Ich kenn die Hälfte von euch nicht halb so gut wie ich es gerne möchte und ich mag weniger als die Hälfte von euch auch nur halb so gern wie ihr es verdient!
Bilbo Beutlin
Mich beschäftigt vor allem, wie es der Mutter heute geht? Ich hoffe und bete, dass sie den Mut hat, dieses so besondere und unendlich wertvolle Kind von Herzen anzunehmen und Frieden im Herzen zu finden.
Wie furchtbar, wenn man den "leichteren" Weg wählt und hinterher entdecken muss, dass der Weg um ein vielfaches schwerer ist als das JA zum Leben, das JA zum Kind.
Renate _________________ Mutter von drei nichtbehinderten Kindern und von Tikvah: schwere Entwicklungsstörung des Gehirns, Epilepsie, frühzeitige Pupertät
The whole meaning of prayer is that we may know God. Oswald Chambers
Ich wünsche deiner Freundin und ihrem Mann, dass sie niemals an ihrer Entscheidung zweifeln werden und vor allem dass sie niemals auf diesen Thread stoßen werden.
meiner Meinung gibt es sie eben meist nicht, diese "stabilen Zustände", wie von Brigitta beschrieben. Oft werden Kinder genau dann gezeugt, wenn die Partnerschaft nicht gerade stabil ist (vielleicht um sie durch ein Baby zu kitten), es beruflich bei der Frau derzeit nicht gut läuft oder eine neue Beziehung durch ein Baby gefestigt werden soll.
Wer sich vielleicht noch die meisten Gedanken zum Thema Kind macht, sind vermutlich Akademikerinnen im fortgeschrittenen Alter, die ohnehin an dieses Thema eher kopflastig rangehen und versuchen, alle Eventualitäten abzuklopfen - vielleicht auch in Erwägung ziehen, was sie tun werden, wenn das Kind behindert sein wird. Gerade über 35Jährige werden ja verstärkt auf die Möglichkeit hingewiesen, ein DS-Kind zu bekommen, was bei jüngeren Frauen allgemein nicht passiert. Und unter den Spätgebärenden sind nun mal in der Hauptsache Akademikerinnen, die sich ja eh schon einen Kopf machen, wie das Baby in ihr durchorganisiertes Leben passen wird.
Ich denke, man kann Schwangeren (gerade den jüngeren) nicht vorwerfen, dass sie zu uninformiert an eine Schwangerschaft herangehen. Auch ich war nicht sonderlich informiert, als ich zum ersten Mal schwanger wurde. Ich kannte nur das Down-Syndrom, allenfalls noch Trisomie 13 oder 18. Mir wurde sogar gesagt, dass die allermeisten Schwangerschaften mit behinderten Kindern auffällig sind. Ich galt als gesündeste Schwangere der ganzen Praxis mit meinen top Werten und werde wohl das mit Abstand am schwersten behinderste Kind seit Jahren bekommen haben.
Erst durch REHAkids habe ich erfahren, dass frau auch nach einer völlig unauffälligen Schwangerschaft ein schwer behindertes Kind bekommen kann. So ist es mir ja auch ergangen.
In unserem Umfeld gehen alle sehr liebevoll mit Jan-Paul um - ob das nun Bekannte, Verwandte oder Freunde sind. Das Echo ist durchweg positiv, noch nie haben wir in dieser Hinsicht irgendwelche Probleme gehabt. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass die Mehrzahl der Frauen sich für eine Abtreibung entscheiden würden, wenn sie erführen, dass sie ein Kind erwarten, dass so sein wird wie JP.
Was sollte ich den Frauen sagen? Sie sehen, dass es ein Kind sein wird, dass nie laufen und sprechen lernt, gewickelt und gefüttert wird, einen immensen Pflegeaufwand hat. Niemand findet das Leben mit so einem Kind erstrebenswert, besonders wenn sie sehen, welchen Einschränkungen wir mit einem mehrfach behinderten Kind unterworfen sind.
