Verfasst am: 17.07.2011, 22:05 Titel: Frühförderung - welchen Sinn hat sie?
Hallo,
ich habe da eine Frage an alle, die schon länger "im Geschäft" sind. Mein Sohn ist jetzt - korrigiert - gut 6 Monate. Im Krankenhaus wurde mir vor der Entlassung gesagt, ich soll mich ganz schnell um Frühförderung bemühen. Das habe ich getan und nach einigen Irritationen (megamerkwürdiger Termin bei der Amtsärztin - ließ mich samt Joni antanzen und hat ihn sich nicht mal angeguckt - die Fragen hätte ich auch schriftlich oder am Telefon beantworten können) kommt jetzt eine Frühförderin ins Haus. Sie ist sehr nett und sehr bemüht, aber wirklich was gemacht hat sie -aus meiner Wahrnehmung- noch nicht mit Joni .... zwei Mal "Alle meine Entchen" gesungen und ihn auf dem Arm gehalten; ich saß immer daneben ... Sie war jetzt schon öfter da und ich warte immer noch, dass es endlich "losgeht".
Ich bin jetzt leicht verunsichert. Wir haben so viele Termine - 4 mal Krankengymnastik in der Woche, die ganzen Arzttermine, eigentlich vergeht kaum ein Tag ohne Termin. Das ist für mich anstrengend, aber vor allem ja auch für Joni. Ich weiß nicht so recht, was die Frühförderung ihm/uns bringen soll. Anträge kann ich alleine ausfüllen, wenn ich Sorgen habe oder traurig bin, bespreche ich das mit meinen Freunden, die Arzttermine habe ich auch selber im Blick.
Wie ist die Frühförderung denn bei euch? Was macht sie mit euren Kindern und habt ihr das Gefühl, dass das euren Kindern weiterhilft, es ihnen Spaß macht oder sonst einen positiven Nutzen hat - außer dass es noch ein weiterer Termin im Kalender ist?
Über eure Antworten würde ich mich sehr freuen!
Herzliche Grüße, Anne-Christin _________________ Anne-Christin mit Jonathan (*20.09.2010) - 26+3 Ssw - Diagnosen: Kurzdarmsyndrom nach Volvulus, PVL und Porencephalie beidseitig, Microcephalie, Leichte geistige Retardierung, ICP (Tetraspastik), Epilepsie
Unsere FF-Dame ist ganz große klasse - ein wirklich toller "Ersatz" für Ergotherapie, die uns leider verweigert wird
Es hätte uns unheimlich geholfen, schon früher von dieser Möglichkeit zu erfahren. Allerdings bekommt Bene eben keine KG, keine Ergo usw., obwohl er eine sensomotorischen Integrationsstörung hat.
Mila habe ich wegen ihrer Hypotonie (und der tollen Erfahrung mit der FF-Dame ) auch gleich mal auf die Warteliste setzen lassen.
Vielleicht ist Joni einfach noch zu jung, als dass heilpädagogische FF für ihn jetzt schon Sinn hätte, also über den Nutzen der KG hinaus, die er ja reichlich bekommt?
Ich denke, eine Pause, vielleicht verbunden mit einem neuen Wartelistenplatz, ließe sich Eurer FF-Dame bei Eurem Terminkalender doch bestimmt vermitteln.
Ich fand für Mila ca. 18 Monate das richtige Alter (sie kriegt ja KG und macht neuerdings Riesenfortschritte, könnte also noch klappen, dass sie mit 18 bis 20 Monaten läuft )
Das kann aber je nach Jonie Behinderung auch früher oder später der Fall sein. Der richtige Zeipunkt ist wohl dann, wenn ihr selber einen Zusatzbedarf an Heilpädagogik, Ergotherpapie etc. feststellt.
