Verfasst am: 09.05.2011, 21:55 Titel: Fordern oder überfordern?
Ich würde gerne mal Meinungen einholen. Meine Tochter ist bis auf eine leichte Entwicklungsverzögerung und taktiler Wahrnehmungsstörungen relativ "normal". Sie reagiert sehr stark auf Veränderungen und Berührungen und ist mit neuen Situationen und Gruppensituationen schnell überfordert. Wenn sie in (sehr!) gewohntem Terrain ist, läuft es recht gut, sie macht z.B. inzwischen im Kindergarten alles mit, trifft sich zu Hause mit Freundinnen usw. Allerdings nur in 1-zu-1-Situationen, mit mehreren Kindern ist sie auch schnell überfordert.
Wir versuchen seit einiger Zeit, ihr Kinderturnen nahe zu bringen. Eigentlich müsste sie die meisten Übungen können, stattdessen sitzt sie immer am Rand und weint. Entweder, weil sie einen Ball abbekommen hat, die Reihenfolge der wartenden Kinder geändert wurde, die Turnlehrerin sie berührt hat, ein Kind sie angeblich schief angesehen hat...
Ich denke inzwischen, dass das keinen Sinn hat für sie. Die Turnlehrerin meint, sie bräuchte die Förderung und ich solle eben noch mehr Geduld haben. Und in der Schule müsse sie da auch durch!
(Einschulung ist im Sommer...)
Wie sehr ihr das? Ich empfinde es irgendwie als Quälerei, und da wir keine "richtige" Diagnose haben finde ich es schwierig, mit der Situation umzugehen. So denke ich immer, sie müsste es doch eigentlich hinkriegen...
ich kenne die Geschichte deiner Tochter nicht, aber vieles, von dem du schreibst, könnte auf eine leichte autistische Störung hindeuten.
Wurde sie mal darauf untersucht?
Im Autismusforum gibt es einen Thread zur Früherkennung von Autismus-Spektrums-Störungen (ASS) und Schulsport ist da auch immer wieder mal Thema
Läuft bei Kindern mit ASS dann nicht selten unter Nachteilsausgleich.
LG
Angie
LG
Angie _________________ Benedict / März 2008 - expressive Sprachentwicklungsstörung, FKA, aber unter gfcf-Diät seit 12/2010 macht er Riesenfortschritte: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html
(wird regelmäßig aktualisiert, Diäteffekte ab Seite 3)
Auf das Thema "Autismus" wurde ich hier im Forum schon öfter mal hingewiesen. Das, was ich bis jetzt darüber gelesen habe, passt aber nicht wirklich auf meine Tochter: sie ist relativ scharf darauf, Freundschaften zu schliessen, hält Blickkontakt, spricht gut, sammelt nichts, hat keine Stereotypen. Wie gesagt, sie ist relativ "normal" (in Häkchen, denn was ist schon normal), bis auf Wutanfälle, Überforderungstendenzen bei Veränderungen und bei mehreren Kindern.
Die Kindergartenleitung meinte, als ich den Autismusverdacht geäußert habe, man "könne da auch viel reindichten" und ich solle sie als normal betrachten. Ich bin da etwas hin- und hergerissen.
ich würde es trotzdem abklären lassen (bei jemandem, der sich sehr gut mit ASS auskennt). In der Schule in unvertrauter Umgebung und mit vielen Kindern könnten die Probleme massiver werden. Vielleicht benötigt sie dann einen I-Helfer.
Das Kinderturnen würde ich vorerst beenden. Es klingt nicht so, als ob sie wirklich davon profitiert.
wenn du für dich eindeutig das Gefühl hast deine Tocher ist überfordert nimm sie da raus.
Das Argument der Turnlehrerin sie müsse ja in der Schule "da auch durch" würde ich nicht so gelten lassen - wer weis wie deine Tochter in einem halben Jahr ist, vielleicht kann sie die Situation dann besser verkraften da sie bis dahin wieder eine Stufe weiter ist in ihrer Entwicklung.
Wenn sie dagegen jetzt total überfordert wird hinterlässt das evtl. Spuren die ihr jahrelang nachhängen und sie verweigert dann in der Schule evtl. noch mehr.
Vielleicht solltest du es mit der Einzelförderung als KG versuchen, falls dir nicht möglich ist zu der 30-km entfernten Psychomotorik-Gruppe zu fahren.
Dies ist meine persönliche Meinung, ich will nicht gescheid daher reden, entscheiden mußt du ja - wie wir alle - selber.
Alles Gute und ich wünsche euch das ihr einen guten Weg für euch findet
VG
Roswitha _________________ Roswitha 69, GöGa 74, D. 98, A. 05
D. HB mit ADS (ADS seit Februar 11 lt SPZ nicht mehr), A. seit 12/2010 Diagnose frühkindlicher Autismus
Alle mit Talent zum Glücklichsein
Wenn sie in (sehr!) gewohntem Terrain ist, läuft es recht gut, sie macht z.B. inzwischen im Kindergarten alles mit, trifft sich zu Hause mit Freundinnen usw. Allerdings nur in 1-zu-1-Situationen, mit mehreren Kindern ist sie auch schnell überfordert.
