Verfasst am: 14.06.2010, 20:52 Titel: Unterhaltungen nicht mehr möglich, lautiert zu stark mit
Hallo
kennt jemand die Situation die uns seit einigen Wochen irgendwie ein wenig verzweifeln lässt ?
Jonas hat keine Sprache, aber wenn wir uns gegenseitig unterhalten WOLLEN, lautiert er unheimlich laut mit, was wir zu Beginn auch wirklich nett gefunden haben, weil wir dachten er möchte einfach auch "mitreden".
Ist vielleicht auch eine neue Entwicklung, was natürlich gut ist, aber es hat einfach auch seine Tücken
Nun ist es aber so heftig geworden, dass wir beim Abendessen oder beim ratschen mit Nachbarn auf der Strasse eigentlich gar nicht mehr zu Wort kommen, weil er wirklich hartnäckig immer lauter wird, bis wir entweder aufhören oder ihn anschauen, das alleine würde schon reichen
Es ist schwer, wir haben schon versucht es zu ignorieren, aber ehrlich, lange hält man das nicht aus weil jeder irgendwann lauter werden muss um überhaupt noch was zu verstehen.
Dann haben wir draussen auch schon den Kinderwagen einige Schritte weiter weg geschoben und ihm gesagt, leiser Jonas ... so das übliche halt und versucht mit Gesten wie PST ihm das irgendwie zu lernen
Wir waren jetzt 3 Tage im Kurzurlaub und gerade da merkte man es halt schon arg, wenn wir essen gegangen sind, wie die Situation dann doch irgendwie doch unangenehm wurde wenn er immer lauter wurde, man war nur damit Beschäftigt ja auf ihn zu achten damit er etwas ruhiger war.
Dabei wollten wir auch einfach mal nicht kochen ... was sich dann aber doch als für uns alle beruhigender auswirkte als in Restaurants, schade.
Wie habt ihr das eueren Kindern denn irgendwie verständlich gemacht, dass sie zwar lautieren dürden, was ja schön ist, aber eben leiser und eben auch eine Kommunikation stattfinden darf ohne sein zutun ???
LG SABINE _________________ Jonas mit Phelan Mcdermid Syndrom geb. 03/06
stark hypoton, kein krabbeln, laufen ,keine Sprache.... kann seit 02.04. 2011 frei sitzen
WARTE NICHT AUF GROSSE WUNDER -
SONST VERPASST DU VIELE KLEINE
in dem Alter hatte Debbie entweder geschrieen ( ganz selten ) oder den Mund gehalten . Habt ihr schon versucht, Jonas in euer Gespräch mit einzubeziehen ? Er bekommt ja durch Beobachten mit, wie Kommunikation funktioniert - nämlich durch Sprechen und Sprechen lassen . Insofern solltet ihr ihn mal bewusst fragen: "Und Jonas, was meinst Du dazu ?" Vielleicht fällt ihm dann mit Übung eine Lautierungspause leichter ?
meinst du, es ist für mich unheimlich schwer abzuwägen wieviel er tatsächlich mitbekommt.
Manchmal denke ich er kann nur nicht reden, und dann merkt man doch wieder, er kann keine Aufforderungen ausführen.
Er ist halt motorisch so, dann er mit den Händen nichts deuten kann, daher finde ich persönlich das sehr schwer.
Ein Versuch ist es natürlich wert, wir probieren auf jeden Fall alles aus, aber man merkt wirklich deutlich, alleine schon wenn ich ihn ansehe ist er still und lacht mich an, weil er sich freut dass er wieder die Aufmerksamkeit hat.
LG SABINE _________________ Jonas mit Phelan Mcdermid Syndrom geb. 03/06
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Ein Versuch ist es natürlich wert, wir probieren auf jeden Fall alles aus, aber man merkt wirklich deutlich, alleine schon wenn ich ihn ansehe ist er still und lacht mich an, weil er sich freut dass er wieder die Aufmerksamkeit hat.
Genau DAS meine ich . Wenn wir uns mit jemanden Unterhalten, ist für uns im Normalfall der Blickkontakt selbstverständlich. Unser Gesprächspartner bekommt auch unsere Aufmerksamkeit. Genieße es, dass Jonas das wahrnimmt und darauf reagiert. Debbie konnte das in den ersten 10 Jahren gar nicht, und auch jetzt noch schweift ihr Blick ab, wenn man sie anguckt. Sie richtet zwar ihr Gesicht mit den Augen auf jemanden zu, aber der Blickwinkel geht nach Außen.
Ohne es jetzt Böse zu meinen:....stell dir vor, Du bist in einem Land, dessen Sprache Du nicht sprichst....sitzt mit anderen, die diese Sprache einwandfrei beherrschen, an einem Tisch. Willst dich in deiner Sprache am Gespräch beteiligen, wirst nicht so wahrgenommen, wie Du es gerne hättest . Dann wirst Du lauter und lauter, damit man dich wahrnimmt....und in Folge dessen würde man dich auf deinem Stuhl ins Abseits rücken . Keine angenehme Vorstellung, oder ?
Und Jonas muß ja auch gar nicht alles verstehen, was ihr mit ihm redet. Aber er merkt, dass er ins Geschehen einbezogen wird .Und darauf kommt es in erster Linie an.
