Verfasst am: 14.06.2010, 18:15 Titel: Seelische Behinderung und SBA/ Pflegestufe?
Hallo in die Runde!
Ich habe zwei Pflegekinder, die soweit körperlich fit sind.
Eines wurde als Frühchen geboren, da stehen wir noch ganz am Anfang der Diagnostik.
Das andere Kind zeigt eine ausgeprägte Bindungsstörung, hat eine Entwicklungsverzögerung (braucht also KG, Logo und müsste eigentlich auch noch zum psychomotorischen Turnen; dazwischen gehen wir regelmässig zum Ostheopathen).
Die Verhaltensauffälligkeiten des Kindes werden immer deutlicher.
Als mein Kind 2,5 Jahre alt war, bekam er Hausfrühförderung, ein amtsärztliches Gutachten bescheinigt die drohende Gefahr einer dauerhaften seelischen und auch körperlichen Behinderung.
Jetzt geht der kleine Mensch in einen Regelkindergarten mit Integrationsstatus, den wir aufgrund seiner "Problematik" auch problemlos um ein weiteres Jahr verlängert bekommen haben.
Wir selber haben mehrere Beratungsgespräche in einem Psychologischen Beratungszentrum für Trauma-Kinder wahrgenommen. Unser Zwerg hat demnach u.a. eine schwere posttraumatische Belastungsstörung.
Ganz hinten schwelt auch der Verdacht auf FAS, wobei sich das ja, wenn die äußeren Körpermerkmale NICHT zutreffen, schwer vom Trauma abgrenzen lässt.
Auch ADHS scheint nicht ausschließbar.
Unser Zwerg fordert uns jeden Tag aufs Neue heraus.
Wir müssen all unser pädagogisches Können immer wieder erneuern, weil ein "normaler Alltag" mit ihm nicht möglich zu sein scheint.
Er kann sich körperlich gesehen zwar anziehen und die Zähne putzen, muss dafür aber stetige Anleitung haben, weil er sich durch seine Reizoffenheit von allem und jedem ablenken lässt.
Er braucht noch Windeln, kann aber das große Geschäft auf Toilette verrichten.
Größere Veranstaltungen mit vielen Menschen überfordern ihn.
Ein Ausbrechen aus dem streng geregelten Alltag lässt ihn regelmässig ausflippen.
Er brüllt, wütet, schmeißt mit sachen, will mich "umbringen", etc.
Alles, was wir über das Pflegeeltern-dasein gelernt haben, erweist sich bei ihm als nicht brauchbar.
Geeignete Psychotherapeuten gibt es soweit nicht bei uns in der Nähe, sonst wäre er auf alle Fälle auch ein Fall für einen Trauma-Therapeut.
Also, auch das ist noch geplant.
Wir haben uns jetzt in einem SPZ zur Diagnostik angemeldet, warten aber noch auf den Termin.
Der Pflegeelternverein hat uns nun geraten, einen SBA für den Zwergen zu beantragen, zusammen mit einer Erhöhung des Erziehungsaufwandes.
Auch sollten wir über eine Pflegestufe nachdenken.
Ich stehe jetzt vor diesem ganzen Berg wie ein Ochse ...
ich habe gar keine Ahnunng, was ich wann und wo und wie und überhaupt beantragen kann.
Ich hoffe, dass mir hier jemand helfen kann?
Über die Suchfunktionen bin ich gegangen, habe aber irgendwie nicht das Richtige gefunden ....
Hallo Hanni Hase,
wir haben auch so ein Kind zuhause.... Es lutscht einen an manchen Tagen wirklich aus. Selbstverständlich könnt Ihr einen SBA beantragen. Wir haben 90% und G,B und H ! Dann könnt ihr auch eine Pflegestufe beantragen. Die Pflegefibel hier im forum ist sehr ausführlich und gut gemacht. Allerdings muß man sich damit sehr eingehend beschäftigen. Mal eben zwischendurch wird nichts! Den erhöhten Erz.Aufwand würde ich auch beantragen, sobald Ihr den SBA habt. Je nach Region gibt es kreiseigene Richtlinien, wann der erh. Bed. gewährt werden kann.
Es steht Euch zu, Ihr solltet es beantragen. Dann noch zwei von der Sorte...ich weiß , as Ihr leisten müßt. Unser zweiter ist da etwas pflegeleichter, Gott sei Dank. Aber der große fordert uns jeden Tag aufs Neue....
