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Geld kontra Kindeswohl?

 
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sabine g
Reittherapeutin
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Beiträge: 236
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BeitragVerfasst am: 30.11.2011, 01:55    Titel: Geld kontra Kindeswohl? Antworten mit Zitat

Hallo Ihr Lieben,

heute erzähle ich Euch mal eine Geschichte: Am Wochenende bin ich -statt wie sonst immer bei meinen Pferden zu sein- mal mit der Bahn gefahren. Hinter mir saß eine Frau, die ihre beruflichen Probleme mit ihrem Lebensgefährten (laut und deutlich) besprach. Lesen war kaum möglich und so hörte ich erst zwangsweise dann aber zunehmend interessierter mit:

Sie arbeitete offenbar in einer Therapieeinrichtung für autistische Kinder. Und dort hatte sich doch tatsächlich ein Elternpaar eine ABA Therapie für ihr Kind gewünscht. Scheinbar hatte diese spezielle Förderung bei ihrem Arbeitgeber (ein großer Anbieter mit vielen Leistungen, der vom Landkreis pro Förderung/pro Kind bezahlt wird) keiner drauf und nun ging die Diskussion los, was zu tun sei. Man könnte einen externen Anbieter mit ins Boot holen und von dem abgucken, wie man das macht. Sobald man es kann, kann der wieder gehen. Nachteilig wäre, dass man das Kind zunächst als Kunden verliert. Der Kostenträger würde keine Leistungen mehr überweisen. Nun, sie dürften keine Gewinne erwirtschaften, seien gemeinnützig, und sie wüßte auch sowieso nicht, wo die ganzen Gelder hingingen, aber die Kundenzahlen dürfe man niemals mutwillig reduzieren. Also könnte man den Eltern erzählen, dass die internen Leistungen supergut seien, ihr Kind im Gegensatz zu ABA sicher besser fördern würden und so auch nicht das Gesamtgefüge (Kind auch im KiGa desselben Arbeitgebers) verloren ginge. Und Ängste schüren, dass das Kind durch die fremde Förderung in der Entwicklung zurückbleiben würde, zumindest durcheinander käme.

Ich war kurz davor, mich umzudrehen und ins Gespräch zu funken.

Immer wieder ging durcheinander, ob es nun um die bestmögliche Förderung für das Kind ginge oder doch mehr um die Existenzängste der Angestellten ob der bedrohlichen Konkurrenz durch andere Therapieformen. Die Meßbarkeit von Erfolgen war wichtig, aber zugleich -denn man arbeitet ja mit Menschen- war es eine absolute pseudowissenschaftliche Schönredefarce.

Ich platzte fast innerlich.

Warum erzähle ich Euch das alles? Weil ich denke, ihr solltet auf Euer Bauchgefühl und Eure eigenen Informationsquellen vertrauen, statt auf jene Therapeuten, die Euch andere Therapieformen ausreden oder Euch absichtlich verunsichern. Ich war so wütend, dass Kinder -bei einer durchaus seriös wirkenden großen und bekannten Einrichtung- intern in erster Linie Kostenerbringer sind.

Bitte versteht mich nicht falsch, sicher bringen viele Therapien Eure Kinder ein großes Stück weiter im Leben. Das will ich überhaupt nicht in Frage stellen. Und bestimmt arbeiten top qualifizierte Leute auch beim obigen Arbeitgeber. Dennoch diese nachdenklich stimmende Anekdote aus der Bahn.


Liebe Grüße
Sabine
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Esthephania
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BeitragVerfasst am: 30.11.2011, 08:16    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Nun, sie dürften keine Gewinne erwirtschaften, seien gemeinnützig, und sie wüßte auch sowieso nicht, wo die ganzen Gelder hingingen, aber die Kundenzahlen dürfe man niemals mutwillig reduzieren. Also könnte man den Eltern erzählen, dass die internen Leistungen supergut seien, ihr Kind im Gegensatz zu ABA sicher besser fördern würden und so auch nicht das Gesamtgefüge (Kind auch im KiGa desselben Arbeitgebers) verloren ginge. Und Ängste schüren, dass das Kind durch die fremde Förderung in der Entwicklung zurückbleiben würde, zumindest durcheinander käme.


