Verfasst am: 25.04.2011, 21:26 Titel: Schwiegermutter begreift es nicht
Nabend!
Wir hatten heute ne kleine Diskussion beim Frühstück - muss ja unbedingt an Ostern sein sowas, wir sehen uns ja auch nur jeden Tag... lol
Unser entfernter Nachbar hat meine Schwiemu gefragt, was denn unser Kleiner machen würde, ob er noch (???) behindert wäre, er hätte ihn ja NOCH NIE laufen gesehen. Ahja - wir sind ja auch nur ständig draußen, aber gut, der Mann is schon älter.
Meine Schwiegermutter erzählte uns dann, dass sie ihm gesagt hätte, dass "der Kleine noch nie behindert gewesen sei"! Nunja, ich wollte diese Diskussion an Ostern nicht weiterführen und hab's mal kommentarlos hingenommen. Stattdessen habe ich später mit meinem Mann darüber gesprochen, als wir allein waren.
Er sieht das GENAUSO. Unser Kind sei in einigen Bereichen "zurück", aber
nicht behindert. Er wollte auch erst den SBA nicht beantragen, bis er herausgefunden hat, dass dieser uns bei der evtl. Klage gegen das KH helfen könnte, in dem R. geboren wurde.
Eines ist sicher, unser Sohn ist nicht "schlimm" betroffen. Für seine Geburtsgeschichte und die Tage danach hat er sich superklasse entwickelt. Aber er hat auch so seine Baustellen. Einerseits in der Motorik, aber vor allem im sprachlichen Bereich. Er ist dort über ein Jahr zurück, spricht nur wenige Wörter, seltenst 2-Wortsätze. Er ist hypoton, wir machen seit Geburt Therapie, zwar mit Unterbrechungen, weil er zwischendurch echt fit war, aber seit seinem 2. Geburtstag merkt man es eben sofort, dass er nicht "normal" ist. Er ist nicht wie gleichaltrige und selbst andere Dreijährige merken das. Optisch fällt es nicht auf und laufen kann er auch ganz gut...
Den SBA haben wir noch nicht, aber ich bin eigentlich sicher, dass wir ihn bekommen werden.
Nach der Gesetzeslage ist es ja eigentlich klar, aber mein Mann sieht das trotzdem anders. Sein Argument: "wer oder was ist schon normal", "alles Ansichtssache", "wird sowieso alles übertrieben"... usw. Er hat eigentlich auch kein Problem damit, wie R. ist, liebt ihn, macht alles mit ihm, wir fahren überall hin. Aber er hat definitiv ein Problem mit dem Wort "behindert".
Ich hab mich richtig in Rage geredet... Und mir macht das irgendwie zu schaffen. Wie sollen seine Eltern es verstehen, wenn er selbst so tut, als wenn alles "gut" wäre.
Der Punkt ist, er sieht Sohnemanns Probleme auch, ist ihm alles bewusst, aber in seinen Augen ist es keine Behinderung.
Naja..ich lege mir das Wort gedanklich anders "parat". Es ist eine Be-hinderung. Man ist be-hindert durch was auch immer, etwas zu tun, zB zu sprechen.
Wir haben 2 normale Kinder, eine davon ist behindert! Trotzdem ist sie normal. _________________ Suse mit M. und L., * Juni 08 bei 27+5SSW, M. mit PVL, Tetraspastik, Mikrozephalie, BNS, anfallsfrei, entwicklungsverzögert, L. geht es inzwischen super, aber alle Beide sind Rabauken mit viel Humor und einer sehr ansteckenden guten Laune!
Ja, mit dem Wort Behinderung hatte ich auch immer so meine Probleme, ich hab immer gesagt, N ist entwicklungsverzögert, bis mein Mann mal sagte: "Du kannst sagen, er ist entwicklungsverzögert, du kannst sagen, er ist "zurück", oder du kannst sagen, er ist behindert, alle 3 Worte sind verschieden, aber die Bedeutung ist immer die selbe...
