Verfasst am: 25.07.2011, 10:11 Titel: Wie kommt ihr mit den Ferien über den Sommer?
Hallo,
zwölf Wochen Schulferien plus etliche sonstige Schließtage lassen sich von einem Elternpaar mit je sechswöchigem Urlaubsanspruch kaum abdecken, und wenn, dann nur unter Verzicht auf gemeinsame Urlaubstage. Von Alleinerziehenden lassen sich die zwölf Wochen überhaupt nicht abdecken.
In Kindergärten und Kitas gibt es für dieses Dilemma offenbar ein Bewusstsein: Die Schließzeiten werden immer mehr reduziert.
Bei nichtbehinderten Schulkindern lässt sich das Problem mit Phantasie und Organisation meistens irgendwie lösen: Man wechselt sich mit den Eltern von Freunden ab, es gibt Freizeiten, Ferienhorte etc., und manchmal stehen auch Großeltern oder andere Verwandte zur Verfügung. Und es ist auch nur für wenige Jahre. Irgendwann kann man die Kinder dann stundenweise (mit Geschwistern oder Freunden) alleine lassen.
Bei uns entfällt davon fast alles. Wir können Lorenz nicht einfach bei anderen Leuten lassen. Wenn behinderte Kinder älter werden, sind auch Verwandte mit der Betreuung oft überfordert. Zweimal haben wir Lorenz zu Freizeiten geschickt (jeweils eine Woche, sowieso nur ein Tropfen auf den heißen Stein). Beide Male hat es schlecht funktioniert.
Es gibt hier für behinderte Schulkinder im Sommer drei Wochen lang eine Tagesbetreuung der Lebenshilfe - eine "freiwillige" (d.h. nicht gesetzliche) Leistung des Landes. Bei 9 (in Worten: neun) Wochen Sommerferien in Österreich ist das nicht viel.
Wie löst ihr das Problem?
Und hat jemand vielleicht eine Ahnung, ob sich aus dem Vergleich mit der Situation anderer Familien oder aus sonst einer Quelle ein Rechtsanspruch auf Sommerbetreuung konstruieren lässt?
Gruß,
Norbert _________________ Vater von Lorenz, Jg. 1994, frühkindlicher Autismus mit schwerer bis schwerster geistiger Behinderung. Tochter Jg. 88, Studentin
ich weiß zwar nicht wie es jetzt ist aber damal klasse 1-4,also 95 bis 99) habe ich in grinzens bei innsbruck gelebt ich selbst hatte eine sprachbehinderung und wurde 5 der 9 wochen im ersten teil von einem hort mit betreut und den anderen von der lebenshilfe!!!
na - dann sind wir ja wieder bei dem Thread und der Diskussion von letztens ,
da habe ich genau diese Frage gestellt,
wie es berufstätige Eltern denn gestalten ihr Kind in den 13-14 Wochen Ferien in Deutschland zu versorgen wenn jedes Elternteil nur 6 Wochen Urlaub im Jahr hat.
Ich kann als Alleinerziehende aus meiner Münchner Zeit sagen (aber das geht vermutlich nur in großen Städten),
3 Wochen Sommerferien war Jonathan in der sog. "Stadtranderholung" im Fasangarten in München,
2 Wochen zu Beginn der Sommerferien konnte Jonathan im Internat bleiben unter der Woche haben sie extra dafür länger offen gelassen),
2 Wochen konnte ich ihn jeweils mit der Diakonie weggeben,
selber habe ich Urlaub "geopfert" - was nie Urlaub war,
und dadurch dass ich geschieden bin vom Vater des Kindes und der berufsunfähig zu der Zeit war, konnte er mir aushelfen indem er das Kind dann auch in den Ferien nahm.
Ansonsten hätte ich wohl ein großes Problem bekommen.
Lieben Gruß - Isolde _________________ „Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten“ - Katharina von Siena "Einen Anfang zu machen ist das Geheimnis von weiterkommen" - chin. Weisheit
ich weiß Dir hilft das nicht weiter aber hier in Deutschland sieht es regional bei der Betreuung von besonderen Kindern noch düsterer aus.
Wir sind im Großraum Ruhrgebiet in NRW zuhause und ich kann Dir nur sagen das ich Glück habe das man meinem Sohn die Behinderung nicht ansieht da ich ansonsten ein großes großes Problem hätte.
