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Reanimation - eine Entscheidung über das Leben!
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Giulie
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BeitragVerfasst am: 18.04.2011, 03:36    Titel: Reanimation - eine Entscheidung über das Leben! Antworten mit Zitat

Hallo Ihr Lieben,

passend zu einer aktuellen Diskussion in einem Thread, dachte ich mir, wir verlagern die Meinungen und Fragen hier her und unteranderem auch die Diskussionen die so daraus entstehen.

Wie denkt Ihr über die Thematik Reanimation, wenn es um das eigene besondere Kind geht????

Habt ihr ein entsprechendes Schriftstück, was dies ablehnt oder befürwortet?

Habt Ihr für Euchselbst vielleicht sogar eine Patientenverfügung???


Es ist ein schwieriges Thema, was aber leider für viele von Euch nicht zu verdrängen ist.

Schon einmal "DANKE" im voraus an die jenigen, welche die Kraft aufbringen und hier die ein oder andere schwere Zeile schreiben.

Liebe Grüße
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Giulie
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BeitragVerfasst am: 18.04.2011, 03:52    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mache gleich den Anfang, auch wenn ich kein eigenes Kind habe.

Nachdem ich mit 19 Jahren über Leben oder Tod bei meiner Oma entscheiden musste(gesetzliche Notbetreuung), fing ich an , mich selbst mit dem Thema sehr intensiv zu beschäftigen.

Seit ich 20 Jahre alt bin, habe ich eine Patientenverfügung. Diese geht über 2 Seiten und beinhaltet grob die Ablehnung einer Reanimation und lebenserhaltender Maßnahen, wenn aus ärztlicher Sicht keine vollständige Genesung und Heilung besteht.
Nun werden viele denken, dass kann ja jeder Arzt anders sehen. Richtig !=)
Deswegen habe ich die bestimmten Situationen nochmals aufgeschlüsselt und so weiter und sofort. Unter anderem habe ich auch die Thematik " Hirntod und Schwangerschaft" mit eingeschlossen und beinhaltet,dass ich so lange am Leben erhalten werde, bis mein Kind auf die Welt geholt werden und leben kann.


Ich ziehe meinen Hut vor jeder Entscheidung die Eltern für und mit ihrem besonderen Kind treffen. Keiner möchte vor solch einer schweren Entscheidung stehen, aber am Ende kann die von keinem abgenommen werden.

Die Ärzte müssen medizinisch handeln und tuen was in ihrer macht steht - ob das immer im Sinne der Kinder und/oder der persönlichen Einstellung des Arztes ist, sei dahin gestellt. Der Fakt ist sie müssen.

Einerseits begeistert der Fortschritt und die Weiterentwicklung der Medizin und deren Möglichkeiten mich fast täglich. Anderseits erschreckt er mich auch.

Liebe Grüße

Giulie
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Brigitte 1953
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BeitragVerfasst am: 18.04.2011, 07:04    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen Giulie,

nachdem mein schwer behinderter Sohn mit 22 Jahren eine Hirnblutung bekam, standen wir direkt auf einer ITS vor dieser Frage.

Wenn keine Lebensverlängernden Maßnahmen eingeleitet werden, sei es vorbei, ließ man uns wissen. So stimmten wir der weiteren Beatmung zu, dem Legen einer Nasensonde. Ein paar Wochen später stimmten wir einem Luftröhrenschnitt zu der Anlage eines Tracheostomas, später noch der Anlage einer PEG.

Wir konnten nicht das Todesurteil über unser Kind aussprechen. Es ging einfach nicht, obwohl wir große Angst hatten,vor dem, was für unser Kind noch kommen kann.

Nachdem definitiv klar war, welche gravierenden Veränderungen und Einschränkungen unser Sohn zurück behalten hatte durch die Stammganglienblutung, haben wir noch im KHS aufnehmen lassen, dass wir für unser Kind keine kardiologische Reanimation wünschen, weil wir uns nicht vorstellen konnten, dass unser Sohn völlig bewegungslos, sprachlos, ohne oral Nahrung aufnehmen zu können, mit ständiger Infektanfälligkeit überhaupt noch einen Funken Lebensqualität hat.

Nach zwei Jahren hat unser Sohn aber wieder einen enormen Lebenswillen entwickelt und sich selber mit seinen Einschränkungen angenommen. Er ist fast immer gut gelaunt und in der Einrichtung, in der er lebt, ein absoluter Gutelaunebär, trotz allem.

So empfinden wir heute, waren unsere Entscheidungen und Zustimmungen zu den lebenserhaltenden Maßnahmen richtig.

Allerdings haben wir beschlossen, sollte unserem Sohn ein weiteres Mal durch eine Hirnblutung oder einen Status, oder einen Infekt das Leben genommen werden sollen, dass wir keiner Reanimation mehr zustimmen.