Man kann auch bei einem 40- jährigen behinderten Menschen noch sagen, er ist entwicklungsverzögert- denn das ist er ja auch...
Ich denke ganz einfach, dein Mann braucht einfach noch eine Weile, um das, was er eigentlich schon weiß, auch auszusprechen... Liebe Grüße von Marion! _________________ Mutter (44), Nierentransplantiert
Sohn N. (16) geistige Behinderung durch Sauerstoffmangel bei der Geburt, geistiger Stand eines vielleicht 3- 5jährigen, kann sprechen, laufen, Fahrrad fahren.
Tochter (12), Neurodermitis
Unser Sohn ist 2,5 Jahre alt. Seit fast genau 1 Jahr wissen wir, dass der Leys eine Ataxie (Bewegungsstörung) hat, bedingt durch die Kleinhirnfehlbildung.
Ich nenne es "Handi-Cap"! Wenn mich jemand fragt, warum Leys noch nicht läuft....dann sage ich: Er hat ein "Handi-Cap", die Ataxie. Aber wir sind fleißig am trainieren...irgendwann wird er laufen!
Leys hat einen SBA 100%, Pflegestufe 1.
Es fiel mir sehr sehr schwer, den zu beantragen. Und irgendwann, mach ich den Umschlag auf...und 100%! Das hatte ich nicht erwartet. Ich habe den ganzen Vormittag geweint, war völlig aufgelöst und sehr sehr traurig! Da lag es nun...schwarz auf weiß! Unser Sohn ist "Behindert"?!?
Mein Mann nennt es weder "Handi-Cap" noch "Behindert"! Ich finde, nur weil jemad einen SBA hat, ist er noch lange nicht Be-hindert....
Gerade Eltern....man kann die Kinder auch "Behindern"!
Wir nehmen unseren Sohn auch überall mit, auch wenn es manchmal sehr anstregend ist. Aber wir möchten ihn nicht "behindern". Er soll auch rutschen, schauckeln, seilbahn mit mama fahren, im matsch spielen, sich dreckig machen, sand essen....einfach SPAß haben, wie jedes normale Kind auch!!!!Nur weil er nicht laufen kann und sein Gleichgewicht nicht halten kann oder sprechen kann, würde ich mein Kind auch nicht Behindert nennen, er wird auch in seiner Entwicklung nicht behindert!
Das ist meine Meinung....ich glaub das ist ein kleiner "Roman" geworden...sorry
LG,Gülay _________________ Gülay mit Leys Geb. Okt.2008 (Entwicklungs.-und Sprachverzögert, Ataxie, Kleinhirnhypoplasie) Kleiner Kämpfer und ein absoluter SONNENSCHEIN
Talia Geb. Juli 2005 Gesund (Tolle große Schwester und ein Engel...meistens
wir versuchen es immer genau anders herum. Wer ist denn schon "normal" und was ist "normal"???
Daher haben wir uns bei unseren Kids immer folgendes angewöhnt: Wenn wir nicht von unserer schwer mehrfach behinderten Tochter sprechen, dann reden wir immer von unseren "normal behinderten Kindern". Das wird in unserer Umgebung gut aufgenommen und damit diskriminieren wir weder die beiden, noch unsere Maus noch sonst wen.
ich glaube, das hat wohl viel mit unserer eigenen Akzeptanz des "Zustandes" unserer Kinder zu tun.
Als ich erfuhr, daß Laurin wahrscheinlich behindert ist...konnte ich das erst auch nicht so einfach annehmen, geschweige denn aussprechen.
Aber er IST behindert. Punkt.
Und ich erkläre mir dieses Wort auch nicht "schön", oder drehe dran herum oder suche andere Begriffe...
Er ist behindert...und wir kommen mehr oder weniger klar damit, je nachdem, wie es ihm geht.
