Verfasst am: 11.10.2011, 21:51 Titel: Keine Freunde - was nun?
Hallo an alle, bin neu hier und hätte eine Frage.
Vorab aber einige Grundinfo´s. Wir haben zwei Kinder. Der Große wird im Dezember 16 Jahre und ist wohl auch ein besonderes Kind.
Er wurde per Kaiserschnitt geboren. Es dauerte insgesamt ziemlich lange und er wollte selber nicht mit helfen. Kurz vor dem Ansetzen des Kaiserschnittes habe ich einige Presswehen per Delirium durchleben müssen, bei denen sich ein kleiner Arzt auf meinen Bauch geworfen hat um das ganze zu unterstützen. Werde ich nie vergessen und ggf. ist das einer unserer Auslöser für den heutigen Stand der Dinge.
Lucas war jedenfalls schon immer ein sehr ruhiges Kind und traute sich nichts zu. Er hatte vor allem Angst, was ander Kinder in seinem Alter ohne Bedenken ausprobiert haben. Bei ihm gab es kein auf die Bäume klettern oder von einem kleinen Hocker hüpfen oder solche Sachen.
Er bekam in der Kita schon Förderung für Bewegung und spielerisches Lernen. Eingeschult haben wir ihn dann in einer Montessorischule. Hier lief die ganze Sache dann so richtig schön bürokratisch über Gutachten usw. Hier allerdings nicht mehr mit KÖ sondern nur noch auf Lernproblematik. Das immer wieder verlängerte Gutachten zieht er bis heute mit.
Wir hangelten uns mit selbstorganisierten und bezahlten Reittherapien und Horchtherapie und ständigen AUF und NIEDER so durchs Leben.
Bei allen Erwachsenen kommt er immer als sehr zuvorkommend gut an, aber bei Gleichaltrigen nicht. Da unsere Montessori-Schule nur bis Klassenstufe 4 geht, habe ich ihn dann auf eine Integrative Schule gegeben. In der Hoffnung, dass ihn das mehr im realen Leben hält. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.
Jedenfalls hat er dort einen Freund gehabt, der dann weit weg zu seinem Vater gezogen ist (den kannte er noch aus der Monte) und einen Freund mit ADHS - der auf Grund ständigen Mobbings usw. vor 1 1/2 Jahren die Schule gewechselt hat.
Man bekommt aus ihm auch nur ganz schlecht den wirklichen aktuellen Stand zu seinem Gefühlen heraus. Meist erzählt er nichts oder nur bruchstückhaft oder wiegelt alles runter.
Vor geraumer Zeit hatte sich alles mal wieder so sehr angestaut, dass er eben erzählt hat, dass er niemanden in der Schule hat, mit dem er eben mal quatschen kann. Er hat das Gefühl, dass er immer ausgelacht wird. Und alle meiden ihn.
Und eh jetzt hier noch ein Roman entsteht ...
Gibt es denn hier oder wo anders eine Möglichkeit vll. gleichaltrige Kontakte zu knüpfen, mit denen er Chatten könnte oder E-Mail-Kontakt aufnehmen kann?
Vielleicht hilft ihm das ja? Ich hab keine Ahnung.
Ich kann ihm zwar zuhören - und das weiß er auch, aber ich glaube er braucht da dann doch jemanden der sich mit so lapidaren Dingen - was war am Wochenende - welches Auto findest du cool - bequatschen lässt.
wir haben auch so einen Einzelgänger. Ist zwar noch jünger, aber jetzt wird die Problematik schon deutlich.
Wir haben schon so viel ausprobiert - leider hat nichts geholfen.
Auch er kommt mit Erwachsenen hervorragend aus. Unser Freundeskreis liebt ihn, genauso wie die Nachbarschaft. Er führt gerade im Hobby-Bereich hochspezialisierte Gespräche und hat schon von wirklichen Fachleuten Lob ohne Ende bekommen.
Er hat klare Vorstellungen für seinen Beruf und knüpft jetzt schon Beziehungen.
Seit seinem jetzigen Schulwechsel scheint es mit Gleichaltrigen besser zu klappen, aber nicht so, dass er Freundschaften pflegen möchte. Seine Denk- und Sichtweise ist so ganz anders. Trotzdem hätte er gerne einen Kumpel.
Ich musste gerade grinsen beim Thema "welches Auto findest du cool"
Dein Sohn wäre gesprächsmäßig auf lange Zeit beschäftigt
Liebe Grüße von Ivonne
die Dir zwar nicht helfen kann, aber deine Sorgen versteht _________________ Sohn 99, ADHS, KISS-Syndrom, HB,sozial-ängstliche Störung
Er hat das Gefühl, dass er immer ausgelacht wird. Und alle meiden ihn.
hat er nur das Gefühl oder passiert das tatsächlich? Geht er offen auf die anderen zu oder macht er eher mit Körpersprache vlt den Anschein, dass er gar nicht mag?
Vielleicht kann er den Spieß rumdrehen und offen auf alle zugehen und sehen was passiert. Vielleicht kann er mal jemanden nach den Hausaufgaben fragen oder was anderes zur Schule und so den Faden in die Hand nehmen. Aus einem Satz werden zwei und dann viele mehr.
