Verfasst am: 05.07.2010, 14:53 Titel: Mit dem Rolli fällt man auf - wie geht ihr damit um?
Wir waren letztes Wochenende 2 Tage im Europa-Park mit unseren 3 Kindern. Es war sehr schön, vor allem am Samstag weil es dank dem Fussball-spiel viel weniger Leute hatte als am Sonntag. Da unsere Tochter im Rolli unterwegs ist gehen wir halt nicht als 'unauffällig' durch den Park! Viele Leute gucken etwas zu lange für mein Empfinden! Ich versuche nicht darauf zu achten oder mir zu sagen, sie meinen es ja nicht böse! Bei Kindern ist es klar, die schauen manchmal gaaanz lange und bleiben mit offenem Mund stehen! Da kann man es ja verstehen, sind schliesslich Kinder aber ich hab auch mache Jugendliche und Erwachsene erlebt, die getuschelt haben und richtig offensichtlich sogar! Einmal bin ich ein paar Meter hinter ihr gelaufen da sagte ein Junge, etwa 15 Jahre alt 'Wenn du behindert bist, will dich keiner'.
Unsere Tochter ist eine süsses, strahlendes Mädchen und natürlich haben wir auch viele postitive Erlebnisse! Bisher am meisten positive in den Ferien in der Türkei!
Aber ob positiv oder negativ, ich würde viel lieber einfach mal nicht auffallen, mal einfach entspannen aber werde wohl auch weiter lernen müssen damit klar zu kommen!
Wie geht ihr damit um? _________________ S.(34 jahre) mit 3 Kindern:
Sohn geb.2003(gesund),Tochter geb.2005 spastische Diparese(vermutlich durch v.Arzt unbemerkter Plazentainsuffizienz) Mikrocephalie, allg. Entwicklungstörung v.a.Sprache, Tochter geb. 2008(gesund)
♥♥♥ Wenn du glaubst es geht nicht mehr...kommt von irgendwo ein Lichtlein her ♥♥♥
nun ihr / sie wird immer auffallen ABER es gibt gute möglichkeiten die *personen die so exrtrem schauen* etwas zurück zu geben.
** ich habe mir ein T-shirt gekauft wo 2 Große Augen drauf sind und oben drüber steht "Was kuckst DU" da sieht man den mitmenschen richtig an wenn sie sich ertwappt fühlen.
** auch einfach mal Nett Winken, zu Nicken usw bringt manchmal schon etwas.
** aber ihr werdet nicht darum herum kommen auch damit abzu finden
** bei Kindern mache ich es auch oft das ich ihnen erkläre das was da unter meinem Hinter ist usw
das kenne ich aus eigener Erfahrung nur zu gut wenn ich mit dem Rolli unterwegs bin. Mit einer offensichtlichen Behinderung und Rollstuhl fällt man leider auf.
An einigen Tagen stört es mich, an anderen ist es mir völlig egal. Wenn mich jemand auffällig anglotzt, vor allem in der Bahn, dann frage ich schon mal, ob derjenige ein Problem hat, oder irgendein anderen Spruch. Vor allem ältere Leute starren mehr, während die Jugendlichen eher ihre blöden Witze reißen. Es hilft wohl leider wirklich nur selbstbewußt auf zu treten, sich ein dickeres Fell wachsen zu lassen und nicht alles gleich so zu Herzen nehmen und präsent sein, nicht zurück ziehen und zeigen, das auch trotz Rollstuhl ein schönes Leben möglich ist.
Was mich mehr nervt als die Glotzer, sind diejenigen die einfach nicht mitdenken und für die es scheinbar nur sich selbst gibt. Fahrräder oder Buggys quer im Gang, in der Tür stehen bleiben und sich zwar umdrehen, aber statt dessen bloß glotzen anstatt mal einen Meter weiter zu gehen, stören mich im Alltag viel mehr.
Insgesamt überwiegen aber die positiven Erfahrungen und auch an Hilfsbereitschaft mangelt es nicht, eher manchmal zu akzeptieren, das ich viele Sachen alleine kann und machen will.
Viele Grüße, Kristin _________________ 28 j. CP (leichte Hemiparese) + Spastische Spinalparese (HSP) mit Ataxie und Armbeteiligung. Außerdem Skoliose, Spondylolisthesis LWS mit Bogenschwäche, Wirbeldysplasie HWS, Hüftdysplasie und Asthma.
"Sometimes I pretend to be normal, but it gets boring, so I got back to being me."
Wir haben in der Reha einen behinderten Jungen kennengelernt, der hatte ein schwarzes T-Shirt an auf dem in Neongelb und fett geschriebenstand: "Vorsicht - Behindert" und hinten war der Rolli abgebildet.
Der Junge ist erst 8 Jahre und ich finde das richtig mutig und klasse.
Er steht zu seinem Handicap und weiss, dass er immer - sein Leben lang - auffallen wird, na und ? Mit diesem Shirt nimmt er jedem den Wind aus den Segeln....
Dieses Selbstbewusstsein und die Stärke mit denen die Kinder mit Ihrer Behinderung um gehen, wünsche ich allen Eltern.
wir sind mit JP eigentlich immer schon aufgefallen - erst mit dem Reha-Buggy, jetzt auch mit dem Rolli. Wir werden auch durch JP immer wiedererkannt. Das hat schon zu teilweise witzigen Situationen geführt. Schlimm finde ich das nicht. Eigentlich ist es eher ganz lustig. Bekannte und Freunde sehen uns meist schon von weitem, sodass wir oft irgendwo Leute treffen, die wir kennen. Klar, den Rollstuhl sieht man halt schon aus einiger Entfernung. Schlechte Erfahrungen haben wir noch nie gemacht, was ich auch wirklich erstaunlich finde. Vielleicht kommt das noch?
