Verfasst am: 03.02.2011, 17:40 Titel: Welche Hilfen zur Kommunikation?
Hallo,
ich betreue seit einiger Zeit ein Kind, welches eine sehr ausgeprägte Sprachentwicklungsstörung hat. Nun suche ich eine für das Kind passende Kommunikationshilfe/-methode. Einen Talker haben wir schon getestet, da aber weder die Schule noch der Logopäde damit arbeiten wollten, bzw. den Einsatz des Talkers für nicht notwendig hielten, blieb es bei der Testphase. Das Problem ist, dass das Kind schon fast "zu viel" Lautsprache hat. Es bildet 2-3 Wortsätze, die allerdings ohne richtige Grammatik und oft auch die einzelnen Worte verdreht oder verkürzt. Auch sind einige Laute nicht vorhanden bzw. können nicht im Wort gebildet werden. Es kann sich aber im Alltag gut verständlich machen, so dass auch der Einsatz von Makaton eher fraglich ist, weil es dass, was man damit ausdrücken könnte, auch so verständlich machen kann. Aber was eben machen, wenn es über den "normalen" Alltag hinaus geht? Auch denke ich ein wenig weiter in die Zukunft: in den letzten zwei Jahren gab es sprachlich keine nennenswerten Fortschritte, so dass es durchaus möglich ist, dass da nicht mehr viel kommen wird und je älter das Kind wird, desto unbefriedigender muss es doch sein, wenn es nicht richtig sprechen kann.
Hat jemand von Euch vielleicht eine gute Idee für mich?
Viele Grüße, Elin _________________ Erzieherin für Jugend-und Heimerziehung, tätig in einem Kinderheim, Nebenjob in einem Wohnheim für geistig-/ mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche
Hallo Elin,
es gibt doch auch Sprachcomputer, bei denen man komplette Sätze eingeben kann.
LG
Andrea _________________ Julian geb. 18.01.07; 28/0 SSW 1090g. Ventrikelseptumdefekt, Atemnotsyndrom,Pneumothorax rechts, BPD,Lungenhypoplasie, Tracheostoma, derzeit CPAP beatmet, Krampfanfälle, Leistenbruch, Lungenbiopsie,Gedeistörung,deshalb PEG,Nov. 09 Reflux-op, seit April 09 ohne Beatmung mit Sauerstoff, Aug 10 Tracheostomaverschluß
Hallo Andrea,
hatten die DynaVox von RehaVista zur Probe. Da aber die Förderschule Sprache und der Logopäde darin keinen Nutzen sahen bzw. ihn aus Versicherungsgründen nicht einsetzen konnten (Schule), war die Testphase nicht erfolgreich.In der Gruppe reichte unser Zeitkontingent einfach nicht aus, um so umfangreich mit dem Talker zu arbeiten, dass es alleine recihen würde. Daher suche ich andere Ideen.
LG Elin _________________ Erzieherin für Jugend-und Heimerziehung, tätig in einem Kinderheim, Nebenjob in einem Wohnheim für geistig-/ mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche
Diese Diskussionen in bezug auf den Talker habe ich selbst leidvoll erlebt.....
Timos Kindergarten wollte ihn auch nicht....
Wir haben trotzdem einen, bereiten Timo Zuhause vor - und das er sehr schnell generalisiert, bringt der Talker trotzdem was....
Schade, welche Chance den Kids genommen wird....
Die Frage ist, weshalb so wenig gesprochen wird. Reden die anderen zu schnell, reagieren sie zu schnell auf "falsche Reaktionen" .... das ist schwer aus der Ferne zu beurteilen....
Warum einen Talker ? Benötigt das Kind den visuellen Reiz (den kann man auch ohne Talker mit Bildkarten bekommen) oder den auditiven Reiz (den kann man durch lesen und singen auch erreichen) - oder benötigt er beides (dann gehts mit Talker, PC oder Video....)
Ich kann nur berichten, dass Timo sehr gut dadurch lernt, das er a) nur Reaktionen bekommt, wenn er deutlich und im ganzen Satz spricht und b) das er möglichst viele Angebote bekommt, in denen er Sprache verbessern kann.
Z.B. Bücher lesen, bei denen die Hauptwörter durch Bilder ersetzt werden (Wortschatztraining), PC-Spiele für Förderschüler (es wird wenig gesprochen, langsam und kürzere Sätze und gleichzeitig wird auf witzige Art gelernt). Beim Essen auswählen lassen (aber nur im ganzen Satz), singen, reimen,.....
Beim Talker haben wir das Fotoalbum mit Sätzen besprochen - das gibt es auch als PC-Spiel ohne Talker....
Und ganz wichtig: Schimpfwörter beibringen, gemeinsam kichern, unanständig reden und gemeinsam beobachten, was passiert, wenn man das macht....
Ich weiß nicht, wie ich das am besten beschreiben soll, aber ich denke, es geht auch darum, den Ehrgeiz zu wecken, besser sprechen zu lernen.
Ich hatte bei Timo nie den Eindruck, das es für ihn unbefriedigend war, nicht sprechen zu können. Er war dadurch nur noch abgekapselter - aber er kannte es ja nicht anders....
Außer die Szenen, in denen er seine Grundbedürfnisse nicht befriedigt bekam - da kamen dann Wutanfälle....
Seitdem er Sprache für sich entdeckt hat und merkt, was er damit ausrichten kann, ist er viel lebhafter geworden, auch teilweise sehr bestimmend....
Einer seiner ersten Sätze war: "ich möchte eine Pause"..., gefolgt von "nein, ich möchte nicht ins Bett".