Es ist schon schwer genug für unseren Sohn ein völlig passives Leben leben zu müssen, mehr wie 50% seines Gehirnes sind schwarz auf dem CT, seine linke Hirnhälfte ist ein ewiger feuernder Status, den wir von außen zwar nicht sehen können, aber er ist nachweislich da.

Wenn noch mehr Gehirnzellen zerstört werden, ein Leben erhalten dass nicht mehr wirklich leben kann, wollen wir unseren Kind definitiv nicht antun müssen.

Aber vor der direkten Entscheidung zu stehen ist verdammt schwer und nie vorher in meinem Leben habe ich mich so sehr quälen müssen.

Es ist mein Sohn und er ist noch jung und er war immer voller Freude und Liebe.

Für mich selber habe ich eine Patientenverfügung verfasst--sollte ich verstorben sein- aus welchem Grunde auch immer-, möchte ich definitv nicht zurück geholt werden. Das Leben hat mir bis jetzt 58 Jahre gewährt, und wenn es nun aus irgendeinem Grund vorbei sein sollte, dann müssen auch meine Lieben akzeptieren dass genau dann, meine Lebenszeit zuende ist.

Traurige Grüssle

Brigitte

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Laurinsmama
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BeitragVerfasst am: 18.04.2011, 08:21    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen,

ja, ein hartes Thema, mit dem ich mich leider auch mehrfach auseinandersetzen mußte...ich war beim ersten Mal ziemlich geschockt, als ein Chefarzt mit der Frage "wie weit sollen wir gehen?" auf mich zukam....

Ich habe entschieden, daß Laurin in einer akuten Situation immer am Leben gehalten wird...bis ich in Ruhe und in Rücksprache mit zwei meiner vertrautesten Ärzte die Chance hatte, zu überlegen, ob eine weitere Behandlung für ihn zumutbar und mit Aussicht auf Erfolg verbunden ist.
Letztendlich hoffe ich dann auch herauszufinden, ob Laurin selbst noch weiter kämpfen möchte...irgendwie hatte ich immer das Gefühl, er schafft es...was bisher ja auch stimmte...

Dieses Thema beschäftigt mich seit diesen fürchterlichen Stunden immer wieder und ich glaube, daß ich die Signale Laurins deuten kann und bete, daß sie immer auf LEBEN stehen werden!
Letztendlich entscheidet er, entscheidet Gott, ich stehe nur dabei.

LG Kirstin

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Laurinsmama mit A.99 und L.07, therapieresistente Epilepsie, Bilaterale corticale Dysplasien, Polymikrogyrie,Z.n. BNS/West-Syndrom, hypoton, schwerste psychomotorische Entwicklungsretardierung, Port,Button, Callosotomie 09, rezidivierende Pneumonien, Resektion des rechten Temporal-, Parietal- und Occipitallappens 05/10, gesetzl. blind,
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Obirg
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BeitragVerfasst am: 18.04.2011, 09:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich melde mich als Oma zu Wort.
Meine Enkeltochter Shirin ist schon mehrfach reanimiert worden, und es stand auch schon mehrfach die Frage im Raum, ob noch etwas gemacht wrden soll...

Meine Tochter hat sich immer dazu entschlossen, alles zu tun, um Shirins Leben zu erhalten.

Es war mehrmals ein langer Kampf, aber er hat sich gelohnt. Heute ist Shirin ein fröhliches Mädchen, das im Rahmen ihrer Behinderung sehr lebensfroh ist.

Shirin ist 2 mal lebertransplantiert, hat ein Tracheostoma und wird nachts beatmet,
wird komplett über die PEG- Sonde ernährt.

Sie kann nicht krabbeln, stehen oder laufen, sprechen geht auch nicht.
Aber sie kann sitzen, spielen und lachen, sie zeigt uns, wenn sie etwas nicht mag und auch was ihr gefällt.

Natürlich weiß ich, dass es nicht immer so ausgeht, es gibt sicher viel schlimmere Kankheitsverläufe, aber wir sind sehr glücklich, dass Shirin noch bei uns ist.

Auch ich bin der Überzeugung, dass die Kinder selbst entscheiden und dieses auch zeigen.

