Verfasst am: 27.08.2011, 20:38 Titel: Eure Erfahrungen bei Sprachentwicklungsstörungen
Hallo an Alle,
unsere Tochter ist diesen Monat 3 Jahre alt geworden. Als Diagnose steht ,nach wie vor, bei uns noch immer nichts genaues fest. Es heißt "nur", wie bei vielen von Euch auch: Entwicklungsverzögerung insbesondere in der Sprachentwicklung. Hier hat sie den Stand von einem 12-15 Monate altem Baby. Motorisch hinkt sie ca. 6 Monate zurück.
Sie spricht derzeit noch kein einziges klares Wort. Plappern bzw. Lautieren übt sie momentan - mal mehr - mal weniger. Sie geht seit diesem Monat in einen integrativen Kiga. Dort bekommt sie Logo und Ergo.
Jetzt würde mich mal interessieren, wie sich Eure sprachentwicklungsverzögerten Kinder entwickelt haben ?
Wie habt ihr sie noch gefördert ? Außer viel , viel Reden, was wir sowieso täglich machen.
mein Sohn hat ja noch ein paar Baustellen mehr, aber momentan ist die größte Baustelle die Sprachentwicklungsverzögerung, mit 3 3/4 ist er so auf dem Stand eines 2 jährigen, lautiert viel und laut und versteht auch gut. Nur das selber sprechen oder Worte formen ist problematisch.
Wir machen GuK, ich gebe zu ein bisschen inkonsequent aber er hat sich einiges aufgegriffen (auch im Kiga wird mit Gebärden gearbeitet) und er benutzt die Gebärden auch im Gespräch mit seinem Bruder.
Der größte Entwicklungsschub kam mit dem kindergarten, da ist dann schon förmlich was explodiert, vor allem wurde dann Sprache und mitteilen für ihn (ich sag mal bewußt) wichtig. unser Vorteil sit daß er einen kleinen Bruder hat, der sich mit seinen 17 Monaten in etwa auch der gleichen Entwicklungsebene befindet... der zieht ihn voll mit und vieles eignen sie sich momentan gleichzeitig an. Fynn hat erst durch Luan das Brabbeln und Plappern und Autobrummen Pferdeschnauben gemacht (klar wenns der Kleine macht, muß man es auch machen) und jetzt unterhalten sie sich in einer Mischung aus Gequietsche, Wortschöpfungen/Worten und Gebärden... jeder sogut wie er es eben aussprechen kann.
Die Logopädin empfahl uns nur ein paar Mundübungen (Blasen, saugen, lippen abschlecken etc) zu machen, und eher etwas muskulaturlockerndes weil er eine hohe Spannung hat, aber keine Logo und weiterhin einmal die Woche Ergo.
heute habe ich in "engügü" das Wörtchen Entschuldigung indentifiziert. Vor einer Woche sagte Fynn zu seinem Bruder der ein Auto hatte "Ua - idde- (autogebärde) - hagn- gange!" (Luan bitte Auto haben danke und ich war im Glück dieses 5Wortsatzes aus eigener Motivation)
Fremde Leute verstehen ihn natürlich nicht, aber wir merken, daß er Fortschritte macht und sind super glücklich.
Wart mal ab, was der Kindergarten bewirkt... viel Glück
liebe Grüße Astrid _________________ Astrid, Bj 74, Anosmie, Mama von
Fynn 12/07: partielle Trisomie 9q32... Fehlbildungssyndrom- operierte Frontalnahtsynostose, globale Entwicklungsverzögerung - GdB60 Mz H, PS1
Luan 04/10 nur zeitweise Neurodermitis
Leander 04/12 Nesthaken
C1 (w/98) und C2 (m/99) aus erster Ehe d.Mannes
mein bruder hatte eine ganz dolle sprachentwicklungsverzögerung gehabt,er ist erst in einen sprachheil kiga gekommen und hat gleichzeitig logo und ergo bekommen,danach ist er in eine sprachheil klasse gekommen mit 8 jahren war mein bruder ohne auffälligkeiten und man merkt bis heute nichts davon das er mal was hatte!
mein Sohn Luca ist jetzt 8 Jahre alt. Er hat eine starke Sprachentwicklungsstörung. Bis zur Einschulung konnte er gerade mal 79 Wörter sprechen. Ich versuche mal hier in Kurzform die letzten 4 Jahre zu beschreiben. Vielleicht ist ja etwas an Hilfe für Dich dabei.