Ich glaube, das gehört auch dazu...das Kind so anzunehmen, wie es ist, auch wenn das eben "behindert" ist.
LG Kirstin _________________ Laurinsmama mit A.99 und L.07, therapieresistente Epilepsie, Bilaterale corticale Dysplasien, Polymikrogyrie,Z.n. BNS/West-Syndrom, hypoton, schwerste psychomotorische Entwicklungsretardierung, Port,Button, Callosotomie 09, rezidivierende Pneumonien, Resektion des rechten Temporal-, Parietal- und Occipitallappens 05/10, gesetzl. blind,
Naja, SBA bedeutet ja "Schwerbehindertenausweis". Was, wenn nicht in irgendeinem Maße behindert, ist der Mensch dann? Welche Berechtigung hat er sonst, einen SBA zu haben?
Die Ataxie be-hindert Deinen Sohn doch derzeit beim Laufen, was Gleichaltrige sonst schon können. Ich denke einfach, dass das Wort "behindert" so furchtbar negativ behaftet ist, dass man sich lieber ein anderes, netter klingendes, sucht. Die Tatsachen sind aber dennoch die gleichen, egal wie man es nennt. Unser Sohn ist unser Sohn, unser kleiner, pfiffiger, cooler Sohn, ob er nun behindert oder entwicklungsverzögert ist. Nur ein 75jähriger Nachbar kann doch mit entwicklungsverzögert nicht viel anfangen. Der sagt dann "hab ich ja noch nie gehört"! warum also so tun, als wäre alles bestens, wenn es das nicht ist.
Hmmm, ich sehe gerade, eure Kinder sind noch recht klein, Mein N ist schon 16... Problem ist, dass man, wenn das Kind klein ist, die BE- hinderung, das Handi- Cap, die Entwicklungsverzögerung, oder wie auch immer, noch nicht so sehr merkt...
Bei N war es so, dass die "Entwicklungsverzögerung" erst ab ca einem Alter von 4 Jahren so richtig "sichtbar" wurde. Davor war er eben etwas langsamer in seiner Entwicklung als gleichaltrige Kinder. Als er älter wurde, hinkte er den anderen immer mehr in der Entwicklung hinterher...
Als er so 10 Jahre alt war, war es das erste Mal, dass ich selbst das Wort Behinderung in seinem Zusammenhang aussprach. Heute sage ich schon: "Mein Kind ist behindert"! Das ist er auch, aber er kann trotzdem ganz viele Dinge, er lernt auch heute noch dazu, aber Tatsache ist halt, dass er behindert ist und es auch sein Leben lang bleiben wird!!!
Das hört sich jetzt hart an, ich liebe ihn über alles, aber erst seit ich akzeptiert habe, dass er eben behindert ist, kann ich ihn so richtig annehmen, wie er ist. Ich sehe nicht mehr das, was er NICHT kann, sondern das, was er TROTZ seiner Behinderung kann! Liebe Grüße _________________ Mutter (44), Nierentransplantiert
Sohn N. (16) geistige Behinderung durch Sauerstoffmangel bei der Geburt, geistiger Stand eines vielleicht 3- 5jährigen, kann sprechen, laufen, Fahrrad fahren.
Tochter (12), Neurodermitis
Josch, ich diskriminiere doch mein Kind nicht, wenn ich sage, dass er behindert ist. Wenn er es ist! Ich mache aber ihm und mir etwas vor, wenn ich sage, dass er es nicht ist!
Ich kann doch nicht auf der einen Seite einen Schwerbehindertenausweis beantragen, mir einen Reha Buggy bezahlen lassen und es dann als diskriminierend empfinden, wenn ich mein Kind "behindert" nenne....
Marion, genau. Ich sehe einfach das, was er kann, trotz des schwierigen Starts, und was er uns alles gibt. Mir ist nur wichtig, dass er glücklich ist, alles andere bekomme ich schon hin!
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