Verfasst am: 22.04.2010, 12:10 Titel: Beschulung von Intensivkindern
Hallo,
Mich würde interessieren, welche Schulen eure Intensivkinder besuchen (Förderschwerpunkt gB oder kB) und wie das praktisch aussieht. Begleitet der PD? Gibt es dort Krankenschwestern? Wer bezahlt was und wieviel? Sozialamt? Krankenkasse? Transport? Und habt ihr Schulverkürzung beantragt?
Wir haben Probleme eine geeignete Schule für Friedrich zu finden. Er wäre eigentlich in diesem Jahr in die Schule gekommen.
LG Mandy _________________ Friedrich (04/04): unklare neurodegenerative Grunderkrankung mit komb. Atmungskettendefekt/ Mitochondriopathie
Felix geht seit September letzten Jahres in die Schule. Das macht ihm mächtig Spass! Es ist eine GB-Schule, die Johann-Neuhäusler-Schule in Schönbrunn. Er geht dort jeden Tag von 8-12 hin.
Abgeholt und gebracht wird er vom Caritas-Fahrdienst, das ist auch bitter nötig, da sonst sein Papa ihn gefahren hat und der war nie vor 8:30 mit dem Kind irgendwo
Er wird immer vom PD begleitet. Unser Nachtdienst weckt ihn gegen 6:15h, dann kommt wach werden, waschen, Kanülenpflege, inhalieren, essen, anziehen, runter tragen zur Transportmaschine... Ich richte in der Zeit Frühstück, Brotzeit, Maschine, Taschen, Notfallkoffer usw. Dann kommt der Tagdienst und meistens auch schon der Bus. Alles reingeschmissen und los gehts... In der Schule ist der PD immer an seiner Seite. Er bekommt dort auch Logo, Ergo und Kg. Er hat dadurch viel zu tun, aber die Einzelstunden tun ihm zum Abschalten ganz gut.
Er sitzt in der Schule in seinem Gehfrei. Mein Vater hat ihm dafür extra einen kleinen Tisch gebaut unter den er fahren kann. Auch ein kleines Kissen (eigentlich für PC Tastaturen) hat er dort, das kann man schräg stellen und so kann er die Blätter besser sehen. Er isst mit allen am Tisch seine Brotzeit - selber Wenn er gar nicht mehr kann wird er natürlich gefüttert, aber es macht auch ihm viel mehr Spass, es mit allen anderen selber zu können
Um 12:15 fährt der Bus heim und Felix dann völlig groggy ins Bett
Wir haben über die Schule einen Antrag zur Übernahme von Kosten für das Sozialamt gestellt - genau. KK zahlt ganz normal den PD.
Wenn wir nicht umgezogen wären, wüsste ich auch nicht, wohin Felix gekommen wäre. Er hatte nicht mal einen Kiga -Platz. Es war einfach unser Glück, dass wir das Franziskuswerk für uns entdeckt haben. Ich drücke euch fest die Daumen, dass ihr noch eine Schule für Friedrich findet!
Liebe Grüße
Maren _________________ Maren und Felix (05/02) Mukolipidose Typ II, entwicklungsverzögert, kleinwüchsig, extrem weitsichtig, muskuläre Hypotonie, schwere Lungenbelastung, Tracheostoma, Heimbeatmung, PEG und Mila (09/04) gesund
Hab jetzt keinen Überblick, aus welchem Bundesland Du kommst
Hab aber vor Jahren ja mal Sonderschullehramt studiert und weiß daher:
das in NRW und Bayern die Mehrfachbehinderten Kinder und dazu gehören viele Intensivkinder (wenngleich auch nicht alle - z.B. SMA ist oft anders!) in den Schulen für geistig behinderte unterrichtet werden. Je nach Behandlungspflegebedarf (Tracheostoma mit viel Absaugen, O²-Gabe...) auch mit begleitender KiKrSr. des PD, da nur so auch der Transport abgesichert werden kann
In B-W. gehen sie mit ambulanter Sr. in die Schule für körper- oder in die für seh behinderte Kinder.
Die Schule in B-W. sind dann oft nochmal intern gegliedert in kognitiv stärkere und schwächere Schüler... - das ist vorallem für kognitiv starke Intensivkinder sehr wertvoll!!!
Zusätzlich gibt es in B-W. an den kb-Schulen immer auch Krankenschwestern, diese sind meist aber nicht durchgängig in der Klasse
Als Ki.Kr.Sr. in einem ambulanten PD habe ich beatmeten Kinder morgens (gegen 6.30) zur ersten großen Versorgungsrunde zu Hause übernommen, bin dann mit ihnen im Schulbus (meist Einzeltransport - nur bei einem von 8 Kindern nicht ) in die Schule, habe dort die Assistenz zum Teil und Pflege komplett übernommen, bin dann wieder mit Heim, habe dort nochmal eine Pflegerunde durchgeführt und bin dann meist (gegen 16.30) wieder gegangen.
