ich entscheide es immer aus dem Bauch heraus. Mein Sohn hat frühk. Autismus und ist 5 Jahre alt.
Die schlimmste Situation hatte ich am Rheinsteig, es war ein schickes Restaurant, mit toller Terasser, er hat sich super gut benommen, war glücklich - nur auf einmal bekam er einen Overload, ich wusste nicht warum auf einmal irgendwas fehlte, bis ich das heraus gefunden habe, dauerte es halt 15-20 Minuten, in dieser Zeit kreischte, schrie er und versuchte seinen Kopf gegen meinen zu schlagen.
Klar es war eine schwierige Situation, da drehte sich die Frau mehrmals nach mir um und sagte, "können sie das Kind nicht ruhig stellen - das ist ja nicht auszuhalten"
- Ich war mit der Suche beschäftigt und habe gesagt, sehen sie, dass ich mich kümmere?
Sie wieder, "jetzt stellen sie endlich dieses Kind ab, das hält man nicht aus, das Kreischen ist schrecklich".
Ich:" Was soll ich jetzt machen, mein Sohn hat einen Grad der Behinderung von 100, er ist schwer behindert und nun einmal auf der Welt, abstellen ginge nur wenn ich ihn tot schlagen würde, ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das meinen".
Sie hat sich mit ihrem Mann fluchtartig woanders hingesetzt, ich fand ein paar Minuten später die Ursache, des Wutanfalls und er war wieder lammfromm - mmmh, naja - ich habe ihnen dann mit meinem Sohn den Regenschirm gebracht, sie bedankten sich und ich sagte:
ich wollte nur nicht, dass sie auf der Flucht vor einem Behinderten ihren Schirm liegen lassen.
Der Mann der Frau war während dessen immer kleiner in seinem Stuhl geworden.
Natürlich habe ich auch viel positive Reaktionen - manchmal jemand, der mich bemitleiden möchte, wenn sie meinen Sohn erleben, doch gibt es auch Menschen, die einem zeigen, wie toll es ist, einen Autisten zu haben.
Das beste war ein 70-jähriger Schweizer, der mit seiner Frau niemals Kinder kriegen konnte, der war total vernarrt in unseren und hatte sehr viel Gelegenheit ihn mit allen Eigenarten kennen zu lernen.
Er war der Meinung, lass´den Jungen wie er ist, der ist in Ordnung, wir hätten uns über so ein Kind gefreut.
Und so ist es auch - so wie er ist, ist er in Ordnung, nach seinen Regeln, ist er ok und wenn man da angekommen ist, dass man zufrieden ist, so wie das Kind ist, kann man auf einmal relativ gut mit allem anderen umgehen.
Und wenn mich andere Mütter fragen, ob mein Kind schon immer so gekreischt hätte und so laut gewesen wäre, sage ich einfach nur, nein, den haben wir extra auf Schulungen geschickt, das er so geworden ist und gut.
Ich weiß, dass keiner meinen Sohn zum Geburtstag einlädt, dass zwar viele nett grüßen, doch mit einem kleinen autistischen Wirbelwind nichts anfangen können - was soll´s, vielleicht kommt das irgendwann einmal, wenn nicht ist es auch ok.
Liebe Grüße
Marion
PS. Geheimhalten - das habe ich nicht getan, ich habe es als normal betrachtet, es gibt halt auch Menschen jenseits der Norm, so wie jenseits der Konfektionsgröße 42 oder kleiner als 1,70m. Nur Norm ist langweilig.
Erklärung hin oder her.....ich finde die Reaktion der Frau nicht so schrecklich schlimm, sondern normal.
Wenn ich allein mit meinem Mann oder mit einer Freundin oder mit wem auch immer essen gehen würde und da würde ein Kind geschlagene 20 Min. rum kreischen, wäre ich auch tierisch angenervt, da wär mir dann auch ziemlich egal, ob das Kind behindert ist, oder nicht und Du könntest Dir deine Erklärung auch sparen.