Luca kam mit ca. 4,5 Jahren als I-Kind in einen I-Kindergarten. Zu seiner Sprachentwicklungsstörung kam noch eine Entwicklungsverzögerung in der Motorik hinzu. Im Kindergarten bekam er dann von Anfang an 1 mal in der Woche Logopädie und Ergotherapie. Seine motorischen Defizite hat Luca während seiner Kindergartenzeit total aufgeholt. Wie gesagt, zur Einschulung hatte Luca dann einen aktiven Wortschatz von 79 Wörtern. Im Kindergarten hatte man mir nahe gelegt, einen Talker zu beantragen. Damals hatte ich aber noch Angst, dass er dann gar nicht mehr spricht, wenn er so ein Gerät hat. Also haben wir ein Ich-Buch angelegt. Da habe ich seine sämtlichen Tiere fotografiert und hinein geklebt. Ich habe immer Listen über seine neuen Wörter und die Aussprache rein geheftet, damit die Erzieher ihn auch verstehen. Und dann gab es eine Liste mit Lauten und deren Bedeutung. Die war auch in dem Buch. Damit haben wir die Kindergartenzeit gut rum bekommen.
Dann kam die Einschulung. Luca geht in eine Schule für motorische Entwicklung. Und ich muß sagen, diese Schule war der Glücksgriff schlechthin. Luca hat seinen Wortschatz im ersten Schuljahr vervierfacht. Im 2. Halbjahr des 2. Schuljahres kamen dann die Lehrer auf mich zu, doch endlich einen Talker für Luca zu beantragen. Und obwohl ich immer noch Angst hatte, dass Luca dann gar nicht mehr spricht, habe ich den Kampf mit der Krankenkasse auf mich genommen. Im April letzten Jahres hatten wir den Talker dann endlich zuhause. Und was soll ich sagen? Dieses Teil hat Luca gerade mal bis zu dem Sommerferien im letzten Jahr gebraucht. Seitdem spricht er wie ein Buch. Jetzt hat er nur noch Probleme mit dem Buchstaben "R". Auch in der Schule bekam und bekommt Luca ein-zweimal in der Woche Ergotherapie. Zur Logo gehen wir außerhalb der Schule noch immer zu der Logopädin aus Kindergartenzeiten.
Letzte Woche sagte mir dann die Logopädin, dass die Zeit absehbar wäre, wann sie Luca zum letzten Mal als Patienten sehen würde. Sie hat sich in der Zeit nicht festgelegt, aber wenn er weiter so gute Fortschritte macht, dann denke ich mal, dass wir spätestens zu den Sommerferien im nächsten Jahr auch das Thema Logopädie ad akta legen können.
Neben Kindergarten sind wir auch eine Zeit lang noch zu einer Kinderpsychologin gegangen, weil wir gedacht haben, dass hinter seinem Nichtsprechen ein Trauma liege. Aber dem war nicht so. Aber die Psychologin hat Lucas Selbstbewußtsein dermaßen aufgebaut; ihm war es nach Therapieende egal, ob man ihn versteht oder nicht oder ob er anders ist als andere Kinder. Vorher hatte er da schon einige Probleme.
Außerdem haben wir vor 4 Jahren angefangen, zum Osteopathen zu gehen. Am Anfang waren wir 4 mal im Jahr dort. Mittlerweile sind es nur noch 2 mal im Jahr, die wir hingehen. Auch hier haben sich nach jeder Behandlung kleine Fortschritte gezeigt.
Wenn ich heute so zurückblicke, denke ich, dass wir eine harte Zeit hinter uns haben, aber ich würde alles wieder so machen. Und man soll die Hoffnung nie aufgeben.