Betreuung in den Ferien wird hier nur für die Kinder des offenen Ganztages an den Grundschulen angeboten. Ist Dein Kind also wie unseres aber dort nicht während der regulären Schulzeit angemeldet hat es automatisch in den Ferien auch kein Anrecht auf einen Platz.
Alles andere muss hier privat organisiert werden.
Lebenshilfe als Träger solcher Möglichkeiten speziell für besondere Menschen nehmen 50 Euro pro TAG !!! plus Verpflegungs-und Ausflugsgeld ( 8 Euro pro TAG !)
d.h. bei 6 Wochen Ferien wären das gut und gerne 2200 Euro
Soviel Verhinderungspflege hat keiner und selbst mit den zusätzlichen Betreuungsleistungen reicht es dann noch gerade so eben und man zahlt nochmal gut 400 Euro selber an Verpflegung und Ausflugsgeld.
Zumal diese Summe ja auch unterjährig zur stundenweise Entlastung fehlen wird ( Du verstehst was ich meine oder ?).
Wir haben es diese Ferien so gemacht, dass unser Sohn
eine Woche auf dem Bauerhof ist ( von 9 bis 16 Uhr Kosten 70 Euro)
eine Woche der Pflegedienst kommt ( von 10 bis 15 Uhr Kosten 120 Euro/Tag Abrechnung Verhinderungspflege)
zwei Wochen ein Schwimmkurs statt findet ( von 11 bis 12 Uhr Kosten 60 Euro) und
mein Mann zwei Wochen Urlaub hat die wir zusammen nutzen können.
So halten sich für uns die Kosten noch in Grenzen aber wie gesagt das geht nur weil man ihm seine Einschränkungen nicht ansieht und er bis auf kleine Einschränkungen zumindestens in Gruppen bis 20 Kindern klar kommt. _________________ Christiane *80, mit Benedikt *2001, Asperger Autist, hochbegabt
kleiner Nachtrag:
Standranderholung hätten wir wie Isolde schon schrieb auch gehabt , aber da hier an die 70 bis 80 Kinder an einem Veranstaltungsort sind wäre das ein bißchen viel für unseren Sohn geworden.
Das wären hier die letzten drei Wochen Sommerferien gewesen von 9 bis 16 Uhr für 120 Euro die drei Wochen.
Eigentlich ein guter Kurs wenn das Kind daran Spaß hat. _________________ Christiane *80, mit Benedikt *2001, Asperger Autist, hochbegabt
ihr stückelt also auch die sechs Wochen irgendwie zusammen. Wie soll es auch anders gehen?
@Christiane, zwei Dinge würden mich noch besonders interessieren:
- Bekämt ihr auch mehr als eine Woche "Verhinderungspflege", wenn ihr darum ansuchen würdet? Und ist Benedikt dann stationär in einer Einrichtung? Oder geht das auch tagesambulant?
- Ist die Sommerbetreuung für ganztagsbetreute Grundschulkinder durch die Schule eine gesetzliche Leistung? Wenn ja, müsste so etwas ja auch für behinderte Kinder zur Verfügung gestellt werden.
@Isolde: Nein, die Hausfrauendebatte wollte ich hier eigentlich nicht wieder führen. Hier interessieren mich erstmal nur die berufstätigen Eltern bzw. Alleinerziehenden. Mir ist schon klar, dass viele Mütter wegen eben solcher Probleme ihre Berufstätigkeit aufgeben (müssen).
Gruß,
Norbert _________________ Vater von Lorenz, Jg. 1994, frühkindlicher Autismus mit schwerer bis schwerster geistiger Behinderung. Tochter Jg. 88, Studentin
Überall das GLeiche. Wir haben das Glück das die Lebenhilfe hier in den Sommerferien 3 Wochen zur regulären Schulzeit eine Ferienbetreuung an der GB und auch an der KB Schule anbietet. Heißt die ersten 3 Wochen Sommerferien sind abgedeckt..und bei uns kostet das ganze glaub ich keine 500 Euro ..also durchaus machbar mit Betreuungsleistungen ect.
Die restlichen 3 Wochen hat mein Mann Urlaub da ja die Betreuerin auch 14 Tage nicht da ist.