Die KK zahlte damals alles (wir waren nicht nur an Schultagen und zu "Schulzeiten" in der Familie) und holte sich dann von der Eingliederungshilfe (bzw. damals noch vom Landeswohlfahrtsverband) die Kosten für die Transport- und Schulbetreuung wieder
Aus meinen Erfahrungen mit Jessy weiß ich inzwischen auch, dass die Schule die Eingliederungshilfe des Geburtsortes zahlen muss , den Schultransport aber die Eingliederungshilfe des Wohnorts-Landkreis Wobei das meist die Schulen wissen und weiterreichen... und das daher nicht Deine Sorge sein muss
In Deutschland sind ALLE Kinder primär "schulpflichtig", weshalb die Kosten IMMER übernommen werden müssen
Unabhängig davon kannst Du aus gesundheitlichen Gründen eine Schulverkürzung beantragen - Jessy geht z.Z. erstmal nur die 3 langen Tage (allerdings nur von 9-15Uhr), weil sie mehr nicht schafft und vorallem die Transporte riskant und schwer zu organisieren sind
Ich drücke Euch feste die Daumen, daß Ihr noch einen guten Platz für Euren Schatz findet
Was hat sich denn bislang sooo schwierig gestaltet?
Grüßle
Ursula _________________ Ursula(71 - Kinderkrankenschw.), Gerhard(73), 3 Pflegekinder Tim(2001) und Kevin(2003) leibliche Brüder und mit hohem Bedarf an Aufmerksamkeit, Jessy(11/2002)- ICP, Tetraspastik, muskuläre Dystonie, kaum Kopf-/Rumpf-Kontrolle, sehbeh., PEG-versorgt, bds. luxierte Hüften, starke Skoliose -> Liegekind und unser Goldschatz!!!
Felix fährt im Bus mit 6 Kindern mit. Das geht sehr gut, weil er als letzter abgeholt wird und als erster oder zweiter gebracht. So ist er höchstens 20-25min im Bus, ansonsten hätten wir uns auch eine andere Regelung überlegen müssen. Wir sind ja lange selbst gefahren, weil er als erster abgeholt werden sollte... das schafft er gar nicht 1h Busfahren...
Liebe Grüße
Maren _________________ Maren und Felix (05/02) Mukolipidose Typ II, entwicklungsverzögert, kleinwüchsig, extrem weitsichtig, muskuläre Hypotonie, schwere Lungenbelastung, Tracheostoma, Heimbeatmung, PEG und Mila (09/04) gesund
Benedict geht in eine K-Schule, ist in den "Ganzheitlichen Entwicklungsbedarf" eingestuft.
Begleitet wird er vom PD, früher vom Sozialamt bezahlt, mittlerweile zahlt die KK.
Seit 2,3 Jahren fährt er mit einem "Sammeltransport", anfangs hatten wir einen Einzeltransport, finanziert vom Sozialamt.
Da Benedict nicht das 1. tracheotomierte Kind mit KS in dieser Schule war, gab es da keine besonderen Probleme.
Anne _________________ DUM SPIRO SPERO
(solange ich atme, habe ich Hoffnung) CICERO
Benedict 06/99, Osteopathia striata, Z. n. Analatresie,neurogene Blasenentleerungsstörung, tracheotomiert, re. blind., Syndakt. beider Hände, Fibulaapplasie beidseits,Makrocephalie, Gaumenspalt u. e. mehr
Tochter A. 01/96, in der Grundschulzeit Absencen
mein " Intensivkind " besucht eine KB-Schule. Er wird vom PD begleitet ( Behandlungspflege ) , die wird aufgrund medizinisch notwendiger Hilfsmittel und Tätigkeiten von der KK bezahlt. Es gibt Krankenschwestern an der Schule, der Transport wird vom LWL gezahlt.
l.G:
Bea _________________ Nando 93, Dario 97 nach Unfall 2001 hypoxische Hirnschädigung mit Tetraspastik, Button seit 2001 und verschiedene kleine Baustellen, Nevio 97 und Leya 2005.... und natürlich Bea , Bj. 63
Die einzige Schule, die Friedrichs Bedürfnissen entspricht, hat offiziell keine Kapazitäten frei. Ich habe allerdings den Eindruck gewonnen, dass generelle Bedenken bestehen. Es gibt dort auch eine Ärztin und Krankenschwestern, wobei die Ärztin sagt, dass sie die Verantwortung nicht für Friedrich übernehmen kann, da muss der PD mit. Das ist für mich kein Problem, die Finanzierung muss dann ggf. gesplittet werden.
