Verfasst am: 16.02.2011, 19:22 Titel: Rezeptive Sprachstörung bei Tochter
hallo,
bei meiner tochter (3.1) wurde eine rezeptive sprachstoerung festgestellt. ihr sprachverstaendnis ist bei knapp 2 jahren. ihre expressive sprache ist daher auch nicht altersgemaess. sie spricht so um die 200 woerter und faengt gaaaanz langsam mit 2-wort-saetzen an.
wir werden demnaechst mit logo anfangen.
ist hier jemand in einer aehnlichen situation? wuerde mich besonders ueber erfahrungen von mamas mit aelteren kindern freuen. wie haben sich eure kinder ueber die jahre hin entwickelt? kann man darauf hoffe, dass kinder mit dieser stoerung irgendwann man relative normal sprechen/verstehen koennen?
Liebe Leo,
wie wurde die rezeptive Sprachstörung bei euch diagnostiziert? Bei uns war die Differentialdiagnose frühkindlicher Autismus, durch eine KJP. In den umfangreichen Diagnosebögen gab es natürlich Auffälligkeiten im Bereich frühkindliche Kommunikation.
Mein Sohn ist jetzt 8 Jahre alt und die Diagnose rezeptive Sprachstörung ist nicht wirklich richtig gewesen - er spricht nämlich heute ziemlich gut, wenn auch nicht altersgemäß. Habe über die rezeptive Sprachstörung ziemlich viel gelesen (das beste Buch, ein Fachbuch, "Rezeptive Sprachstörung" von Amorosa/Notredaeme) und war danach frustriert: Die echte rezeptive Sprachstörung lässt die Schere zwischen gesunden Kindern und betroffenen immer weiter auseinander klaffen. Mit zunehmend komplexem Sprachgebrauch, z.B. in der Schule, werden auch die Probleme größer.
Persönlich denke ich daher, in vielen Fällen (deine Tochter ist ja noch klein und hat doch einen recht großen Wortschatz, mein Sohn hat mit 4 noch nicht gesprochen!) dürfte es sich tatsächlich um eine Entwicklungsverzögerung handeln, nicht gleich um eine Sprachstörung. Wir haben zweimal eine Intensivkur gemacht in Baiersbronn und das hat uns einen wirklich guten Impuls gegeben. Zu Baiersbronn gibt es auch andere Forumsbeiträge. Mein Sohn ist heute in der zweiten Klasse Regelschule, noch vor 3 Jahren wäre das undenkbar gewesen...
Hört deine Tochter gerne zu, wenn du ihr vorliest? Ein Symptom ist nämlich das totale Desinteresse am Vorlesen. Hast du den Eindruck, deine Tochter versteht dich, wenn du mit ihr sprichst?
Bleib geduldig!
Liebe Grüße
Marianne _________________ 2 Söhne, der kleine, neunjährige mit ADHS
mein Sohn hat /hatte auch eine rezeptive Sprachstörung. Ich habe hier schon einiges dazu geschrieben, wenn du denn Fachbegriff in der Suche eingibst müsstest du etwas finden.
Also mein Sohn war fast zu 95% so , wie die Kinder in dem Buch von Amorosa/Notrdaeme und ich kann dir dieses Buch auch wirklich nur empfehlen.
Bei meinem Sohn bestand zusätzlich der Verdacht auf eine autistische Störung, außerdem hatte er eine globale Entwicklungsverzögerung bzw. wurde er im Grenzbereich Lb-Gb getestet (IQ70).
Allerdings hat er mit zunehmendem Sprachgebrauch in allen anderen Bereichen gut aufgeholt.
Inzwischen besucht er die 5.Kl. Hauptschule (Sprachheilschule) und wird voraussichtlich am Fr. im Zwischenzeugnis in Deutsch,Mathe und Englisch eine 2 mit nach Hause bringen.
Übrigens hat mein Sohn wesentlich besser gesprochen, als er eigentlich verstanden hat. Denn er hat vieles einfach nachgeplappert, er konnte mit 4/5 Jahren schon recht gut auswendig lernen. Bloß hat er oft gar nicht verstanden was er gesprochen hat.