Herbst Winter Osterferien haben wir immerhin 2 Tage an denen Betreuung angeboten wird...ansonsten müssen wir auch schauen wie wir das privat hinbekommen. _________________ LG
Anja+ Felix
8 Jahre frühkindlicher Autismus mit v.a Intelligenzminderung ,bronchial Astma, Infekt Krämpfe,hypoton aber ein Sonnenschein
und Julia 2,5 Jahre hypoton, globale Entwicklungsverzögerung
ich sehe es auch in manchen Fällen als Problem an.
Aber man sollte doch ehrlich bleiben. Wir haben (in NRW) 12einhalb Wochen Ferien, da muss man aber gerechterweise fünf Feiertage (1. und 2. Weihnachttag, Neujahr, Karfreitag und Ostermontag) abziehen. Bleiben also 11einhalb Wochen. Wie du auf 13 bis 14 Wochen Ferien kommst, ist mir ein Rätsel.
Ich glaube, dass viele Angebote auch für behinderte Kinder gar nicht so richtig bekannt sind. Hier sind kürzlich noch freie Plätze bei einer Ferienfreizeit für behinderte Kinder fast wie Sauerbier angeboten worden. Ich kenne mehrere behinderte Kinder, die an den Stadtranderholungen teilnehmen. Oft bieten Sportvereine in den Ferien Kurse für Kinder an und mit etwas Gutwill nehmen sie auch behinderte Kinder.
Und man darf auch nicht vergessen, dass uns ein stattlicher Betrag an Verhinderungspflege zusteht, dazu auch noch meist die zusätzlichen Betreuungsgelder.
@Isolde: Nein, die Hausfrauendebatte wollte ich hier eigentlich nicht wieder führen. Hier interessieren mich erstmal nur die berufstätigen Eltern bzw. Alleinerziehenden. Mir ist schon klar, dass viele Mütter wegen eben solcher Probleme ihre Berufstätigkeit aufgeben (müssen).
Norbert, will ich auch nicht,
wollte nur anmerken, dass ich dort genau diese Frage bereits gestellt habe, auf die kaum einer eingegangen ist ,
aber ist ja gut, dass Du sie in einem eigenen Thread nochmals aufgegriffen hast.
Lieben Gruß - Isolde _________________ „Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten“ - Katharina von Siena "Einen Anfang zu machen ist das Geheimnis von weiterkommen" - chin. Weisheit
Wie du auf 13 bis 14 Wochen Ferien kommst, ist mir ein Rätsel.
ganz einfach,
liebe Ursula,
auch wenn der eine und andere Feiertag da mit eingerechnet ist,
es sind und bleiben eben trotzdem freie Ferientage drumherum;
2 Wochen Weihnachtsferien (je nach Fallen der Feiertage bis 2,5 Tage)
2 Wochen Osternferien
1 Woche Faschings- bzw. Winterferien (kmpl.)
2 Wochen Pfingstferien (kmpl.)
6 Wochen + 1 Tag Sommerferien (Schule beginnt immer dienstags)
1 Woche Herbstferien (über Allerheiligen)
Das sind die Ferien im Freistaat Bayern,
nicht dazu gerechnet sind die zusätzlichen freien Tage wegen diverser Fortbildungen der Lehrer etc. die Moderatorin Sabine auch schon in einem eigenen Thread beschrieb,
davon war ich durch das Internat verschont gewesen,
da Jonathan z.B. den Freitag nach Christi Himmelfahrt (der in Bayern auch frei ist) das Kind im Internat lassen konnte, denn es bleib über den Feiertag auch dort.
In Ba-Wü sind die Ferien ähnlich, nur dass die Osterferien 1/2 Woche weniger sind, dafür kommt 1 Tag in den Sommerferien mehr dazu. Die Faschingsferien sind auch kürzer, dafür ist dann an Weihnachten noch etwas verschoben,
aber unterm Strich sind es in Ba-Wü auch 13 Wochen,
tangiert mich heute nicht mehr da ich meine Situation mit dem Heimaufenthalt des Kindes gelöst habe u.a. eben damit weil ich in Ba-Wü mein Kind nicht hätte so unterbringen können in den ganzen Ferien wie in Bayern.
Mein Lebenspartner ist selbständig und kann nicht einfach mal 2 Wochen frei machen - außerdem ist es ja nicht sein Kind,
und Jonathans Papa arbeitet mittlerweile wieder 2 Tage / Woche.
Lieben Gruß - Isolde _________________ „Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten“ - Katharina von Siena "Einen Anfang zu machen ist das Geheimnis von weiterkommen" - chin. Weisheit
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