Verfasst am: 12.07.2011, 07:34 Titel: Behinderter Bruder krank - seine Schwester eifersüchtig
Gestern Morgen, als ich N wecken wollte, hatte er ins Bett erbrochen...
Nun ist es so, dass N so gut wie nie krank ist, er ist sehr zäh, und kämpft sich immer irgendwie durch...
Sogar nachdem er sich gestern erbrochen hatte, fuhr er erstmal mit seinem Fahrrad... Am späten Vormittag rief dann die Schule meiner Tochter an, ich solle sie abholen, es ginge ihr nicht gut...
Also bin ich mit N im Schlepptau zur Schule meiner Tochter gefahren, um sie abzuholen. Da N sagte, es ginge ihm gut, wollte ich noch schnell ein paar Lebensmittel einkaufen, stellte das Auto in den Schatten, und sagte den Kids, sie sollten einen Moment warten, N wollte aber mit ins Geschäft, also nahm ich ihn mit. Wir waren gerade ganz hinten reingelaufen, als er anfing, sich wieder zu übergeben. Ich ließ den EW einfach stehen und wollte mit N aus dem Geschäft, während er sich immer wieder erbrach, die Leute starrten uns an, als kämen wir von einem anderen Stern, ungefähr so:
Keiner fragte, ob er uns irgendwie behilflich sein könnte, als ich laut nach einer Verkäuferin rief, die etwas weiter entfernt stand, schaute die mich genauso blöde an, auf dem Parkplatz übergab sich N ein letztes Mal, wieder dasselbe blöde Anstarren...
Als ich zum Auto zurückkam, ging es meiner Tochter schon wieder blendend, wir gingen nach Hause, da ging der Teufelstanz los. Sie sagte, sie müsse unbedingt auf dem Ottomanen liegen, da, wo sich N gerade hinlegen wollte, sie machte einen Riesen- Aufstand, während sich N gerade noch so auf den Beinen halten konnte.
Als sie merkte, sie kommt damit nicht durch, sass sie eine ganze Stunde am Internet, obwohl ich sie angeblich wegen Migräne abholen musste... Weiterhin telefonierte sie munter am Nachmittag mit ihren Freundinnen, und bedauerte es sehr, dass sie nicht zum Spielen raus dürfe, weil sie von der Schule geholt werden musste...
Heute morgen, als sie in die Schule musste, ging es wieder los: Sie hätte solche Kopfschmerzen, es ginge ihr so schlecht, usw... Mit der Schule hat es aber ganz sicher nichts zu tun, denn sie geht gerne hin, sie sah auch fit aus, und wenn es ihr wirklich schlecht geht, dann verhält sie sich ganz anders...
Nun muss ich sagen, es war das erste Mal, dass es N wirklich SO schlecht ging, dass ich totale Angst um ihn hatte, habe Abends sogar noch den Notdienst kommen lassen...
Kennt ihr das von euren "gesunden" Kindern auch, dass die eifersüchtig sind?
LG von Renate _________________ Mutter, 45, nierentransplantiert, Sohn, 16 geistige Behinderung durch Sauerstoffmangel bei der Geburt, cerebrale Krampfanfälle im Neugeborenenalter, kann sprechen, laufen Fahrrad fahren, Tochter, 12, gesund
Wie weit ist es noch bis zu den Ferien? Stehen noch arbeiten an? Und Pubertät, meine Tochter, auch 12, hatte ein Jahr die merkwürdigsten Schmerzen. Danach kam die Periode.
Hatte sie denn Morgens mitbekommen, dass der Bruder krank ist? Es geht ihm hoffentlich besser! Schade, dass keiner geholfen hat.
Liebe Grüße
Anita _________________ *1968
*1966 Mann
*1996 Sohn Asperger ICD-10 F84.5 hoher IQ
*1998 Tochter Verdacht auf Asperger, Knick-Senk-Füße
*2002 Tochter Verdacht auf Asperger, ADS F90.0 G, hoher IQ, starke Brille wegen Hornhautverkrümmung
*2007 Sohn Verdacht auf Asperger Hinzufallen ist keine Schande, liegen bleiben aber schon!!
Eifersüchteleien kenne ich eigentlich eher aus dem Kleinkind- bzw. Vorschulalter. Angehende junge Damen in diesem Alter können allerdings wirklich sehr biestig sein. Den Zahn mit dem Internet während eines (angeblichen) Migräneanfalls würde ich ihr jedoch ganz schnell ziehen. Wer Migräne hat, der KANN gar nicht im Wohnzimmer liegen, denn dort ist es 1. viel zu laut und 2. viel zu hell. Da liegt man am allerbesten in einem abgedunkelten Zimmer, selbstverständlich ohne Musik. Noch wirkungsvoller wird es, wenn Du das ganze mit einem äußerst besorgten Gesichtsausdruck rüberbringst.
Ähnliches hatte mein ältester Sohn auch mal probieren wollen, ihm war sooo übel, daß er nicht in den Kindergarten konnte. Du glaubst gar nicht, wie schnell er nach einem Vormittag im Bett wieder gesund wurde.
Lieber Gruß
Bettina _________________ Johannes *8/90 v.A. atypischen Autismus, v.A. einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitssteuerung, mittelgradige Intelligenzminderung, hypogonadotroper Hypogonadismus
ja, sie hatte am Morgen mitbekommen, dass ihr Bruder krank ist.
Und- ja- die merkwürdigsten Schmerzen hat sie auch... auch wirklich sehr oft Migräne, ich hol sie dann auch immer ab, dann legt sie sich SOFORT freiwillig hin und schläft erstmal tief und fest! Das gestern war eindeutig Show...