Was sagen die Lehrer? hast du schon mal darüber gesprochen? Was meinen die Lehrer, was er für Signale aussendet? Vlt kann mal eine Teamarbeit zu ersten Kontakten führen, die man dann ausbauen kann. Binde die Lehrer einfach mit ein und bitte um Unterstützung.
Viel Glück!
Gruß Kerstin _________________ Kerstin mit Markus(*97), Hydrocephalus mit schwerem Verlauf und Epilepsie und Philipp (*93) 28SSW NEK, jetzt Kurzdarmsyndrom,Nierenproblematik
Ein behindertes Kind ist wie ein krummer Baum - du kannst ihn nicht gerade biegen, aber du kannst ihm helfen, Früchte zu tragen.
wir haben alles an sozialen "Gruppen" mit unseren Beziehungsprofis durchprobiert.
Zuletzt gelandet sind wir bei einer kirchlichen Gruppe, zunächst in der Kindergruppe, dann jetzt in der Jugendecke. Dort wird einfach nur viel gemeinsam gemacht, Kirmes, Kochen, Reden ect., gem. Wochenenden und Freizeiten. Dabei spielen Handicaps keine Rolle. Bei der letzten Freizeit waren zwei blinde Kinder, ein Rolli-Kind und ein entwicklungsverzögertes Kind mit.
Zur Zeit schnuppert die Große außerdem im Jugend-Rote-Kreus und beim THW.
Am Schulproblem ändert das zwar nichts aber soziale Kontakte außerhalb sind besser als nichts. Und der Großen hilft es auch beim Erlernen des Smalltalks.
Lotta _________________ Tobi 01, 28 SW, BNS-Epi überstanden, Wahrnehmungs-und Orientierungsprobleme, Distanzlos und quitschfidel mit zwei großen Schwestern.
Hallo Sina,
macht es vielleicht Sinn einfach mal ein paar Kiddys aus der Schule zu Euch einzuladen - ne kleine "Kennenlernfete" - steht doch jetzt Halloween an...
Vielleicht lässt sich dann auch von Dir erkennen, ob Dein Sohn dieses Außenseitersein nur so empfindet oder ob es tatsächlich so ist.
Hat er Hobbys, wo er sich einer Gruppe anschließen kann?
Ist nur eine Idee...
LG und viel Erfolg!
Nicole _________________ Grüße von Nicole (*72) und Tim (*09), diverse Hirnfehlbildungen und seit Febr. 2010 West-Syndrom (leider seit Mai 2011 nicht mehr anfallsfrei mit auffälligem EEG) - kann nicht sprechen, nicht laufen, nicht sitzen, nicht krabbeln - ABER unser Li-La-Launebär - Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiss wie Wolken schmecken -
wie gern möchte man als Mama da helfen, aber gerade was Freundschaften angeht ist das sehr sehr schwer. Leider.
Vielleicht ist die Idee mit dem chatten ganz gut. Die Jugendlichen halten sich doch heutzutage viel bei 'Facebook' und 'SchülerVZ' auf. Wäre doch möglich, dass er sich darüber mit anderen aus der Schule 'unterhalten' und anfreunden kann. Wenn er es denn möchte...
Bei meinem Sohn ist das, wie man sich bei der Diagnose vorstellen kann, so gut wie unmöglich mit Freundschaften. Er hat auch kein Verlangen danach. Er hat auch keine Hobbys. Aber um das ein wenig aufzufangen, kam bis vor Kurzem ein ehemaliger Zivi einmal wöchtlich nachmittags zu ihm und sie haben gemeinsam etwas unternommen. So hat er wenigstens erfahren, dass es Spaß machen kann mit anderen.
LG
Michaela _________________ Michaela (1967) mit T.
mit Tom (2003), frühkindlicher Autismus (auf hohem Funktionsniveau), getesteter IQ 61
A. (98), Asthma bronchiale und L. (94)
Vielleicht ist die Idee mit dem chatten ganz gut. Die Jugendlichen halten sich doch heutzutage viel bei 'Facebook' und 'SchülerVZ' auf. Wäre doch möglich, dass er sich darüber mit anderen aus der Schule 'unterhalten' und anfreunden kann. Wenn er es denn möchte...
über das chatten hat mein Großer eine ganze Menge gelernt.
Nur das Grundproblem, dass seine Stimmlage nicht zwingend zu seinen Scherzen passt, dass haben wir noch nicht im Griff.
Beim chatten ist es ja so, dass man sich das einteilen kann, wie man möchte.
Unser Großer hat es über sein Spezialinteresse "Computerspiele" und dabei über ein ganz besonderes Spiel geschafft, Kontakte zu knüpfen.
Liebe Grüße
Anita _________________ *1968
*1966 Mann
*1996 Sohn Asperger ICD-10 F84.5 hoher IQ
*1998 Tochter Verdacht auf Asperger, Knick-Senk-Füße
*2002 Tochter Verdacht auf Asperger, ADS F90.0 G, hoher IQ, starke Brille wegen Hornhautverkrümmung
*2007 Sohn Verdacht auf Asperger Hinzufallen ist keine Schande, liegen bleiben aber schon!!
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