Besonders im Urlaub ist es kurios, wie schnell man dadurch Leute kennenlernt. Da Timmi nun mal andere Bedürfnisse hat JP, trennen wir uns dann manchmal. Wenn ich dann JP dabei habe und mich irgendwohin setze, komme ich prompt mit Leuten ins Gespräch. Gar nicht mal so über JP, sondern allgemein. Das finde ich dann auch immer sehr putzig.
Komische/seltsame Erfahrungen habe ich eigentlich nur ab und zu mal mit Leuten gehabt, die selbst mit einem Rollikind unterwegs waren. Die schauten einen kaum an und gingen schnell weiter. Aber auch das war bislang nur selten der Fall.
LG
Sabine _________________ Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
ich kann dir sagen, dass das langsam nachlässt.
Mich stört das schon lange nicht mehr bzw. ich nehme es nicht mehr so wahr.
Ich finde man fällt in einem Rolli weniger auf als im Buggy (bei älteren Kindern).
Die Reaktionen als ich mit 5 und älter ab und an im Buggy saß, waren viel negativer als mit Rolli.
Ich empfinde es so, dass ein Rolli heute schon normal geworden und das Starren nicht mehr so stark ist.
Ganz wird man es nie los, aber man gewöhnt sich dran
Zitat:
Komische/seltsame Erfahrungen habe ich eigentlich nur ab und zu mal mit Leuten gehabt, die selbst mit einem Rollikind unterwegs waren. Die schauten einen kaum an und gingen schnell weiter.
Echt? Das wundert mich. _________________ LG Jaqueline
ICP - spast. Tetraparese, Kyphose
Freund: GM-Epilepsie (VNS-Träger)
hallo -
mit der zeit gewöhnt man sich halbwegs dran - an manchen tagen stören die blicke mehr , manchmal garnicht .
und auffallen tun wir mit 2 rollikindern wie bunter hund
besonderst kinder gucken eben sehr direkt und stellen ( laut ) fragen , was den dazugehörigen eltern oft peinlich zu sein scheint .... wir versuchen dann die kinder
direkt anzusprechen , da unsere jungs ja selber nicht sprechen können .
nette begegnungen haben sich so schon öfters ergeben .
manchmal denken wir uns aber auch : 50 cent für jeden starre - blick und wir könnten alle 4 lecker zum essen ausgehen
was mich schon eher nervt , wenn i.d.r. ältere herrschaften sowas sagen wie :
ach , die haben´s gut , die werden gefahren - ich muß laufen !
da muß ich dann auch was dazu sagen ....
aber insgesamt haben wir uns halbwegs gewöhnt - und hier im städtle kennt man
uns einfach , auch wenn ich allein mit den jungs mit der geschwister - rehakutsche
unterwegs bin ! wenn die 2 dann vor vergnügen laut kreischen , wild mit den armen
wedeln und den oberkörper vor und zurück werfen , ist uns aller augen aufmerksamkeit sicher
grüßle , eva und männer ! _________________ eva mit benedikt 02/03 und jonathan 08/05 - 04/11
beide MECP2 duplications - syndrom , diagnose august 2010
u.a. kein freies stehen und laufen , keine verbale kommunikation , wahrnehmungsstörungen .
Hallo Sandra,
wir sind immer aufgefallen, mir macht es wenig aus....
wenn einer zu lange schaut, grinse ich......
der Rollstuhl von der Anne ist sehr schwer (plus Rampen),
und ich hatte schon oft nette Helfer
lg
rosa _________________ Rosa(1966)mit Anne(11.2000) Mikrocephalie, Epilepsie, Skoliose eine glückliche Maus seit 7.07 PEG
und Laura(6. 2003) gesund
je normaler und selbstbewußter man selbst sich in der Öffentlichkeit gibt, desto weniger unangenehme Situationen erlebt man. Seit ich nicht mehr meine Mutter, die sich immer so verhielt, wie sie wohl glaubte, daß sich die Mutter eines behinderten Kindes verhalten müsse, dabei habe, halten sich die meine Extremerfahrungen in höchst bescheidenen Grenzen.
Daß man schaut, wenn man etwas für einen selbst ungewöhnliches sieht, ist ja in einem gewissen Rahmen normal. Machen wir doch alle auch.
@Eva
Zitat:
was mich schon eher nervt , wenn i.d.r. ältere herrschaften sowas sagen wie :
ach , die haben´s gut , die werden gefahren - ich muß laufen !
Ehrlich gesagt, finde ich das nicht besonders schlimm. Die wissen im Prinzip schon, daß es für die Kinder schön wäre, sich ganz normal bewegen zu können. Sie meinen eben, etwas sagen zu müsssen, und da ist doch eine humorvoll gemeinte Bemerkung - auch wenn der Betroffene vielleicht 'si tacuisses...' denkt - besser wie das ewig doofe, dumme Mitleidsgetue.Das habe ich als Kind, dank Mutter, genug abbekommen. Wenn jemand leidet, darf man ja durchaus Mitleid haben, aber aus einem Rollstuhl darauf zu schließen, daß der drin Sitzende leidet, ist doch sehr oft eine absolute Fehleinschätzung.
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