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17-jährigen Sohn (geistig beh.) ins Heim geben?
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Renate N
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Anmeldedatum: 17.06.2011
Beiträge: 50

BeitragVerfasst am: 07.12.2011, 09:05    Titel: 17-jährigen Sohn (geistig beh.) ins Heim geben? Antworten mit Zitat

Mein Junge ist geistig behindert. Seit seiner Geburt lebt er bei mir.
Vor fünf Jahren hatte ich eine Niern- TX, seitdem lebt mein Junge unter der Woche in einem 5- Tage- Internat, am Wochenende ist er bei mir.
Vor kurzem habe ich mich von meinem Mann getrennt und mein Freund ist bei mir eingezogen.
Mein Mann hat sehr viel Alkohol getrunken, war immer nur zu Hause, ist nie weggegangen, hat an unserem Haus nichts mehr gemacht, ABER er hat sich um unseren Sohn gekümmert, wenn ich weg wollte. Dadurch hatte ich sehr viel Freiraum, hatte mich daran gewöhnt, einfach mal wegzugehn, mich auch am Wochenende mal mit Freunden zu treffen..
Irgendwann lernte ich dann meinen Freund kennen und lieben. Er wusste von Anfang an, dass ich, wenn ich mich von meinem Mann trenne, die ganze Pflege alleine übernehmen muss. Er sagte mir, er würde mir helfen, und das tut er auch, allerding nur unter der Woche, ansonsten ist er im Moment das ganze Wochenende unterwegs. Er macht Hausschlachtungen, geht auf Weihnachtsfeiern, Geburtstage usw..
Gestern sind wir nun darüber in Streit geraten, weil er überhaupt nicht versteht, warum ich immer so unzufrieden bin, er würde mir doch unter der Woche helfen. Nun sagte er mir, er hätte das garnicht bemerkt, dass es mir so schlecht damit geht, und ich wäre ihm das Wichtigste im Leben und er würde jetzt alle Termine absagen usw..
Jetzt habe aber ich ein schlechtes Gewissen, weil ich denke, dass ich ihm nicht alles nehmen kann...
Ich habe mir jetzt überlegt, ob ich meinen Jungen nicht in ein Heim geben soll, so dass er einmal im Monat ein Wochenende zu Hause bei uns ist, und ich in den restlichen 3 Wochen auch mal so leben kann, wie ich es will.
Es ist auch so, dass ich mit meinem Jungen nirgendwo hingehen kann, länger als eine Stunde hält er es nirgends aus, dann will er unbedingt nach Hause, Fahrrad fahren, Hof kehren usw...
Hat jemand ähnliches erlebt, und wie habt ihr das Problem gelöst?

_________________
Mutter, 45, nierentransplantiert, Sohn, 16 geistige Behinderung durch Sauerstoffmangel bei der Geburt, cerebrale Krampfanfälle im Neugeborenenalter, kann sprechen, laufen Fahrrad fahren, Tochter, 12, gesund
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MarianneInBerlin
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Beiträge: 509

BeitragVerfasst am: 07.12.2011, 09:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Renate,

ich habe zwar kein geistig behindertes Kind. Aber wenn du wissen willst, wann ich zuletzt im Kino einen Film für Erwachsene gesehen habe: 1997, "Titanic", kurz vor der Geburt meines ältesten Sohnes...

Für mich ist Ausgehen mit Freundinnen nicht mehr so wichtig. Ich bin gerne bei meinen Kindern daheim.

Du schreibst jetzt nicht, ob du berufstätig bist oder so, sondern nur, dass du dadurch, dass du für deinen Sohn da sein musst, "nicht leben kannst, wie du es willst". So ist das nun mal mit Kindern. Hey, dein Sohn kann sich offenbar alleine beschäftigen draußen! Dein Problem ist "nur", dass du ans Haus gebunden bist. Ich bin gespannt, was andere hier dazu sagen werden, die pflegemäßig in vergleichbarer Situation sind. Für mich hört sich dein Problem jedenfalls ziemlich egoistisch an, nimms mir nicht übel.

