wenn Du Dir wegen des Duzens unsicher bist, fang lieber erstmal mit "Sie" an (denn vom "Du" zurück auf's "Sie" ist es schwieriger). Du kannst ja auch sagen, dass Du noch nicht weißt, wie Du das auf Dauer handhaben willst. Man kann auch Siezen und den Vornamen verwenden, das ist vielleicht ein Kompromiss.
Ich persönlich habe vor allem zu der letzten Familie, in der ich tätig war, ein doch sehr privates Verhältnis, fahre auch mit meiner Familie mal wochenends hin, wir haben auch schon Silvester zusammen gefeiert (einmal davon war ich im Nachtdienst und durfte Mann und Tochter zum Feiern mitbringen). Die Mama darf auch mal anrufen, wenn sie Sorgen hat, aber dann muss ich mich auch manchmal unbeliebt machen, wenn es mir mal zuviel wird. Es ist schon schwer, da Grenzen zu stecken. Und da nicht immer alle Mitarbeiter so ein Verhältnis zu der Familie haben, kommt es da auch mal zu Eifesüchteleien oder zweifelhaften Unterstellungen. es ist eben schon eine Gratwanderung.
Und ich fühle es auch selbst so, wie Nellie sagt, man ist ein Gast, der nicht eingeladen wurde. Kein ungebetener Gast, aber man muss wissen, dass nicht immer alle froh sind, dass man da ist.
Ein extra Übergabebuch finde ich auch gut, grad auch, wenn es keine 24h-Pflege ist und man sich die Dienste nicht immer übergibt. Aber grundsätzlich sollte aus der Doku alles ersichtlich sein, auch für eine nicht eingearbeitete Kraft. Das kommt aber auf das System an, das der PD in Sachen Doku hat.
In Tagdiensten macht man auch oft Ausflüge mit der Familie, oder einfach Banalitäten wie einkaufen oder spazieren gehen. Wenn die Familie sich sicherer wird und das Kind stabiler, kommen auch solche Sachen wir Martinsumzüge dazu. Ich bin sowohl tags als auch nachts immer wieder mal mit Kind alleine gewesen, manchmal auch mit dem schlafenden Geschwisterkind (das mit dem Geschwisterkind ist aber eine private Absprache). Die Mutter ruft dann ab und zu an, um zu fragen, ob alles okay ist, und läßt mir auch ihre Nummer da für Notfälle. Wir sitzen auch manchmal zusammen beim Kind, oder zusammen im Wohnzimmer und quatschen einfach.
Bei uns wurden Regeln immer erst mündlich besprochen. Erst wenn es damit Probleme gab, wurden sie auch schriftlich festgehalten. Teamsitzungen sind wichtig, werden aber bei manchen PD's einfach nicht gemacht. Da liegt es dann an den Eltern wie am Personal, das einzufordern. Bei manchen finden die Sitzungen an neutralem Ort statt, bei manchen in der Familie, manchmal mit, manchmal ohne Eltern.
Ich selbst meistens nur ein Kind zu pflegen, weil ich auch nur noch in Teilzeit arbeite. Grundsätzlich finde ich es gut, bei zwei oder drei Kindern zumindest mal gewesen zu sein, falls man mal einspringen muss, aber ich bin auch froh nur mit einem Kind, weil man sich da ganz anders einlassen kann. Denn natürlich stehen einem die Kinder sehr nah. Dadurch dass man, nicht wie in der Klinik, nicht von einem Patienten zum anderen hechten muss, kann man sich ganz anders einfühlen, macht sich ganz andere Gedanken, führt in der Familie andere Gespräche. Da bleibt man emotional nicht unbeteiligt, und das soll ja auch so sein.
So, ich hoffe, ich habe nun alle Fragen beantwortet. Wenn nicht, oder wenn Dir noch was einfällt, meld Dich einfach. Dafür musst Du Dich auch nicht entschuldigen... _________________ Liebe Grüße, Verena (*07/78), mit Joana (*06/06), 35.SSW, tiefgreifende Entw.-störung, V.a. ASS, FI, und Joshua (*11/10), Hypopl. d. re. unt. Extremität + Oligodaktylie, statomot. Ret., und Frank (*02/84), der beste Ehemann der Welt!!!
