Verfasst am: 30.08.2010, 13:10 Titel: Überforderung durch Therapie und ständige Arztbesuche
Hallo,
ich bins schonmal wieder!
Letzte Woche war ich super begeistert, dass mein kleiner Schatz so gut drauf war. Er hat viel gelacht und lautiert, war selbst abends sehr zufrieden, ohne Bauchweh und Geschrei! Er hat sogar durchgeschlafen!!!!
Am Wochenende bin ich dann ins grübeln gekommen, was anders war als sonst?
Und dann ist mir aufgefallen, das wir letzte Woche keinen Arzttermin und keinerlei Therapie hatten, Hannes konnte in Ruhe ausschlafen und hatte seinen festen wiederkehrenden Tagesablauf!!
Nun frage ich euch: Was habe ich für eine Wahl?
Kann ich mit KG und Logo aussetzen und würde das Hannes schaden? Ich will nichts falsch machen, aber der Ortophäde bei dem wir waren fragte ja auch schon, warum er denn KG kriege, nur weil er ein Frühchen ist?
Er hat ja im Mom. noch keine mot. Auffälligkeiten. Und die Logopädin weiß auch nicht so recht, was sie machen soll, denn das er nicht trinkt ist kein motorisches Problem.
Natürlich müssen gewisse Arztebesuche sein, aber der Rest.
Sollt nicht gerade ein behindertes Baby, was vielleicht noch sehr mit sich selbst beschäftigt ist auch mal Ruhe haben, um die Energie in andere Lernprozesse zu stecken? Denn was die Therapeuten mit ihm machen, gefällt ihm ja nicht, er schreit dabei obenraus!
Ein gesundes Baby darf doch auch einfach mal Baby sein und wird nicht ständig umhergekarrt oder wandert immer zu fremden Personen?
Ich möchte mit Hannes auch mal morgens im Bett kuscheln, oder ihn massieren oder einen Spaziergang machen, oder oder....
Wie ging es euch in der Situation, was habt ihr für Erfahrungen gemacht?
Bitte helft mir mal, bin echt in einer Zwickmühle!!!
Lg Steffi mit Hannes, der gerade bei mir auf dem Bauch schläft und sich ganz doll fest hält, damit ich ihn ja nicht weglege, denn heute morgen waren wir schon wieder in der Kieferorthopadie für einen Trinkplattenabdruck!! _________________ "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Antoine de Saint-Exupéry
ich halte es für absolut wichtig, dass auch (oder gerade) ein behindertes Kind/ Baby auch das "normale" Leben (er)leben darf, Zeit hat sich auszuprobieren und nicht nur von Therapie zu Therapie geschleppt wird.
Natürlich brauchen Kinder mit Entwicklungsproblemen die Unterstützung durch Experten.
Mein Sohn bekommt KG-Bobath, Ergo und (in großen Abständen) Seh-FF und hat dadurch sicherlich schon Vieles gelernt, was er ansonsten nicht gelernt hätte. Immer wieder bemerken wir z.B., dass er Bewegungen, die die KG mit ihm übt "abruft", wenn er sie braucht.
Zu Hause lasse ich ihn jedoch vor allem Kind sein. Wahrscheinlich wird manche Mutter beim Lesen dieser Zeilen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wir haben keine festen "Übungszeiten", machen nicht jeden Tag "KG zu Hause", sondern ich lasse Julian viel Zeit, sich auf dem Fußboden zu bewegen, spiele und rede mit ihm und baue dabei immer wieder Dinge ein, die ich bei den Therapeutinnen gelernt habe. Mehr aber nicht.
Ich weiß nicht, was er alles könnte, wenn ich täglich mit ihm "trainieren" würde. Vielleicht mehr, vielleicht auch nicht.
Aber ich bin überzeugt davon, dass eine entspannte Atmosphäre zu Hause der beste Nährboden für Fortschritte ist. Ich bin Mama, nicht Therapeutin, und möchte das auch bleiben.
Als Julian noch klein und ein Kinderwagenfan war, waren wir viel spazieren. Inzwischen gehen wir oft auf den Spielplatz zum Schaukeln, treffen Freundinnen und deren Kinder. Ganz normale Dinge eben, die man mit seinem Kind macht.
