Verfasst am: 13.12.2011, 21:32 Titel: Wie kann ich eine leichte geistige Behinderung erkennen?
Hallo ihr Lieben. Ich muss euch mal was fragen. Ich bin so durcheinander wegen meiner Tochter. Sie konnte damals erst mit zwei Jahren laufen und sie war einfach mit vielen Dingen spät dran. Jetzt wird sie sechs Jahre alt und sie hat schon große Fortschritte gemacht. Sie bekommt seit Jahren mehrmals die Woche Therapie.Nicht nur wegen der Motorik, sie hat auch andere Probleme.Wir wollen bald einen Test im SPZ machen lassen um herauszufinden, wie ihr IQ ist. Was mich verrückt macht, ist, dass jeder was anderes sagt. Eine Ärztin meinte mal, sie vermutet bei ihr eine leichte geistige Behinderung, ein anderer Arzt meinte, sie könnte wahrscheinlich in die Regelschule gehen. Ich kann es selber einfach nicht einschätzen, da sie mehrere Probleme hat und ich das als Mutter eh falsch einschätze. Viele Dinge versteht sie noch nicht. Rechnen klappt nicht, obwohl sie bis 10 zählen kann. Auch Buchstaben kann sie nicht.Sie redet daheim sehr viel, und sie sagt dann auch, sie will die Buchstaben noch nicht lernen. Sie möchte nie lesen und schreiben können, das ist langweilig. Sprechen kann sie wie gesagt ganz gut wenn sie will. Wenn man sie zu Hause reden hört, glaubt man eigentlich nicht, dass sie behindert ist. Sie will immer alles wissen, und man muss ihr alles genau erklären. Namen kann sie sich auch super gut merken. Wie habt ihr gemerkt, dass eure Kinder eine leichte Geistige Behinderung oder eine Lernbehinderung haben? Was können eure Kinder gut und was nicht? Können eure Kinder rechnen, lesen, schreiben oder Geschichten erzählen? Hoffe sehr, ich könnt mir weiter helfen. LG
Hallo Tinalynn,
mein Sohn hat eine leichte geistige Behinderung.
Er kann lesen. schreiben und rechnen auf Zweitklässlerniveau.
Mit "Langweilig" wurde oftmals vieles von ihm umschrieben, was er nicht machen wollte, weil er ahnte, dass es zu schwierig für ihn sein würde.
Auch er ist erst mit 24 Monaten frei gelaufen.
Heute ist er in einer unterstützten Beschäftigung des IFD.
LG
Anja _________________ Sohn*92 keine Genese, zwischen Gb u. L., ADHS- Symptome, autistische Züge.
bei meinem Sohn bestand auch der Verdacht auf eine leichte geistige Behinderung, zumindest wurde eine ausgeprägte Lernbehinderung diagnostiziert.
Er konnte mit 6 Jahren auch keine Zahlen und hatte kein Mengenverständnis auch Buchstaben haben ihn nicht interessiert.
Er war dann noch ein Jahr in der SVE am FÖZ und wurde dann dort mit 7 Jahren in der DFK eingeschult.
Dort wurde er super betreut und optimal gefördert, heute besucht er die 6.Kl. einer Sprachheilschule ( Hauptschulstufe) mit guten und befriedigenden Noten.
Laut Tests ist er immer noch stark lernbehindert, seine Leistungen zeigen ein anderes Bild.
Also lass dich nicht entmutigen, manchmal können sich die Kinder auch noch stark weiterentwickeln.
meine Tochter ist jetzt 7 Jahre alt und bei ihr wurde vor einem halben Jahr die leichte geistige Behinderung im SPZ diagnostiziert. Wir hatten vorher immer von Entwicklungsverzögerung gesprochen, aber der Psychologe im SPZ sagte uns, ab einem gewissen Alter könne man das nicht mehr so nennen. Unsere Tochter besucht seit diesem Sommer eine heilpädagogische Schule. Sie kann relativ gut sprechen, fragt sehr viel und meistens immer das selbe. Sehr vieles ist ritualisirt und läuft eigentlich jeden Tag gleich ab, auch das Gesprochene. Erzählen kann sie noch nicht wirklich - höchsten mal ein Satz. Wenn ich dann nachfrage blockt sie meistens ab. Rechnen, lesen oder schreiben kann sie noch nicht. Sie kann die meisten Buchstaben erkennen und die Zahlen von 1-10. Aber sie kann sie nicht schreiben. Sie kann auch nicht gegenstänbdlich malen.
Laufen konnte sie übrigens auch erst mit zwei Jahren.