Ganz liebe Grüße
Angie _________________ Benedict / März 2008 - expressive Sprachentwicklungsstörung, FKA, aber unter gfcf-Diät seit 12/2010 macht er Riesenfortschritte: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html
(wird regelmäßig aktualisiert, Diäteffekte ab Seite 3)
Frühförderung ist für Deinen Jungen, so wie ich seine Diagnosen sehe, sehr wichtig! Und sie heißt auch deshalb Frühförderung, weil man sehr früh damit beginnen kann, das Kind optimal zu fördern. Dh eine erfahrene Heilpädagogin weiß genau, wie und was sie mit dem Kind auf diesem Entwicklungsstand und mit diesem Alter machen kann, soll und darf.
Nun wenn ich lese, dass Dein Sohn korrigierte 6 Monate alt ist, habe ich so das Gefühl, dass nur in den Arm nehmen und Alle-meine-Entchen-singen schon ein bisschen wenig ist. Marlies war älter, als sie die erste FF bekam, korrigierte 9 Monate, aber es ging gleich vom ersten Tag an richtig los. Sie bekommt Sehbehinderten-FF. Die HP hat sich schon mal 10min nur für die Begrüßung Zeit genommen, hatte schöne, interessante Spielsachen dabei. Auch hat mir die HP erklärt, warum und wieso sie jetzt gerade was mit ihr macht. Marlies war nach der 3/4 Stunde fix und alle. Aber das wurde von Mal zu Mal besser. Jetzt sind wir beide schon immer ganz gespannt auf die nächste "Spielstunde".
Außerdem - wg. dem Alter - kenne ich andere Kinder, die schon mit 4 Monaten FF bekamen und es war sehr, sehr gut!
Also würde ich die Sache vielleicht noch ein, zwei Wochen betrachten und dann ggf. ganz direkt sagen, dass Du mit dem, was gemacht wird, nicht zufrieden bist und Du evtl. eine andere Frühförderin haben möchtest.
(mir ging es im Übrigen mit der KG so, dass ich mal zwischendurch jemanden hatte, der zwar sehr bemüht war, aber halt nicht genug Erfahrung mit unseren Diagnosen).
Du kannst Dir auch mal einschlägige Literatur besorgen. Vielleicht haben Eltern hier im Forum Tipps diesbezüglich.
Viele Grüße und alles Gute!
Sandra _________________ Sandra *71
Marlies *3/10, Extremfrühchen, IVH III, PVL, HC mit Shunt, Epilepsie, Dystonie, PEG +1.5.12
Laurin *3/10, der "große" Bruder, verst. kurz nach der Geburt
'Ich wollte Dir so vieles zeigen, ich wollte Dir die Welt zeigen - dabei hast DU sie MIR gezeigt.'
mir geht es da ähnlich
Unsere Tochter bekommt seit Januar Frühförderung.Einmal die Woche kommt eine sehr liebe Frau und beschäftigt sich sehr liebevoll mit unserer Kleinen. Halt auch singen und sie in den Armen wiegen u.s.w.. Je nach Laune ist es für unser Kind entspannend oder auch ein bißchen spannend. Schaden tut es ihr auf keinen Fall aber wirklich nutzen ,glaube ich, auch nicht. die Frühförderung fällt bei uns auch häufig aus.Wir hatten noch keine vier Termine in Folge.Grob gesehen besteht die Frühförderung bei uns aus 2-3 Std. im Monat. Wir haben uns auf jeden Fall viel mehr davon versprochen. Die Krankengymnastik bringt ihr bis jetzt am meisten merkbare Fortschritte.
Viele liebe Grüße,
Britta _________________ *Feb.2010,globale Entwicklungsverzögerung,Hypoton,Verzögerung der Myelinisierung
die Frage habe ich mir anfangs auch hin und wieder gestellt. Insgeheim dachte ich "Die gute Frau macht eigentlich genau das Gleiche mit dem Kind, wie ich tagtäglich. Was daran soll nun bitte Frühförderung sein?"