Mein Sohn hat auch kaum Probleme in der Rechtschreibung (nur Groß-u. Kleinschreibung fällt ihm etwas schwerer), denn er hat ein ausgezeichnetes visuelles Gedächtnis und eine gute phonologische Wahrnehmung.
Vieles hört er schon, wie es geschrieben gehört ( z.B. Doppellaute nn,ss,ll , Dehnungslaute wie ie, h) und ansonsten reicht es meist, wenn er ein Wort 1x gesehen hat , um es richtig zu schreiben.
Im SPZ hieß es vor der Einschulung es sei fraglich wie weit er lesen und schreiben lernen kann.
Er hat es mit anfänglichen Mühen sehr gut hinbekommen und durch das lesen wurde sein Sprachverständnis sogar besser.
Also ich kann für uns schon sagen, dass die massive Sprachstörung die Ursache für die schlechte kognitive Entwicklung war.
Bei uns kamen übrigens noch massive motorische Koordinationsprobleme dazu. Wir haben auch viel an der Motorik gearbeitet, dadurch wurde die Aufnahmefähigkeit der Sprache besser und dann die kognitiven Leistungen.
Also für seine anfänglichen Prognosen hat sich mein Sohn auch recht gut entwickelt.
erstemal danke fuer eure antworten. diagnose kam von einer logopaedin (nach einer (!) 30 minuetigen sitzung). ich muss dazu sagen, dass ich im ausland lebe - hier ist das alles ein viel groesserer kampf wenns drum geht an aerzte/logopaeden etc ranzukommen.... demnaechst steht dann auch ein kinderarzttermin an (wir leben im UK - hier kommt ein kind normalerweise nicht zum kinderarzt, der hauszart mach hier alles) - mal schauen, was der meint. im uebrigen hab ich Autismus im hinterkopf (bei meiner tochter ist fuer mich nicht nur die sprache auffaellig) - mal schauen, was der kinderarzt meint.
also meine tochter versteht mich schon - sie kann zum beispiel fragen beantworten wie: "willst du einen apfel essen"? oder wenn ich sie z.B. frage welche farbe X oder Y hat, dann kann sie das problemlos beantworten... sie kann auf objekte in buechern zeigen. auch wenn ich sie z.B. bitte auf das bild zu zeigen, auf dem ein baby weint oder ein baby trinkt, dann geht das auch.
aber wenn man ihr ein bild mit einem gruenen haus+gruenen auto+roten haus+roten auto zeigt und sie bittet, doch mal auf das rote auto zu zeigen, dann zeigt sie entweder auf das rote haus oder das gruene auto. sie kann halt nicht beides, das ROT und das AUTO verarbeiten und waehlt dann eben ein bild, was entweder rot ist oder das auto zeigt (wisst ihr, was ich meine?). auch auftrage kann sie nur ausfuellen, wenn diese einen schritt beinhalten (z.b. "hol deine schuhe"). aber "hol deine schuhe und stell sie neben die treppe") waer dann schon wieder zu viel.
hoert sich das eher nach stoerung oder verzoegerung an? oder doch eher nach verzoegerung? sie mag es im uebrigen, buecher anzuschauen - aber wir erzaehlen dann was wir sehen - einfach den text vorlesen war absolut nix fuer sie....
und danke fuer den buchtipp. werde mal schauen, ob ich da hier rankomme.
@petra - wie weit war denn dein sohn sprachlich mit 3 jahren.
Hallo und Guten Morgen,
auch bei uns sah es genauso aus. Auch bei uns wusste man nicht weiter. Mein Sohn konnte sich verständigen, aber für uns reichte es, aber es war halt ähnlich wie bei euch. Wir waren dann auch bei einem ambulanten Pädaudiologen und der meinte alles wäre okay.
1 Jahr später sind wir dann in die Uni und da traf uns der Schlag. Was uns vor allem vorher nicht aufgefallen war. Mein Sohn sprach nur 2 Silben Wörter. Und wenn man dann die Hand vor den Mund hielt und normal mit ihm ein Wort redete, dann konnte er dies nicht wiederholen. Er hat von den Lippen abgelesen und manch Töne hörte er auch. Mein Sohn hat mitterweile Hörgeräte, leider erst mit 5 Jahren bekommen und nun ist die Sprache super.
