Verfasst am: 28.12.2005, 12:26 Titel: Barbara mit Deus (Epilepsie, verhaltensauffällig)
Hallo,
mein Sohn ist der Jüngste von 4 Kindern. Er hat sich schon während der Schwangerschaft anders entwickelt. Später krabbelte er nicht, hing wie ein nasser Sack auf dem Arm und machte oft einen teilnahmslosen Eindruck. Bei den Vorsorgeuntersuchungen hieß es, jedes Kind entwickelt sich anders. Im Kindergarten distanzierte er sich von den anderen Kindern, wollte nur in Büchern schauen und wurde aggressiv, wenn Kinder mit ihm spielen wollten. Dort riet man mir, mich an das Vorsorgezentrum zu wenden. Er bekam dann dort eine Gymnastik in einer Kleinstgruppe verordnet, musste jedoch in Einzelstunden verlegt werden. Später bekam er Ergotherapie und Logopädie, aber immer nur auf mein Drängen, wieder hieß es, man kann nicht allles therapieren. Dann kam die Einschulungsuntersuchung. Der Kindergarten riet, eine ganz kleine Sonderschule, das Gesundheitsamt war anderer Ansicht. Deus ist schulreif. Ich hätte ihn 1 Jahr zurückgestellt und dann in den Schulkindergarten. Das Amt und die Lehrer meinten darauf, dann ist er so groß, da wird er nur gehänselt.
In der Schule hat er sich anders verhalten, wie die meisten. Da hieß es noch, das kommt noch. Danach legte man mir nahe, eine strengere Hand wäre nötig. Auch in der neuen Schule, wegen Umzug, dachte man so. Ich hatte vorgebracht, ich habe den Eindruck, mein Sohn wäre überfordert. Er versteht einfach nicht, wie ich was erkläre und wird dann irgendwann aggressiv. Ich wollte ihn in der dortigen Sonderschule vorstellen, man riet mir ab und ich war unwissend. Danach dann zur Hauptschule und wieder nur Auffälligkeiten. Diese richteten sich erst gegen Mitschüler, zu Recht oder Unrecht vermag ich nicht zu beurteilen, dann aber auch eindeutig zu Lehrern.
Leider mussten wir nocheinmal umziehen, ich hatte meine Arbeit und damit das Wohnrecht verloren. An dieser Schule ging das ganze Drama weiter. Der Rektor meinte, ich wäre nicht in der Lage, meine Kinder zu erziehen. Eine Lehrerin schlug mir vor, ich solle mich mal an die "Supernanni" wenden. Der Klassenlehrer meines Sohnes sagte, wenn er alle auffälligen Kinder zur Sonderschule schicken würde, wäre die halbe Klasse leer.
Erst als ich Deus zur Kur schickte, bekam ich zum ersten Mal eine Bestätigung, dass er völlig überfordert ist und Rat, wie ich einen Sonderschulantrag stelle. Nach allen Prüfungen habe ich wieder einmal die Bestätigung bekommen.
Aber auch in dieser Schule verhielt er sich nicht, wie er sollte. Beleidigte Lehrer. Ich habe mich dann dazu entschlossen, ihn in eine Tagesklinik für Kinderpsychatrie vorzustellen, um endlich Klarheit zu haben, wo es fehlt.
Dort wurde er erwartungsgemäß auch auffällig, aber man konnte diesem keinen Namen geben.
Als ich dann noch erzählte, wir haben ihn auf Bahngleisen mit einem anderen Jungen gesehen und Deus kurz darauf an einer Böschung abrutschte und in den Fluss fiel, hatte die Ärztin bedenken, er könne vielleicht Stimmen hören. Er wurde dann in die Kinderpsychatrie wegen seiner eigenen Sicherheit überwiesen.
Eigentlich fühlt er sich dort wohl, findet es ist dort die beste Schule, macht alle Therapien, weigert sich aber, in der Gesprächstherapie zu reden.
Man sprach das Thema Jugendwohngruppe an. Ich bin aber der Meinung, ein Kind gehört zu den Eltern, erstmal. Und man sollte die Eltern unterstützen, es vielleicht besser zu machen.
Leider habe ich zu dem Jugendamt kein Vertrauen. Ich habe 1 Jahr um Hilfe gebeten, was die Schulüberforderung betrifft. Dort riet man mir, ich solle mich an die Beratungsstelle wenden. Habe ich getan, mit dem Ergebnis, man kann keine Lösungen anbieten, ich solle zuhause darüber nachdenken, wie ich was ändern kann oder will. Nur bevor ich irgendwo hin gehe, habe ich sehr, sehr lange nachgedacht.
