Verfasst am: 17.08.2010, 23:12 Titel: Schreien beim Trinken
Hallo zusammen,
ich schreibe euch weil ich bald verzweifle und schon ziemlich verunsichert bin.
Unsere Tochter (Frühchen, 3 Wochen intubiert, schwere Hirnblutung) wurde im KH lange sondiert, erst ca. 3 Wochen vor dem maßgebl. Entbindungstermin konnte mit dem Trinken angefangen werden, weil sie vorher noch viele Sättigungsabfälle hatte. Sie hat eigentlich, abgesehen von anfänglichen Koordinationsproblemen, von Anfang an (technisch gesehen, also von der Muskulatur her usw.) gut getrunken, sie war nur sehr schnell ermüdet. Bis zur Entlassung konnte sie leider nicht von der Sonde entwöhnt werden und wir haben sie also mit Magensonde nach Hause bekommen. Sie wird aktuell teilsondert.
Kurz vor der Entlassung fing es schon an, dass sie oft während des Trinkens zu Schreien angefangen hat. Sie ist nun fast 6 Wochen zu Hause
und es ging mit dem Trinken stetig bergauf, schon ein paarmal dachten wir, jetzt hat sie es gepackt, trank teilweise täglich schon 70-80% ihres Pensums. Leider wurde es auch mit dem Schreien immer schlimmer. Ich habe schon versucht, die Nahrung umzustellen, da sie viele Blähungen und evtl. Bauchschmerzen hat, ohne Erfolg.
Mittlerweile ist es so, dass sie schon schreit, wenn ich ihr das Lätzchen umbinde. Und sie überstreckt sich sehr. Dann nimmt sie ein paar Schlucke - schreit - nimmt wieder ein, zwei Züge - schreit. Das geht eine Zeitlang so (für mich eine Unendlichkeit) und irgendwann hat sie wohl gecheckt, was los ist und trinkt eine Zeitlang sehr schön, ohne Sabbern oder ähnliches. Ca. 50-70ml (von 100), plötzlich macht sie sich immer steifer und fängt wieder zu schreien an.
Ich habe schon alles Mögliche versucht: Beruhigendes Summen und Reden, immer wieder neu ansetzen, NICHT immer wieder neu ansetzen, Pause und Wickeln zwischendurch hilft nur manchmal.
Irgendwann geht sie in "Standby-Modus" und es geht nichts mehr. Dabei habe ich nicht unbedingt das Gefühl, sie wäre richtig müde.
Das Schlimmste ist, dass sie nun immer länger und schlimmer schreit und immer weniger trinkt. Es artet schon sehr in einen Machtkampf aus und es belastet mich sehr. Ich habe schon alle möglichen Anlaufstellen, die ich habe gefragt, was das Problem sein könnte, aber keiner kann mir so recht weiterhelfen. Es heißt, sie würde halt merken, dass es jetzt anstrengend wird, und deshalb schreit sie so. Wir sollen geduldig sein und nicht aufgeben.
Ich frage mich nur, ob das nicht kontraproduktiv ist, wenn ich sie quasi permanent überrede, fast zwinge. Aber die Alternative wäre komplett sondieren und da habe ich Angst, dass sie dann das Trinken verlernt.
Wir bekommen erst in ein paar Wochen einen Termin bei der hiesigen Sondenberatung und ich weiß schon gar nicht mehr, wie ich das durchstehen soll.
Kann mir irgendjemand von euch helfen? Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
das hört sich wirklich stark nach einer Refluxproblematik an. Auf www.refluxkinder.de findest du eine Liste typischer Symptome. Da dürfte dir einiges bekannt vorkommen.
Wenn ein Verdacht auf Reflux besteht kann der Kinderarzt Antra mups auch schon ohne eine ausführliche Diagnostik geben. Auf alle Fälle würde ich auf einen Termin in der Gastroenterologie drängen.