L.G.
Frank Joachim
Ist das Kind schon mal auf Autismus getestet worden? Das hört sich für mich nämlich sehr danach an, z.b.: Größere Veranstaltungen mit vielen Menschen überfordern ihn.
.....Ein Ausbrechen aus dem streng geregelten Alltag lässt ihn regelmässig ausflippen, ist klassisch.
Gib mir bitte mal Deine Mailadresse (PN), dann schicke ich Dir meine Materialsammlung zu SBA und Pflegegeld zu. Darin geht es zwar konkret um Autismus, aber die Probleme scheinen dem ja zu ähneln, vielleicht kannst Du es als Vorlage nutzen.
Erzähle mal etwas mehr über das Kind, wenn Du magst.
Annette _________________ Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, chronische Depression, EM-Rentnerin, GdB 50, mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Autismus, GdB 80, H, B, G; er lebt in WG der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung in Braunschweig
Ich habe zwei Pflegekinder, die soweit körperlich fit sind.
Eines wurde als Frühchen geboren, da stehen wir noch ganz am Anfang der Diagnostik.
Das andere Kind zeigt eine ausgeprägte Bindungsstörung, hat eine Entwicklungsverzögerung (braucht also KG, Logo und müsste eigentlich auch noch zum psychomotorischen Turnen; dazwischen gehen wir regelmässig zum Ostheopathen).
Die Verhaltensauffälligkeiten des Kindes werden immer deutlicher.
Als mein Kind 2,5 Jahre alt war, bekam er Hausfrühförderung, ein amtsärztliches Gutachten bescheinigt die drohende Gefahr einer dauerhaften seelischen und auch körperlichen Behinderung.
Jetzt geht der kleine Mensch in einen Regelkindergarten mit Integrationsstatus, den wir aufgrund seiner "Problematik" auch problemlos um ein weiteres Jahr verlängert bekommen haben.
Wir selber haben mehrere Beratungsgespräche in einem Psychologischen Beratungszentrum für Trauma-Kinder wahrgenommen. Unser Zwerg hat demnach u.a. eine schwere posttraumatische Belastungsstörung.
Ganz hinten schwelt auch der Verdacht auf FAS, wobei sich das ja, wenn die äußeren Körpermerkmale NICHT zutreffen, schwer vom Trauma abgrenzen lässt.
Auch ADHS scheint nicht ausschließbar.
Unser Zwerg fordert uns jeden Tag aufs Neue heraus.
Wir müssen all unser pädagogisches Können immer wieder erneuern, weil ein "normaler Alltag" mit ihm nicht möglich zu sein scheint.
Er kann sich körperlich gesehen zwar anziehen und die Zähne putzen, muss dafür aber stetige Anleitung haben, weil er sich durch seine Reizoffenheit von allem und jedem ablenken lässt.
Er braucht noch Windeln, kann aber das große Geschäft auf Toilette verrichten.
Größere Veranstaltungen mit vielen Menschen überfordern ihn.
Ein Ausbrechen aus dem streng geregelten Alltag lässt ihn regelmässig ausflippen.
Er brüllt, wütet, schmeißt mit sachen, will mich "umbringen", etc.
Alles, was wir über das Pflegeeltern-dasein gelernt haben, erweist sich bei ihm als nicht brauchbar.
Geeignete Psychotherapeuten gibt es soweit nicht bei uns in der Nähe, sonst wäre er auf alle Fälle auch ein Fall für einen Trauma-Therapeut.
Also, auch das ist noch geplant.
Wir haben uns jetzt in einem SPZ zur Diagnostik angemeldet, warten aber noch auf den Termin.
Der Pflegeelternverein hat uns nun geraten, einen SBA für den Zwergen zu beantragen, zusammen mit einer Erhöhung des Erziehungsaufwandes.
Auch sollten wir über eine Pflegestufe nachdenken.
Ich stehe jetzt vor diesem ganzen Berg wie ein Ochse ...
ich habe gar keine Ahnunng, was ich wann und wo und wie und überhaupt beantragen kann.
Ich hoffe, dass mir hier jemand helfen kann?
Über die Suchfunktionen bin ich gegangen, habe aber irgendwie nicht das Richtige gefunden ....
LG
Hanni_Hase
Hallo!
Ich denke mal eine eindeutige "Diagnose" wäre von Vorteil, um SBA und Pflegestufe zu bekommen /begründen.