Und ja, mir sind Frauen bekannt, die ein DS-Kind abgetrieben haben und hinterher gesunde Kinder bekamen. Auch wenn das hier niemand glauben will, aber keine der Frauen hat ihre Entscheidung gegen das Kind bereut! Die meisten waren froh, auf diese Weise ihre Ehe/Beziehung gerettet zu haben (die Partner hätten ein DS-Kind nicht akzeptiert) und damit auch zum Großteil ihre soziale und wirtschaftliche Existenz.
Ich kenne auch Frauen, die mehrfach behinderte Kinder abgetrieben haben, weil es "sowieso" nicht lebensfähig gewesen wäre. Ob das stimmt, sei mal dahingestellt. Auch diese Frauen haben danach gesunde Kinder bekommen und ihre Entscheidungen nicht bereut. "So ein Leben hätte ich nicht ausgehalten", sagen diese Frauen und meinen damit vielleicht so ein Leben wie meins, keine Ahnung.
Eine Achtjährige meinte gestern zu mir "Der Jan-Paul hat ja überhaupt kein lebenswertes, schönes Leben!" Das Kind hat Eltern, die ganz sicher nicht zur behindertenfeindlichen Fraktion gehören. Aber so sehen es nun mal Kinder, die selbst laufen und herumspringen können. Und so sehen das eben auch Erwachsene.
Es gilt, diese Meinung eines Außenstehenden zu akzeptieren und damit auch seine Wahl. Vermutlich hätte ich mich vor fast zehn Jahren auch nicht für JP entschieden, wenn ich von all den schweren Behinderungen, die ihn betreffen werden, gewusst hätte. Eben aus Angst, mit so einem Kind alleine gelassen zu werden, nichts anderes mehr tun zu können als dieses Kind zu pflegen. Ich merke in Gesprächen mit nicht-betroffenen Eltern auch immer wieder, dass sie diese Antwort glaubwürdig finden und es für sie o.k. ist. Sie hätten sich ja wahrscheinlich auch nicht anders entschieden, wenn es sie selbst betroffen hätte.
Es mag Eltern geben, die beide im Vorfeld einer Schwangerschaft gesagt haben: "Ja, wir entscheiden uns auch für ein schwer behindertes Kind oder auch ein DS-Kind". Das wird aber sicher nicht die Mehrzahl sein, denn die geht davon aus, nicht betroffen zu sein. Nicht aus Gedankenlosigkeit heraus, sondern weil bis auf das Down-Syndrom die allermeisten Behinderungen nicht bekannt sind - und jüngere Frauen glauben eben, dass das Down-Syndrom vor allem ältere Frauen betrifft und nicht sie selbst.
LG
Sabine _________________ Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
wenn das kleine mädel sagt,Jan -Pauls leben wäre nicht schön und nicht lebenswert,ist das denke ich hohles nachgeplapper von irgendwas,wo dummerweise bildungsferne dazu geführt hat,das dem mädel die phantasie und neugierde fehlt,konkret nachzufragen,wie schrecklich,da rollen sich mir die fußnägel hoch,weil ich befürchte das so was ab jetzt rangezüchtet werden soll,grusel,grusel ,grusel,zudem ist es schlecht erzogen und unhöflich.
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Bilbo Beutlin
ich denke, JP ist ganz glücklich in seiner Welt. Er kennt es ja auch nicht anders. Wäre er geistig normal entwickelt, wäre es vielleicht was anderes. Ich könnte mir vorstellen, dass rein körperlich behinderte Kinder eher traurig über ihre Einschränkungen sind, da sie sich mit den normal entwickelten vergleichen können. Auch geistig Behinderte empfinden sicher ihr anders sein, wenn sie sich z. B. in einen "Normalo" verlieben und diese Liebe aufgrund ihrer Andersartigkeit nicht erwidert wird.
Die Eltern des besagten Mädchens sind übrigens ganz im Gegenteil sehr bildungsnah, legen Wert auf gute Noten und einen guten Schulabschluss. Das wird natürlich auch den Kindern vermittelt, die sich dann über Leistung definieren und mit "Schwäche" schlecht umgehen können. Da liegt dann wohl eher der Hase begraben.