Hallo, dann würde ich über das Turnen schon denken, dass es "Lehrcharakter" für die kommende Schule sein könnte, und die wird kommen. Und falls ein I-Helfer dann nötiog sein würde, dann findet man es vlt jetzt schon raus. Wenn sie erst bitter durch die Schule muss, dann bekommt sie ja Horror vor der Schule und schnell verliert sie dann die Lernlust und es wird zum Lernfrust. Das Turnen geht ja jetzt spielerisch. In Absprache mit der Leiterin könnte man es jetzt merh auf 1 zu 1 mit einem anderen Kind probieren und dann steigern. Wenn sie erste Turnerfolge hat, kommt vlt Lust auf mehr und auch Lust auf die Gruppe. Ich würde "die Flinte nicht so schnell ins Korn werfen" und es mit viel Gefühl , Gutzureden und Spaß und vlt auch mit Belohnung probieren. Nimm die Kamera mit und fotografiere, wenn sie turnt. Zeige die Bilder in der Familie und protze damit, mache sie stolz damit.
Kann die Turngruppe nicht mal Orden bekommen, einfach von dir gebastelte, wo sie auch einen stolz nach Hause tragen kann. Suche etwas, womit sie erkennt, dass Leistung anerkannt wird, stolz macht und einfach schön ist.
Das wird alles viel Geduld und Nerven und viele Ideen benötigen. Aber das Ziel ist entscheidend.
Sicher wird die Leiterin auf deine Vorschläge eingehen, redet einfach mal drüber. Vlt hat sie auch Ideen, dein Kind für ihren Sport zu begeistern.
Ich wünsche euch viel Turnerfolge und somit Erfolge fürs Selbstbewusstsein.
Gruß Kerstin _________________ Kerstin mit Markus(*97), Hydrocephalus mit schwerem Verlauf und Epilepsie und Philipp (*93) 28SSW NEK, jetzt Kurzdarmsyndrom,Nierenproblematik
Ein behindertes Kind ist wie ein krummer Baum - du kannst ihn nicht gerade biegen, aber du kannst ihm helfen, Früchte zu tragen.
ich stimme Kerstin zu. Einfach so aufgeben würde ich auch nicht. Denn in der Schule geht das dann auch nicht, da muß sie tatsächlich durch, so hart das auch klingt. Vielleicht kann sie im Turnen schon lernen um dann in der Schule besser klarzukommen. Und ihr könnt sehen ob sie solche Situationen meistern kann oder ob sie in der Schule mehr Unterstützung braucht (z.B. I-Helfer).
Oder hat sie am Turnen generell keinen Spaß? Vielleicht gefällt ihr ja eine andere Sportart? _________________ LG
Katrin
Katrin ('71), Mika (12/03), expressive SEV, AVWS, Wirbelwind
Auf das Thema "Autismus" wurde ich hier im Forum schon öfter mal hingewiesen. Das, was ich bis jetzt darüber gelesen habe, passt aber nicht wirklich auf meine Tochter: sie ist relativ scharf darauf, Freundschaften zu schliessen, hält Blickkontakt, spricht gut, sammelt nichts, hat keine Stereotypen. Wie gesagt, sie ist relativ "normal" (in Häkchen, denn was ist schon normal), bis auf Wutanfälle, Überforderungstendenzen bei Veränderungen und bei mehreren Kindern.
Die Kindergartenleitung meinte, als ich den Autismusverdacht geäußert habe, man "könne da auch viel reindichten" und ich solle sie als normal betrachten. Ich bin da etwas hin- und hergerissen.
Hallo Svenia
Auch ich dachte sogleich an Autismus, als ich las, wie sich deine Tochter im Turnen verhält.
Gerade bei AS (Asperger) beginnen die Probleme erst in der Schule, wo es nicht mehr so viele Schlupflöcher und Schonung gibt.
Wenn sie scharf auf Freundschaften ist, kann sie diese dann auch selber initiieren und halten?
Wie spielen die Freundinnen bei deiner Tochter daheim? Wer bestimmt das Spiel?
Irgendwoher kommen ja die Probleme deiner Tochter. Normal ist es sicher nicht, dass ein Kind an den Rand sitzt, wenn die Reihenfolge gewechselt hat.
Ich würde sie nur im Turnen lassen, wenn sie selber bestimmen kann, ob sie mitmacht, oder ob sie nur zuschaut und nur gewisse Dinge mitmacht. Und wenn sie schon zu hause nicht ins Turnen gehen mag, dann ist der Aufwand zum Ertrag eher fragwürdig. 1 Stunde Qual für 2 Minuten Spass
LG Christine _________________ Christine 64, F 65, C 92, A 95, O 96(Asperger Autist), J 98 & Philipp 01 (frühkindlicher Autismus, Sprachbeginn mit 4 1/2, noch immer 1-2 Wort Sätze, Microdeletion 22q13.33 Phelan Mc Dermid Syndrom)
unsere Vorstellung http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewt.....3943&highlight=#73943
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