Vor einem Jahr haben wir nicht mal davon zu träumen gewagt, dass Luca jemals einen Schulabschluß schaffen würde. Mittlerweile haben wir die Hoffnung, dass Luca einen Hauptschulabschluss schafft.
Gruß
Alexa _________________ Alexa mit Luca (* 2003); Sprachentwicklungsstörung; ohne Ursache
mein Sohn sprach aufgrund Schwerhörigkeit mit über drei Jahren auch noch nicht. Als die Ursache der Schwerhörigkeit endlich gefunden und behoben war, bekam er 2x wöchentlich Logo sowie 2 Jahre lang 1x wöchentlich Frühförderung. Er war schwer sprachverzögert, hatte taktile Wahrnehmungsstörungen, große Probleme in Feinmotorik und Konzentration und es bestand V.a. ADHS und/oder Autismus.
Die Logo haben wir insgesamt 3,5 Jahre gemacht. Er hatte keinen Wortschatz, so gut wie kein Sprachverständnis und hat Deutsch wie eine Fremdsprache gelernt.
Mit knapp fünf und knapp sechs waren wir für jeweils sechs Wochen in der Sprachheilklinik in Grünhain im Erzgebirge. Diese Rehas waren der große Durchbruch und alle Probleme, die bei ihm jemals bestanden, lösten sich nach und nach auf.
Heute besucht er die 2. Klasse einer Regelgrundschule und ist ein wißbegieriger und lerneifriger Schüler. Er hat immer noch einen leichten Dysgrammatismus und es fällt ihm schwer, Geschichten in eigenen Worten nachzuerzählen. Aber er kann jetzt gut lesen und ich hoffe, daß sich nun auch nach und nach noch die letzten kleinen sprachlichen "Unebenheiten" glätten. _________________ LG
Katrin
Katrin ('71), Mika (12/03), expressive SEV, AVWS, Wirbelwind
unsere Tochter ist fast schon dreieinhalb Jahre alt, spricht aber noch nicht mehr als ab und zu ein einzelnes Wort. Die Logopädie hat also noch nicht wirklich etwas gebracht. Auch unsere Tochter geht seit ein paar Wochen in den Kindergarten, und zwar in eine heilpädagogische Gruppe. Ich hoffe, dass sie dort neben guter Förderung auch einen stärkeren Anreiz zur Kommunikation bekommt.
Hallo Jenny...Meine Tochter Emily hat auch eine starke Sprachentwicklungsstörung...Bis zu ihrem Geburtstag im März hat sie kein Wort gesprochen...Sie bekommt Logo und ergo...Ich persönlich kann dir auch den Osteopathen empfehlen...erst seit ich mit Emily dort war war es als ob sich ein hebel umlegt...wir hatten 4 Sitzungen...Emily hat von März bis Jetzt etwa ein Wortschatz von ca 130 Wörter aufgebaut....und ich glaube fest daran das es der Osteopath war der geholfen hat...Emily geht seit 2 Wochen in einen heilpädagogischen Kiga..
lg _________________ Emily Marie Frühchen 34+4 globale Entwicklung und Sprachstörung unklarer Genese
Johanna Lara Frühchen 31+1 gesund und munter
Vielen lieben Dank für Eure zahlreichen Berichte und Tipps. Und es ist für auch erstaunlich, dass ich auch immer wieder von positiven Erfahrungen bei der Ostheopathenbehandlung höre. Ich hatte dies auch schon ins Auge gefasst - bin aber bisher immer wieder davon abgekommen. Jetzt werde ich nächste Woch dort doch mal anrufen und nen termin ausmachen.
Nochmal danke und ich werde weiter berichten - wie´s so bei uns läuft.
