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Ausgrenzungen in der Nachbarschaft
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Svenja-L
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BeitragVerfasst am: 05.01.2012, 22:22    Titel: Ausgrenzungen in der Nachbarschaft Antworten mit Zitat

Erst einmal wünsche ich allen Forumsteilnehmern ein frohes und gesundes Jahr 2012!

Ich benötige mal Rat betreffend meiner Nachbarn bzw. meinem Verhalten ihnen gegenüber. Zur Zeit fahren meine Gedanken wieder Achterbahn.

Aber erst mal von Anfang an. Wir haben vor 3 1/2 Jahren eine Doppelhaushälfte gekauft auf dem Dorf. Die Nachbarn, alles junge Leute in unserem Alter mit Kindern im gleichen Alter, waren schon eine eingeschworene Gemeinschaft. Die Kinder untereinander befreundet, die Familien durch Kindergarten und Schule verbandelt und zusammengewachsen.

Zur Begrüssung sagte mir meine Nachbarin, wie schade es doch wäre, dass Familie XY weggezogen sei (Vorbesitzer des Hauses); die Kinder hätten immer so wunderbar gespielt zusammen. Das fand ich schon blöde, denn meine Tochter ist ja nun mal eben da, auch wenn es schade ist, dass das andere Mädchen weggezogen ist.
Wir haben uns anfangs echt Mühe gegeben. Haben den Kindern einen Gruß vom Nikolaus an die Tür gehängt, ein Fest gegeben im Sommer, habe mich zum Plausch am Gartenzaun dazugestellt usw. Leider haben wir für unsere Tochter damals keinen Kindergartenplatz im Dorf bekommen, so dass sie schon in eine Aussenseiterposition gekommen ist. Dazu kommt, dass sie sehr schüchtern war und mit Gruppensituationen überfordert war, so dass sie vielleicht komisch rüberkam. Im Kindergarten ist sie erst ganz am Schluss aufgeblüht; nun geht sie auch noch in eine andere Schule (mit den Kindergartenkindern) als die Nachbarskids. Wir haben uns für eine kleine Dorfschule entschieden statt der grossen Gesamtschule mit mehreren hundert Schülern, weil das meine wahrnehmungssgestörte und sensible Tochter es nicht gepackt hätte. Sie hatte im Kindergarten damals heilpädagogische Förderung, und diese hat uns in der Schulwahl bekräftigt.

