Verfasst am: 17.07.2011, 23:23 Titel: Umgang mit Störungsbewusstsein bei Sprachstörungen?
Hallo Zusammen,
Ist ein beginnendes Störungsbewustsein gut oder schlecht für die Therapien?
Oder entspringen Verhaltensstörungen, wegen ungenügender Verständigungsmöglichkeit?
Hat ein Störungsbewustsein auch mal was gutes, sowas wie Selbstakzeptanz und Selbststrategie für andere Verständigungsmöglichkeiten?
Felix merkt natürlich dass, er anders ist, weil er anders spricht.
Was macht dass, mit seiner Seele? Er ist ja immer fröhlich und glücklich
und scheint stabiel zu sein. Nur wie lange bleibt das so?
Um das aufzufangen, sollten wir uns da mal an einen Psychologen wenden?
Danke!
LG Dani
genau diese Frage treibt mich auch um - verschärft um den Gedanken, ob ein nicht-sprechendes Kind (das Bene ja noch ist) eine psychologische Unterstützung überhaupt sinnvoll nutzen könnte ?
LG
Angie _________________ Benedict / März 2008 - expressive Sprachentwicklungsstörung, FKA, aber unter gfcf-Diät seit 12/2010 macht er Riesenfortschritte: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html
(wird regelmäßig aktualisiert, Diäteffekte ab Seite 3)
auch bei meiner Tochter kam es im Laufe des Grundschulalters zu einem Störungsbewußtsein. Dies wurde positiv gewertet, da es die Motivation des Kindes zur Mitarbeit erhöhen soll.
Nach etwa 11 Jahren Logopädie haben wir erstmal aufgehört und meine Tochter hat in dieser Zeit erstaunliche Fortschritte gemacht. Heute kann sich kaum ein Außenstehender vorstellen, dass meine Tochter kurz vor der Einschulung nur wenige Worte sprach, und die auch nur schwer verständlich.
Mika hat auch kein Störungsbewusstsein in dem Sinne, dass er frustriert wäre. Er ist eigentlich ein immer fröhlicher und sprechfreudiger Sonnenschein. Auch ohne Störungsbewusstsein arbeitet er bei der Logo gut mit - er freut sich aber trotzdem immer wenn er wieder ein wort "richtig" auszusprechen lernt, dann müssen wir direkt den Opa anrufen und vom Erfolg erzählen. Also hat er schon ein Gefühl für "richtig" und "falsch".
LG, isa _________________ Mika 10/06 - globale Entwicklungsverzögerung, Sprechdyspraxie und motorische Dyspraxie
meinem Mika war nie bewußt, daß er nicht gut sprechen kann. Er hatte auch nie dieses Gefühl für richtig und falsch.
Gut war das fehlende Störungsbewußtsein insoweit, daß er keinen Frust schob wegen seiner Sprache.
Er hat trotzdem stets gut und voller Freude beim Logopäden mitgearbeitet und das 3,5 Jahre lang 2x die Woche. _________________ LG
Katrin
Katrin ('71), Mika (12/03), expressive SEV, AVWS, Wirbelwind
Hallo Ihr Lieben,
bei Felix ist es auch so.
Er spricht so gut, wie es mit einer Dyspraxie eben geht, mit Sprechanstrengung und voller Konzentration.
Sonst ist er aber immer motiviert und geht sehr gerne zur Logopädie,
weil er da kongrete Hilfen bekommt.
Wenn er lange Sätze bildet und wir gar nichts verstehen, wiederholt er es
sogar, natürlich wird er sauer, wenn wir beim 3. mal immer noch auf der
Leitung stehen. Das finde ich, ist eine ganz normale Wutreaktion.
Dann beruhige ich ihn und frage drum herum, um das Puzzle zu lösen.
Wann spricht man von einem Störungsbewusstsein und wie bemerke ich
es bei meinem Kind?
Ist es nun schlimm oder gar gut ?
Wer und wie, kann das dann am besten auffangen? Wie reagiert man richtig darauf?
LG Dani
Dem Wortsinn nach wäre Störungsbewußtsein ja, daß dem Kind selbst bewußt ist, daß es eine Sprachstörung hat. Ich denke, daß sich das dann nicht bei jedem Kind gleichartig äußern muß. Manche ziehen sich zurück und zeigen wenig Sprechaktivität. Andere werden vielleicht eher aggressiv reagieren.
Auch mein Sohn wird sauer, wenn ich ihn z.B. nach dem dritten Mal immer noch nicht verstehe. Er hat keine Ausprachestörung, sondern schlechte Ausdrucksfähigkeit und Grammatik. Sein Erzählfluß wird oft unterbrochen, weil ihm nicht schnell genug einfällt, wie er etwas ausdrücken soll. Dann verliert er den Faden und wird wütend oder weint. In meinen Augen hat das aber mit Störungsbewußtsein nichts zu tun. Er hat stets Sprechfreude, erzählt gern und viel und er war und ist stets der Meinung, daß er gut spricht. Wenn wir ihn trotzdem nicht verstehen, kann das nur an uns liegen. Oft sagt er dann: "Mama, kannst du denn gar nicht nachdenken?" Ich muß auch viel nachfragen um herauszukriegen, was er gerade erzählen will.
Unser Logopäde sagte immer, es ist besser, wenn das Kind kein Störungsbewußtsein hat. So hat es wegen der schlechten Sprache wenigstens keine psychischen Probleme.
Ich glaube, ruhig bleiben bei Wutanfällen ist immer gut. Nachfragen, mit dem Kind sprechen. Genau das machst du ja auch. Richtig und weiter so! _________________ LG
Katrin
Katrin ('71), Mika (12/03), expressive SEV, AVWS, Wirbelwind
Die Kunst in einer logopädischen Behandlung besteht ja darin, die Kinder soweit zu bekommen, dass sie ihre Aussprachefehler selbst wahrnehmen können. Das ist ein entscheidender Faktor, um therapeutisch korrigierte Aussprache in die Alltagssprache zu transferieren. Es kommt natürlich immer wieder dazu, dass Kinder merken, dass ihnen das Neuerlernte schwer fällt.
Wenn Ihr als Eltern richtiges Verhalten zeigt und nicht mit Sprüchen wie "Ups, das hast du aber nicht richtig gesagt" oder "das musst du aber noch mal probieren" oder "jetzt hab ich dich aber nicht verstanden, sags nochmal" oder "so langsam musst du es aber mal können" (alles Klassiker, die vor über 25 Jahren in der Erziehung normal waren ) sondern eher positiv verstärkt oder das vom Kind (nicht richtig) Gesagte korrekt wiederholt, ohne es gleichzeitig vom Kind einzufordern, wird sich kein Störungsbewusstsein einstellen. Beipiel:
KIND: "Mama tutt mal eine Tatze!" MAMA: "Oh, das ist aber schöne Katze. Schau mal, welche Farben diese Katze hat."
Wenn Ihr dabei das "K" ein wenig mehr betont als in der normalen Sprechweise, wird euer Kind das bemerken und auditiv besser aufnehmen können.
Ein negatives Störungsbewusstsein entsteht immer dann, wenn ich etwas richtig machen will und es nicht klappt und ich dabei auch noch "angemeckert" werde.
Ein "positives Störungsbewusstsein" kann durchaus hilfreich sein, wenn das Kind um seine Fehler weiß und diese auch selbst beheben oder korrigieren kann, ohne darauf angesprochen zu werden. Das stärkt eher das Selbstwertgefühl.
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