LG
Helene _________________ Tochter, *11/2004, Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen sowie der Sprache, Störung des sozial-emozionalen Verhaltens, Neurodermitis, Rolando-Epilepsie, leichte geistige Behinderung, autistische Züge
+ Tochter, *05/2012
kann dich supergut verstehen. Unsere Maus ist 6 Jahre. Sie ist auch entwicklungsverzögert. Im SPZ wurde dieses Jahr erstmals GB genannt. Sie schnattert den ganzen Tag. Kann gut erzählen.
Erkennt Zahlen 1-10 relativ sicher. Kann bis 10 zählen. An Buchstaben besteht kein rechtes Interesse.
Sie wiederholt in kürzester Zeit ständig die selbe Frage (z.B. während der Orthesenanpassung 6-7x in 15 Min. warum denn der Herr xy da ist.).
2012 steht die Einschulung an. Wir haben z. Z. den Antrag auf Überprüfung des sonderpädagogischen Förderbedarfs laufen. Wird aber erst im Frühjahr ausgewertet / beschieden in welche Schule sie kommen wird.
Ist alles schwierig .
LG Kathleen _________________ Kind (2005) ICP, Rolli fahrend, kann kurze Strecken gehen
Hallo Tina,
bei uns war es sehr ähnlich wie bei Euch. Auch meine Tochter war in vielen Dingen sehr spät in Ihrer Entwicklung. Sie ist mit 18 Monaten freigelaufen, hatte Probleme mit der Sprache, kaum Interesse am Basteln oder malen. Sie hat kaum nach irgendwas gefragt. Es mußte immer die gleichen Bücher vorgelesen werden, wollte immer die gleichen Filme sehen. Allerdings hatte Sie Interesse an Buchstaben und Zahlen.
Sie ist regulär in der Regelgrundschule eingeschult worden. In der ersten Klasse ist Sie langsam gewesen aber alles war noch im Lot. In der zweiten Klasse wurde das Tempo gesteigert, da konnte Sie nicht mehr mithalten. Wir haben uns dafür entschieden das Sie mit Ihren Freunden zusammen bleiben kann, das heißt Sie wird Zieldifferent unterrichtet. So kann Sie in Ihrem Tempo lernen und hat trotzdem Ihre Freunde behalten.
Auch das mit den Ärzten ist und war bei uns ähnlich. Meistens wurde uns gesagt das Sie halt ein Spätzünder ist. Wir mußten um jede Therapie kämpfen. Wann ich gemerkt habe das Sie eine Lernbehinderung hat, eigendlich von Anfang an. Richtig schwarz auf weiß wissen wir es seit Ihrer zweiten Klasse.
unser Ben wird zwischen GB und LB eingeschätzt. Einen IQ-Test zu machen ist
bei ihm allerdings zwecklos. Es wurde mal ein kognitiver Test gemacht mit
5 Jahren. Da sagte man uns, er könnte sowohl die Förderschule geistige Entwicklung als auch Lernen besuchen.
Ob er wirklich GB ist, da steht aber ein großes Fragezeichen hinter. Sein Haupt-
problem ist sein Autismus. Ben wird im Januar 8 Jahre. Er kann sämtliche Buch-
staben und die Zahlen bis 30 schreiben. Vereinzelt liest er Worte. Kann aber
recht gut logisch denken.
Lt. sonderpädagogischen Überprüfung müßte er eigentlich die GB-Schule besuchen.
Das haben wir nicht gemacht. Er ist seit 2010 auf einer Waldorfförderschule
und wird im Moment vom Stoff her im Förderbereich Lernen unterrichtet. Und
kommt recht gut mit.
Sprechen tut er vereinzelte Worte bis zu Vier-Wort-Sätzen. Dafür hat er aber ein
Sprachverständnis eines 6,5 Jahre alten Kindes. Vor einiger Zeit saß er bei
mir auf dem Schoß, hab meine Brille abgenommen und habe ihn angeschaut.
Da sagte er: DU NICHT GUT KUCKEN!! BRILLE AUF . Woher
weiß er das? Darüber habe ich mich wirklich nicht mit ihm unterhalten, daß ich
eine Brille brauch.
LG
Andrea _________________ Andrea Bj.1965/ Jan 11/98 KISS(KIDD), AVWS,
LRS, hypoton /Ben 01/04 KISS(KIDD) , frühkindl. Autismus, Wahrnehmungsprobleme, starke Sprachverzögerung, Hyperakusis
"WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT" (von Peter Thorwarth)
Verfasst am: 14.12.2011, 08:36 Titel: Danke für die Antworten..