LG
Marianne

_________________
2 Söhne, der kleine, neunjährige mit ADHS
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Ilona
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Beiträge: 314
Wohnort: Bad Essen

BeitragVerfasst am: 07.12.2011, 09:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Renate,

was mich etwas stutzig macht ist die Aussage, dass Dir Dein neuer Partner ja in der Woche hilft. Dein Sohn ist doch in der Woche gar nicht da, wie kann er Dir dann mit ihm helfen?

Wie geht es denn Deinem Sohn im Heim?
Und wie aufwendig ist denn seine Betreuung?
Geht es Dir nur ums weggehen?

Grundsätzlich kann ich verstehen, wenn man nach Jahren der Pflege sein Leben wieder haben möchte!!!
Dennis wird ab einem gewissen Alter auch seinen Weg (dem Entwicklungsstand angemessen) gehen!!!

Nur wenn Dein Sohn versteht was da passiert ist die Tatsache ganz in ein Heim abgegeben zu werden, damit Mama die Zeit mir ihrem neuen Freund geniessen kann doch hart zu verkraften auch gerade nach der Trennung der Eltern!!!!

Ich finde es ein schwieriges Thema!!!!!
Und ich persönlich bin nicht dafür sein Kind in ein Heim zu geben, damit man seine Freiheiten auch am We hat!!!!
Gerade wenn man schon fünf Tage die Woche nur für sich hat!!!!
Dennis hatte vor kurzem eine sehr sehr schwierige Phase, wo ich auch ins Grübeln geraten bin, wie lange ich das noch händeln kann...ich habe oft geweint, weil ich keine Kraft mehr hatte die schwierigen Situationen vernünftig zu meistern!!!! Nur das waren körperliche Grenzen!!!

Kannst Du Dir fürs erste nicht für die Wochenenden ab und an eine Hilfe ins Haus holen die sich kümmert wenn Du mit Deinem neuen Freund (oder auch alleine) mal etwas unternehmen möchtest??

Liebe Grüße

Ilona

_________________
Ilona 09/1977 mit Dennis 01/2003
Globale Entwicklungsverzögerung (wenige und kleine Fortschritte), keine Sprache, hypoton, autistisch, Epilepsie... Alles ohne Diagnose oder Ursache, und mit meinem geliebten Bruder im Herzen (17.04.1975-14.01.2008)
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Christiane v.Z.
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Beiträge: 1180

BeitragVerfasst am: 07.12.2011, 09:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

erstmal kann ich Dein Gefühl das Du hast nachvollziehen.
Durch die Einschränkungen unseres Sohnes sind wir in seinen schlechten Phasen auch sehr eingeschränkt was Unternehmungen und Ausflüge angeht. Von alleine weggehen als Paar rede ich erst gar nicht.
Da ich keinen habe der unseren Sohn betreut ( er ist auch erst 10 und kann somithin nicht alleine bleiben) bleibt uns nichts anderes übrig als zu verzichten oder die Dinge getrennt zu machen.
Ich habe allerdings einen Mann der sehr häuslich ist und selten ohne mich weggeht. Ich denke wenn das anders wäre hätte ich auch meine Probleme damit.

Die Frage die ich mir stellen würde als Mutter ist was soll mit meinem Kind passieren wenn es 18 und damit volljährig ist ?
Wäre dann eine Unterbringung sowiesoo in Betracht gekommen oder wäre der Zustand so wie er jetzt ist geblieben ( also unter der Woche Internat - Wochenende zuhause ?) ?
Was ich nicht verstanden habe war warum Dein Freund Dir helfen soll wenn Dein Sohn doch im Internat ist. Und ich habe gesehen das Du noch ein Kind hast von 12 Jahren. Was passiert mit dem Kind ? Auch um dieses Kind muss man sich doch kümmern.

