Verfasst am: 21.10.2010, 18:40 Titel: Habe ich jetzt auch ein Intensivkind?
Hallo,
meine Tochter Leonie ist 9 Jahre alt und schwerstbehindert. Aktuell heißen die größten Probleme "Epilepsie" und "Schlafproblematik". Wegen dieser beiden Themen ist Leonie seit Mitte August im Epilepsiezentrum Bethel stationär. Erstes Ziel war Absetzen der ketogenen Diät, dann kam Veränderung der Epi-Medis und als drittes Verbesserung der Nachtsituation. Die Diät ist beendet, ohne Probleme. Die Epi-Medis sind verändert, ohne wirkliche Besserung. Die Nächte haben wir nicht im Griff, und die Ärzte sind ratlos - deshalb hat man einen Pflegedienst angeordnet für 7 Nächte je Woche, je 8 Stunden, damit wir anderen ruhen können während Leonie zaubert...
Heute kam jetzt Bescheid, daß der Pflegedienst ab 1.11. kommt, zunächst für 5 Nächte je Woche. Damit ist uns natürlich schon geholfen! Sie müssen wohl noch Personal einstellen, eventuell klappt es ab Dezember mit 7 Nächten.
Mein erster Gedanke war: Super, jetzt kann Leonie endlich nach Hause kommen und wir hoffen mal auf "Normalisierung unserer Familiensituation".
Mein zweiter Gedanke war: Oje, haben wir jetzt ein Intensivkind?
Mein dritter Gedanke war: was habe ich vorzubereiten? Was ist zu veranlassen? Leonie's Zimmer ist recht klein, evtl. müssen wir einen Durchbruch zu Lennarts Zimmer machen, damit sich die Pflegeperson dort aufhalten kann, dann müsste Lennart umziehen in unser Schlafzimmer und wir in den Keller oder...
Soll ich Kaffee, Tee, Wasser, Plätzchen oder Obstteller bereitstellen? Für Gäste würde ich das natürlich machen, aber ist diese Person Gast bei uns?
Braucht die Pflegeperson Sessel, Stuhl, Tisch, Liege, TV, Radio, Internetanschluß? Macht sie während ihrer Schicht Pausen? Wo könnte sie evtl. rauchen?
Fragen über Fragen, ich denke, wir fangen erstmal an, vieles regelt sich mit der Zeit. Oder sollte ich gleich zu Beginn die Fronten klarstellen? Wie sind Eure Erfahrungen?
Wie auch immer, auf jeden Fall freuen wir uns, wenn unser zuckersüßes Mädchen nach Hause kommt! Alles weitere läßt sich dann regeln.
Lieben Gruß erstmal
Angelika und Leonie
Ob es sich bei Deiner Leonie nun um ein Intensivkind handelt, darüber kann man sicher streiten. Letztlich ist es eine Wortklauberei. Freu Dich einfach auf's Nachhausekommen und darüber, dass Ihr dann Hilfe habt. Die Sache mit den Begrifflilchkeiten ist doch an sich unwichtig
Ich wünsche Euch viel Erfolg!!! _________________ Liebe Grüße, Verena (*07/78), mit Joana (*06/06), 35.SSW, tiefgreifende Entw.-störung, V.a. ASS, FI, und Joshua (*11/10), Hypopl. d. re. unt. Extremität + Oligodaktylie, statomot. Ret., und Frank (*02/84), der beste Ehemann der Welt!!!
Kinderkrankenschwester in der amb. Intensiv-Kinderkrankenpflege
Hallihallo,
also ich habe als Kinderkrankenschwester in einer Familie über 2 Jahre gearbeitet.
erst einml finde ich dass es für beide Seiten nicht einfach ist! Aber vieles von dem was du aufgezählt hast wäre schon Luxus!!!
Toll wäre natürlich, wenn es eine Sitzgelegenheit (bequem wäre super:-))und eine Schreibmöglichkeit gäbe. Und die Toilettennutzung ist natürlich auch ein Muss:-)
Alles andere ist nett, aber meiner Meinung nach nicht zwingend erforderlich!
In der Familie wo ich gearbeitet habe ging es recht locker zu. Wir durften den Wasserkocher für Tee/Kaffee benutzen. Haben aber auch immer mal wieder ein Paket Kaffee mitgebracht, denn sonst geht das irgendwann ins Geld!
Wir durften im Nachtdienst unseren Laptop mitbringen, Internet - Anschluss hatten wir aber nicht. Fernseh gucken durften wir ganz leise über den Laptop, aber einen eigenen Fernseher im Raum gab es nicht!
