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Damit aus einer Sprachstörung keine IQ-Minderung wird
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Cornelia x Marie Sophie
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Anmeldedatum: 17.12.2008
Beiträge: 1448
Wohnort: Südlich von Augsburg

BeitragVerfasst am: 09.12.2011, 10:46    Titel: Antworten mit Zitat

Maries Sprachentwicklung begann faktisch erst vor knapp einem Jahr und zeigt im letzten halben Jahr eine Entwicklung, die die Therapeuten wohl fast mit einem "Wunder" bezeichnen... Ist aber immer noch Jahre zurück und lautiert wird auch noch...
_________________
Cornelia, Jörg & Marie Sophie (*06/06 - F84.0/H52.3/H52.2)
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kischuerm
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Anmeldedatum: 25.04.2007
Beiträge: 311

BeitragVerfasst am: 09.12.2011, 14:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Tine !

Vielleicht habe ich etwas unglücklich ausgedrückt Embarassed

Ich bin oft frustriert, weil Timo nicht auf "normale Fragen" reagieren kann - wie z.B. "was hat Dir der Nikolaus gebracht" oder "was wünscht Du Dir zu Weihnachten".
Diese Dinge haben für ihn keine Bedeutung - und er hat dafür auch keine Sprache.

Aber er hat ein - für sein Alter absolut nicht typisches - Zeitgefühl, er weiß eben einfach so, welcher Wochentag an welchem Datum ist, ohne dass er einen Kalender lesen kann, kennt von allen ihm wichtigen Personen den Geburtstag, etc etc....
Er kann viele Verben nicht verstehen - er könnte z.B. nicht sagen "das Mädchen rutscht") aber kennt selbstverständlich die Zahlen bis 7000, alle Buchstaben und die Abfolge der Monate. Und er kann hochfrequente Sätze sprechen, die er aus Büchern auswendig lernt.
Solche Dinge werden aber in IQ-Tests in diesem Alter nicht abgefragt - also ist er geistig behindert...

Deshalb habe ich dieses Beispiel gebracht in Verbindung mit fehlender Sprache und angeblich fehlendem IQ.

Gruß
Kirsten

_________________
Kirsten mit Timo (*2005), frühkindlicher Autismus
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Angela77
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Anmeldedatum: 02.09.2010
Beiträge: 1869

BeitragVerfasst am: 09.12.2011, 22:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

Benedicts (rezeptive) Sprachentwicklung - aktive Sprache ist ja bei Nahe 0 - vollzog sich ähnlich ungewöhnlich, oder besser gesagt (?): typisch autistisch.

Bene liiiiiiebt(e) es, sich Dinge in BÜCHERN benennen zu lassen. Er konnte sich auch die skurillsten Sachen (Kranfuss, Markise, Pick-up) nahezu sofort merken und noch Moante später auf Aufforderung zeigen. Generalisieren - das ist vielleicht auch etwasautismusuntypisch - war auch kein Problem. Bene konnte x verschiedene Pferde spontan erkennen, sofern sie in Büchern oder als Spielfiguren zu sehen waren.

ABER: Sobald man ihn draußen, sozusagen in der Realität etwas zeigen wollte, hat er komplett dichtgemacht. X mal haben wir versucht, ihn auf einen echten Hund o.Ä. aufmerksam zu machen, aber Bene starrte DRAUßEn nur Löcher in die Luft.

Ein Hundehalter war total schockiert. Er sagte zutiefst betroffen: Glauben Sie mir, der Junge kann den Hund WIRKLICH nicht sehen Rolling Eyes

Und als wir ihn das erste Mal in die Nähe eines echten Pferdes brachten, wäre er fast kollabiert - vor lauter Panik. Für ihn waren Tiere klein, flach, unbeweglich - Büchertiere eben. Das die Realität so anders aussah, muss ein fürchterlicher Schock gewesen sein, zumal sein Spezialinteresse von Klein auf Größenunterschiede, Abstände, Spiegelungen und Perspektivenwechsel sind.

Noch heute entdeckt fast ausschließlich Dinge, die er zuerst aus Büchern kennt, oder lässt sich nur auf solche Dinge hinweisen.

Bei meiner NT- Tochter ist es gerade umgekehrt. Sie entdeckt in Büchern vorrangig Dinge, die sie aus der Realität kennt Laughing

Ich kann ihm das Leben fast nur kognitiv zeigen, den besten Kontakt haben wir bei kognitiven Spielen. Sie fallen ihm leicht und er genießt es, für seine Erfolge gebührend gelobt zu werden.