Liebe Grüße

Birgit
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clurakerstin
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BeitragVerfasst am: 18.04.2011, 15:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
Ich arbeite auf einer Intensivstation und Reanimation ist immer ein Thema . Wir müssen aus rechtlicher Seite auch noch die 90jährige reanimieren ,weil es die Angehörigen verlangen . Leider ist die deutsche Rechtsprechung da nicht wirklich eindeutig das macht es uns nicht leicht. Am besten ist es wirklich wenn entweder der Patient selber bzw. seine Angehörigen ganz klar geäußert haben wie weit wir mit den lebensverlägernden Maßnahmen gehen sollen. Das ist ein immer fließender Prozeß und unsere Ärzte geben allen immer wieder die Möglichkeit Entscheidungen zu überdenken . Leider sind meine Erfahrungen mit Patienten nach Reanimation nicht sehr positiv , schwere Schädigungen sind da meist die Folge. Bei Kindern ist das aber oft anders , die haben ganz andere Möglichkeiten der Regeneration . Ich denke für Eltern ist es wichtig immer zu gucken wo stehen wir gerade , was erhoffen wir uns?! Gute Aufklärung und viele offene Gespräche sind da vonnöten. Ich wünsche allen Eltern ,die mal in die Situation kommen entscheiden zu müssen ganz viel Kraft und verständnisvolle Ärzte und Pflegekräfte ,die sie begleiten. Niemand darf für seine Entscheidung dafür oder dagegen geächtete werden, habe ich leider einmal erlebt.
LG
Kerstin

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Kerstin `68 mit Laura `94 Migräne und viele weitere Baustellen und Jona `98 Sehr seltene Migräne vom Basilaris-Typ zur Zeit richtig heftig...
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clurakerstin
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BeitragVerfasst am: 18.04.2011, 15:54    Titel: Antworten mit Zitat

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich meinte wir müssen wirklich Menschen reanimieren ,die ein langes erfülltes Leben hatten und deren Körper müde und verbraucht ist . Das mit dem 90jährigen war nur ein sehr unschönes Beispiel aus meinem Pflegealltag . Man muss auch gehen lassen können wenn die Zeit da ist will ich damit sagen
LG
Kerstin

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Annette77
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BeitragVerfasst am: 18.04.2011, 16:20    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kenne das Problem aus dem Rettungsdienst. Es gibt einfach Fälle da muss man klar sagen: Keine Reanimation wäre humaner....z.B. der 3. Herzinfarkt bei nem 83 jährigen schwer krebskranken Mann.

Der Fluch "unseres" Jobs...... Rolling Eyes



Ich pers. als Mama finde, dass man eine solche Entscheidung eigentlich gar nicht "guten Gewissens" treffen kann. Sollteeines meiner Kids mal in dieser Lage sein hoffe ich ehrlich gesagt, dass mir jemand der objektiv die Lage bewerten kann mir diese Entscheidung abnimmt.

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Annette mit Lena (2001, ADHS), Nellie (2006), und Max (2008, schwere Entwicklungsverzögerung, eventuell ASS)
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Alexandra App.
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BeitragVerfasst am: 18.04.2011, 19:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich hätte Andreas gerne ins Leben zurückgeholt nach seinem Krampfanfall(vermutlich) damals in seiner Todesnacht.

Sekundentod nach einem Krampfanfall heißt es im Bericht.
Da niemand dabei war in jener Nacht( ich bin ins Bett, weil es eine Nacht war wie jede andere auch Sad ) hat er es für sich "ausgemacht"

NUN weiß ich das er ein sehr unsschönes Leben weitergeführt hätte, HÄTTE ich ihn damals erfolgreich reanimiert.
Somit hat sich Andreas eigentlich gut entschieden und uns eine Entscheidung abgenommen. Confused

Alexandra
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anita1977
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BeitragVerfasst am: 18.04.2011, 20:19    Titel: Antworten mit Zitat

Auch bei uns war wie weit, wie lange reanimieren bei Timey.
Ich habe einige Zeit vor Timeys Tod mit dem Oberarzt der Intensiv mal wieder darüber gesprochen, das es versucht werdeb soll, aber max . 30-60 min. und dann Schluss machen. Eine schriftliche Verfügung dafür hatten wir nicht gemacht, da ich es auch selbst entscheiden wollte und letztendlich hat Timey es für sich entschieden, Er sass im Rolli festgeschnallt im Kindertaxi zum Kindergarten und man kam dort am schlechtsten an ihn ran. Nach seinem Tod wurde zur Absicherung ein RÖ Bild vom Kopf gemacht, wg. Shuntdysfunktion, und erschreckend sah man wieviel Gehirn durch die Aktion abgestorben war, so dass es besser für mein Baby war nicht die Reanimation um jeden Preis zu überleben, da er nicht mehr so gewesen wäre wie vorher, und as wäre nichts für ihn und auch nichts für uns gewesen.
LG Anita

_________________
Anita 77, J 67, I 99 gesund , Timey 03 SB HC Appalisches Syndrom Tetraspastik,blind ,Epilepsie ,Syrinx, Tethered cord. Tracheostoma, Button,Arachnoidalzyste,und und und Sternenkind seit 5.5.2010, Tierre-Maurice 11.8.09 kompensierte Harnleiterstenose bds. seit 18.4 eine Weitsichtigkeit von re +3,0 und li +6,5 aber fit und super süüüssssss
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