Ich würde erstmal versuchen andere Lösungen zu finden und zu gucken wie man sich abwechseln kann in der Pflege und Betreuung der Kinder. Dein neuer Freund hat doch gewusst das DU Kinder hast dann muss man auch zusammen sehen wie diese versorgt werden *meine Meinung*

lg Christiane

_________________
Christiane *80, mit Benedikt *2001, Asperger Autist, hochbegabt
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Marianne56
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Beiträge: 659
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BeitragVerfasst am: 07.12.2011, 09:49    Titel: 17-jährigen Sohn ins Heim geben Antworten mit Zitat

Hallo Renate,

unser Sohn Florian wurde ebenfalls durch Sauerstoffmangel bei der Geburt geschädigt, allerdings wesentlich schwerer. Florian ist motorisch auf dem Stand eines Neugeborenen, geistig zwar auch behindert, er kriegt aber sehr viel mit, hört und sieht gut und hat ein gutes passives Sprachverständnis. Ich kann verstehen, dass Du Deinen Freiraum brauchst, aber:

Florian wohnt seit Ende 2003 in einer stationären Wohngruppe und fühlt sich dort sehr wohl.

Damit das aber für beide Seiten wirklich eine gute Lösung ist, müssen aber einige wesentliche Dinge passen. Das Heim muss auf die Bedürfnisse Deines Sohnes zugeschnitten sein. Gute Heime muss man suchen, wie die Stecknadel im Heuhaufen. Dein Sohn muss in der Lage sein, sich auf ein verändertes Umfeld einzustellen und muss lernen, sich anzupassen. Wie kommt er denn sonst in seinem Alltag zurecht? Besucht er noch eine Schule und wenn ja, wie kommt er dort klar? Kommt er mit anderen Betreuungspersonen zurecht?
Natürlich gibt es auch nach einem Umzug in ein Heim viele Dinge, die weiterhin von der Mutter bzw. von einem gesetzlichen Betreuer zu regeln sind. Und je nach dem, wie gut das Heim ist, ist das manchmal sehr viel. Auch die finanzielle Seite muss geklärt werden. Je nach Bundesland müssendie Eltern mittlerweile in vielen Fällen erheblich Zuzahlungen leisten.

Hast Du Dich auch schon nach anderen Möglichkeiten umgesehen, vor allem für abends oder am Wochenende? In größeren Städten gibt es integrative Freizeitgruppen für behinderte Jugendliche. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass das Angebot einer Verhinderungspflege an dem einen oder anderen Wochenende vielleicht auch schon eine Hilfe wäre. Hat Dein Sohn einen Schwerbehindertenausweis und hoch ist der Grad der Behinderung? Das spielt nämlich dafür eine grosse Rolle.
Außerdem kannst Du auf diese Art und Weise herausfinden, wie sich Dein Sohn mit der Situation in einem Heim zurechtfindet, das ist sozusagen "Schnupperwohnen"

Wir haben das ab ca dem 13. Lebensjahr immer wieder für 1-2 Wochen im Jahr ausprobiert und festgestellt, dass Florian damit gut zurecht kam. Es ist für das Kind bzw. den Jugendlichen dann auch wesentlich leichter, sich an die neue Situation zu gewöhnen.

Viele Grüsse

Marianne

_________________
Marianne, 53, Alois,58, mit Florian, 26, schwere perinatale Asphyxie, weitreichender Hirnschaden, Tetraspastik, Anfallsleiden, geistige Behinderung,seit Dezember 2003 stationär in Wohpflege, Wolfgang, 24, gesund und munter

Die Menschen, denen wir eine Stütze sind, geben uns den Halt im Leben.
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Sylvia7777
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BeitragVerfasst am: 07.12.2011, 09:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Renate,

ich sehe das ganz genauso wie Marianne.Es gibt hier bestimmt ganz viele die es noch schwerer haben und dein Mann hilft Dir doch unter der Woche,da kannst du Dich doch mit Freunden treffen.

L.G.
Sylvia
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Sandra1978
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BeitragVerfasst am: 07.12.2011, 09:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Renate,

ich sehe dein Problem ehrlich gesagt nicht.

Du hast 2 relativ normale Kinder da würde manch User bestimmt glücklich drüber sein.

Was ist so schlimm das Wochenende mit den Kindern zu verbringen?

Du kannst doch in der Woche dein Leben genießen wenn dein Sohn im Internat ist und mit 12 Jahren braucht deine Tochter dich doch auch nicht rund um die Uhr.