Kinderkrankenschwester in der amb. Intensiv-Kinderkrankenpflege
vielen Dank für eure Antworten, das hilft mir wirklich weiter. Das mit dem Heft finde ich eigentlich ne schöne Idee, das werde ich machen.
Leider haben wir nicht so viel Platz, denn das mit dem Vorraum ist natürlich echt schön, gerade wenn die PK sich zuück ziehen möchte. Aber wir versuchen das Zimmer so einzurichten, dass es eine kleine Nische gibt, die dann Rückzugsort wird.
Ist die Dokumentation denn so wie in der Klinik?
Und das mit behandlungs- und Kombipflege verstehe ich leider gar nciht, PS haben wir ja beantragt und der PD sagte uns schon, dass das Pflegegeld dann wohl an sie gehen wird wegen den 24 h, richtig?! Ist uns ja Recht, denn ich bin froh, dass ich mein Baby überhaupt zu Hause haben kann.
Und eine ganz andere Frage mal: wie ist das mit den Litern Sauerstoff? Ihr gebt das immer in Litern an, ich kenne es aus der Klinik von Gabriel nur in %. Interessiert mich jetzt mal am Rande.
Manu _________________ Manu(*1981), Dirk (1980), Leon-Niklas (*12/2001), Lexa Laureen (*06/2009) & Luis Gabriel (*06/2011) Tracheobronchomalazie & Williams-Campbell-Syndrom
was ich noch sagen wollte, was ich an Ausstattung wichtig finde: Ein Stuhl, auf dem man bequem auch länger sitzen, aber auch schreiben kann, aber auch nicht so bequem, dass man darin einschläft (passiert bei sehr weichen Sesseln beispielsweise, wenn man so gemütlich einsinkt). Und die richtige Beleuchtung. Einerseits eine wirklich helle Lichtquelle, um gut arbeiten und beobachten zu können, und ein sehr dezentes Lämpchen, das nachts an bleibt, denn bei Euch wird es ja auch so sein, dass die PK nachts beim Kind im Zimmer bleibt. _________________ Liebe Grüße, Verena (*07/78), mit Joana (*06/06), 35.SSW, tiefgreifende Entw.-störung, V.a. ASS, FI, und Joshua (*11/10), Hypopl. d. re. unt. Extremität + Oligodaktylie, statomot. Ret., und Frank (*02/84), der beste Ehemann der Welt!!!
Kinderkrankenschwester in der amb. Intensiv-Kinderkrankenpflege
Hallo Manu,
schön zu hören, dass Ihr nun einen Termin habt.
Wir haben auch 24 Stunden und führen trotzdem die Grundpflege selbst durch. Man hat hier das Recht, zu wählen. Wir waschen, duschen, transferieren unser Kind, essen mit ihr und tragen sie alle zwei Stunden auf die Toilette und die Treppe runter, wenn wir rausgehen. Dafür bekommen wir das Pflegegeld. Kombileistung heißt, das Ihr Euch die Grundpflege mit dem Pd teilt. Beispielsweise übernimmt der PD die Morgenpflege und das Sondieren oä.
Wichtig ist es, die Gesetzeslage zu kennen,die es der Kasse erlaubt, einen hälftigen Abzug der Grundpflegezeit (bei drei Stunden also 1,5 Stunden) von den Behandlungspflegestunden vorzunehmen, wenn Grund- und Behandlungspflege von ein und der selben Person vorgenommen werden. Macht der Pflegedienst "alles", müsst Ihr Euch also auf einen geringfügigen Abzug von den 24 Stunden einstellen. Bei uns kümmert sich der PD um die Doku, wenn wir unser Kind waschen oÄ und oft ist es auch so, dass sie auf Toilette sitzend abgesaugt werden will, Grund- und Behandlungspflege also nebeneinander laufen, was bei Überwachung der Atmung ja eigentlich immer so ist. Wenn wir duschen, steht der PD sowieso wegen der Gefährdung daneben. Wenn man die ganze Grundpflege "abgibt", stelle ich es mir bei 24 Stunden schwierig vor, noch intime Zeit mit dem Kind zu haben. Unser Kind ist 5 und möchte von Mama gewaschen werden. Außerdem werdet Ihr, versiert wie Ihr seid, ja nicht "Nichts" an Pflege machen und dafür dann gar kein Pflegegeld zu bekommen, fände ich nicht wirklich in Ordnung. (wir haben das Pflegegeld gerade in sündhaft teure Winterklamotten für Kinder mit Sitzschalenversorgung investiert, darein passt nämlich keine Winterjacke) Es hängen am Pflegegeld auch Rentenversicherungsbeiträge und eine Art Unfallversicherung. Lasst Euch da lieber noch einmal beraten, denn man ist an die Entscheidung dann 6 Monate gebunden.