Unsere Tochter hat sich beim Trinken ähnlich verhalten. Sie hatte einfach Schmerzen, weil sie durch den Reflux eine Speiseröhrenentzündung hatte. Seit sie Antra Mups bzw. Nexium Mups bekommt, gehört das Schreien in der Form der Vergangenheit.
Ich würde mit der Abklärung bzw. Behandlung nicht allzu lange warten. Falls deine Kleine beim Trinken wirklich Schmerzen haben sollte, so kann sie das Trinken eventuell ganz einstellen. Danach würde es dann ein langer Kampf bis sie wieder lernt, dass Nahrungsaufnahme nicht weh tut.
ich kann mich den oben genannten Tipps nur anschließen.
Werden bei eurer Tochter regelmäßig EEGs geschrieben?
Ist sie sonst altersgerecht entwickelt (korrigiertes Alter)?
Verhält sie sich noch in anderen Bereichen auffällig?
Bei eurer Vorgeschichte ist es natürlich auch einfach so, dass eine neurologische Störung vorliegen kann. Diese zeigen sich oft erst, wenn die Kinder schon ein paar Monate alt sind. Eine Trinkschwäche ist dann oft das erste Anzeichen. So war es leider auch bei uns.
Ich drücke feste die Daumen, dass ihr das Problem in den Griff bekommt.
erstmal vielen, vielen Dank für die vielen, raschen Antworten.
Auf Reflux ist unsere Tochter noch nicht untersucht worden. Ich werde das morgen gleich mit der Nachsorgeschwester besprechen und versuchen, so bald wie möglich einen Termin in der hiesigen Kinderklinik zu bekommen, die machen diese Untersuchung. Vielleicht kann der Kinderarzt auch derweil das Medikament verschreiben, damit sie keine Beschwerden mehr hat.
Unsere Tochter ist jetzt 5 Monate alt, korrigiert 2 Monate, sie kam 13 Wochen zu früh auf die Welt. Bisher ist noch keine Entwicklungsstörung zu bemerken, aber mit dem Alter kann man auch noch nicht viel sagen.
Natürlich kann auch eine neurologische Störung die Ursache für die Trinkschwäche sein, das wird uns auch immer wieder gesagt. Sie hatte ja massive Einblutungen ins Hirngewebe. Aber spricht da nicht grundsätzlich dagegen, dass sie schon recht schön getrunken hat, ohne Schreien? Jedenfalls habe ich auch das Gefühl, es sollten zuerst mal körperliche Beschwerden ausgeschlossen werden.
@Kerstin: Ist diese Trinkschwäche dann auch erst später aufgetreten, vorher ging es stetig bergauf?
Und noch eine Frage zum Reflux: Wenn sie sondiert wird, dann ist das mit dem Schreien auch vorbei. Allerdings zuckt sie mittlerweile beim Sonde-prüfen zusammen. Und - was mir auch immer so komisch vorkommt - es kommt ganz oft aufs erste Mal kein Magensaft oder bereits getrunkene Milch beim Prüfen. Ich muss fast immer zuerst 1-2ml Luft reinblasen. Dann denke ich immer, so oft kann die Sonde doch gar nicht an der Magenwand anliegen, oder? Kann das auch irgendwie zusammen hängen?
Hallo Sandra, einen Teil Eurer Geschichte kennen wir nur zu gut. Dominik haben wir auch mit Sonde nach Hause bekommen, weil er in der KiKli nicht genug getrunken hat. Nachdem es zu Hause mit der Sonde nicht geklappt hat (Töchterchen bzw. er selber haben sich die Nasen-Sonde mehrfach gezogen) mussten wir wohl oder übel eine Sondenentwöhung ad hoc machen. Die Sache mit dem Schreien kennen wir aber nur zu gut. Wir haben auch sämtliche Flaschensysteme und Nahrungen durchprobiert... aber ohne Erfolg. (damaliger und ausdrücklich Nicht-und-nie-mehr-Kinderarzt und lokales SPZ haben uns als hysterisch dargestellt. Wir haben so langsam die Nerven verloren und sind in einem Teufelskreis gelandet. Besser wurde es erst, als wir stationär im Kinderzentrum in München waren (wo auch noch gleich ein Nebenbaustellen mit erschlagen wurden)...