Ich persönlich würde das auch niemand anderem so lange zumuten wollen und würde mit allen meinen Kindern (1.geistig behindert mit ausgeprägten autistischen Zügen, 2. häufig etwas überdrehter mit ADS-Verdacht, 3. bockiges Kleinkind, 4.Baby mit sehr nerviger Kreischstimme) zumindest vorübergehend das Restaurant verlassen.
Das heißt nicht, dass ich die Besonderheiten meiner Kinder, meine verstecken zu müssen und jede Öffentlichkeit meide...im Gegenteil. Aber immer und überall Rücksicht und Verständnis erwarten kann ich doch nur, wenn ich es auch anderen gegenüber so zeige. Meine Meinung!
LG Ela _________________ Ela (Bj.74) mit Marvin (09/97, CP, geistige Behinderung, fehlende Sprache, Epilepsie, Neurodermitis) und Felix (10/01 ADS?, Neurodermitis) und Gordian Andrin 10/09 und Aurelian 8/11
also ich will nicht ausschliessen das auch ich nach 20min. geschrei genervt wäre, kennt man ja von den eigenen lieben Kleinen , aber ich denke doch das man Kopfmä?ig verstehen kann das er nicht zum Spass schreit und eben einen Grund hat.
Ich habe keine Erfahrung mit autistischen Kindern aber ich weiss nicht ob in dieser Situation, im Lokal, "Flucht" die beste Möglichkeit gewesen wäre?! Wenn ich es richtig verstanden habe, schrie er weil irgend etwas nicht so war wie es für Ihn seien sollte. Wäre Marion dann gegangen und nach Beruhigung wieder rein gekommen, wäre das Problem ja nicht gelöst gewesen!?
Im Grossen und Ganzen denke ich auch: Leben und leben lassen! Aber bei besonderen Menschen mit besonderem Verständnis
Erklärung hin oder her.....ich finde die Reaktion der Frau nicht so schrecklich schlimm, sondern normal.
Wenn ich allein mit meinem Mann oder mit einer Freundin oder mit wem auch immer essen gehen würde und da würde ein Kind geschlagene 20 Min. rum kreischen, wäre ich auch tierisch angenervt, da wär mir dann auch ziemlich egal, ob das Kind behindert ist, oder nicht und Du könntest Dir deine Erklärung auch sparen.
Ich persönlich würde das auch niemand anderem so lange zumuten wollen und würde mit allen meinen Kindern (1.geistig behindert mit ausgeprägten autistischen Zügen, 2. häufig etwas überdrehter mit ADS-Verdacht, 3. bockiges Kleinkind, 4.Baby mit sehr nerviger Kreischstimme) zumindest vorübergehend das Restaurant verlassen.
Das heißt nicht, dass ich die Besonderheiten meiner Kinder, meine verstecken zu müssen und jede Öffentlichkeit meide...im Gegenteil. Aber immer und überall Rücksicht und Verständnis erwarten kann ich doch nur, wenn ich es auch anderen gegenüber so zeige. Meine Meinung!
LG Ela
Hallo,
Elas Antwort kann ich 1:1 für uns übernehmen. Sehe ich auch so.
LG
Sabine _________________ Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
... aber ich denke doch das man Kopfmä?ig verstehen kann das er nicht zum Spass schreit und eben einen Grund hat.
das bestreitet ja keiner...den hätte jedes Baby aber auch und jedes Kleinkind, was grad mit dem Kopf durch die Wand will ebenso. Ich denke da muß man abwägen.
Mag sein, dass das Problem für Marion und ihr Kind mit rausgehen nicht gelöst gewesen wäre, aber 20 min. Gekreische empfinde ich halt doch als Zumutung, der sich die anderen Gäste ja auch nicht einfach so entziehen können.
Sabbert mein Kind auf Grund seiner Behinderung rum, ist mir das egal, auch wenn es von anderen als ekelig empfunden wird, aber niemand ist gezwungen, sich das anzuschauen, genauso bei irgendwelchen stereotypen Hand oder Kopfbewegungen und auch lautieren in annehmbahrer Lautstärke sehe ich nicht als Grund zu gehen, wenn sich andere Leute trotzdem noch in Ruhe unterhalten können.
