Hallo Mandy,
ich wollte nicht so mit der Tür ins Haus fallen. Aber das was du so schreibst, hört sich sehr stark nach selektivem Mutismus an.
Meine Tochter hat ihn (ungelogen vor zwei Wochen!!!) überwunden.
Bei ihr war es so, sie hatte mit elf Monaten die ersten Worte gesprochen. Ich war ganz überrascht. Aber durch viel Unruhe in der Familie (Sohn und ein Berufswechsel des Mannes in eine andere Stadt) wurde sie immer stiller. Anfangs fiel uns das gar nicht so auf.
Mit 2,5 Jahren kam Yvonne für drei Tage pro Woche in einen Waldkindergarten, weil ich Karenz für Therapien für meinen Sohn brauchte. Es ging leider nicht anders.
Da merkte man erstmalig, das etwas nicht in Ordnung war. Yvonne wurde immer verschlossener. Sie knüpfte keine Kontakte zu Kindern bzw. mit Erziehern sprechen war gar nicht drin, ein Kindergartenwechsel brachte nach einem Jahr Besserung. Sie bekam auch Frühförderung.
Sie hörte auch fast ein Jahr lang auf mit uns den Eltern zu reden. Sie sprach nur mit ihrem Bruder, später auch endlich zu anderen Kindern bis zu einer bestimmten Größe. Irgendwann kam zwischen uns beiden wieder erst ein Kopfnicken und schütteln, flüstern, später ein lautes Ja und Nein und irgendwann wieder ein normales sprechen auf. Seitdem redet auch sie zu Hause wie ein Wasserfall!
Wir erfuhren auch da erstmalig, dass sie in ihrem Zimmer große Ängste nachts durchlebte. Und ich dachte immer, dass sie solange schläft, weil sie ihren langen Schlaf brauchte.
Es könnte viele Ursachen geben, durch die meine Tochter in den selektiven Mutismus gefallen ist, aber wir haben die Ursache nie ganz herausgefunden.
Tatsache ist, dass sie auch sehr stark unter unseren familiären Situation, hauptsächlich das Verhalten ihres Bruders, leidet. Sie ist bisher teilweise immer noch sehr sensibel.
Yvonne ist inzwischen 6 Jahre alt, und hatte sich seit 1,5 Jahren immer wieder vorgenommen mit "Erwachsenen" zu sprechen. Auch mit dem Versprechen ihrer langersehnten Ohrringe konnten wir sie lange nicht locken.
Seit letztem Jahr erhielt sie zur Unterstützung noch eine psychotherapeutische Behandlung. Sie fing so ca. ab Oktober/November im Kindergarten an mit den Erziehern mit Hilfe einer Handpuppe zu kommunizieren. Reden mit Erziehern war bis vor ein paar Wochen auch nicht drin.
Seit Dezember befinden wir uns in einer kleinen Ausnahmesituation. Wir hatten drei Tage vor Weihnachten nachts einen Brand in unserem Wohnzimmer, den wir nur durch viel Glück bemerkt hatten. Es ging für uns alle noch einmal gut aus. Nur unser Wohnzimmer hat einen Totalschaden.
Anfangs hatte ich Angst, dass sie durch diesen Vorfall wieder zurückfallen könnte, weil sie zwei Tage nicht mit mir telefonieren konnte oder wollte. Wir mussten nämlich erst mal zur Kernsanierung die Kinder bei Verwandten unterbringen. Wir haben sehr schnell wieder versucht bei uns Normalität einkehren zu lassen. Das Thema Brand ist bei Yvonne überhaupt kein Thema mehr.
Aber trotzdem haben wir in den letzten Wochen nicht bemerkt, wie es bei ihr eine große Veränderung gab. Sie fing kurz nach ihrem Geburtstag an, mit einer Erzieherin (ein bißchen Druck war schon dahinter) zu sprechen. Sie hatte auch große Freude daran. Irgendwann fing sie wieder damit an, dass sie ja Ohrringe kriegt, wenn sie mit Erwachsenen spricht. Also hat ihr Papa ihr noch einmal ein Ultimatum gestellt. Erst hatte es an dem Tag im Kindergarten nicht geklappt.
Als sie abends vor zwei Wochen zufällig beim Einkaufen mit ihrem Papa telefoniert hatte, sprach er ihr noch einmal Mut zu. Und sie ging raus, und fragte den Mann mit den zwei Hunden, ob sie diese mal streicheln dürfte. Da war ihr Knoten geplatzt. Sie sprach Leute an, hat erstmalig drei Stunden mit der ganzen Verwandschaft telefoniert usw.
In den letzten zwei Wochen hat sie Therapeuten, Verwandte und die Lehrerin in der Schule zum absoluten Staunen gebracht.
Wir haben Yvonne übrigens in einer normalen Grundschule angemeldet wo man aber auch große Bedenken hatte. Sie darf bis zum Schuljahresbeginn an einem Vorlaufkurs teilnehmen.
Sie bekommt zusätzlich noch Frühförderung in einer Gruppe mit anderen Vorschulkindern. Und sie macht seit zwei Jahren beim Ballett mit.