Ihr könnt euch vorstellen, wie "befremdlich" es z.B. in einem Wartezimmer wirkt, wenn ich mit meinem nichtsprechenden bzw. laut lautierenden und dadurch deutlich GB wirkenden Dreijährigen Buchstaben und Zahlenpuzzle ab 5 mache Embarassed Embarassed Embarassed .
Aber es ist meine einzige Chance: Wenn ich ihn in diesen Situationen nicht geistig fordern würde, würde er die anderen Wartenden mit seinem Hin-und-Her-Gerennen-und-alles-aus-allen-Perspektiven-Betrachten, wahnsinnig machen Wink

Naja, wenn bezüglich meiner Fremdwahrnehmung zwischen unrealistisch-überehrgeizig und erziehungsunfähig wählen muss, nehme ich lieber ersteres Wink

Stimmt zwar beides nicht, aber im ersten Fall schweigen wenigsten alle (wenn auch beklommen Rolling Eyes ), während man im zweiten Fall nicht selten ungefragt realitästsfremde Erziehungratschläge bekäme Laughing Laughing Laughing Nöööö, muss ich nicht haben Wink

LG
Angie

_________________
Benedict / März 2008 - expressive Sprachentwicklungsstörung, FKA, aber unter gfcf-Diät seit 12/2010 macht er Riesenfortschritte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

(wird regelmäßig aktualisiert, Diäteffekte ab Seite 3)

und Mila *April 2010 - etwas hypoton;
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Andrea5
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Anmeldedatum: 12.10.2006
Beiträge: 2985
Wohnort: Seevetal

BeitragVerfasst am: 09.12.2011, 23:20    Titel: Antworten mit Zitat

Angela77 hat folgendes geschrieben:


Benedicts (rezeptive) Sprachentwicklung - aktive Sprache ist ja bei Nahe 0 - vollzog sich ähnlich ungewöhnlich, oder besser gesagt (?): typisch autistisch.


Ihr könnt euch vorstellen, wie "befremdlich" es z.B. in einem Wartezimmer wirkt, wenn ich mit meinem nichtsprechenden bzw. laut lautierenden und dadurch deutlich GB wirkenden Dreijährigen Buchstaben und Zahlenpuzzle ab 5 mache Embarassed Embarassed Embarassed .
Aber es ist meine einzige Chance: Wenn ich ihn in diesen Situationen nicht geistig fordern würde, würde er die anderen Wartenden mit seinem Hin-und-Her-Gerennen-und-alles-aus-allen-Perspektiven-Betrachten, wahnsinnig machen Wink



Hallo Angela,

das kommt mir bekannt vor. Als wir noch nicht die Diagnose Autismus
hatten und er diesbezüglich ja untersucht werden sollte, also der erste
Diagnoseversuch im hiesigen SPZ in Hamburg (wo natürlich die Testerin
keine Ahnung von Autismus hatte).

Für sie war Ben irgendwie geistig behindert, er sprach ganz wenige
Worte bei der Untersuchung. Nach Abschluß des kognitiven Testes sagte
die Testerin zu mir: IHR KIND IST EIN BUCH MIT SIEBEN SIEGELN.
SPRACHE EINES ZWEIJÄHRÍGEN KINDES, LÖST ABER AUFGABEN EINES
4 JAHRE ALTEN KINDES, DAS FINDE ICH SCHON KOMISCH. DAS WAS
IHR KIND HAT, DASS HAT MIT Autismus NICHTS ZU TUN. BLICKKONTAKT HÄLT ER JA, ABER DIE TEILWEISE NICHTBETEILIGUNG
BEI DER TESTUNG, DA KANN ICH Autismus NICHT FESTSTELLEN.
Ben war zu diesem Zeitpunkt knapp 5,5 Jahre alt. Das er die Aufgaben
eines 4 Jahre alten Kindes löst, hätte ich aber nicht gedacht. Er ist
mit einer schweren Lernbehinderung davongekommen. Ich finde die
Aussage der Testerin sehr seltsam.

Und ein Jahr später in der KJP hat man über den Bericht vom SPZ nur
den Kopf geschüttelt. Mein Kind ist eindeutig autistisch. Wohlgemerkt
aber nicht schwerstbetroffen.

Tja, für die Testerin im SPZ war es wohl ungewöhnlich, ein Kind was
sehr wenig spricht, sich sogar im Förderbereich Lernen bewegen kann.

Und es gibt frühkindliche, nicht oder wenig sprechende Autisten, die
machen ihren Hauptschulabschluß. Theoretisch auch bei Ben noch
drin (er besucht so eine Schule, wo man diesen Abschluß machen kann)
Es muß ja nicht immer GB-Schule sein (da gehören viele frühkindliche
Autisten eigentlich auch nicht hin.) Kuck mal hier rein:


http://www.welt.de/wissenschaft/art.....-Hauptschulabschluss.html

LG
Andrea

_________________
Andrea Bj.1965/ Jan 11/98 KISS(KIDD), AVWS,
LRS, hypoton /Ben 01/04 KISS(KIDD) , frühkindl. Autismus, Wahrnehmungsprobleme, starke Sprachverzögerung, Hyperakusis
"WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT" (von Peter Thorwarth)
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