Nun ist sie für die Nachbarskinder eben "komisch". Trotz Einladungen ihrerseits zum Geburtstag wird sie nie zurück eingeladen; wenn alle vor unserer Tür im Pulk mit dem Rad fahren schaut sie nur zu oder wird weggeschickt. Mir tut das so weh, und ich merke auch, dass das nicht nur mein Problem ist! Sie leidet auch darunter.
Ich habe dann noch versucht, sie zum Kinderturnen im Dorf zu bewegen (sie hat viele Male hintereinander nur geweint am Rand), bin mit ihr zum Kindersommerfest gegangen (sie hat aufgrund Entwicklungsdefizite den letzten Platz gemacht bei den Wettkämpfen und durfte den Ehrungen der Nachbarskindern auf der Tribühne zusehen).
Egal, was ich für sie unternehmen möchte um ihr die Eingliederung in die Nachbarschaft zu ermöglichen, es klappt nicht.
Mit den Kindern aus ihrer Klasse versteht sie sich gut, es kann also nicht nur an ihr liegen. Dort wird sie gemocht und akzeptiert.
Und nun komme ich ins Spiel. Sie spürt ganz sicher, dass ich langsam eine ablehnende Haltung den Nachbarn gegenüber eingenommen habe. Das erschwert es ihr ja, auch unvoreingenommen zu sein, oder? Es hat mir keiner etwas getan, alle sind freundlich zu uns, aber ich nehme es den Kindern persönlich übel, dass sie meine Tochter ausgrenzen. Ich weiss, das sind nur Kinder, aber ich kann nicht anders. Ich ziehe mich nun schon von Festen und Einladungen zurück, und mir graut vor der Vorstellung, heute um Mitternacht rausgehen zu "müssen" um ein frohes neues Jahr zu wünschen.
Bei mir hat sich richtig eine Aversion aufgebaut, leider, und wir müssen ja mit den Leuten bis ans Lebensende klarkommen! Wir haben hier gekauft und können nicht weg.
Was kann ich nur tun, soll ich den Leuten aus dem Weg gehen...oder ab und zu mich zwingen ein nettes Gesicht zu machen. Soll ich hier noch weiter versuchen, um Verabredungen mit meiner Tochter zu kümmern. Eigentlich finde ich, sie sollte das nicht nötig haben! Wenn man sie wegschickt, weil sie nicht dazu gehört, dann eben nicht!
Ich habe übrigens mal versucht, mich einer Nachbarin anzuvertrauen (habe relativ offen übder die Entwicklungsverzögerung und die Wahrnehmungsstörungen berichet und wie traurig ich über die Ausgrenzung bin), und da bekam ich das zu hören, was ich immer zu hören bekomme: bin zu empfindlich, das ist eben so unter Kindern (naja, ihre Tochter kommt ja nicht tränenüberströmt nach Hause) und ich soll das alles nicht so wichtig nehmen. Wenn ich das nur könnte!!!! Langsam kriege ich selber eine Wut auf meine Dünnhäutigkeit und meine Grübeleien und meine eigene Andersartigkeit...warum bin ich nicht so unbeschwert wie andere...dadurch bin ich ja auch kein gutes Vorbild, keine gute Mutter.
Entschuldigung, dass das so lange geworden ist. Ich leide schon ewig unter der Situation und finde keinen Weg für mich!
Ich weiss, dass kinder, denen man ihre Behinderung direkt ansieht, sicher auch unter noch schlimmeren Dingen leiden. Hier ist ja nichts offensichtlich, man hat mir sogar schon zu verstehen gegeben, dass "das alles immer die Schulder der Eltern sei, wenn Kinder SO sind"--->sprich, besondere Kinder!
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Susanne1972
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BeitragVerfasst am: 05.01.2012, 22:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

echt schwierig. Ich kann in deiner Erzählung auch keinen richtigen Grund für die Ablehnung deiner Tochter gegenüber erkennen, da du schreibst, mit ihren Klassenkameraden kommt sie gut zurecht. Kann sie dann nicht mit diesen Kindern spielen, anstatt mit den Nachbarskindern? Oder wohnen diese zu weit entfernt?

Mein Sohn spielt auch nicht unbedingt mit den Kindern in der direkten Nachbarschaft, obwohl ich mich mit den Eltern gut verstehe, Kinder suchen sich ihre Freunde doch selbst aus........

Vielleicht solltest du das Thema "Nachbarskinder" einfach versuchen abzuhaken, du schreibst, die Eltern sind nett zu euch, belasse es doch einfach dabei. Ein gewisser Abstand ist doch garnicht so schlecht, man muß doch mit Nachbarn nicht "dicke" befreundet sein.

Liebe Grüße
Susanne
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Svenja-L
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BeitragVerfasst am: 05.01.2012, 22:53    Titel: Antworten mit Zitat

Es ist nur so schwer, weil alle Nachbarn untereinander die besten Freunde sind, und die Kinder auch die besten Freunde. Und wir hier auf dieser Insel sitzen, mittendrin und doch nicht dabei.

Aber vielleicht alles eine Frage der Einstellung.
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NorbertMN
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BeitragVerfasst am: 05.01.2012, 23:10    Titel: Re: Ausgrenzungen in der Nachbarschaft Antworten mit Zitat

Hallo Svenja,

Svenja-L hat folgendes geschrieben:
Soll ich hier noch weiter versuchen, um Verabredungen mit meiner Tochter zu kümmern.


Ich finde: ja.

Svenja-L hat folgendes geschrieben:
Eigentlich finde ich, sie sollte das nicht nötig haben!


Sollte sie vielleicht nicht, hat sie aber! Mit einer Haltung "dann eben nicht", wie du sie entwickelst, können Kinder doch nicht umgehen. Ich weiß es, weil ich mal einen ähnlichen Fehler gemacht habe und es doch aus meiner eigenen Kindheit hätte besser wissen müssen. Der Trotz, den du deiner Tochter da zum Trost anbietest, wird sehr schnell schal.