Bevor ich noch mehr quassle... - Stopp.
Was ich an deiner Stelle machen würde: Sprich mit den Therapeutinnen und den behandelnden Ärzten über deine Gedanken und frage sie, was sie von einer Therapiepause halten. Dass die Logo nicht so recht weiß, was sie mit deinem Kleinen machen soll, ist doch ein eindeutiges Zeichen dafür, dass ihr sie im Moment nicht dringend braucht.
Du kannst deinen Kleinen ja in größeren Anständen dort vorstellen, dann verpasst du nicht den Zeitpunkt, an dem er vielleicht Therapien brauchen wird.
Gönnt euch einen so weit wie möglich "normalen" Mama-Baby-Alltag. Du klingst so, als würde dir und deinem Kleinen ein solcher gut tun. Dann probier's doch einfach aus! Die Entscheidung, die Therapien auszusetzen, ist nicht für die Ewigkeit. Einsteigen kannst du immer wieder.
Ups, ist das jetzt lang geworden... Sorry...
Alles Gute für euch beide - und berichte mal, ja?
LG Jule _________________ J. *1/08 nach 30 SSW, schwere Alloimmunthrombozytopenie --> ausgedehnte Gehirnblutungen (pränatal)
Z.n. BNS-Epi mit weiterhin pathologischem EEG, globale Entwicklungsstörung, blind, keine Sprache
aber: hüpft flott auf den Knien, macht erste Schrittchen, liebt den KiGa, Rollifahren und Schwimmen und ist glücklich in seiner eigenen kleinen Welt
Ich kann Dich gut verstehen.
Ich habe mit dem kleinen Ergo und Krankengym und bis vor kurzem noch Frühförderung gehabt. Dann Besuche im SPZ beim HNO in derAugenklinik regelmässig u.s.w.
Das streßt einen kleinen Mneschen wohl mehr als Erwachsene.
Auch ich habe überlegt was ich weg fallen lassen könnte, doch mir war es wichtig, das er richtig ung gut gefördert wird ( hab da leider viele negative Erfahrungen mit meinem gr Sohn gemacht, denn er wurde gar nicht gefördert )
Übernächste Woche wird er 3 Jahre alt und bekommt noch immer 1 mal die woche KG nach Bobath. Der Kinderarzt sagte auch schon, die KG mal weg fallen zulassen, aber das möchte ich nicht so gern, weil er sehr sehr starke Gleichgewichtsstörungen hat.
Du schriebst, das Dein Sohn ein Trinkproblem hat. Wie wäre es denn eher mit einer Ergotherapie nach Castillo Moralis ) diese Therapie bekommt meiner jetzt seid Mai diesen Jahres, weil auch mein Sohn starke probleme mit der Mundmotorik hat. Er ißt noch nicht allein mit dem Löffel und trinkt noch aus keinem Becher.
Ich weiß auch nicht wirklich was eine Logopädin bei so einem kleinem Mann jetzt ausrichten kann * hmm
Logopädin ist doch eher erst was im späterem Alter oder liege ich da jetzt falsch ?
Ich persönlich denke, KG ist schon ganz gut für Deinen kleinen Mann und google mal nach Castillo Moralis und belies Dich mal drüber. Denke das ist eher was für Euch als Logo.
Sonst kann ich dir leider auch keinen anderen tipp geben.
die Lgopädin macht mit ihm Übungen nach Castillo Morales aber gerade im Gesicht ist er sehr empfindlich. Denke durch das ständige wechseln, Abdrücke machen der Trinkplatte und der Nasensonde legen!
Die Logopädin hätte gerne das er auch noch Ergo kriegt um seine Wahrnehmung genauer unter die Lupe zu nehmen, aber on unserem KiA kriegen wir kein Rezept!
Meist ist er dort so lange entspannt bis sie ihm mit der Hand ins Gesicht geht, dann fängt er an zu weinen und ärgert sich sehr doll!
Da blutet mir jedes mal das Herz!
@Jule: Ja du triffst es auf den Punkt, normaler Mama-Baby-Alltag, hatte ich noch nie mit Hannes und genau das fehlt, wenn man schon so ein besonderes Kind hat!
Aber ich mache auch nicht wie die KG gerne wünscht 4 mal tägl. die Übungen dann mache ich ja nichts anderes mehr den lieben langen Tag!!