LG
Sabine _________________ Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
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Die Eltern des besagten Mädchens sind übrigens ganz im Gegenteil sehr bildungsnah
hallo sabine
hohles nachgeplapper,leistungsdruck und schlechtes benehmen sind für mich kein indiz für bildungsnähe,auch wenn die noten noch so gut sind.
das ist für mich bildungsfern
aber du weißt ja,das wir den begriff anders definieren
sabine hat geschrieben:
ich denke, JP ist ganz glücklich in seiner Welt.
und :
In unserem Umfeld gehen alle sehr liebevoll mit Jan-Paul um - ob das nun Bekannte, Verwandte oder Freunde sind. Das Echo ist durchweg positiv, noch nie haben wir in dieser Hinsicht irgendwelche Probleme gehabt
Ich kenn die Hälfte von euch nicht halb so gut wie ich es gerne möchte und ich mag weniger als die Hälfte von euch auch nur halb so gern wie ihr es verdient!
Bilbo Beutlin
Bei all den engagierten und wirklich sehr verschiedenen Diskussonsbeiträgen bewegt mich heute nur ein Gedanke: ...ob es das kleine Menschlein nun wohl noch gibt????
Es ist einfach traurig, wenn es keine Chance kriegen darf. Schuld hin oder her.
Aber das gilt meiner Meinung nach für jedes werdende Kind, welches unerwünscht weil "unpassend" ist und dann gnadenlos ausradiert wird. Da kann man ja nur froh sein, dass man selbst gerade mal - wenn auch nicht geplant und ein medizinisches Risiko für die Mama, so doch trotzdem irgendwie "passend" war, als die eigene Mutter mit einem schwanger war - bzw. dass sie Ängste und Unwägbarkeiten mutig und trotz allem "guter Hoffnung" in Kauf genommen hat.
Danke Mama!
Anne _________________ Anne&Thomas (43&47) mit David (9),Judith (8) & HANNAH (4) - Mitochondriopathie ("Morbus Leigh"), Entwicklungsverz., Ataxie, Stammhirnschädigung mit zentr.Koordinationsstörungen beim Sehen,Schlucken,Atmen&Herzfrequenz,daher Button&Tracheostoma, GuK, z.N. nächtl. Beatmung & Betablocker -> es hat sich schon viel regeneriert!!!
Hallo Anne ...ob es das kleine Menschlein nun wohl noch gibt????
Daran muss ich auch immer denken
Die Studenten, die in Brüssel den Marsch für das Leben organisierten, nannten sich "die Überlebenden". Damit wollten sie sagen:"wir hatten Glück, unsere Mütter haben uns nicht abgetrieben"
Renate _________________ Mutter von drei nichtbehinderten Kindern und von Tikvah: schwere Entwicklungsstörung des Gehirns, Epilepsie, frühzeitige Pupertät
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Hallo Renate,
tja, hier ist der Seegang nach den heftig aufschäumenden Wellen wieder auffällig ruhig geworden...
Die Themenstellerin ( welche sich glaube ich auch gar nicht weiter an der Diskussion beteiligt hatte ) scheint sich sogar komplett bei REHAkids abgemeldet zu haben. Wir werden es wohl nie erfahren, welchen Weg das kleine Herzchen letztlich gegangen ist bzw. noch gehen wird.
Und die Geschichte wiederholt sich traurigerweise täglich mit anderen Beteiligten.
Wenn es nur perfekte Menschen geben dürfte, wäre die Welt ziemlich leer und die paar "Auserwählten" würden wahrscheinlich aus Mangel an Liebe oder aber aus Langeweile sterben.
Anne _________________ Anne&Thomas (43&47) mit David (9),Judith (8) & HANNAH (4) - Mitochondriopathie ("Morbus Leigh"), Entwicklungsverz., Ataxie, Stammhirnschädigung mit zentr.Koordinationsstörungen beim Sehen,Schlucken,Atmen&Herzfrequenz,daher Button&Tracheostoma, GuK, z.N. nächtl. Beatmung & Betablocker -> es hat sich schon viel regeneriert!!!
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