Auch mein Sohn hat gerne mit Büchern usw hantiert und hat auch gerne mal Fernsehen geschaut, aber halt nicht gehört.
Seit ihr schon mal in einer Pädaudiologie gewesen, wenn es sowas bei euch gibt?
Verhaltensauffällig war er auch immer. Anders als andere Kinder. Erst wurde Mutismus vermutet, aber es kam durch die Hörsachen.
Drücke euch die Daumen
Liebe Grüss _________________ J*06 und J*03 Hydrothorax,Hypertrophes FG 32.SSW,Hydrops Fetalis,Hypotonie,Anämie,Pleuraerguss,Chylothorax,Pulmonalstenose,ASD II,Pneumothorax,Pneumonien,BPD,Lungenempysem,V.a. pulmonales Lymphangiektasie,V.a.Noonan,interstitielles Lungenödem,Schwerhörigkeit mit HG und Sehschwäche
bei meinem Sohn wurde mit 3 Jahren ebenfalls eine rezeptive Sprachstörung diagnostiziert.Auch von einer Logopädin. Sie schickte uns aber weiter zu einer entwicklungsneurologischen Abklärung, da sie meinte, dass dies isoliert sehr selten vorkomme. Mit drei war ähnlich wie deine Tochter. Einzelne Wörter gingen, aber Aufforderungen konnte er nur schlecht befolgen. Zweiwortsätze kamen dann langsam mit 3 . Bücher aber liebt er. Wir haben dann mit Logopädie begonnen und dann kam die Sprache sehr schnell. Jetzt mit 6 haben wir die Diagnose Autismus, weil dann die Verhaltensauffälligkeiten mit Gleichaltrigen sehr deutlich wurden.
Mit 3 waren sich die Aerzte noch nicht sicher, ob sich das auswächst.
Seine Sprache ist normal, allerdings die Satzmelodie ist etwas monoton. Aufforderungen muss man im Kindsgi meist direkt an ihn richten und manchmal auch mehrmals wiederholen.
Das empfohlene Buch ist auch das einzige , was ich zu dem Thema damals gefunden habe.
ja, in der paeaudiologie waren wir. sie hoert gut (aber das merkt man auch im alltag, sie hoert wirlich die feinsten geraeusche).
unser KiA-termin steht bald an. hoffe, er kann uns weiter helfen. meine tochter ist ansonsten so:
- irgendwie vom ganzen verhalten her unreif (also man hat bei ihr den eindruck, es ist eher eine 2-jaehrige, anstatt einer 3-jaehrigen)
- ist mit uns und ihrer schwester sehr kuschelig/sozial und mit erwachsenen auch. allerdings kann sie mit kindern nichts anfangen. sie geht in die kita, aber hat dort keine freunde und spielt eigentlich immer allein
- wutanfaelle - oft ohne fuer uns ersichtlichen grund
- einschlafprobleme; gelegentlich durchschlafprobleme
- echalolie (delayed echalolia - sie rezidiert staendig ganze saetze, die sie in der kita gehoert hat z.b. "no, olli don't. sit down")
- sie hat aber guten augenkontakt mit uns, winkt, zeigt dinge, die sie interessieren, sagt mir wenn sie etwas will).
- sie hat im uebrigen sonst keine anderen sachen, die sie total faszinieren bzw. zwaenge. routine ist fuer sie auch absolut NICHT wichtig
- ihre feinmotorik ist sehr gut. grobmotorik ist auch gut.
ich hab ja immer so Autismus im hinterkopf und weiss auch, dass jeder autist anders ist, aber hoert sich das etwas autistisch an? _________________ Kind1, Fruehjahr 08 - schwere Sprachentwicklungsverzoegerung (Autismusverdacht wird immer mal wieder aus der Schublade geholt und dann wieder verworfen...)