Danke für eure Antworten
Lg Steffi _________________ "Man sieht nur mit dem Herzen gut, das wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Antoine de Saint-Exupéry
Luis wird jetzt drei und wir brauchen leider sehr viele Arzt- und Klinikbesuche. Das wirft uns leider oft aus dem Rhythmus.
Luis geht schon in die Kita, er hat dort einen Integrationsplatz. Ganz ehrlich, bessere Förderung gibt es kaum. Außer natürlich ein glückliches und soweit wie möglich normales Familienleben.
Natürlich bekommt er noch die obligatorische KG, Ergo und abwechseld Früh-, Hörfrüh-, und Sehfrühförderung. Außerdem machen wir therap. Reiten. Aber ich mache max. 3 Termine in der Woche. Ich hatte schon ganz schlimme Zeiten mit vollgepacktem Terminkalender und wirklich getan hat sich nicht viel bei ihm.
Erst jetzt, mit regelmäßiger Kita, weniger Terminen und der Liebe unserer Familie entwickelt er sich und ist ein auffällig liebes und glückliches Kind!
Hör auf dein Gefühl, fördern ist wichtig, aber entspanntes Liebhaben ist eben auch Fördern im allerbesten Sinne!
Liebe Steffi,
ich verstehe dich total gut. Died Sehnsucht nach dem ganz normalen Mama-Baby-Alltag ist auch bei mir da. Neulich sagte ich zu meinem Mann: Ich würde mir einfach nur mal wünschen, genug Zeit zu haben, um mit Vincent mit dem Kinderwagen einkaufen zu gehen, statt immer schnell schnell alles mit dem Auto zu erledigen, weil man ja noch Termine hat. Aber bei noch zwei großen Kindern weiss ich kaum, wie ich dass schaffen soll. Übrigens habe ich die Erfahrung gemacht, dass Vincent im Urlaub überhaupt keine Ernährungsschwierigkeiten hatte (ist sonst bei uns der absolute Dauerbrenner). Also auch ein deutliches Zeichen, wie gut es ihm tut, mal keine Termine und vor allem auch entspannte Eltern zu haben. Ich bin gerade dabei zu schauen, wo ich noch "Zeitsparpotenzial" habe, um wenigstens ein bisschen normalen Alltag mit Vinci hinzubekommen. Ist immer wieder ein Kampf, aber da wir es auch anders kennen, bin ich inzwischen über jede halbe Stunde reiner Mama-Kind-Zeit glücklich. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, auch kleine Oasen bewusst wahr zu nehmen und sich an ihnen zu freuen, denn auf Grund der Situation gibt es nunmal Sachzwänge, die es verhindern, dass so viel Zeit fürs Kind bleibt wie man sich eigentlich wünschen würde.
LG Gesa _________________ Gesa mit Vincent (*09/09) Kardiomyopathie, ASD, VSD, entwicklungsverzögert, PVL, rezidivierende Infekte und noch einige kleinere Baustellen
ja ich kann dich sehr gut verstehen..
mir fehlte auch die zeit für meine tochter..
ich habe mit 8 wochen eine weiterbildung weitergemacht (2mal die woche ab 13 uhr)..
und erst jetzt konnte ich die zeit ohne etwas geniessen..
ich würde mir aufjedenfall tage ohne termine organisieren..
frag doch mal, ob es möglich wäre, wenn die kg zu euch nach hause kommt, wenn ihn dieses immer das haus verlassen so schlaucht...
ich find kg wichtig..
aber.. ich habe auch gemerkt, das hannah besonders fortschritte in zeiten gemacht hat, wo sie ganz viel mama hatte und ganz wneig andere termine..
max zwei termine in der woche sind echt gut ..
ich wünsch euch alles gute..
und ja du hast ein recht auf mama-kind-zeit...
lbg
blanka _________________ Hannah (02/08) - Entwicklungsverzögert, Hypoton, cerebrale Bewegungsstörung, RS-Virus mit 5 Wochen, KISS, Makrozephalus, Lactoseintoleranz, starke Wahrnehmungsstörungen, SBA 50% G H; PS2 - und Mattis (5.11.2010) - fit läuft seit 31.12.2011
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