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Nachbarn, die die Seite wechseln
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Anna Katharina M-D
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BeitragVerfasst am: 29.10.2011, 18:13    Titel: Nachbarn, die die Seite wechseln Antworten mit Zitat

Guten Abend zusammen,

ich fühle mich gerade wie nach einem Kinnhaken. Habe gerade eine Nachbarin getroffen, die meinen dreijährigen Sohn fragte "Na, wie gehts der Mama." Natürlich hab ich für mich selber geantwortet, dass es uns nicht so besonders geht, weil unser Ungeborenes schwere Nierenprobleme hat. Und die Nachbarin darauf: "Ja, das wusste ich schon von der Nachbarin XY. Die war ja voll schockiert, dass du IHR was über die Gesundheit deines Kindes erzählst. So offen sollte man halt nicht sein."

Auf ein "tut mir leid für euch" oder etwas in der Art habe ich dann gar nicht mehr gewartet, sondern meinen Großen gepackt und bin gegangen. Jetzt ist mir auch klar, warum die andere Nachbarin mit ihrem gleichaltrigen Sohn immer verschwindet, wenn wir auf der Straße erscheinen.

Hallo, muss ich mich jetzt dafür entschuldigen, dass mein Kind krank ist, oder was? Was ist den falsch dran, den nächsten Nachbarn zu erklären, warum man momentan komisch drauf ist und dauernd die Mülltonnen vergisst etc.?

Schon klar, mit den eigene Problemen hausieren gehen ist auch nicht gut, aber wenn man direkt gefragt wird, wies dem Baby geht?

Viele Grüße,

Anna
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joeysmommy
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BeitragVerfasst am: 29.10.2011, 18:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anna,


das ist das bekannte Problem an der Frage nach dem Befinden. Die Leute fragen zwar, aber wirklich wissen wollen sie es dann doch nicht. Sie wollen einfach gefragt haben und bestenfalls hören, dass alles wunderbar und Euer Leben ein Ponyhof ist...

Wobei ich sagen muss, dass ich die Reaktionen dennoch unter aller Würde finde. Ich kann noch irgendwie verstehen, wenn die Leute betreten zu Boden schauen, weil ihnen die Worte fehlen und sie von den Nachrichten ein bisschen überfahren sind, aber sich nach der Nachfrage dann über die Offenheit zu beklagen, ist schon dreist.

Nein, Du musst Dich sicher nicht für die Krankheit Deines Kindes entschuldigen. Wenn es Dir wichtig ist, frag doch die entsprechenden Nachbarn, was sie sich denn als Antwort gewünscht hätten. Es wäre eine durchaus angebrachte Frage, und dann würden sie eben in die Situation kommen, nach Worten ringen und sich rechtfertigen zu müssen. Eine ähnliche Situation, in die sie Dich auch gebracht haben. Ansonsten, wenn es Dir nicht wichtig ist, wechsel doch Du in Zukunft die Strassenseite und zeig ihnen, was Du von ihnen hälst.

Jedenfalls musst Du Dich sicher nicht rechtfertigen. Ihr habt eine mutige Entscheidung getroffen, Euer Kind leben zu lassen, ganz gleich, ob es krank ist, und Ihr habt allen Grund, erhobenen Hauptes durch die Strassen zu laufen.

_________________
Liebe Grüße, Verena (*07/78), mit Joana (*06/06), 35.SSW, tiefgreifende Entw.-störung, V.a. ASS, FI, und Joshua (*11/10), Hypopl. d. re. unt. Extremität + Oligodaktylie, statomot. Ret., und Frank (*02/84), der beste Ehemann der Welt!!!

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Michaela W.
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BeitragVerfasst am: 29.10.2011, 19:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anna,

nee, Du mußt Dich auf gar keinen Fall dafür entschuldigen/rechtfertigen, dass Dein Ungeborenes krank ist. Soweit kommts noch.
Natürlich ist es für Außenstehende nicht immer leicht, die richtigen Worte zu finden und richtig zu reagieren. Das verstehe ich auch voll und ganz. Aber die Straßenseite zu wechseln und sich quasi drüber beklagen, weil Du so offen warst, das finde ich daneben.