Du wirst es selbst wissen: Der Weg führt über EIN Kind, das sich mit deiner Tochter abgibt, ein einziges. Es muss nicht der Star der Nachbarschaftsgruppe sein, sollte aber auch nicht der Außenseiter sein, auch wenn das besser ist als gar nichts. Sie ist klein genug, dass man das ein bisschen strategisch planen kann. Wenn die Mütter nicht mitmachen, kann man es ja vielleicht über die Väter versuchen. Hat dein Mann in der Nachbarschaft einen, mit dem er sich gut versteht? Und dann mit den Kindern ein gemeinsamer Ausflug? Zirkusbesuch? Es muss natürlich möglichst beiläufig aussehen, und auf gar keinen Fall darf man in der Verdacht kommen, die anderen Kinder "kaufen" zu wollen. Aber einen Versuch (oder auch ein paar davon) ist es doch sicher wert.

Gruß,
Norbert

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Vater von Lorenz, Jg. 1994, frühkindlicher Autismus mit schwerer bis schwerster geistiger Behinderung. Tochter Jg. 88, Studentin
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Svenja-L
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BeitragVerfasst am: 05.01.2012, 23:23    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe das mit einem Kind versucht. Dabei herausgekommen ist, dass wir gerne als babysitter genutzt wurden, mehr aber nicht. Das habe ich noch, für meine Tochter, hingenommen.

Sobald aber meine Tochter draussen war und das andere Kind mit einem anderen Kind zusammen war, wurde meine wieder weggeschickt.

Nicht falsch verstehen. Ich würde echt alles für sie machen. Ich habe auch schon viel gemacht, vielleicht auch viel falsch gemacht.
Aber offensichtlich haut es hier nicht hin. Sie hat zwei Freundinnen (Schule), mit denen sie sich trifft. Sie kommt wirklich besser in Zweiersituationen zurecht.

Soll ich da wirklich weiter hinterher laufen? Mein Mann ist übrigens genauso enttäuscht wie ich.
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NorbertMN
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BeitragVerfasst am: 05.01.2012, 23:30    Titel: Antworten mit Zitat

Ich wollte jetzt eigentlich nicht deine Nachbarn verteidigen. Aber mir würde nichts anderes einfallen, als es weiter zu versuchen. Ich kann deinen Schmerz gut verstehen: dein Kind wird abgelehnt und leidet selbst darunter. Das ist grausam. Aber so ist die Kinderwelt.

Ob du es hinterher laufen nennst oder sonst wie: Eine Alternative scheint es nicht zu geben, trotzige Isolation ist sicher die schlechteste Variante von allen.

Dass dein Mann genauso enttäuscht ist, will ich gerne glauben. Ich dachte nur, er könnte ja vielleicht einen besonderen Draht zu einem anderen Vater haben.

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Svenja-L
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BeitragVerfasst am: 05.01.2012, 23:37    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank für Deine Antwort, Norbert (?).
Du wirst sicherlich wissen, wovon Du schreibst. Als Vater eines autistischen Sohnes bist sicherlich oft der Manager der Sozialkontakte Deines Kindes gewesen. Ich habe halt selbst ein generelles Problem mit der grenzwertigen Art meiner Tochter. Hier im Forum wurde auch manches Mal gemutmasst, dass meine Maus autistische Züge habe. Zumindest ist sie ANDERS.
Hier war die besagte "Anführerin" der Nachbarkids tatsächlich 1 x zum Spielen. Da hatte meine Tochter nichts besseres zu tun als die Rolläden runterzulassen und zu brüllen, weil das Spielzeug verrückt wurde. Und das Mädchen dann zu beleidigen, weil sie einen Ast (!!!) vom Rasen mitnehmen wollte. Wenn ich so jetzt darüber nachdenke, hätte ich mit so einem Kind vielleicht auch nicht spielen wollen als 7-jährige.
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togram
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BeitragVerfasst am: 05.01.2012, 23:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Svenja,