Gruß Sandra

_________________
Sarah geb. im Dezember 2003; AVWS; Sprachbehindert; Besucht die Förderschule Sprache
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joeysmommy
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Beiträge: 1902
Wohnort: Saarland

BeitragVerfasst am: 07.12.2011, 10:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich denke nicht, dass uns ein Urteil darüber zusteht, WIE belastet Renate denn nun ist. Und es gibt eigentlich immer jemanden, der es noch schwerer hat, drum gibt es hier nur wenige, die überhaupt je klagen dürften.

Ich denke, hier muss eine LÖsung her, die für alle tragbar ist, und wo keiner auf der Strecke bleibt.

Renate,
Du schreibst, Deinem Frend war die Problematik gar nicht klar. Könnt Ihr da nicht einen Kompromiss finden? Er muss ja nun auch nicht alles aufgeben, aber mal ein Wochenende im Monat für Dich wäre doch vielleicht drin?

Was die Frage nach dem Heim angeht, schließe ich mich einer meiner Vorschreiberinnen an mit der FRage, was Ihr da generell geplant hattet für die mittelfristige Zukunft. Einen fast Erwachsenen langsam aus dem Elternahus zu lösen, ist ja durchaus legitim und kann auch für ihn ein Fortschritt sein. Kann Dein Sohn denn vielleicht äußern, wie er dazu steht?

Aufopfern, nur um nicht in einem schlechten Licht dazustehen, davon halte ich nichts. Und was aufopfern ist, da hat jeder eine andere Vorstellung davon. Du bist ja auch selbst gesundheitlich belastet, was das Urteil hierüber sicher auch nochmal erschwert.

Ich wünsche Dir eine gute Entscheidung, mit der am Ende alle froh sind.

_________________
Liebe Grüße, Verena (*07/78), mit Joana (*06/06), 35.SSW, tiefgreifende Entw.-störung, V.a. ASS, FI, und Joshua (*11/10), Hypopl. d. re. unt. Extremität + Oligodaktylie, statomot. Ret., und Frank (*02/84), der beste Ehemann der Welt!!!

Kinderkrankenschwester in der amb. Intensiv-Kinderkrankenpflege
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anner
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BeitragVerfasst am: 07.12.2011, 10:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich denke, uns steht es nicht zu, zu urteilen......

Auch wenn der Junge ins Internat geht, so ist er in den Weihnachtsferien, Osterferien, Sommerferien, Herbstferien, an Feiertagen und wohl auch Krankheitstagen unter der Woche zu Hause.....

Ich selbst habe einen Pflegedienst, aber nur eine gewisse Stundenzahl, und weiß, seit ich alleinerziehend bin, wie hoch die Belastung oder die "fehlende Freiheit" an gewissen Tagen sein kann...wobei das sehr vom Allgemeinzustand und dem "Drumherum" abhängig ist..... Confused
Und manchmal ist das eigene Ego nun mal größer.....

Es ist wichtig....und richtig...., daß sich ein junger Mann von zu Hause abnabelt....und bei unseren Kindern besteht die Abnabelung wohl nur in der Möglichkeit "Heim"....

Ob das richtig ist, oder der richtige Zeitpunkt, können wir leider nicht entscheiden...

Anne

_________________
DUM SPIRO SPERO
(solange ich atme, habe ich Hoffnung) CICERO

Benedict 06/99, Osteopathia striata, Z. n. Analatresie,neurogene Blasenentleerungsstörung, tracheotomiert, re. blind., Syndakt. beider Hände, Fibulaapplasie beidseits,Makrocephalie, Gaumenspalt u. e. mehr
Tochter A. 01/96, in der Grundschulzeit Absencen
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Isolde
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BeitragVerfasst am: 07.12.2011, 10:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Renate,

irgendwie befinden wir beide uns in der gleichen Situtation,
geschieden,
neuer Partner,
im Grunde alleinerziehend, Entscheidungen alles alleine treffen.
Und auch - Kind zunächst im Internat - Ferien, Wochenenden und Krankheiten muss das Kind nach Hause,
Freiraumgestaltung? - Wochenendgestaltung?

