Gebärden für den Wortschatz, mit mundmotorischen Übungen für die Aussprache und mit Kommunikationstafeln für den Satzbau gefördert. Da zeigen sich schon gut Erfolge, wenn man es konsequent übt.
LG Katrin _________________ Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
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