(und inzwischen kann Dominik bei uns am Tisch mitessen, auch wenn wir ihn noch voll füttern müssen)
LG
Bernhard _________________ Bernhard *69, Christiane *70
Dominik *15.10.07 Asphyxie bei Geburt, Entwicklungsverzögerung, Epi
Adoptivschwester *2006
Leon 2005 (+10SSW) Björn 2004 (+15SSW)
Unsere Galerie
Krankenpfleger bei einem 24h-Kinder-Intensivpflegedienst
ja - leider war es bei uns so. Trotz schwerster Erkrankung mit Hirnschädigung ging es bei unserem Frühchen auch erst mal bis sie knapp 6 Monate alt war bergauf. Dann hat sich leider die Epilepsie doch deutlich bemerkmar gemacht.
Es begann mit allgemeiner Unruhe, einer Trinkschwäche, sie konnte ihren Kopf nicht mehr so gut halten, die Entwicklung stagnierte.
Wir haben auch 2 Frühchen mit Magensonde nach Hause bekommen. Und dann kam auch dieses Schreien, Überstrecken..irgendwann rochen sie aus dem Mund. Da wurden wir endgültig stutzig. Uns wurde erzählt: Das sind halt Frühchen!! Wir sind dann in ein anderes KH und haben dort gesagt: Sie haben Reflux, tun sie was! Sie bekamen Tabletten und 2h später war Ruhe. Zusätzlich haben wir ab da alle Getränke mit Nestargel von Nestlé angedickt.
Geht dringend zum Arzt und lasst auf einen Reflux untersuchen..ich kann mich da nur allen anderen anschließen!!
LG Suse _________________ Suse mit M. und L., * Juni 08 bei 27+5SSW, M. mit PVL, Tetraspastik, Mikrozephalie, BNS, anfallsfrei, entwicklungsverzögert, L. geht es inzwischen super, aber alle Beide sind Rabauken mit viel Humor und einer sehr ansteckenden guten Laune!
Ich hab zwar kein Frühchen, aber Nele hat anfangs beim Trinken auch mächtige Schreianfälle gehabt.
Irgentwann haben wir herausbekommen, daß sie mit der flüssigen Konsistenz nicht zurecht gekommen ist und dadurch zuwenig Nahrung bekommen hat und totalen Hunger hatte.
Bei jeder Flasche ist sie wahnsinnig geworden, weil sie mit ihrer ausgeprägten Schluckstörung nicht so schnell trinken konnte, wie sie wollte.
Erst als wir ihr Trinken angedickt haben und ihr öfters kleinere Mengen Milch angeboten haben, wurde es besser.
Vielleicht ist es eine Idee ihr einen kleinen Teil der Nahrung erst zu sondieren, so daß ihr Hunger nicht mehr so riesig ist, wenn sie die Flasche bekommt.
Ich hatte übrigens auch mal Bedenken, daß Nele das Trinken bzw. Schlucken verlernt, wenn ich ihr immer nur alles sondiere (sie hat inzwischen eine PEG).
Ihr Logopäde meinte daraufhin nur, das Schlucken ist ein Reflex und wenn der vorhanden ist, dann kann man schlucken nicht verlernen.
Und es hat sich bestätigt, es gibt immer mal wieder Phasen, wo Nele wenig bis nix oral bekommt und trotzdem kann sie noch schlucken
Allerdings bedeutet es immer wieder üben, damit sie eine gewisse Menge schafft, weil die Kraft und Ausdauer fehlt.
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