Ich habe mich am Ende auch für das Heim entschieden - es war ein langer Prozess. Dass Jonathan unter der Woche im Internat in München war war zwar irgendwie eine Entlastung, nur wenn es mir nicht gut ging musste ich trotzdem Jonathan nehmen, der ja zu der Zeit sehr wenig Verständnis aufbrachte, dass die Mutter sich schonen muss und das Kind sich mehr mit sich selber beschäftigen sollte, was er kaum konnte.
In München lebte mein Partner nicht bei mir - kam nur an den Wochenenden.

Mir ging es aber am Ende auch nicht anders wie Dir - unter der Woche war in München keine Freizeit möglich. Es arbeitet doch jeder und will dann abends nicht noch um die Häuser ziehen. Somit gingen alle Aktivitäten auf das Wochenende. Diese konnte ich nur wahrnehmen wenn ich es über die Verhinderungspflege und die zusätzl. Betreuungsleistungen (die Du in jedem Fall bekommen müsstest) abgedeckt bekommen habe. Ferien konnte ich nur durchführen weil ich mehrere Organisationen hinter mir hatte die Jonathan aufnahmen - wobei er es uns allen leicht machte, er ging gerne woanders hin und fand das immer toll.

Dann stand die Frage im Raum - Umzug zu meinem Partner, neue Schule - Internat oder Heim. Die Entscheidung fiel mir recht leicht, weil es ein adäquates Internat bei mir nicht gab. Somit blieb nur die Frage - Kind daheim oder Kind ins Heim. Ich muss aber auch arbeiten gehen. Den eigenen Lebensunterhalt für uns verdienen war mir sehr wichtig, weil mein Partner auch morgen theoretisch wieder weg sein könnte. Also - ich empfand Druck in meiner Situation und das Heim entlastet dieses Druck.

Ich nehme jetzt zwar i.d. Regel jedes Wochenende mein Kind nach Hause und in den Ferien ist es teils bei mir, größtenteils aber bei seinem Papa, jedoch kann ich nun sagen - wenn am Wochenende etwas ist, das Kind bleibt im Heim. Ich muss nun nicht mehr Termine ständig absagen und kann mir es erlauben auch krank zu sein und mich in Ruhe pflegen zu können, auch gerade weil ich Vollzeit berufstätig bin und auch von der Arbeit hin und wieder Erholung brauche.

...

Lange Rede, kurzer Sinn,
es muss stimmig sein mit der Entscheidung für ein Heim.
Und - tue es nicht für den Partner, tue es für Dich und tue es für den Jungen wenn ihm das Heim hilft, besser in sozialen Kontakt zu kommen bzw. wenn Du das Gefühl hast, das Heim mit seinen Aktivitäten und der Gemeinschaft kann das Kind besser fördern und fordern und vorallem auch noch besser auf seine Bedürfnisse eingehen.
Eine Entscheidung dafür - das Kind ins Heim geben damit Du mit Deinem Partner wieder die Wochenende um die Häuser ziehen kannst - kann auch ein Schuss nach hinten sein.
Ich verstehe das Anliegen von Dir, ich weiß aber nicht ob Du es nicht dann doch bereust und irgendwann mal der Vorwurf im Raum stünde Deinem Partner gegenüber - "wegen Dir habe ich ...."
Insofern, gut abwägen und auch die Gründe hinterdenken, weshalb man solch einen Schritt tut.
Ich hätte nie Jonathan ins Heim gegeben wegen meines Partners. Das hätte er entweder aushalten müssen oder aber es wäre nie eine Beziehung geworden.
Meine Beziehung zum Kind ist aber auf der anderen Seite auch so gut und so stabil, dass ich es mir erlauben kann das Kind ins Heim zu geben weil ich auch die Erfolge sehe bei denen ich mir eingestehen muss, das hätte ich daheim alles nicht so hinbekommen.

Ich wünsche Dir eine glückliche Hand,
grundsätzlich spricht mit Sicherheit nichts dagegen, einen 17-jährigen in ein Heim zu geben; es würde vermutlich über kurz oder lang sowieso geschehen. Aber es kommt eben, wie Marianne schrieb, auch viel auf das Kind drauf an wie es selber mit der Situation klar käme - also Versuche starten über Probewohnen.

Liebe Grüße - Isolde

_________________
Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten - Katharina von Siena
"Einen Anfang zu machen ist das Geheimnis von weiterkommen" - chin. Weisheit

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