Verfasst am: 03.09.2010, 09:10 Titel: Diagnose Sprechapraxie - und nun?
Hallo Ihr alle zusammen,
Die Probleme mit meinem Sohn haben schon bald nach der Geburt angefangen: Er hatte KISS, Ein Herzfehler wurde diagnostiziert, Mitralklappeninsffizienz und Prolaps 2. Grades, der sich aber Gott-sei-Dank "verwachsen" hat (ich denke eher, es war eine Fehldiagnose, und er hatte nur 1. Grad), regelmaessige obstruktive Bronchitis mit Lungenentzuendungen, staendig Mittelohrentzuendungen. Insgesamt hat er sich langsamer entwickelt als andere Kinder (im Vergleich zu meiner Tochter im Zeitlupentempo), er lief erst mit 18 Monaten etc... An Sprechen war gar nicht zu denken, ausser Mama und Baba, ja und nein kam seit er 13 Monate alt ist nichts raus. Die Aerzte haben mich immer vertroestet, er sei 2-sprachig aufgewachsen (wir haben in England gelebt), er sei ein Junge, er habe einfach keine Lust, es gaebe fuer ihn keinen Grund zu sprechen etc. Erst mit 2 1/2 Jahren hiess es dann, okay, er sei Late-Talker und ich bin also regelmaessig, 2x woechentlich zur Logopaedie und zum Osteopathen mit ihm gegangen. Ein befreundeter Kinderpsychologe empfahl mir das SPZ, er war der Einzige, der die Sache etwas ernster gesehen hat! (Mein Kinderarzt sah immer noch keinen Anlass zu diesem Schritt )-:
Nach 4-monatiger Wartezeit, haben wir endlich den Psychologischen Termin bekommen. So einem unsensiblen Menschen (meiner Meinung nach hat er seinen Beruf verfehlt, dazu gleich mehr!!) bin ich noch nie begegnet. Er hat mit meinem Sohn einen Intelligenztest gemacht, Ergebnis: ueberdurchschnittlich Intelligent. "Gott-Sei-Dank" hab ich mir gedacht und war der Meinung, jetzt kann es nur bergauf gehen. Pustekuchen. Sagt der Psychologe zu mir, voellig unvorbereitet: "Die Ursache fuer das Unvermoegen meines Sohnes, nicht sprechen zu koennen liegt definitiv im Gehirn: Entweder er hatte einen Schlaganfall, Hirnblutungen oder einen Tumor! Schluck... Und das ganze waehrend mein 3-jaehriger Sohn neben mir sitzt!!! (Julius hat sein einem Jahr keine Windeln mehr an, hat danach erstmal knapp 2 Wochen jede Nacht eingenaesst...) Vollkommen schockiert bin ich zu meinen Eltern gefahren und habe erst dort realisiert, was diese Diagnose eigentlich fuer ihn und uns bedeutet... Die Woche darauf kam der aerztliche Termin im SPZ, alles okay und die Logopaedin vor Ort kam bei ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis: Sprechapraxie )-: Ursache: unklar (d.h. eine der vom Psychologen genannten Diagnosen wird es wohl sein, Tumor denkt sie nicht). Ob mein Sohn jemals anfangen wird zu sprechen, steht in den Sternen. Falls ja, wird es ein langer zaeher Weg, er muss erst Laute lernen (einige spricht er nach, z.B. "O" oder "K" oder "sch"), dann geht man zu Silben ueber (er kann ja "O" und er kann "PA" aber er kann es nicht verbinden, kann nicht "OPA" sagen...) und vielleicht auch irgendwann zu ganzen Worten... Der Psychologe meinte, es grenze an ein Wunder und wir koennten froh sein, wenn Julius bis zum Schulalter 3 neue Worte lernt Mein Mann und ich, wir sind ziemlich verzweifelt, versuchen natuerlich mit 3/Woche Logo ihm zu helfen. das schlimmste ist, dass sich mein Sohn seiner Situation voellig bewusst ist: Er will sprechen, aber es klappt einfach nicht, es kommt nichts raus, obwohl er es versucht. Er weint viel, wenn wir mit ihm ueber das Thema sprechen. Ich selber sehe natuerlich auch seine Aengste und Probleme, die ihm vielleicht noch gar nicht so bewusst sind: Er kann im Kindergarten (machen gerade erst Eingewoehnung in einem Regelkindergarten, da kein integrativer Platz frei war und mir ein regelkindergarten vom SPZ fuer ihn empfohlen wurde) nicht einfach fragen, ob er mitspielen kann, kann bei der Kreisrunde nicht mitsingen, kann einfach gar nicht verbal aeussern wenn er ungluecklich mit etwas ist oder seine Beduerfnisse aeussern - das ist so schlimm und tut mir so weh! Ich bin die Einzige, die ihn wirklich "versteht", ich merke, was er braucht oder haben moechte, vielleicht der Mutterinstinkt )-: Deshalb faellt ihm die Trennung auch so schwer. Derzeit kann ich den Kindergarten auch nicht verlassen sondern sitze die ganze Zeit in der Naehe...