Nachdem wir nun schon ein paar Jahre dabei sind, muss ich sagen, bin ich sehr dankbar für diese Stunden. Es kommt regelmäßig eine "unabhängige" Person, die objektiv die Entwicklung meines Kindes begleitet und beobachtet.
Sie ist auch immer wieder die Person, die mich auf die (kleinen) Fortschritte aufmerksam macht, wenn ich mal wieder alles grau in grau sehe.
Und in den Gesprächen hört man eindeutig heraus, dass eben nicht einfach nur gespielt wird. Mit jedem Spiel wird ein bestimmtes Ziel verfolgt, und konsequent weitergeübt, bis es erreicht ist. In spielerischer Form. Ich wette, mein Kind merkt nicht, dass das Therapie ist.
Für mich ist diese wöchentliche Stunde Gold wert geworden. Auch wenn ich anfangs dachte, in dieser Zeit wichtige Dinge erledigen zu können, genieße ich diese Stunde mittlerweile einfach. Zeit nur für mich! Das gibt es mit pflegebedürftigem Kind ohnehin viel zu wenig.
Und hinterher habe ich wieder neue Kraft für unseren Alltag mit allen Freuden, Hürden und Sorgen.
da muß ich Dir trotz meiner Zweifel wirklich Recht geben.
Es ist schon gut wenn mal eine "aussenstehende" und geschulte Person das eigene Kind einschätzt und einem Mut macht. Und die Stunde in der man mal nicht selbst schauen muß und das Kind gut aufgehoben ist,ist echt viel wert. Bei uns bleibt allerdings das Problem der Unregelmäßigkeit,und ich kann mir nicht vorstellen das es bei so großen zeitlichen Abständen sehr viel bewirken kann.Aber wir lassen uns mal überraschen was noch so kommt
Liebe Grüße, Britta _________________ *Feb.2010,globale Entwicklungsverzögerung,Hypoton,Verzögerung der Myelinisierung
wir hatten auch ein paar Wochen FF wie ihr und ich dachte immer, was soll das bringen?
Die Dame hat Hannes noch nicht mal auf den Arm genommen. Sie hat uns immer gesagt, wie toll wir das doch alles meistern und wie gut wir mit ihm umgehen und Kontakt aufnehmen, bla, bla..
Das wusste ich auch selbst.
Zudem war sie sehr unzuverlässig, hat die Termine immer kurz vorher abgesagt, teilweise waren 3 Wochen Pause dazwischen.
Sie ist dann Ende des Jahres wegen Krankheit längere Zeit ausgefallen und das war für mich der Ideale Zeitpunkt damit aufzuhören.
Wir waren in der Zeit auch so voll mit Terminen und Therapien, da hat dieser Wegfall nicht gestört.
Hallo, also 4 mal KG in der Woche ist wirklich viel, und die Arzttermine dazu gerechnet, da bist du ja nur noch unterwegs, also mir wäre das wirklich zu viel, was sagt denn dein Kinderarzt dazu?
Könntest du dich nicht vielleicht nochmal beraten lassen, hast du ein SPZ in der Nähe, das du um Rat fragen kannst?!
LG Heidi
dann sprech die Dame doch mal darauf an, dass Du die Frühförderung regelmäßig haben möchtest. Wenn sie das nicht schafft, dann such Euch jemand anderes.
Bei uns fällt die FF immer in den Schulferien aus. Ist das bei Euch auch so?
Wir haben auch recht viele Therapien und Arztbesuche in der Woche, ähnlich wie Ihr. Auch von klein an. Manchmal tut mir mein Kind echt leid deswegen. Auf der anderen Seite hat er seine Therapeuten (Ärzte ausgeschlossen) mittlerweile ins Herz geschlossen und freut sich regelrecht darauf.
Für mich als fahrende Mami und "Managerin" ist es trotz allem Stress. Aber ich sehe, wie es dem Zwerg gut tut .
Stört Dich nur die Unregelmäßigkeit bei der FF oder auch etwas an der Person an sich? Kann sie gut mit Deinem Kind? Und Du mit ihr?
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