Und jetzt ist das Jugendamt der Meinung, ich solle mal für 3-6Monate eine Kur machen, um die Kinder kümmert man sich. Ich brauche nur zu unterschreiben, dass ich eingend aufgeklärt wurde, welche Ansprüche und Rechte ich habe.
NUR- ich wurde überhaupt nicht aufgeklärt.
Wo soll der Schuss denn hingehen, erst verlieren die Kinder im September ihren Papa, jetzt soll ich auch noch weg? Das soll die Lösung sein?
Liebe Barbara das ist ja alles ziemlich heftig!Ich an deiner stelle würde gar nichts unterschreiben!Deine Familie hat das recht auf unterstützung!Ich finde es schlimm was du alles durchmachen musst und hoffe du findest weiterhin die kraft dazu!Hier findest du bestimmt einige liebe menschen die zuhören und helfen wollen...
Gibt es bei euch kein SPZ speziell für Kinder die auffällig sind?
Lieben Gruss Christina
ein herzliches Willkommen hier im REHAkids - Forum und ich freue mich schon auf intensive Diskussionen über unsere persönlichen Erfahrungen.
Gruß,
Beate _________________ ..es gibt nichts,was uns die Abwesenheit eines geliebten Menschen ersetzen kann;und man soll das auch gar nicht versuchen,man muss es einfach aushalten und durchhalten;das klingt zunächst sehr hart,aber es ist doch zugleich ein großer Trost,denn indem eine Lücke wirklich unausgefüllt bleibt,bleibt man durch sie miteinander verbunden.D. Bonhoefffer
Liebe Christina,
es tut so gut, ein paar liebe Worte zu lesen. Ich dachte, ich wäre so abgestumpft, dass ich nicht mehr weinen kann. Deine Zeilen haben mich eines besseren gelehrt. Danke!!!
Ich werde mich über alle SPZ in Deutschland informieren. Habe schließlich nichts zu verleieren, im Gegenteil, es kann nur besser werden.
Liebe Grüße
Barbara
Das ist ja der Hammer! Immer sind die Eltern schuld ( Erziehung), das kenn ich von meinem Sohn, er hat ADS!!!
Sag mal, was sagt denn eigentlich deine Kinderärztin zu allem, mal abgesehen von den Vorsorgeuntersuchungen!?
Unterschreib bloß nichts, man hört soviel Negatives von den Jugentämtern im TV!!!
Ich kann mich der Frage von Brigitte nur anschließen: Hast du Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, Nachbarn o. Familienangehörige ( Tanten, Onkel...) die dir helfen können?
Ich wünsche dir weiterhin ganz viel Kraft
LG Silke _________________ Silke (`71)
* Anne (`02) schwere Fruktose- u. Sorbitmalabsorption, Reizdarm-Syndrom und funktionelle Bauchschmerzen, Heuschnupfen, allerg. Asthma und diverse Hautprobleme (Lichen striatus, V.a. Pleva)
* Paul (`97) ADHS, Heuschnupfen, Sonnenallergie
herzlich willkommen in diesem wunderbaren Forum.
Ja, immer sollen die Eltern, vor allem die Mutter schuld sein.
Ein gesundes Misstrauen gegenüber dem JA ist angebracht. Nichts unterschreiben. Lieber Rat holen bei caritativen Einrichtungen.
Liebe Brigitte,
ein ganz herzliches Dankeschön für dein Mitgefühl. Es tut wirklich sehr gut.
An den Kinderschutzbund oder kirchliche Beratungsstelle habe ich noch nicht gedacht, ist aber eine gute Idee.
Eine große Hilfe ist hier meine erwachsene Tochter. Aber auch dabei hat mir die Ärztin aus der Tagesklinik indirekt Vorwürfe gemacht, dass Jessi so schwer belastet ist, das sie selbst keine Kinder bekommen möchte. Dass das auch andere Gründe haben könnte, ist uninteressant.
Diese Ärztin hat so einiges verdreht verstanden und dem Jugendamt das dann so erzählt. Einmal habe ich sie berichtigt, dann habe ich mich nicht mehr getraut, weil ich dachte, dann heißt es, die weiß noch nicht mal mehr, was sie gesagt hat.
Mittlerweile bin ich so verunsichert, dass ich schon vor Gesprächen mit den Ärzten Bedenken habe.
Ich habe den Eindruck, die Sache mit den Stimmen war nur ein Vorwand, um Deus ohne Familie zu beobachten. Zum Glück kann er mit der Trennung gut umgehen und geniesst die Besuche.
Auf jeden Fall bin ich froh, das Forum hier entdeckt zu haben. In mir wird langsam wieder der Kampfgeist wach. Das bin ich meinem Sohn auch schuldig.
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