Für eine Entwicklungsverzögerung gibt es 30%; der Ausweis wird aber erst ab 50% ausgestellt. Wir sind gerade mitten im Kampf mit den Behörden. Denn trotz eindeutiger Diagnose versuchen sie uns so gering/ niedrig wie möglich zu halten.
Zum 1.Kind: Wie früh war es denn? Und wie alt ist es jetzt? Und gibt es schon "Auffälligkeiten?
(falls ihr ein paar Infos /Erfahrungen braucht kannst du mich gerne fragen; mein 2.Sohn (5) war auch ein Frühchen, kam bei 30+4 SSW und hatte von Anfang an auch viele Defizite; 2009 bekam er die Diagnose "Autist").
Zu Kind 2: Wie alt ist er denn?
LG, Minkabilly! _________________ mein kleiner Sonnenschein "Lukas"; geb. 2004 in der 30+4 SSW mit 1200g und 40cm;
Juli 2009: frühkindlicher Autismus ohne Intelligenzminderung
mein Wunder "Lara"; geb. 2010 in der 24+4 SSW mit 340 g und 26 cm
Ist das Kind schon mal auf Autismus getestet worden? Das hört sich für mich nämlich sehr danach an, z.b.: Größere Veranstaltungen mit vielen Menschen überfordern ihn.
.....Ein Ausbrechen aus dem streng geregelten Alltag lässt ihn regelmässig ausflippen, ist klassisch.
Gib mir bitte mal Deine Mailadresse (PN), dann schicke ich Dir meine Materialsammlung zu SBA und Pflegegeld zu. Darin geht es zwar konkret um Autismus, aber die Probleme scheinen dem ja zu ähneln, vielleicht kannst Du es als Vorlage nutzen.
Erzähle mal etwas mehr über das Kind, wenn Du magst.
Hab ich gerade auch so gedacht: einiges ist typisch autistisch _________________ mein kleiner Sonnenschein "Lukas"; geb. 2004 in der 30+4 SSW mit 1200g und 40cm;
Juli 2009: frühkindlicher Autismus ohne Intelligenzminderung
mein Wunder "Lara"; geb. 2010 in der 24+4 SSW mit 340 g und 26 cm
Das stimmt so nicht, es kommt auf die Ausprägung an. Ich kenne Kinder mit "nur" der Diagnose Entwicklungsverzögerung die GdB 100, H B und G rückwirkend ab Geburt bekommen haben, ebenso Pflegestufe 2.
Punkt 3.4. S. 37
3.4 Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit im Kindes- und Jugendalter
Die GdS-Beurteilung der Beeinträchtigungen der geistigen Entwicklung
darf nicht allein vom Ausmaß der Intelligenzminderung und von diesbezüglichen Testergebnissen ausgehen, die immer nur Teile der Behinderung zu einem bestimmten Zeitpunkt erfassen können. Daneben muss stets auch die Persönlichkeitsentwicklung auf affektivem und emotionalem Gebiet, wie auch im Bereich des Antriebs und der Prägung durch die Umwelt mit allen Auswirkungen auf die sozialen Einordnungsmöglichkeiten berücksichtigt werden.
3.4.1 Entwicklungsstörungen im Kleinkindesalter
Die Beurteilung setzt eine standardisierte Befunderhebung mit Durchführunggeeigneter Testverfahren voraus (Nachuntersuchung mit Beginn der Schulpflicht).