Verfasst am: 14.06.2010, 22:04 Titel: Re: Unterhaltungen nicht mehr möglich, lautiert zu stark mit
sabine und Wolfgang hat folgendes geschrieben:
Dann haben wir draussen auch schon den Kinderwagen einige Schritte weiter weg geschoben und ihm gesagt, leiser Jonas ... so das übliche halt und versucht mit Gesten wie PST ihm das irgendwie zu lernen
Hallo Sabine,
wir handhaben das auch ab und zu so mit JP, wenn er beim Abendessen zu laut wird und wir uns kaum unterhalten können. Dann muss er halt mal im Wohnzimmer bleiben, bis wir fertig sind. Ein normal entwickeltes Kind darf und soll ja auch nicht immer die Unterhaltungen der Erwachsenen stören.
Man kann ihn ja miteinbeziehen, wenn von ihm die Rede ist und das soll ja auch immer wieder so sein - aber es darf halt auch nicht ausarten. Also, dass ihr euch in seiner Gegenwart gar nicht mehr mit Dritten oder zu zweit unterhalten könnt. So wie von dir beschrieben, finde ich es schon ganz gut. Also ihn ab und zu miteinbeziehen, aber ihn dann halt auch mal etwas weiter weg schieben, wenn es mal nicht um ihn geht.
LG
Sabine _________________ Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
nein, keine Angst, ich nehm dir nichts übel was du schreibst
Hast schon recht, es war ein Versuch der uns auch nichts gebracht hat, aber es ist einfach was gewesen, wo wir probiert hatten, weil kein Essen mehr im normalem Sinne möglich war, keine Unterhaltung, nichts.
Ich durfte ja nicht mal mehr auf meinen Teller gucken, ohne das es losging.
Wir ignorieren ihn ja auf keinen Fall um Himmelswillen, er sitzt mit uns am Tisch, isst mit uns, aber es ist halt einfach so, dass egal wo und wann wir mal was sprechen, es einfach nicht mehr möglich ist.
Spiele ich mit Jonas und rede nur mal mit unserer Katze weil die von draussen reinkommt, auch sowas ist mir nicht mehr möglich, weisst du.
Er vereinnahmt mich direkt.
Blickkontakt konnte er schon immer aufnehmen, ja da bin ich auch sehr froh drüber.
Ich werde jetzt mal ne Woche probieren was du geschrieben hast, denn über nacht ändert sich das sowieso nicht.
Er darf und soll ja lautieren, das finde ich auch sehr positiv und sehe es auch als neuen Entwicklungsschub , aber es sollte uns einfach auch ein wenig konversation genehmigen , denke du weisst wie ich meine.
LG SABINE _________________ Jonas mit Phelan Mcdermid Syndrom geb. 03/06
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ich hab es bei Veranstaltungen in der GB-Schule öfter erlebt, dass lautierende Rollikids gerne mal in den Nebenraum geschoben wurde, und dann wurde die Türe zugezogen. Das gefiel mir gar nicht .
Jonas will mit Sicherheit ausprobieren, was er kann und er hat bestimmt Nachholbedarf. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie oft die Lehrerinnen sagten:" Ach, wäre das schön, wenn Debbie mehr reden würde bzw. könnte". Kaum, dass sie den Bogen raushatte, kamen von der Schule die Kommentare: " Kann die denn mal nicht den Mund halten ". Es ist wie mit vielem....ein gesundes Maß zu finden ist nicht einfach.
man sollte einfach versuchen, dieses Maß zu finden. Es geht ja nicht darum, die Kinder von nun an gar nicht mehr teilnehmen zu lassen. Man muss aber schon schauen, um was für Unterhaltungen oder auch Veranstaltungen es geht. Es kann ja nicht sein, dass zum Beispiel ein Theaterstück durch starkes Lautieren verschiedener behinderter Kinder gar nicht mehr verstanden werden kann. Dann kann man sich das ganze auch sparen. Man muss einfach abwägen und schauen.
JP jubiliert uns am Sonntagmorgen auch manchmal zu viel, dann gehen wir hin, sagen ihm das Wochenende ist und er jetzt noch nicht fertig gemacht wird und sich friedlich verhalten soll. Das scheint er auch irgendwie zu verstehen, und wenn nicht, machen wir halt auch mal seine Tür zu.
LG
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das ist es ja, natürlich wollen wir ihn dabei haben, und haben ihn ja auch immer und überall dabei, aber es muss auch möglich sein, sich über das ein oder andere sich unterhalten zu können
Es ist ja erfreulich dass sich da was neues tut, aber so ist es einfach zuviel
Ich fände es dann bei Veranstaltungen gut, wenn noch Aufsichtspersonal dabei ist , dass die Kinder alleine wo abgestellt werden finde ich dann auch nicht schön.
So ne Ablenkung dass eben alle was von haben fände ich dann wieder gut.
LG SABINE _________________ Jonas mit Phelan Mcdermid Syndrom geb. 03/06
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für ein Essen im Restaurant oder ähnliche Gelegenheiten haben wir J.-P. einen Walkmen oder MP3 Player mitgenommen.
Er kann sich dann eine Geschichte oder Musik anhören und ist dadurch etwas abgelenkt. Außerdem hatten wir immer noch ein kleines Spielzeug dabei.
Bei uns ist es inzwischen sehr viel besser mit dem dazwischen reden, aber hin und wieder kommt es immer nochmal vor. Das war bei unserer gesunden Tochter aber nicht anders. Die Kidis wollen auch immer alles mitbekommen und "mitreden".
Vielleciht hilft euch aber schon der MP3 Player Trick ein wenig.
Ich wünsche euch viel Geduld und das es besser wird.
LG Heike _________________ Unser besonderes Kind wurde 1997 als Frühchen geboren und hat nach einer Hirnblutung eine Cerebrale Mehrfachbehinderung. Er ist Shunt versorgt und spricht nur wenig. Wir haben noch eine große, gesunde Tochter.
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