Da die Mutter selbst geraucht hat, durften wir das auch in der Wohnung in der Küche tun. Aber das musst du nicht gestatten, wenn es dir nicht recht ist!!
Ansonsten finde ich es wichtig, dass die Fronten von Anfang an geklärt sind, denn es ist und bleibt eure Wohnung!! Die Pflegeperson ist zwar Gast, braucht aber keine Versorgung in dem Sinne. Wir haben essen und trinken selbst mitgebracht und durften das in der Küche dann evtl. erwärmen und essen.
Aber ich denke auch, dass sich ganz viel klärt, wenn das Personal da ist. Wichtig finde ich nur, dass du auf jeden Fall sagen muss, wenn etwas nicht in deinem Sinne ist, dann lassen sich die meisten Probleme ganz schnell klären.
So, sorry, ganz schön lang geworden
Viel Glück für euch insgesamt und natürlich gute Besserung für deine kleine Maus. _________________ 26J. Kinderkrankenschwester, 2 Jahre intensivpflichtige Kinder mit Beatmung, etc. begleitet, jetzt Betreuung von Erwachsenen
wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren!!!
ich finde schon, dass man es Intensivkind nennen kann, wenn man für die Betreuung und Absicherung der Epilepsie und Co einen PD braucht. Aber es ist auch egal, wie man es nennt. PD für Eure Situation ist klasse!
Ich würde an Eurer Stelle erstmal anfangen mit dem, was Ihr habt. Also in Leonies Zimmer eine Sitzmöglichkeit (Holzstuhl für 8 h finde ich schon etwas heftig. Sessel wäre besser. Poäng bei Ikea ist nicht so teuer und bequem) mit Tischchen und Lampe zum Schreiben. Wenn es zu hell und laut für Leonie ist, müsst Ihr umdenken.
Bei uns stehen ein kleiner Wasserkocher (0,5 l), Tasse, Löffel, Teebeutel und Zucker bereit. Die Schwestern bringen sich fürs Team meist ne Dose Capuccino mit, die sie dazu stellen.
Pausen gibt es hier nicht, weil wir dazu ja aufstehen müssten, um die Sicherheit in der Zeit zu gewährleisten.
Internet gibt es bei uns als WLAN mit Flatrate, aber ob Du das willst, musst Du selbst entscheiden.
Hier steht ein Stromschwein, in das Geld für die Stromnutzung für Laptop, Handy, was weiß ich, geworfen wird.
LG
Nellie _________________ Linn *2004, Intensivkind mit schwerster Mehrfachbehinderung durch eine Gehirnfehlbildung namens pontocerebelläre Hypoplasie Typ 2a (PCH 2a), Sondenkind mit Button, Epilepsie, Tracheostoma, nachts beatmet, schwere Wahrnehmungsstörung und ein zauberhafter roter Lockenkopf mit festem Willen und Ann *06/09, fröhliche Minimaus --> unsere Vorstellung und --> Bilder von uns
Soll ich Kaffee, Tee, Wasser, Plätzchen oder Obstteller bereitstellen? Für Gäste würde ich das natürlich machen, aber ist diese Person Gast bei uns?
Braucht die Pflegeperson Sessel, Stuhl, Tisch, Liege, TV, Radio, Internetanschluß? Macht sie während ihrer Schicht Pausen? Wo könnte sie evtl. rauchen?
Ich hoffe, ich darf meine Meinung auch sagen... wir haben keinen Pflegedienst, und ich arbeite bei keinem...meine Schwester ist Krankenschwester und hat das eine Zeit lang gemacht... aber einfach mal aus dem Bauch heraus und mit ein bißchen Menschenverstand :
Eine bequeme Sitzgelegenheit würde ich anbieten in dem Zimmer Deiner Tochter oder im Nebenraum - viel mehr aber auch nicht, denn eine Liege würde ja zum Schlafen verlocken und das sollte sie während der Schicht eigentlich wohl eher nicht. Internetanschluss finde ich arg übertrieben, wenn sie einen Laptop hat, hätte ich damit keine Probleme, surfen könnte sie ja über einen Stick.... ebenso halt Fernsehen oder Radio... da es ja Nachts ist, wäre es für mich wichtig, dass es mit Kopfhörern passiert, so dass es eben niemanden stört.
Ich denke, Essen etc. wird sie mitbringen... wie die meisten von uns es ja auch tun, wenn sie zur Arbeit gehen.
