Verfasst am: 13.12.2011, 11:45 Titel: Schwester schubst Bruder, was sie nicht soll - was tun?
Seit ein paar Wochen kann Kilian alleine, ohne sich irgendwo festzuhalten stehen und tut das auch fast immer.
Sein Kinderarzt weiß auch nicht, warum Kilian das jetzt kann, wegen den Einblutungen ist es eigentlich nicht möglich....
Jedenfalls reagieren seine Geschwister alle positv darauf und nehmen rücksicht, er steht manchmal sehr unsicher und fällt dann leicht hin.
Jetzt das Problem:
Seine Schwester Nele findet es irgendwie lustig ihn umzuschubsen, wenn er steht.
Wir haben das schon öfter mitbekommen und Nele auch darauf angesprochen. Sie meine es ja nicht böse aber er soll, ihrer Meinung nach, nicht immer so rumwackeln wenn er steht.
Wir wissen nicht mehr, was wir machen sollen. Eigentlich lassen wir unsere Kinder auch mal alleine im Spielzimmer spielen aber im Moment haben wir da echt Angst vor. Kilian hat ja kaum Muskelkontrolle und wir haben angst, das er sich verletzt.
Habt ihr Ideen? _________________ Jonny, verheiratet seit 2006, mit 10 Kindern (4 Mädchen und 6 Jungs), fast alle gesund außer Nele (*2008) ADS u entwicklungsverzögert (Stand einer 2 jährigen) und Kilian (*2009) Cerebrale Bewegungsstörung (durch Gehirnblutung) mit Spastik in den Beinen und im rechten Arm, kann nicht sprechen, nicht alleine laufen und nicht sitzen
Hallo Jonny,
da hilft meiner Meinung nach nur Konsequenz: Ihr für sie verständlich machen, dass sie ihren Bruder nicht schubsen darf, weil es ihm weh tut. Ich weiß nicht, was sie versteht z.B. "NEIN. Ich will nicht, dass du Kilian schubst. Er tut sich weh wenn er fällt." Wenn sie es doch tut, muss sie von ihm weg. ("NEIN. DU darfst ihn nicht schubsen. Das tut ihm weh." und sie weg schicken, notfalls weg tragen. Und das jedes mal. Auch wenn sie alleine spielen, dann müsstest du in der Nähe sein und direkt reagieren. WÄre das eine Ide für euch?
LG, Marie _________________ Marie (77), Heilpädagogin
Kind 1 (00), Migräne, V.a. ADHS
Kind 2 (05)
Kind 3 (07) ?
Bei meinem oft ungestümem Kleinen hat es, als so Sachen wie Schubsen etc noch häufig vorkamen, wenig geholfen, ihm das zu verbieten. Was aber ganz gut funktioniert hat, war, ihn auf eine andere Handlung umzulenken (z.B. nicht Schubsen, sondern Streicheln. Nicht das andere Kind hauen, sondern gegen die Wand hauen.) Vielleicht findet Ihr was?
LG Iris _________________ Iris mit Johannes (Herbst 2003), Asperger Syndrom, und Konstantin (Frühling 2006), HFA Vorstellung
Hallo Iris, wie ich in deiner Vorstellung gelesen habe, handelt es sich bei deinem Sióhn um ein verahltensauffälliges Kind, daher kann ich mir vorstellen, dass viele "normale" Erziehungsweisen nicht erfogreich sind. Neele ist entwicklungsverzögert- ich denke, dass sie aufgrund ihres ENtwicklungsstandes austestet, was sie darf und was nicht. Bei gesunden Kindern ohne Behinderung gibt es auch die Phase in der man sich selbst nur "Nein" sagen hört EIne Ablenkung ist wenig sinnvoll, da sie keine Grenzen aufzeigt und der Lerneffekt "das darf ich, das nicht" nicht eintritt.
LG, Marie _________________ Marie (77), Heilpädagogin
Kind 1 (00), Migräne, V.a. ADHS
Kind 2 (05)
Kind 3 (07) ?
ich verstehe nicht, welchen Unterschied Du da siehst. Ob ich sage "Nein, nicht schubsen" oder "Nein, nicht schubsen - streicheln" - birgt doch in Bezug auf "Grenzen setzen" keinen Unterschied. In beiden Fällen ist die Botschaft 'nicht schubsen' - im einen Fall muss das Kind sich dann selbst überlegen, was es stattdessen tun soll und wie es den Impuls bezwingt, im anderen hilft man ihm dabei.
Ich sehe übrigens selten Kinder, die bewusst Grenzen austesten (wenn nicht die Erwachsenen anfangen, einen Machtkampf zu inszenieren) - ich habe eher den Eindruck, dass in einem gewissen Alter der Handlungsimpuls deutlich stärker ist als die Steuerungsfähigkeiten.
Edit: Noch mal geguckt - Du hast vielleicht "umlenken" mit "ablenken" verwechselt. Ablenken fände ich auch nicht sinnvoll, aber das habe ich weder gemeint noch geschrieben...
LG Iris _________________ Iris mit Johannes (Herbst 2003), Asperger Syndrom, und Konstantin (Frühling 2006), HFA Vorstellung
ich verstehe nicht, welchen Unterschied Du da siehst. Ob ich sage "Nein, nicht schubsen" oder "Nein, nicht schubsen - streicheln" - birgt doch in Bezug auf "Grenzen setzen" keinen Unterschied. In beiden Fällen ist die Botschaft 'nicht schubsen'
In dem einen Fall wird die Botschaft nicht klar, da direkt abgelenkt wird. hatte ich zumindest so verstanden.