Ja, meinem Sohn geht es etwas besser, danke, ich habe ihn so wie gestern noch nie gesehen, ausser nach der Geburt, da ging es ihm noch viel bescheidenener....
@Bettina: Normalerweise wäre sie gestern auch nicht am Internet gesessen, aber ich war so besorgt um N, dass ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich froh war, dass sie mich in dem Moment einfach in Ruhe ließ...
Im Wohnzimmer liegt sie einfach immer, wenn sie Migräne hat, da sie dann nicht gerne alleine ist, das kann ich auch verstehen, denn ich hatte das als Kind auch vor meiner Periode sehr oft, und ich lag dann auch immer im Wohnzimmer, weil ich dann auch nicht gerne alleine war...
LG von
Renate _________________ Mutter, 45, nierentransplantiert, Sohn, 16 geistige Behinderung durch Sauerstoffmangel bei der Geburt, cerebrale Krampfanfälle im Neugeborenenalter, kann sprechen, laufen Fahrrad fahren, Tochter, 12, gesund
Und- ja- die merkwürdigsten Schmerzen hat sie auch... auch wirklich sehr oft Migräne, ich hol sie dann auch immer ab, dann legt sie sich SOFORT freiwillig hin und schläft erstmal tief und fest! Das gestern war eindeutig Show...
@Bettina: Normalerweise wäre sie gestern auch nicht am Internet gesessen, aber ich war so besorgt um N, dass ich zu meiner Schande gestehen muss, dass ich froh war, dass sie mich in dem Moment einfach in Ruhe ließ...
Als Jugendlicher hatte ich auch sehr oft Kopfschmerzen, denn damals war 'Migräne' etwas, was nur Erwachsene hatten. Kinder hatten Kopfweh. Aber ich kann mich noch gut daran erinnern, wie weh das tat. Bei so etwas sind Ärzte vermutlich auch heute noch recht hilflos, und unsere Hausärztin nannte damals als Grund den 'Trigeminusnerv'. Mir hat das alles recht wenig genutzt und die von ihr verschriebenen Hammertabletten wollte ich irgend wann auch nicht mehr. Ich weiß nur eins: Je älter ich wurde, desto weniger wurden diese Kopfschmerzen.
Renate,
es war ja auch kein Vorwurf. Ich wollte mit meinen Worten nur noch mal dran erinnern, daß man als Mutter leicht auf eine Show hereinfällt. Unsere Sprößlinge können das wirklich hervorragend, besonders dann, wenn es uns selbst schlecht geht. Ich denke, sie hat gestern einfach mal Deinen schwachen Moment ausgenutzt, um sich selbst mal ein bißchen 'pflegen' zu lassen. Ob Du sie vielleicht irgendwie in die Pflege des großen Bruders einbeziehen könntest? Also so, daß sie merkt, wie wichtig ihre Anwesenheit ist? Mein Sohn ist da trotz seiner eigenen Behinderung erstaunlich fit darin, wenn beispielsweise sein Kamerad einen epileptischen Anfall bekommt, dann ist er oft der erste, der das bemerkt und umgehend Hilfe ruft: 'Der XXXX hat so komisch in die Luft geguckt und da habe ich gedacht, ich hole schnell mal die Betreuerin'
Dir alles Gute und vor allem stabile Nerven.
Lieber Gruß
Bettina _________________ Johannes *8/90 v.A. atypischen Autismus, v.A. einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitssteuerung, mittelgradige Intelligenzminderung, hypogonadotroper Hypogonadismus
Sie ist ja gerade kurz vor, oder schon in der Pubertät und da hat sie völlig da von ab ob das stimmt, eh das Gefühl immer hinter dem Bruder zu stehen. Wenn der Bruder dann noch den "Lieblings-verwöhnplatz" bekommt....
Schnapp sie dir am Wochenende geh mit ihr nen Eis essen und rede vernünftig mit ihr darüber, dass du sie vor solche Sachen eigentlich für zu vernünftig gehalten hast, und dass sie das nächste Mal den ganzen Tag auf der Couch liegt. Da du sie aber eigentlich schon für ziemlich groß hälst gibt es in Zukunft entweder an einem Abend der Woche oder am WE nen Stück Zeit nur mit ihr. Je nahc Geldbeutel: Shopping, Eisessen, Kino, Fernsehabend mit Chips und Popcorn.
Ich weß aus Erfahrung das es für Erstgeborene ziemlich hart ist, nen Geschwisterchen zu bekomen, was auch noch pflegebedürftiger ist und dann noch zu pubertieren. Es gibt einfachere Konstellationen im leben. _________________ Annette mit Lena (2001, ADHS), Nellie (2006), und Max (2008, schwere Entwicklungsverzögerung, eventuell ASS)
Ich verbringe sehr viel Zeit mit ihr, N ist im 5- Tage- Internat, mittlerweile jetzt auch sehr oft am Wo- end dort.
Ich denke, das Problem bei ihr ist, dass N oft nicht da ist, sie seit 3 Jahren die fast vollständige Aufmerksamkeit kriegt, und dass sie jetzt überhaupt nicht damit klar kommt, dass ich momentan mal hauptsächlich für ihn da bin, da er krank ist.
N ist der große Bruder von ihr.
Ich danke euch für die Antworten.
LG von Renate _________________ Mutter, 45, nierentransplantiert, Sohn, 16 geistige Behinderung durch Sauerstoffmangel bei der Geburt, cerebrale Krampfanfälle im Neugeborenenalter, kann sprechen, laufen Fahrrad fahren, Tochter, 12, gesund
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