Wenn man sich ein bißchen kennengelernt hat und man gut klarkommt, würde ich auch ab und an mal was anbieten oder mal was hinstellen und ein bißchen Aufmerksamkeit zeigen, aber halt nie so, dass es selbstverständlich und verpflichtend ist... wenn Ihr jetzt versteht, was ich damit meine...
Mit der Möglichkeit Küche etc. zu nutzen... ich weiß nicht, ich hätte da ein Problem mit, wenn Nachts jemand durch mein Haus geistert ... denn oft ist die Küche ja eher am anderen Ende des Hauses, während das Bad ja in der Nähe der Schlafräume ist...
Rauchen würde ich IN meinem Haus nicht gestatten, da müsste man bei mir schon vor die Tür gehen. Ansonsten bist DU der Hausherr und solltest eben schon sagen, was für Dich ok ist, und was eben nicht...
lG und viiiiiiele ruhige Nächte,
AnKa _________________ AnKa mit Tochterkind 10/02 u. Minimonk 11/05 mit Syndaktylien, extremen Knick-Senkfüßen, hyperreagiblem Nervensystem u. aut. Verhaltensmustern - seit Jan. '11 glückliches Regelschulkind!
Wir haben seit einigen Wochen auch einen Intensivpflegedienst hier ( wobei ich mir immer noch nicht sicher bin, ob Nele nun auch ein Intensivkind ist ) für 4 Nächte a 12 Stunden (bewilligt sind 7 Nächte a 8 Stunden, aber als Wochenkontingent von 56 Stunden und für uns organisatorisch mit den 4 Nächten angenehmer).
Ich wußte am Anfang auch nicht so recht, was der PD nun für Rechte und Pflichten und Bedürfnisse hat.
In Gesprächen mit diversen Pflegediensten wurde schon einiges klarer.
Nun haben wir uns vorher Dinge aufgeschriebne, was wir möchten, daß der PD sie tut und was er nicht darf.
Z.B. darf er sich in Nele`s Zimmer aufhalten, im Zimmer davor (wo auch das Sofa und der Tisch für den PD steht), die PKs dürfen sich Tee o.ä. in der Küche machen und natürlich das Klo benutzen. Sie dürfen ihren Laptop mitbringen und damit ins Internet oder einen Film schauen.
Die PKs dürfen nicht schlafen, die Tiere nicht füttern, nicht rauchen, müssen die Priovatssphäre von uns allen achten, die Tür schließen vom PD- Zimmer um eine Abgrenzung zu uns zu haben usw.
Wir haben uns halt überlegt, was uns stören würde, wenn sie es hier machen würden und was wir für wichtig halten um einen guten Arbeitsplatz zu schaffen.
Ich würde mir aber niemals die Mühe machen und die PKs mit Keksen usw. bewirten.
Klar kann mal ein Stück Kuchen auf dem Tisch stehen für die PK, wenn wir grad gebacken haben, aber vom Ding her sehe ich sie nicht als Gäste und bewirte sie nicht.
Wiederum sehe ich es als meine "Pflicht", daß das Klo sauber ist, was sie benutzen.
Über das restliche Chaos müssen sie hinwegsehen, auch wenn ich komischer Weise immer an dem Tag einen Putzanfall bekomme, wenn der PD den ersten Abend wieder kommt
Sehr wichtig finde ich es , gleich von anfang an zu besprechen, wenn einem etwas stört.
Ansonsten kann schnell Mißmut aufkommen.
Unsere PK hat mich z.B. mal ein Kaltblutpferd genannt , zwar in einem anderen Kontext, aber ich hab mich echt beleidigt gefühlt.
Das hat mir die Laune von einem ganzen TAg kaputt gemacht und so hab ich ihr abends dann gesagt, daß ich das völlig unmöglich finde und nicht finde, daß sie sich in der Position befindet mich so nennen zu dürfen.
Sie hat dann noch versucht sich zu erklären und so, aber für mich war es sehr wichtig ihr zu sagen, wie doof ich das fand.
Sonst hätt ich nur den Groll in mich reingefressen und sie immer dööfer gefunden
Also zu Essen und zu Trinken brauchst Du nichts anbieten, wir sagen natürlich nicht "Nein", wenn wir einen Kaffee hingestellt bekommen, aber es muß wirklich nicht sein.