Und denke Dir einfach das hier: http://youtu.be/B5ne6Yelufs

LG von Michaela

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Michaela (12/68, alleinerziehend; habe aber ne tolle Familie) mit Kevin (9/91): Unklare Genese mit beinbetonter Tetraspastik, Pseudotumor Cerebri (Shunt sei 01/2010), Brachydaktylie der Finger, leichter Lernbehinderung, Bluthochdruck.
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Christin L.
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BeitragVerfasst am: 29.10.2011, 19:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anna Katharina,
das ist so ätzend, dass ihr euch zu allen Sorgen noch mit solchen blöden Äußerungen auseinandersetzen müsst. Ich kenne solche Momente und weiß, wie schwer es ist, das wieder aus dem Kopf zu bekommen. Es gibt eben jede Menge Leute, die diese Frage nach dem Befinden tatsächlich nur auf der "Smalltalk - Ebene" stellen - aber es gibt sicher auch welche, denen tatsächlich etwas daran liegt, zu erfahren, wie es euch geht.
Deine Nachbarin hat im Grunde nichts über dich gesagt mit dieser Bemerkung, sondern sehr viel über sich selber. Einfach armselig, so was!
Ich wünsche euch weiter ganz viel Mut und Kraft, den Weg zu gehen, für den ihr euch entschieden habt!
Liebe Grüße, Anne-Christin

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Anne-Christin mit Jonathan (*20.09.2010) - 26+3 Ssw - Diagnosen: Kurzdarmsyndrom nach Volvulus, PVL und Porencephalie beidseitig, Microcephalie, Leichte geistige Retardierung, ICP (Tetraspastik), Epilepsie
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MarianneInBerlin
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BeitragVerfasst am: 30.10.2011, 08:45    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Anna Katharina,

das Verhalten deiner Nachbarinnen ist wirklich kleingeistig und spießig...

Aber ehrlich gesagt würde ich auch nicht quasi auf der Straße allen möglichen Bekannten ein Gespräch über den labilen Gesundheitszustand meines Ungeborenen aufdrängen. Vergiss die Mülltonnen, du bist niemandem Rechenschaft schuldig.

Liebe Grüße
M

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Anna Katharina M-D
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BeitragVerfasst am: 30.10.2011, 20:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ihr Lieben,

danke für euren Zuspruch!

Mir wars nur nochmal wichtig, dir Marianne, zu sagen, dass ich niemandem ein Gespräch aufzwinge, aber wer mir schon von weitem mit "Uuuuuuuuuuund, alles gut mit dem Baby???" ankreischt, muss doch auch irgendwie auf eine negative Antwort gefasst sein, finde ich (ich meine, die Leute wissen, dass unser erster gestorben ist). Und ich rede dann auch nicht stundenlang drüber.
In einem 4000-Seelen-Dorf wie dem unseren fände ich es auch echt traurig, wenn man tatsächlich nur "ja, super" antworten dürfte. Dann könnte ich auch gleich in eine Großstadt ziehen, wo ich nicht fast allen Nachbarskindern schon die Windeln gewechselt habe.

Viele Grüße, Anna
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MarianneInBerlin
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BeitragVerfasst am: 31.10.2011, 08:43    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Anna,

dann sag doch einfach "Nee, nicht wirklich, aber ich möchte jetzt gerade nicht darüber reden." Dorf hin, Dorf her, auch dort hat man eine Privatsphäre...

Liebe Grüße und alles Gute!
Marianne

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IrisB
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BeitragVerfasst am: 31.10.2011, 09:02    Titel: Antworten mit Zitat

MarianneInBerlin hat folgendes geschrieben:

dann sag doch einfach "Nee, nicht wirklich, aber ich möchte jetzt gerade nicht darüber reden."


Warum denn? Wenn mich jemand fragt - warum sollte ich nicht antworten? Natürlich kann und darf man so antworten, wie Du es vorschlägst - aber die Mutter schlecht zu machen, weil sie nicht so geantwortet hat, finde ich wirklich unterirdisch. Und das ist keine Dorf/Großstadt-Angelegenheit.

LG Iris

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MarianneInBerlin
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BeitragVerfasst am: 31.10.2011, 12:33    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Iris,

klar kann man antworten, wie man will. Aber dann darf man sich eben nicht wundern, wenn sich die anderen das Maul drüber zerreißen - pardon my French. Wenn man ein eher dünnes Fell hat, sollte man sich eher bedeckt halten, das ist meine Erfahrung.

Lieben Gruß
Marianne

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Michaela W.
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BeitragVerfasst am: 31.10.2011, 16:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Marianne!

Hm, ich glaube in einem Dorf geht es ganz anders zu, als bei uns in der Großstadt. (ich wohne ja auch wie Du in Berlin Wink)
Ich weiß nicht, ob es nun unbedingt was mit einem dünnen Fell zu tun hat. Anna hat erst vor kurzem erfahren, dass ihr Ungeborenes schwer krank ist. Das muß ja erstmal alles sacken. Und dann ist es ja auch ein Unterschied, ob ein Kind schwer krank oder behindert ist.

LG von Michaela

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