Grüße Franziska _________________ Franziska mit Luna, geb. 2006, gesund bis 2010. Viral bedgt. Encephalitis und Myelitis, in Folge Tetraparese, respir. Insuffiziens, Trachealkanüle, Teilbeatmet, Peg.
+ drei Geschwister
Ja, an die Lichter haben wir auch gedacht Verena. Wir haben eine sehr helle Schreibtischlampe, die auch biegsam ist und eine Deckenlampe und eine kleine Wandlampe.
Zum Sitzen wie gesagt einmal Ball und dann so einen Schwinger mit Fußteil.
Danke Franziska für deine Antwort. Ich habe zu allem Rechtlichen leide echt noch keine Ahnung...ich muss gestehen, dass ich momentan noch so kraftlos bin, wenn ich denn Zeit hätte mich da mal durchzulesen, fehlt mir einfach die Kraft zum Denken...klingt wahrscheinlich ziemlich blöd, aber so ist es.
Das Thema Pflege mit allem was dazugehört ist ganz neu für mich und neben all den anderen Dingen, die zu klären und erledigen sind, ist das wohl zu kurz gekommen.
Wer berät mich denn diesbezüglich am Besten? Die Pflegefibel hier aus dem Forum habe ich mir schon runtegeladen und werde sie dann mal durcharbeiten. Aber einen Ansprechpartner zu haben wäre ja auch sehr schön. Evtl. die Sozialabeiterin aus der Klinik?
Beim Antrag auf die PS wurde ich auch als Pflegeperson eingetragen, da ich ja recht viel da sein werde und dann wohl ganz automatisch vieles selber machen werde und auch möchte.
Manu _________________ Manu(*1981), Dirk (1980), Leon-Niklas (*12/2001), Lexa Laureen (*06/2009) & Luis Gabriel (*06/2011) Tracheobronchomalazie & Williams-Campbell-Syndrom
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Verfasst am: 06.11.2011, 23:14 Titel:
Hallo Manu,
ich kann dir auch nur aus der Seite der PK berichten..
Was ich dich erstmal Fragen möchte ist: Haben sich die PK die dann bei Euch arbeiten werden schon bei euch im Krankenhaus vorgestellt, bzw ist so etwas noch angedacht`??
Ich persönlich finde dies immer sehr wichtig. Denn es ist wohl schlimm, wenn ihr als Mamis und die Papis am Entlassungstag Euch mit Fragen quält (was kommt da für eine, wie ist sie wohl, und so weiter)!
Ich arbeite derzeitig nur bei Jonny (deren Mama schreibt hier auch aktiv mit). Wir sind der erste PD für die Familie und auch da gab es unwahrscheinliche viele Fragen und Gedanken. Ich war 3 Wochen vor geplanter Entlassung bei Jonny im Krankenhaus um Ihn, Mami und seinen Bruder kennnenzulernen ( Papa war arbeiten). Wir haben uns viel über die Situation unterhalten, Jani hat mir von Jonny Geschichte erzählt und ich konnte mich schon das erste mal mit Jonny vertraut machen. So konnte Jani mir im Vorfeld schon viele Fragen stellen, die den beiden durch den Kopf gingen.
Am ersten Tag, der erste Nachtdienst, kam ich als hier an und wusste wer vor mir steht und sie wussten wer kommt. Ein gutes Gefühl. Jani hat mir ausführlich alles gezeigt und erklärt.
Die Doku ist ähnlich wie in der Klinik, aber auch von PD zu PD etwas anders.
Heute ist es so, dass ich Teamleitung bin und alle neuen Kollegen einarbeite, so dass Jonnys Mama oder Papa dies nicht tun müssen.