Gestern habe ich mit GuK-Karten bestellt die ich mit ihm lernen moechte, damit er auch Gefuehle ausdruecken kann ohne seine Ellbogen einzusetzen (das ist fuer ihn die einzige Moeglichkeit, sich zu wehren und Freunde macht er sich damit auch nicht!) Ausserdem werde ich die Gebaerdensprache in einem Kurs erlernen...
Meine Gedanken gehen natuerlich viel weiter in die Zukunft: Wird er jemals Freunde haben, die gerne mit ihm spielen? (er ist so fixiert auf andere Kinder und freut sich so, wenn jemand mit ihm spielt - bisher sind es nur die ganzen Freundinnen seiner Schwester, die dies mit ihm teilen, in meinem Freundeskreis sind kaum "kleinere" Kinder und ich wuensche es mir so sehr fuer ihn) Wird er jemals lesen und schreiben lernen? Wie sieht seine Zukunft aus? Kann er studieren? Ich moechte einfach, dass er gluecklich wird!! Er ist so ein suesser, huebscher, kleiner Kerl, der es verdient hat, ein normales Leben zu fuehren, auch ohne Sprache!
So, das alles musste ich mal loswerden, ist jemand in einer aehnlichen Situation und kann meine Sorgen und Aengste teilen?
Eure Eva
Hallo, ich habe ähnliche Probleme mit meiner Tochter sie ist im Mai 3J. geworden. Sie spricht auch nur wenige Wörter kommt aber ganz gut klar sie schafft es fast immer deutlich zu machen was sie möchte. Ich versuche natürlich alles um sie zum Sprechen zu bekommen. Ich habe mir selbst Therapien gesucht von denen ich denke das sie weiterhelfen könnten, weil sie Probleme an der Ursache bekämpfen. Das sind Tomatisth., Craniosacralth., Sensorische Integrationsth. und wir haben jetzt mit Logo nach Padovan angefangen. Von ärztlicher Seite erwarte ich nichts mehr. Ich habe die Erfahrung gemacht das gute Therapeuten viel mehr Gespür besitzen was einem Kind fehlt oder welche Behandlung erfolgversprechend ist. Ich könnte inzwischen ein Buch zu diesem Thema schreiben. Solltest du an einem Erfahrungsaustausch Interesse haben, kurze PN gern auch mit Telefon da ich weinig Zeit habe, um am Computer zu sitzen.
LG BiancaH
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Verfasst am: 03.09.2010, 10:28 Titel:
Hallo,
ich find die Aussage von dem Psychologen eine bodenlose Frechheit.
Mein Großer hat eine ausgeprägte Sprechapraxie, und bis er 5 war kaum ein verständliches Wot gesprochen. Er wird 10, geblieben ist die Sprechapraxie, er hat gelernt damit umzugehen und jeder versteht in, weil er sein Strategien entwickelt hat. Manchmal wärs mir lieber, er würde mal nicht soviel quasseln
Prognosen sind echt eine Sache fürs sich...