Eine andere Kb Schule gibt es nicht.
Wir wohnen in Brandenburg, in unserem Fall würde das Amt aber nun auch den Transport in ein anderes BL (Berlin) bezahlen, da es ja keine Alternative gibt. Allerdings kann er nicht stundenlang zur Schule und zurück fahren, denn dann ist er schon fertig, wenn er im Klassenraum angelangt ist. Und einen ganzen Tag an einer Ganztagsschule schafft er auf keinen Fall, d.h. es würde wohl sowieso auf einen Einzeltransport und Schulverkürzung hinauslaufen.
Hausbeschulung will ich auf keinen Fall, für Integration sind die Klassen zu groß, für die einzige Gb Schule hier, ist er zu clever.
Bevor ich mich nun weiter umsehe, wolle ich ein paar Erfahrungen von euch sammeln.
LG Mandy _________________ Friedrich (04/04): unklare neurodegenerative Grunderkrankung mit komb. Atmungskettendefekt/ Mitochondriopathie
Wenn mein Kind in der KB-Schule katheterisiert werden muss und das ein Pflegedienst machen muss, wer trägt da denn die Kosten. Muss ich dann mein Pflegegeld opfern??
LG
Anja _________________ Anja mit Nils, geb. 17.01.03, schwerste Mehrfachbehinderung nach Hirninfarkt während der Schwangerschaft, schwere Skoliose, PEG, und Janis 17.01.03 und Pauline 10.11.00, gesund.
ich hab zwar kein Intensivkind, wohne aber auch in BB und mein Kind will schon zur Schule , daher befasse ich mich auch mit dem Schulthema.
Bin erstaunt, dass Ihr einen Transport nach Berlin bekommen würdet, weiss aber nicht, ob Ihr so nah dran wohnt.
Mich stören auch die großen Klassen bei der integrativen Beschulung und GBschule kommt für uns auch gar nicht in Frage.
Also was tun? Mir scheint, dass geistig fitte Kinder mit körperlichen Einschränkungen auch nicht sehr willkommen sind, hab in unserer Nähe nur eine gefunden, die komplett behindertengerecht ausgestattet ist.
Hast Du Deinen Sohn zurückstellen lassen und suchst für nächstes Jahr?
Dann könnten unsere Beiden doch in eine Klasse, falls wir eine geeignete finden.
@Anja: Katheterisieren durch PD bezahlt die Kasse, nicht Du! _________________ Herzliche Grüße von Diana mit Mausi, 6J.(SB und HC)
@Mandy - wenn die "nahe liegende" Schule mit PD möglich wäre, würde ich mit allen Mitteln (Öffentlichkeit...) dafür kämpfen, dort eine Beschulung zu erzielen!!! Ich wußte gar nicht, daß die einen Schüler (1.Klässler) ablehnen können, wenn der doch vom Behinderungsbild genau dort hin gehört
Den PD mitzuschicken halte ich für äußerst sinnvoll - in jedem Fall!!! Denn nur so könnt Ihr den Transport mit all seinen Eventualitäten absichern
Auch den Einzeltransport halte ich für sehr sinnvoll, aber das kann sich dann auch entwickeln und ist sicher nicht vorrangig
Einen Stunden langen Transport packen die wenigsten unserer Kinder, also fällt für mich Berlin eigentlich als Option raus, DIE und Ihr müßt vor Ort eine machbare Beschulung hinbekommen Und das geht!!!
Nur MUT!
@Anja - Katheterisieren ist Behandlungspflege und wird über die KK oder die Eingliederungshilfe/ LWV (weil "nur" in der Schule notwendig) gezahlt! Dafür kann ja ein Schul-Ort-naher KinderkrankenPD eingesetzt werden, wobei ich weiß, dass es da im Saarland ja nur 2,5 gibt
Dennoch! Pflegegeld kostet das sicher nicht!
Grüßle
Ursula, die gerade (um 2) ihre im Status krampfende Maus aus der Schule holen mußte und diesen Text auf viele Etappen geschrieben hat _________________ Ursula(71 - Kinderkrankenschw.), Gerhard(73), 3 Pflegekinder Tim(2001) und Kevin(2003) leibliche Brüder und mit hohem Bedarf an Aufmerksamkeit, Jessy(11/2002)- ICP, Tetraspastik, muskuläre Dystonie, kaum Kopf-/Rumpf-Kontrolle, sehbeh., PEG-versorgt, bds. luxierte Hüften, starke Skoliose -> Liegekind und unser Goldschatz!!!
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