ich kann dich gut verstehen aber ein Rat kann ich Dir auch nicht geben!
Wir leben hier mit unserer Tochter auch auf dem Land---wir haben hier auch wenig Kontakt--von mir auch bewusst so gemacht...ich kann mit dem Dorf-Tratsch nicht leben--komme von der Stadt bin das nicht gewohnt!!
Selina ist ein körper-und geistig behindertes Kind und geht in einen Förderkiga und wird jeden morgen mit dem Taxi abgeholt--das ist schon Anlass genug das die lieben Nachbarn tratschen....SCHADE--wir begrenzen uns auf das Nötigste..
Selina geht 1mal die Woche zu einer Mami(die hier auch neu wohnt)zur Betreuung--sie wurde auch schon komisch angeschaut und es wurden komische Fragen gestellt--Finde das echt schade den jeder kann es treffen....

Wünsche dir alles Gute aber wahrscheinlich muss du lernen damit zu leben... Crying or Very sad

LG Togram

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Selina geb. 06,Frühchen 26 SSW,extreme entwicklungsverzögert, cerebrale Bewegungsstörung,op. Herzfehler.
Eine Kämpferin mit einem ausgeprägten Trotzkopf!!
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kathleen w
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Beiträge: 724

BeitragVerfasst am: 05.01.2012, 23:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Svenja-L hat folgendes geschrieben:
Sie hat zwei Freundinnen (Schule), mit denen sie sich trifft. Sie kommt wirklich besser in Zweiersituationen zurecht.


Na dann belasse es doch dabei, wenn sie sich mit diesen beiden gut versteht, ihren Spaß hat und sie auch außerhalb der Schule treffen kann.

Unsere Großen haben auch nicht 10 Freunde und diese wohnen auch nicht alle in unserer Straße, obwohl es hier bei uns einige Kinder in der Nachbarschaft gibt.

Wir grüßen freundlich nach links und rechts. Wenn sich mal ein paar Worte ergeben gut, wenn nicht dann nicht.

Da sind wir richtig froh, daß es nicht solche "Klüngelnachbarschaft" gibt, wo Sommerfest, Geburtstage ...... untereinander gefeiert wird. Auf lange Sicht kommt da meist nicht viel heraus. Mag sein, daß es manchmal funktioniert.
Ist wahrscheinlich so, wie in den Fällen, wo mehrere Generationen unter einem Dach leben. Mal klappt es, meistens nicht wirklich.

Auskommen müsst ihr ja trotzdem mit der Nachbarschaft, also immer schön freundlich bleiben Very Happy . Du hast ja geschrieben, daß sie auch nett zu euch sind.

Ist schwierig - ich weiß...

LG Kathleen

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Kind (2005) ICP, Rolli fahrend, kann kurze Strecken gehen
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NorbertMN
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BeitragVerfasst am: 05.01.2012, 23:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Svenja,

ich will nicht den Küchenpsychologen spielen, aber könnte es sein, dass hier ein Schlüssel für das Problem liegt?

Svenja-L hat folgendes geschrieben:
Ich habe halt selbst ein generelles Problem mit der grenzwertigen Art meiner Tochter.


Ich hatte schon ein bisschen so das Gefühl bei deinem ersten Posting. Da hast du dich selbst als "andersartig" beschrieben. Was soll das heißen? Wir sind doch alle "andersartig", eure Nachbarn eingeschlossen! Deine Tochter ist halt so, wie sie ist, ob "autistische Züge" oder nicht, das muss noch lange kein Grund sein, sie auszugrenzen. Wer ist denn schon "grenzwertig", und was soll das heißen? Hast du das Gefühl, dass du dein eigenes soziales Kapital verschleuderst, wenn du dich für sie einsetzt? Richtet sich deine Enttäuschung über die Nachbarn vielleicht im Grunde auch wenig gegen die Tochter? Das klingt jetzt vielleicht frech, ist aber nicht so gemeint. Man darf ja auch auf die eigene Tochter sauer sein oder enttäuscht über sie, aber man sollte das dann mit ihr ausmachen. Sonst spielst du über die Bande, und damit wird das Mädchen erst recht nicht umgehen können.

Gruß,
Norbert

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