Aber die Ohren kann man eben nicht so einfach zuklappen.
LG Ela _________________ Ela (Bj.74) mit Marvin (09/97, CP, geistige Behinderung, fehlende Sprache, Epilepsie, Neurodermitis) und Felix (10/01 ADS?, Neurodermitis) und Gordian Andrin 10/09 und Aurelian 8/11
ich kann deine Meinung gut verstehen. Ich denke nur das das wahrscheinlich jeder für sich situativ entscheiden muss.
Meine Eltern haben mit meiner Schwester, geistige Behinderung, auch immer viel Rücksicht genommen. Nur manchmal war es eben schwierig...man kann ja nicht immer und überall flüchten, insbesondere wenn man allein unterwegs ist und oder noch mit Geschwisterkindern im Schlepptau. Aber wie schon gesagt, das müssen Eltern und betreuende Personen situativ entscheiden.
ich habe mich am Anfang kurz nach der eindeutigen Diagnose (mit ca. 2 Jahren) auch sehr schwer getan, wenn andere Eltern über ihre Kinder erzählt haben. Im engsten Familienkreis habe ich es allen natürlich mitgeteilt, da relativ zeitgleich sowohl meine Schwester als auch mein Bruder Kinder bekamen. Da wurde natürlich auf Treffen schon verglichen. Das tat am Anfang natürlich weh, als ich sah, das Franziska sich teilweise langsamer entwickelte. Da hiess es noch "Das holt sie schon wieder auf". Mit der Diagnose gab es dann endlich auch eine Begründung und dann war es nicht mehr so schwer. Auch ich habe die Erfahrung machen müssen, das die ältere Generation damit nicht so richtig zurecht kommt. Da steckt viel Unwissenheit dahinter. Es hat schon gedauert, das sie kapiert haben, das man einen Gendefekt oder den dadurch entstandenen Hirnschaden nicht heilen, sondern nur die Symptome behandeln kann.
Ich habe dann relativ schnell entschieden, damit offen umzugehen, da es natürlich im Freundes- und Bekannten-Kreis nachfragen zum spielen gab. Anfangs war das noch relativ unproblematisch, aber als dann der Kindergarten anfing und gefragt wurde, in welchen Kindergarten Franziska kommt, konnte man es sowieso nicht mehr verbergen (Frühförderung und dann HPK). Und je weiter der Abstand zu den gleichaltrigen war, desto weniger kamen dann auch die Spiel-Anfragen.
Heute (Franziska ist 12) sage ich es neuen Bekanntschaften sofort, wenn ich das Gefühl habe das es in der jeweiligen Situation wichtig ist, da man es ihr nicht ansieht und manch einer ihre Verhaltensweisen (Verhaltensauffällig, spontan Aggressiv, muß vieles anfassen, nimmt Dinge einfach mit, die ihr nicht gehören usw.) sonst nicht einordnen kann.
Letzte Woche hatte sie zum ersten mal einen GrandMal ohne Vorwarnung in der Öffentlichkeit (beim gelben M, hat zur Zeit wieder sehr viele Anfälle allerdings meistens mit Auren, so das wir reagieren können.).
Da waren die Reaktionen doch schon komisch. So ne Art "blos nicht hinschauen", "einfach weiteressen und so tun als würde man nichts sehen". Der Nachbartisch hat den Vogel abgeschossen "Kann ihre Tochter nicht damit aufhören, das stört beim Essen." Ich: "Die kann nichts dafür, das kommt von der lauten Musik die sie immer hört, Sie wissen ja, die Teenies heute ", da war dann betretenes Schweigen.
Ich denke auch, es muss jeder für sich selbst situationsbedingt entscheiden wem er/sie es erzählt.
Froh und überrascht bin ich darüber, das die jüngere Generation (20 - 35) in meinem Umfeld sehr locker mit Franziskas Behinderung umgehen.
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