LG Maggie (die Dir Mut machen möchte)
P.S. Dazu kommen bei uns Wortfindungsstörungen, phoologische Paraphasien und Dysgrammatismus - versuch eie Therapeutin zu finden, die mit TAKTIN arbeitet und das Konzept von Mc Ginnies ist auch zu empfehlen. Beim Lesen lernen macht es mehr Sinn auf Silbenebene zu arbeiten. Anlaut orientiertes lesen lernen bringt hier leider nicht sehr viel, musste die Lehrerin meines Sohnes auch einsehen.
zum Thema Sprachapraxie bzw. Dyspraxie findest Du Einiges hier im Unterforum. Unsere Kleine hat auch diese Diagnose - wie ihr verschiedene Therapien geholfen haben, findest Du im Thread "Einstiegsprobleme bei Taktkin". Es gibt Möglichkeiten, vor allem KOART hat uns sehr geholfen!
Zur Aussage des Psychologen: das mit dem Tumor finde ich gemein - solche Vermutungen darf er nicht anstellen.
Die Ursache für so eine Sprechapraxie liegt aber wohl tatsächlich in einer (in Eurem Fall wohl kleineren) Hirnschädigung. Wie die meisten Entwicklungsprobleme!
lg, Simone _________________ Simone 07/1970, Roberto 04/1969, Sophie 12/1998, Annabelle 07/05 partielle Monosomie 3p.25 - global entwicklungsverzögert, macht aber ständig Fortschritte
Ich danke Euch fuer Eure netten Antworten, seit einem Jahr machen wir bereits Logopaedie und Cranio, naechste Woche sind wir in einer neuen Praxis und arbeiten u.a. nach Taktkin... Ist er nicht noch zu jung fuer eine Kommunikationshilfe wie den Talker? Er ist ja erst 3 Jahre alt...
Ich habe noch vergessen, zu erwaehnen, dass Julius ansonsten total normal entwickelt ist! Er hat keinerlei Auffaelligkeiten ausser dem Nicht-Sprechen, im Gegenteil, er ist auch feinmotorisch extrem fit, geht offen auf andere Menschen zu.
Hi, nein, mit 3 ist er nicht zu jung für eine Kommunikationshilfe! UK sollte so früh wie möglich begonnen werden- und es gibt ja auch ganz einfache Talker. Wart ihr schon mal bei einer Beratungsstelle für Unterstützte Kommunikation?
Gruß Caroline _________________ HEP ,Heilpädagogin und angehende Kommunikationspädagogin (Fachmensch für UK)
Hallo Caroline ,
wo findet man so eine Beratungsstelle ? Unser Colin ist 2,5 J und spricht erst 2 Worte . Ich würde es gern mal ausprobieren ob er überhaupt vom Verständniss damit schon etwas anfangen könnte .
lg Dani _________________ Papa *73 , Mama Dani *74 und Sonnenschein Colin 2/08 , Epilepsie seit Geburt ,muskuläre Hypotonie ,glob.Entwicklungsverzögert ,extr.Knick-Senkfüße (trägt jetzt Ringorthesen ), orofaziale Dysfunktion , keine aktive Sprache
Hallo Caroline, nein, da waren wir noch nicht... Habe auch ehrlich gesagt, noch nie etwas davon gehoert )-: Werde mich aber mal bei meiner Logopaedin schlaumachen, danke fuer den Hinweis, Eva
Hallo Eva und Daniela, auf www.isaac-online.de könnt ihr Beratungsstellen in eurer Nähe finden. Wenn ihr euch auf der Homepage nicht zurecht findet- gerne kurze PN mit eurem Wohnort an mich, dann schau ich nach, ob ich was finde
@ Dani: ja, das ist auf jeden Fall eine gute Idee! Falls er vom Verständnis her noch nichts damit anfangen könnte, hat die Beratungsstelle bestimmt trotzdem tolle Tipps auf Lager!
Viel Glück euch beiden und bei Fragen steh ich gerne zur Verfügung!!
Caroline _________________ HEP ,Heilpädagogin und angehende Kommunikationspädagogin (Fachmensch für UK)
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