LG
Jenny _________________ Jenny(38J.)mit Pflegetochter(3J.) bisher noch keine Diagnose Entwicklungsretardierung, insbesondere im Sprachbereich (sie spricht noch kein einziges klares Wort), außerdem zeigen sich teilweise Verhaltensauffälligkeiten, die man dem großen Spektrum "Autismus" zuordnen könnte.. Oder vielleicht doch ADHS ? V.a.fragiles X-Syndrom.
unsere Tochter Ali ist jetzt 6 Jahre alt und hat eine Sprach- und kognitive Entwicklungsverzögerung. Als Ursache wird ein Rolando-Focus vermutet. Mit 3 Jahren war sie etwa auf dem Stand wie Deine Tochter - sie lautierte viel und lebhaft, machte sich mit Tönen und Gesten verständlich, sprach aber praktisch kein "richtiges" Wort (außer "Mama" und so, aber mit "Mama" wurden z.B. auch mein Mann oder die Erzieherinnen bezeichnet). Dabei machte und macht sie einen sehr offenen und aufgeweckten Eindruck, so dass es nicht einfach war, die Ärzte davon zu überzeugen, dass etwas nicht stimmt. Ich habe schließlich "Wortschatzlisten" geführt, um den Ärzten zu zeigen wie wenig sie wirklich spricht. Wir sind mit ihr ab dem 3. Geburtstag zur Logopädie gegangen und haben ein "Heidelberger Elterntraining" bei einer Logopädin mitgemacht. Google mal, ob das in Deiner Nähe angeboten wird. Es hat mir ein gutes Gefühl gegeben, dass ich wenigstens "etwas" tun konnte, außer zur Logopädin zu fahren. Mit 3 3/4 hat Ali angefangen, einen Wortschatz aufzubauen und spricht mitterweile mit ca. 6.5 rel. gut und viel und gerne. Sie verwechselt noch DT/GK und macht noch häufig Grammatik-Fehler. Es kommt auch öfter vor, dass sie nach einem bestimmten Wort sucht und es nicht findet, obwohl sie es eigentlich kennt. Leider ist auch ihre kognitive und feinmotorische Entwicklung zurück. Sie fängt gerade mühsam an zu zählen (im Zahlenraum bis ca. 6) und Bilder zu malen, bzw. Buchstaben. Daher hat sie im 4./5. LJ auch Ergo und eine heilpädagogische Förderung bekommen. Ali wird jetzt in der Diagnoseklasse einer LB-Förderschule eingeschult und ich bin dabei, mich zu orientieren, was danach sein könnte...
ich hoffe, das hilft Dir ein bisschen weiter.
Hallo Alexa,
Dein Bericht über Luca macht mir Mut. Es ist unglaublich, was er im letzten Jahr erreicht hat. Ich drücke Dir die Daumen, dass die positive Entwicklung weitergeht.
Wie war das - konnte Luca mit 6 Jahren und einem Wortschatz von 79 zählen, hatte er einen Zahlenbegriff? Konnte er zeichnen / malen?
Viele Grüße
Susanne _________________ Susanne mit F. (*00, ADS ohne H.) S. (*02, gesund) und A. (*05, SEV, Rolando-Epilepsie, Entwicklungsverzögerung)
ich glaube, Du hast mich falsch verstanden. Luca konnte ganze 79 Wörter mit 6 Jahren sprechen. Wir haben die Wörter für ihn gezählt. Als Luca angefangen hat, zu sprechen, habe ich immer die neuen Wörter in eine Liste geschrieben und diese Liste dann monatlich an die Erzieher und Therapeuten im Kindergarten und später in der Schule weiter gegeben. Daher weiß ich die Zahl 79 noch so gut. Zählen hat Luca erst in der Förderschule gelernt. Malen kann er heute noch nicht gut. Er malt z.B. nur Strichmännchen, kann eigentlich keine realen Sachen (Baum, Auto usw.) malen. Aber das stört mich nicht. Er soll ja kein Salvator Dali oder ähnliches werden Tja, wir können es manchmal auch noch nicht glauben, wie Luca heute spricht. Und wenn wir jetzt noch die kleinen Fehler (er sagt z.B. oft: das Stofftier hat geliegt) beseitigen können, hat Luca es tatsächlich geschafft. Aber trotz aller Freude über seine Fortschritte muss ich auch ganz klar sagen, dass das alles sehr harte Arbeit war. Und vor allem für Luca. Und dafür hat mein Sohn mit seinen 8 Jahren meinen allergrößten Respekt.
Gruß
Alexa _________________ Alexa mit Luca (* 2003); Sprachentwicklungsstörung; ohne Ursache
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