Kind2, Herbst 10 - soweit unauffaellige Entwickling
Liebe Leonora,
noch eins: Wir sind als Familie dreisprachig und lebten damals im asiatischen Ausland. Der Pädaudiologe (war an der Uniklinik, an der wir waren, irgendwie der einzige, der den Durchblick hatte... und wir haben Psychologen, Neuropädiater, HNO-Ärzte und Logopäden gesehen) hat uns geraten, uns zunächst auf eine Sprache zu konzentrieren, das haben wir konsequent gemacht. Die Mehrsprachigkeit war gewiss nicht ursächlich für die Probleme meines Sohnes, hat aber dazu beigetragen. Er riet uns, falls keine Besserung einträte, mit dem Kind nach Deutschland zurückzukehren, auch aufgrund der in unserem Gastland damals nicht vorhandenen deutschsprachigen Therapiemöglichkeiten. Im Urlaub daheim bei meiner Familie hat mein Sohn auch immer Fortschritte gemacht, und seit wir wieder in Deutschland sind, geht es rapide voran.
Ich habe mir damals viele Sorgen gemacht, da uns die Zeit irgendwie weglief und die Einschulung näher kam. Die Entwicklung des Denkens ist ja eng verknüpft mit dem Sprechen und Verstehen und ich habe mir sehr viele Sorgen deswegen gemacht. Abstrakte Zusammenhänge und Phänomene, die man nicht zeigen konnte, zu erklären war nicht möglich. Auch heute noch stellt mir mein Sohn oft Fragen zu Wortbedeutungen, die ich ihm immer versuche, erschöpfend zu erklären und wir haben dadurch, glaube ich, auch eine besonders enge Beziehung.
Ich kann jedoch nicht mehr zählen, wie oft ich wie die Löwenmutter für ihn in die Bütt musste, im Kindergarten und in der Schule, wie oft ich um Geduld und Verständnis bitten und gleichzeitig die leider oft anzutreffenden Hobbypsychologen in die Grenzen weisen musste, nach dem Motto "Er hält keinen Blickkontakt, daher muss er ein Autist sein." So'n Blödsinn.
Hang in there,
liebe Grüße
Marianne _________________ 2 Söhne, der kleine, neunjährige mit ADHS
Echolalie gehört sowohl zur rezeptiven Sprachstörung als auch zum Autismus.
Blickkontakt ist auch kein Ausschlusskriterium von Autismus. Mein Sohn kann durchaus mit seinem kleinen Bruder mit mir und z.T. auch mit anderen Kindern spielen.Trotzdem ist die Qualität des Spiels anders . Auffällig bei Autismus ist das Sozialverhalten und die Kommunikation mit anderen. Mit drei spielte mein Sohn nur allein. Es hiess das wächst sich aus , wenn er älter, das kommt von der Sprachstörung. War leider nicht so.
Du wohnst in England? Dort sind sie sehr weit , was die Diagnostik betrifft. Sprich doch einfach deine Bedenken beim KiA an. Wenn er weiss, was du befürchtest kann er Untersuchungen ver anlassen und dich beruhigen. Aber aussprechen musst du es bei ihm. Keine Angst , er wird dich sicher nicht beissen!
oh, wusste garnicht, dass die hier (england) weit sind, was die diagnostik betrifft. hoffe, du hast recht (und woher weisst du das?)
hab mit schon eine liste fuer den KiA gemacht und werde auch alles ansprechen... ich hab mir lange zeit vorgemacht (bzw. hab mit vom umfeld einreden lassen), dass sich tillys "sprache und macken" von allein geben, aber da bin ich mittlerweile drueber hinweg und davon ueberzeugt, dass wir hilfe brauchen...
spielen mit anderen kindern kann tilly auch nicht. sie geht in die kita, macht dort aber alles allein. sie kann auch nichts mit den kindern von freunden anfangen... _________________ Kind1, Fruehjahr 08 - schwere Sprachentwicklungsverzoegerung (Autismusverdacht wird immer mal wieder aus der Schublade geholt und dann wieder verworfen...)
Kind2, Herbst 10 - soweit unauffaellige Entwickling
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