Ich habe es im Kindergarten so erlebt, dass auf der einen Seite zwar gesagt wurde, er spricht so wenig - auf der anderen Seite aber auch keine Sprache "erwartet wurde". Wenn man es ihm nicht zutraut, kommt halt auch nichts... und man gewöhnt sich schnell an ein stilles, unauffälliges Kind.
Dabei ist mein Sohn eigentlich ziemlich "eselig"!
Das heißt auch, dass man die Kinder herausfordern muß, mal etwas negatives zu sagen - und sie darin bestärken....
Ich fürchte, einige Kids, die nicht sprechen können, nehmen dies nicht als Problem wahr, weil sie es nicht anders kennen.... vielleicht ja auch positiv...
Viel Spaß und viel Erfolg!
Kirsten _________________ Kirsten mit Timo (*2005), frühkindlicher Autismus
schon mal über einen B.A.Bar nachgedacht? Ist ein tragbares Gerät und funktioniert über Strichcodes. Diese Etiketten werden aufgeklebt z. B. auf Bilder und dann besprochen. Dann fährt man mit dem Gerät über den Code und das Gerät gibt den Text wieder. Ich hoffe ich konnte es einigermaßen erklären.
Hallo Kirsten,
das Problem ist, dass es keine Grunddiagnose gibt. Ein Hauptproblem zu der verzögerten bzw. evtl. stagnierenden Sprachentwicklung ist die kurze Merkspanne. Das Kind kann sich keine drei Silben hintereinander merken, bzw. diese wiederholen (die gilt ebenso für Handbewegungen, wie uns eine Testung zeigte). Das macht das ganze ja so verzwickt
@Tanja: So ein Gerät kannte ich bisher noch nicht, es hört sich aber für den Alltag sehr unpraktisch an, zumal ja viele Einzelwörter vorhanden sind. Trotzdem danke für die Idee.
LG Elin _________________ Erzieherin für Jugend-und Heimerziehung, tätig in einem Kinderheim, Nebenjob in einem Wohnheim für geistig-/ mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche
ich würde es mit Kommunikationstafel auf Bilderbasis versuchen.
Am besten fängst du mit einer standardisierten an und übst mit ihm verschiedene Sätze, sodass er sich die motorischen Bahnen (also den Bewegungsablauf) einprägt.
Hier gibt es sowas: http://www.albatros-schule.de/site.php4?site_id=355
Wenn du schon weißt, dass das funktionieren kann, kannst du auch die Moheco - Mappe basteln. Die findest du auch auf der Seite.
Wichtig ist dabei, dass du nicht nur bildgebendes Vokabular (Nomen, Verben), sondern vor allem auch kleine Wörter verwendest, weil er die im Alltag viel häufiger einsetzen kann.
LG Katrin _________________ Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
Hallo Katrin,
kannst du das ganze etwas näher beschreiben, ich kann die Dateinen zu der Mappe leider nicht öffnen, sondern nur die Anleitung.
Wie kann das Kind die kleinen Wörter erkennen, gibt es da auch Bilder zu?
Bin mir nicht sicher, ob eine Mappe das richtige ist, da es dem Kind möglicherweise zu umständlich ist, eine Mappe zu benutzen, wenn es sich auch so verständlich machen kann. Ich denke aber, wenn wir nicht mit der Alltagskommunikation anfangen UK zu lernen, kommen wir auch nicht darüber hinaus.
Bietet solch eine Mappe eine gute Möglichkeit, um Satzstrukturen zu erlernen? Diese sind nämlich so gar nicht vorhanden.
LG Elin _________________ Erzieherin für Jugend-und Heimerziehung, tätig in einem Kinderheim, Nebenjob in einem Wohnheim für geistig-/ mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche
die Satzstrukturen gehen mit der Tafel leichter. Zu jedem Wort gibt es Piktogramme. Die Wörter selbst sind nach Wortarten geordnet, so sind z.B. auf der linken Seite die Pronomen (ich, du...), in der Mitte die Adejektive und rechts weitere kleine Wörter.
So kann man Satzstrukturen üben, z.B. "Wer ist das?" "Ich bin müde" usw.
Auf der Tafel fehlen allerdings die Nomen und Verben. Die wiederum findest du in der Mappe im Innenteil. So hast du außen die häufigen Wörter, innen die selteneren.
Könnte mir vorstellen, dass das für euch hilfreich sein könnte.
Hier gibt es etwas ähnliches zum kaufen: http://www.hf.uni-koeln.de/fbz/34091
Zumindest die Tafel ist für den Anfang erschwinglich und könnte zeigen, ob es funktioniert.
LG Katrin _________________ Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
Sieht echt gut aus, die Mappe. Die könnte auch in der Schule eingesetzt werden (kostet schließlich nicht so viel wie ein Kleinwagen...) und ist vom Aufbau der DynaVox ein wenig ähnlich (also von der Art der Gruppierung der Wörter). Die Tafel ist an sich gut, aber der Wortschatz wahrscheinlich zu gering, den es ist ja einiges an Sprache vorhanden, nur eben nicht genug.
Um so eine Mappe zu erstellen, macht es wahrscheinlich Sinn, Boardmaker zu beantragen...Oder? Hast du da zufällig Erfahrung mit? Unser Logopäde ist nur mäßig kooperativ, kann mir nicht vorstellen, dass der das beantragt, das müssten wir wahrscheinlich selber tun. Und selber bezahlen fällt mal ganz weg!
LG Elin _________________ Erzieherin für Jugend-und Heimerziehung, tätig in einem Kinderheim, Nebenjob in einem Wohnheim für geistig-/ mehrfachbehinderte Kinder und Jugendliche
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