Bei 8-Stunden-Schichten ist es eigentlich nicht ganz so schlimm, wenn man sich nichts in der Mikrowelle warm machen kann. Heißes Wasser kann man sich auch in der Thermoskanne mitbringen. Wenn die Möglichkeiten bestehen (sprich, dass man ohne Mühe und Lärm in die Küche kann) freut man sich natürlich. Aber man kommt auch ohne zurück. (Bei Dir ist das nicht der Fall, aber in vielen Fällen müssen wir sowie in die Küche, z.b. zum Tee/Wasser abkochen für die Sonde. Da kann man sich natürlich etwas warm machen). Wichtig ist eine einigermaßen bequeme Sitzgelegenheit, dann ein Platz, wo man etwas schreiben kann. Vielleicht ein kleines Regal/Schränkchen, wo man die Pflegedoku/Ordner (da kommt einiges zusammen) unterbringen kann. Im Flur ein Plätzchen für Jacken/Schuhe vom Pflegepersonal. Und dann vielleicht eine Lichtsituation, dass die PK zumindest lesen bzw. in die Doku schreiben kann, ohne das Kind damit zu stören, wenn es mal schläft.
Toilettenbenutzung wurde ja auch schon geschrieben: vielleicht ein extra Haken für das Gästehandtuch und ein extra Seifenspender, dass die "Familienseife" nicht mit benutzt werden muss...
Ich rede als Nichtraucher leicht, aber eigentlich kann man eine 8-Stundenschicht ohne zu rauchen aushalten. Wenn man nämlich zu weg muss, um zu rauchen, hört man das Kind nicht mehr. (wir arbeiten teilweise wesentlich länger, da sieht es anders aus).
Wenn Dir Fragen einfallen, dann her damit...
Liebe Grüsse
Bernhard _________________ Bernhard *69, Christiane *70
Dominik *15.10.07 Asphyxie bei Geburt, Entwicklungsverzögerung, Epi
Adoptivschwester *2006
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Ich rede als Nichtraucher leicht, aber eigentlich kann man eine 8-Stundenschicht ohne zu rauchen aushalten. Wenn man nämlich zu weg muss, um zu rauchen, hört man das Kind nicht mehr. (wir arbeiten teilweise wesentlich länger, da sieht es anders aus).
Da hab ich letztens bei dem Themenchat auch rollende Augen verursacht, weil ich gefragt hab, wie die anderen Familien es mit den Raucherpausen draussen handhaben.
Denn schließlich hört die PK in der Zeit das Kind nicht!
Die Antwort war ganz klar:
Im Dienst wird nicht geraucht, weil die Überwachung des Kindes in der Zeit nicht gewährleistet ist!
Doof für die Raucher, aber so handhabe ich es nun auch (wobei unsere jetzige PK nicht raucht)!
Und scheinbar gibt es keine Pausenregelung für nächtlichen PD-
oder Bernhard??
Übrigens Bernhard:
Zitat:
vielleicht ein extra Haken für das Gästehandtuch und ein extra Seifenspender, dass die "Familienseife" nicht mit benutzt werden muss...
soll die extra Seife für die PK sein, um die Familie zu schützen oder die PK? Oder wie?
also selbst wenn man eine Raucherpause gestattet, so tragen die Schwestern doch nach so einer Pause den Rauch in das Schlafzimmer des Kindes! Eben weil sie ein "Rauchnebel" umgibt. Das merke ich auch immer bei meinem Schwager, wenn der von draußen nach dem Rauchen wieder reinkommt. Den umgibt einfach eine "Rauch-Aura".
Ich würde das nicht zulassen.
LG
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@Janina: das Thema Pausenregelung ist so ein Ding in der nächtlichen PD-Versorgung. Die gesetzliche Regelung der Pausenzeit ist, dass bei einer Nachtschicht (je nach Dauer) 30-45 Minuten als Pause zu nehmen sind. Und Pause heisst eigentlich im Sinne des Gesetzes, dass man das Haus verlassen könnte... Richtig geregelt ist das nicht. Aber in der Regel hat man ja doch gewisse Zeiten als "Leerlauf"... ich bin da leider überfragt...
Was die Seife angeht: wenn ein Seifenspender vorhanden ist, ist das nicht das Problem. Aber bei einem Seifenstück... ich könnte jetzt Dinge berichten, die ich schon gesehen habe, die kann ich hier nicht öffentlich schreiben.
Und was das Rauchen angeht: ich hatte schon Patienten, wo die Angehörigen ausdrücklich auf Nichtraucher bestanden haben, aber das lies sich nicht immer in die Praxis umsetzen, weil einfach zu wenig qualifiziertes Personal da ist.
LG
Bernhard _________________ Bernhard *69, Christiane *70
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