Hallo Sabine,
ich finde das ja super schwierig hier etwas dazu zu sagen, da man den genauen Wortlaut nun nicht kennt. Und Vielleicht haben diese Leute etwas ganz anderes gemeint wie Du es nun hier darzustellen versuchst. Das weiss ich nicht.

Aber ich kann mir vorstellen, dass Du Deine " Kunden" auch nicht verlieren willst und dann intern auch vom Angebot abweichen würdest, damit Du Alternativen für Deine Patienten anbieten kannst. Wenn diese Leute einem Kind absichtlich schaden wollten , wäre es nun Deine Pflicht, dieser Einrichtung Meldung zu machen.
Aber das wird ja nun nicht der Fall sein. Oder?

Andere Leute in der Bahn belauschen und ihr pers. Gespräch dann veröffentlichen. Sowas macht man eigentlich auch nicht.

_________________
Viele Grüße Esthe

mit Tochter, 16 Jahre, spastische Diparese, Infantile Cerebralparese

Eine kränkende Wahrheit ist mehr wert als eine reizende Schmeichelei
Johann Heinrich Pestalozzí
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Oskar
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Beiträge: 377

BeitragVerfasst am: 30.11.2011, 09:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
belauschen würde ich das nicht nennen, wenn jemand laut in der Öffentlichkeit
seine Ansichten ausdiskutiert.
Dass Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz haben und den "Kunden" nicht
externen Angeboten zuführen wollen, verstehe ich, trotzdem wäre in vieler-
lei Hinsicht mehr Transparenz gegenüber den Eltern sehr wünschenswert
und das wird oftmals tunlichst vermieden...
Viele Grüße, Oskar
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sabine g
Reittherapeutin
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Wohnort: Osnabrück

BeitragVerfasst am: 30.11.2011, 10:39    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Esthe,

doch, ich habe schon viele Kunden "verloren". Wenn man z.B. erkennt, dass ein Kind in der Reittherapie bestimmte Dinge zeigt, die eine Ursache woanders vermuten lassen, dann bleibt man nicht auf Symptomkurierkurs sonders empfiehlt, die Ursache erforschen und gezielt behandeln zu lassen- bspw. KISS. Bei vielen KISS-Kindern war anschließend keine weitere Therapie mehr nötig.

Ebenso halte ich es für meine Pflicht, Anfragen mit eindeutig hippotherapeutischen Förderbedarf an Hippotherapeuten zu verweisen. Letztes Beispiel ein zweijähriges Mädchen, welches wegen Blindheit noch nicht laufen gelernt hatte. Natürlich könnte ich den Eltern sonstwas erzählen, dass auch Heilpädagogisches Reiten ganz toll sei, aber ich finde das Kind gehört in professionelle Hände. Da geht es mir um sowas wie Berufsethik.

Und noch ein Beispiel: Immer wieder wünschen sich Eltern 10er Karten und unverbindliches Therapiehopping. Und immer wieder erkläre ich, dass ich in 10 Einheiten nicht zaubern kann, dass es einen längeren Prozess braucht, bis wir Therapieziele wirklich umsetzen können. Alles andere wäre Fun-Reiten. Und verliere so potentielle Kunden durch meine Ehrlichkeit.

Und belauschen mußte ich wirklich nichts, wenn es vertraulich gewesen wäre, hätte man sich leise unterhalten können statt alle umsitzenden Personen damit zu beschallen und zu nerven. Was ich öffentlich machen wollte, ist der eher seltene Blick hinter die Kulissen.

Liebe Grüße
Sabine
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Kaaren
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BeitragVerfasst am: 30.11.2011, 13:03    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Weil ich denke, ihr solltet auf Euer Bauchgefühl und Eure eigenen Informationsquellen vertrauen
Ja
Viele Grüße, Karen
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