Wir sitzen im Wohnzimmer und haben die Möglichkeit unseren Laptop mit zu bringen und dürfen das Wlan nutzen, Fernseh schauen und Rauchen gehen ( was keine Selbstverständlichkeit ist und auch nur unter bestimmten Regeln passieren kann (Hände wachen etc. danach,etc.!!). Wir können uns Kaffee oder Tee machen und die Mirkowellen nutzen. Zur Toilette gehen wir im Gästebad. Jonny hat ein Babyphone über das wir Pumpe und Monitor und natürlich Jonny hören können. Jede Schwester hat so ihre Hausschuhe hier. =)
Was ich im Erstgespräch immer sage ist: Ehrlichkeit steht mit ganz oben. Gefällt einem was nicht, ob nun Eltern oder PK, oder fällt dir was auf, dann immer das Gespräch suchen um Dinge schnell aus der Welt zu schaffen.
Jedem von uns wurde gesagt, dass man, wenn Nachts mal was sein sollte, können wir jederzeit die am Schlafzimmer klopfen oder im Akutfall rufen, da wird keinem der Kopf abgerissen.
In den ersten Tagen habe ich mit Jonnys Eltern zusammen die Doku ausgearbeitet, bzw verfeiniert. Diese beinhaltet zu dem Standart dazu: Notfallplan, Mediplan, Telefonliste, Ernährungsplan, Pflegeplanung, Tagesstrukturplan, Anamnese....! Ebenso haben wir ein Übergabebuch, da wir Schwestern und nicht zur Übergabe sehen. In dieses kann aber genauso Jani reinschreiben, wenn mal was wichtiges ist, bevor man es vergisst.
Ich habe zur ersten Nacht den Eltern auch gesagt, dass es okay ist, wenn sie Nachts gucken kommen, wenn sie beunruhigt sind. Das ist das normalste der Welt und dafür wird jede Schwester Verständnis haben. Ist ja eben eine neue Situation.
Hmm ich glaub das wars erstmal was ich so los werden wollte....!
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Verfasst am: 06.11.2011, 23:16 Titel:
@Manu
Bezüglicher deiner Fragen, kannst du dich entweder an die Sozialarbeiterin im KH oder direkt an die Pfelgedienstleitung deiner Pflegedienstes wenden....die können dir sicher helfen.
grob ist Grundpflege alles wie Waschen, Wickeln, Füttern, Rumtragen, Umsetzen, alles was quasi jeder so kann. Wobei das beim Sondieren etwas doof ist. Es zählt zum Füttern und ist trotz des Umgangs mit einer Sonde, der ja nicht jedem Laien mal locker von der Hand geht, eben Grundpflege. Allerdings nur, wenn man Essen und Flüssigkeit drüber gibt. Wenn man Medikamente gibt, ist es keine mehr.
Für die Grundpflege bekommt man Pflegegeld oder Pflegesachleistung von der Pflegekasse. Oder man kombiniert es und bekommt einen Teil als Geld und einen Teil macht der PD.
Die Behandlungspflege ist das Gegenstück dazu und sind Maßnahmen wie Absaugen, Umgang mit der Beatmung, Inhalieren, Medikamente verabreichen, Überwachen, Bebeuteln, usw.
Das wird von der Krankenkasse bezahlt. "Der Anspruch auf häusliche Krankenpflege besteht nur, soweit eine im Haushalt lebende Person den Kranken in dem erforderlichen Umfang nicht pflegen und versorgen kann." (SGB5 §37 (3)) Wir Eltern machen es nämlich kostenlos!
Der einfachere Teil ist ja erstmal die ganz normale Versorgung Eures Babys mit Wickeln, Waschen und Anziehen. Machst Du es selbst, bekommst Du Geld dafür. Für jedes Mal, das jemand anderes es tut, bekommst Du weniger Geld.
Ich denke, es wäre gut, an der Stelle erstmal anzufangen und es selbst auszuführen, damit Euch ein Platz bei Gabriel ganz sicher ist. Denn oft wird von den Familien mit 24h-Pflege beschrieben, dass sie das Gefühl haben, das Kind sei gar nicht richtig ihres.
Das war jetzt recht kurz zur rechtlichen Lage. Hilft Dir das schon?
LG
Nellie _________________ Linn *2004, Intensivkind mit schwerster Mehrfachbehinderung durch eine Gehirnfehlbildung namens pontocerebelläre Hypoplasie Typ 2a (PCH 2a), Sondenkind mit Button, Epilepsie, Tracheostoma, nachts beatmet, schwere Wahrnehmungsstörung und ein zauberhafter roter Lockenkopf mit festem Willen und Ann *06/09, fröhliche Minimaus --> unsere Vorstellung und --> Bilder von uns
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