Das hat mir jetzt sehr geholfen. Ich selber denke, sie ist Lernbehindert und ich denke ich liege da ganz richtig. Müssen jetzt mal abwarten, was im SPZ gesagt wird. Sie darf wahrscheinlich ein Jahr länger im Kindergarten bleiben, da kann sie dann hoffentlich noch einiges aufholen. Trotzdem frag ich mich wie sie alles aufholen soll. Ich mache jetzt Übungen mit ihr, die gesunde Kinder mit 4 machen. Und sie wird jetzt 6. Das geht doch gar nicht. Nächstes Jahr ist dann wie 5 wird aber 7 Jahre alt. Irgendwie nimmt mich keiner ernst. Ich hätte kein Problem damit, wenn sie geistig behindert wäre. Ich wäre glaub sogar erleichtert, endlich zu wissen, was mit ihr los ist. Ich möchte sie so auf keinen Fall in die Regelschule einschulen lassen. Sie besucht jetzt einen Sprachbehindertenkindergarten und fühlt sich sehr wohl. Im Regelkindergarten wurde sie nur ausgelacht. Ich bin so froh, dass sie jetzt glücklich ist und viel mehr lacht als vorher. Mir ist es wichtig, dass sie dann in der Schule auch mithalten kann deswegen ist mir der Test auch so wichtig.
warte erstmal ab, was ein entsprechender test ergibt.
meine tochter war beim ersten iq test mit 5 jahren an der grenze zur lb, sie war vor allem im bereich konzentration sowas von schlecht a, wahrnehmungsstörungen usw.ch ja, sie war ab geburt hypoton, in sämtlichen bereichen entwicklungsverzögert
auf jeden fall wurde sie in der schule um ein jahr zurückgestellt, in der vorschule konnte sie keinen einzigen buchstaben, konnte gerade mal ihren namen schreiben, an zählen/mengen kein interesse - mir war wirklich himmelangst!
kurz vor der einschulung gab es einen erneuten test iq von 105, wieder hat es die konzentration komplett nach unten gerissen.
in der regelschule klappt es wider erwarten recht gut, im sommer wurde sie auf reha erneut getestet: iq von 127!
was ich damit sagen will, manchmal stehen sich die kinder aus irgendeinem grund (bei uns ADHS, bei dem sohn einer bekannten unerkannte absencen-epi) selbst im weg und vielleicht ist es bei deiner tochter auch so? _________________ viele liebe Grüße,
Sandra
Tochter (2003) ADHS, AVWS, V.a.Asperger, Hüftdysplasie (Zn intertr. Umstellungsosteotomie)
Sohn (2008) Hüftdysplasie, Makrocephalie, Sprachentwicklungs-Verzögerung
jetzt muss ich meinen senf auch noch abgeben. der iq-test ist ja vor allem ein instrument für die fachleute, jemand sauber in einer skala einzuordnen. das hilft bei vergleichen, gutachten und der bewilligung von therapien usw. dem einzelnen kind wird das aber nicht unbedingt gerecht. der iq-test geht nämlich von der normalität aus, z.b. dass die intelligenz sich in jedem der getesteten bereiche wenigestens halbwegs auf vergleichbarem niveau bewegt (was auf unsere kinder oft nicht zutrifft: mein sohn kann nicht lesen, aber seit er drei ist alle buchstaben souverän, er kann sich einfachste sachen nicht merken, aber orientiert sich als hätte er ne straßenkarte eingebaut). natürlich ist der iq-test wichtig, weil die einordnung wichtig ist.
aber zuviel hoffnung auf aufklärung würde nicht nicht unbedingt reinstecken. das ergebnis ändert sich oft von test zu test (siehe oben sandra), vieles wird nicht berücksichtigt (tagesform, störende faktoren im umfeld). für die richtige einschulung muss ja nicht nur der iq passen, sondern auch der rest. mein niedrig getesteter sohn z.b. geht auf eine gb-schule, weil dort nur 9 kinder in der klasse sind und ein hoher betreuungsschlüssel und ein langsames lerntempo. er braucht das aber nicht wegen dem niedrigen iq (der bei autisten eh nicht viel aussagt), sondern wegen der konzentrationsprobleme, der motorischen unruhe, dem profunden sonderpädagogischen fachwissen über herausforderndes verhalten usw.). ob das "gb" heisst oder ob die anderen kinder fitter oder weniger fit sind, ist ihm völlig wurscht. ist nur ein label.
viele grüße, ingrid _________________ Ingrid. Sohn (frühkindl. Autismus), Tochter, beide Grundschulkinder
"Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann" (Picabia)
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