Zitat:
Ich sehe übrigens selten Kinder, die bewusst Grenzen austesten
Das ist schlecht, gehört nämlich zu einer gesunden Entwicklung dazu
Zitat:
ich habe eher den Eindruck, dass in einem gewissen Alter der Handlungsimpuls deutlich stärker ist als die Steuerungsfähigkeiten.
Eben, und dann wird getestet, was geht und was nicht.
Zitat:
Du hast vielleicht "umlenken" mit "ablenken" verwechselt. Ablenken fände ich auch nicht sinnvoll, aber das habe ich weder gemeint noch geschrieben...
Ja, ist wohl eher ein Verständnis/Definitionsproblem Wichtig finde ich nur, dass ganz klar ist: NEIN. DAS DARFST DU NICHT. Danach kann man ja schauen was man nettes machen kann.
Das wäre natürlich ne Idee, nur Nele lässt sich nicht anfassen....
Sie entscheidet selber, wann wir sie anfassen dürfen und wann nicht.
Sie versteht schon, dass sie es eigentlich nicht darf aber sie macht es trotzdem, weil sie meint, dass er es nicht richtig macht... _________________ Jonny, verheiratet seit 2006, mit 10 Kindern (4 Mädchen und 6 Jungs), fast alle gesund außer Nele (*2008) ADS u entwicklungsverzögert (Stand einer 2 jährigen) und Kilian (*2009) Cerebrale Bewegungsstörung (durch Gehirnblutung) mit Spastik in den Beinen und im rechten Arm, kann nicht sprechen, nicht alleine laufen und nicht sitzen
Das wäre natürlich ne Idee, nur Nele lässt sich nicht anfassen....
Sie entscheidet selber, wann wir sie anfassen dürfen und wann nicht.
Hallo Jonny, dann müsst ihr entscheiden, wessen Wohl in dem Moment vorgeht: Schützt ihr Kilian oder handelt nach Neeles Vorgaben? Ich kenne Neeles Problematik nicht, aber normalerweise gibt es Grenzen, in denen Kinder nicht entscheiden dürfen, ob man sie anfasst oder nicht. Beispielsweise, wenn Kinder auf die Straße rennen, dann hält man sie fest, ob sie wollen oder nicht. Also müsstet ihr abschätzen, wie gefährlich die Situation ist. Wie geht ihr dnn sonst mit Regeln bzw. Regelbrüchen um? _________________ Marie (77), Heilpädagogin
Kind 1 (00), Migräne, V.a. ADHS
Kind 2 (05)
Kind 3 (07) ?
Ich sehe übrigens selten Kinder, die bewusst Grenzen austesten
Das ist schlecht, gehört nämlich zu einer gesunden Entwicklung dazu
Das ist Interpretationssache. "Grenzen austesten" bedeutet: das Kind bezieht sich in seiner Handlung auf einen Erwachsenen und betrachtet ihn als Gegner. Das wäre so die Dreykurs-Solz-Interpretation. Wenn ich Kinder beobachte, sehe ich in der Regel das Kind und den Reiz, der den Handlungsimpuls auslöst. Dass da der Erwachsene zwischenfunkt, ist aus meiner Sicht nicht das, was die Handlung auslöst. Wenn das Kind sich nicht ohnehin schon in einem Konflikt mit dem Erwachsenen befindet. Und ich glaube nicht, dass Machtkämpfe zu einer gesunden Entwicklung dazugehören; ich kenne auch sehr gesunde Kinder, die ohne aufwachsen
Aber vielleicht sollten wir dieses Fässlein ganz schnell wieder zumachen, sonst haben wir hier schnell einen vielseitigen ganz unproduktiven Thread, in dem Meinung gegen Meinung steht.
@JonnyN. - Kannst Du ihr das wackelige Stehen als "das ist ok, das macht der so" verkaufen? Mit vielen, vielen Wiederholungen? "Der Kilian wackelt, wenn er steht. Das ist ok. Manche Kinder wackeln, wenn sie klein sind. Der Kilian wackelt auch. Das ist ok."
Ich kenne es bei uns von beiden Kindern, dass die Bewegungsmuster von sehr kleinen Kindern sie extrem irritieren - sie wissen nicht, was als nächstes kommt, in welche Richtung es weitergehen wird... als der Kleine anfing zu laufen, ist bei uns der Große regelmäßig brüllend geflüchtet
LG Iris _________________ Iris mit Johannes (Herbst 2003), Asperger Syndrom, und Konstantin (Frühling 2006), HFA Vorstellung
ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster, aber wenn ich euren unteren Text richtig verstanden habe sind die beiden ja die Nesthäckchen mit einem Jahr Unterschied. Und euer Sohn hätte laut Arzt gar nicht stehen lernen dürfen, ihr und alle anderen Geschwister seid also begeistert. Ich nehme einfach mal an das zeigt ihr auch .
Da frage ich mich halt ob Nele eventuell auch ein bißchen eifersüchtig ist. Das ist wie gesagt eine reine Vermutung, ich kenne die Situation ja gar nicht. Aber falls ja würde ausschimpfen oder sie einfach wegzuschicken die Sitation eher verschlimmern, dann müßte man da anders vorgehen.
Überlegt einfach mal selber, ob da was dran sein könnte, ihr kennt sie schließlich am besten, und falls nicht, schließe ich mich meinen Vorschreibern an. Konsequent NEIN sagen und immer aufpassen.
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