Umschriebene Entwicklungsstörungen in den Bereichen Motorik, Sprache
oder Wahrnehmung und Aufmerksamkeit leicht, ohne wesentliche Beeinträchtigung der Gesamtentwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0 – 10
sonst – bis zum Ausgleich –
je nach Beeinträchtigung der Gesamtentwicklung . . . . . . . . . . 20 – 40
bei besonders schwerer Ausprägung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
Globale Entwicklungsstörungen (Einschränkungen in den Bereichen Sprache und Kommunikation, Wahrnehmung und Spielverhalten, Motorik, Selbständigkeit, soziale Integration) je nach Ausmaß der sozialen Einordnungsstörung und der Verhaltensstörung (z.B. Hyperaktivität, Aggressivität)
geringe Auswirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 – 40
starke Auswirkungen
(z.B. Entwicklungsquotient [EQ] von 70 bis über 50) . . . . . . . . 50 – 70
schwere Auswirkungen (z.B. EQ 50 und weniger) . . . . . . . . . . . 80 – 100
3.4.2 Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit im Schul- und
Jugendalter
Kognitive Teilleistungsschwächen (z.B. Lese-Rechtschreib-Schwäche [Legasthenie], isolierte Rechenstörung)
leicht, ohne wesentliche Beeinträchtigung der Schulleistungen
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .0 – 10
sonst – auch unter Berücksichtigung von Konzentrations und
Aufmerksamkeitsstörungen – bis zum Ausgleich . . . . . . . 20 – 40
bei besonders schwerer Ausprägung (selten) . . . . . . . . . . . . . . . 50
Annette _________________ Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, chronische Depression, EM-Rentnerin, GdB 50, mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Autismus, GdB 80, H, B, G; er lebt in WG der Mansfeld-Löbbecke-Stiftung in Braunschweig
@ Anette
Danke für die Aufklärung;
uns hatten sie für eine Entwicklungsverzögerung 30% bewilligt, obwohl mein Sohn Autist ist...aber das Verfahren läuft bereits, werde nun klagen, da nur 50% und H bewilligt wurden und das für frühkindlichen Autismus _________________ mein kleiner Sonnenschein "Lukas"; geb. 2004 in der 30+4 SSW mit 1200g und 40cm;
Juli 2009: frühkindlicher Autismus ohne Intelligenzminderung
mein Wunder "Lara"; geb. 2010 in der 24+4 SSW mit 340 g und 26 cm
Hmmm, naja, also, ich muss ganz ehrlich sagen- auch wenn ich hier jetzt wahrscheinlich gleich verdammt werde... Mein Sohn ist "nur" entwicklungsverzögert, aber wenn etwas nicht in seinen Tagesablauf passt, zum Beispiel, meine Freundin kommt unerwartet zu Besuch- dann rastet er auch aus, beschimpft meine Freundin usw...
Also, ich denke mal, dass jedes Kind, das leicht oder schwer geistig behindert ist, leicht autistische Züge aufweisst, denn eine Behinderung IST ja eine Wahrnehmungsstörung. Und da die Kinder eh länger brauchen, um sich an etwas zu gewöhnen, passt halt etwas unerwartetes überhaupt nicht in ihr Lebensbild hinein, weil sie sich nicht drauf vorbereiten können. Ich schreibe jetzt nur das, was ich denke, und ICH denke mal, man kann nicht immer gleich mit Autismus kommen, nur weil ein Kind, dass sowieso Probleme mit der Wahrnehmung hat, sich nicht so einfach auf eine neue oder ungewohnte Situation einstellen kann. Sorry, aber das musste ich jetzt mal loswerden! LG, Marion! _________________ Mutter (44), Nierentransplantiert
Sohn N. (16) geistige Behinderung durch Sauerstoffmangel bei der Geburt, geistiger Stand eines vielleicht 3- 5jährigen, kann sprechen, laufen, Fahrrad fahren.
Tochter (12), Neurodermitis
Hallo,
ich habe auch erst diesen Monat die SBA's für meine Söhne bekommen. Meine "Erfahrung" (klingt irgendwie witzig bei einmaligen beantragen ) ist die, dass es wirklich zum großen Teil auf den Kinderarzt ankommt. Steht er hinter dir und befürwortet das, dann kannst du für eine geringe Behinderung schon 100% + Merkzeichen bekommen. Alles, was du schreibst, ist eh "unwichtig" solange es um die Diagnosen/Symptome geht. Bei meinen Söhnen haben wir bisher keine Diagnosen nur eine ganze Reihe an V.a. und trotzdem hat der Kleine 100% BGH und der Große 70% H (da sind wir in Einspruch gegangen wegen fehlenden B) bekommen. Die einzigste Diagnose meiner Söhne ist eine "simple" Entwicklungsverzögerung und beim Kleinen noch ein unterentwickelter Sehnerv. Ich habe mir selber diese Richtlinien angeschaut und wäre auf wesentlich weniger beim GdB gekommen.
LG
Katrin _________________ Katrin (Epilepsie)
O. (Frühkindlicher Autismus (HFA), gl. Entwicklungsst., Ptosis, Hypotonie, Vd. auditive Wahrnehmungsst., Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühkindlicher Autismus, Esstörung, Hypospadie, Trigonoceph., Hypotonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Vd. Valproatembryopathie)
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