Den Weg zum Psychotherapeuten kann ich dir sehr empfehlen. Es braucht sich keiner dafür zu schämen. Vielleicht hast du ja Glück und es bessert sich bis zur Schule. Yvonne wirkte nach außen hin ja auch sehr schüchtern.
Ich weiß, dass es bei Euch noch ein langer Weg ist, wenn es selektiver Mutismus ist, können wir uns gerne mal austauschen. Ich wünsche dir viel Kraft und Mut um diesen schweren Weg zu gehen.
Wir haben es schon geschafft. Bei meinem Sohn sieht es leider nicht so einfach aus, aber auch er hat schon viel erreicht.
Ganz liebe Grüße und klärt erst mal ab, ob es bei euch überhaupt der Fall ist.
Anne _________________ Anne 10/71 mit Marcel 02/02 HFA-Autist mit ADHS und 02/04 mit Verdacht auf selektiven Mutismus spricht seit März 2010 wie ein Wasserfall
mein Sohn redet auch nicht im Beisein Fremder bzw. antwortet nicht auf deren Fragen.
Das hat er noch NIE gemacht,auch nicht wenn ich ihn auffordere doch bitte zu antworten.
Beim KiA hat er nie gesprochen,die Ärztin glaubte mir aber das er hervorragend spricht.
Im Kiga antwortete er zwar auf Fragen der Erzieherinnen...sprach diese aber selten von selber an...mit den anderen Kindern hatte er aber keine Probleme mit sprechen oder spielen.
Ich konnte mir das auch nur durch Schüchternheit erklären,denn es ist das krasse gegenteil von zu Hause.
Bei der Grundschulanmeldung hat er ALLES verweigert (er hatte vorher schon angekündigt das er dort nix sagt ,er wolle ja auch nicht in die Schule ),keine einzige Frage beantwortet...hat sogar leise geweint.
Bei der Schuluntersuchung (einige Monate später) hatte er seine Meinung geändert,wollte unbedingt in die Schule.Ich hab ihm gesagt das er dann unbedingt alles mitmachen muss...also auch antworten.
Er hat überdurchschnittlich mitgearbeitet .
Meine Bedenken in Bezug auf die Schule waren GsD unbegründet...er liebt seine Lehrerin sehr, mit anderen Fachlehrern kommt er auch klar.Er ist lt. Lehrerin der Beste in Deutsch (schriftl+mündlich)...besonders VORLESEN mag er.
Trotzdem antwortet er Fremden oder weniger bekannten Leuten immer noch nicht bzw. flüsternd wenn ich ihn auffordere...nuja, wir können damit leben.
Wenn deine Tochter sprachliche Defizite hat ist Logo doch schon mal gut,eine gewisse Schüchternheit wird sicher auch da sein.
Mach dir bitte keine Vorwürfe...WOHER solltest du denn wissen das es evtl. nicht nur Schüchternheit ist?
Du bist ihre Mama und wirst jetzt das Nötige tun.
Ich werde jetzt auch mal den Link von Nellie ansehen,bin gespannt.
naja ich mach mir halt doch schon Vorwürfe das ich nicht schon längst mal was gemacht habe ! sie soll ja die Intregration bekommen aber nicht mit so einem Druck wie mir da gemacht wird die Termine dauern halt hab heute in Bad Sassendorf eiene Logo angerufen die sich damit sehr gut auskennt und sie ist bereit mir sofort einen Termin zu geben wenn ich ihr das große Rezept bringe wobei ich aber den Termin für das große Rezept erst in 1 1/2 Wochenbekommen kein KA oder HNO hatte ehr Zeit für mich
lass den Kopf nicht hängen. Du hast keine Schuld daran. Vielleicht sprichst du noch einmal mit der Logopraxis. Vielleicht können die über deinen Kinderarzt eine Beschleunigung des Rezeptes erreichen. Wenn ich das richtig verstanden habe, bekommst du das Rezept doch sowieso, oder?
Versuch alles mögliche in die Wege zu leiten, Logo, Psychotherapie. Wart ihr schon mal bei der Frühförderung? Vielleicht habe diese auch spezielle Spielgruppen. Melde sie zur Untersuchung im SPZ oder in der nächsten KJP (Kinder- und Jugendpsychiatrie) zur Abklärung an. Wir sind zur KJP gegangen, weil wir wegen meinem Sohn im SPZ nicht weitergekommen sind. Es sind teilweise sehr lange Wartezeiten.
Es ist noch nichts verloren, aber du musst jetzt ganz schnell alles in die Wege leiten, auch Integration im Kiga ist Super. Haben wir in ihrem letzten Kigajahr auch gemacht, um sie besser und intensiver zu fördern.
In welchem Jahr soll deine Kleine denn zur Schule kommen?
In Hessen kannst du dein Kind im Falle eines sonderpädagogischen Förderbedarfs schon mit vier in die Vorklasse einer Sprachheilschule geben. Würde ich aber evtl. noch ein Jahr mit warten. Ich weiß auch nicht, ob das landesübergreifend ist.
Mein Sohn geht in die erste Klasse einer Sprachheilschule und hat wegen seiner Schulunreife bei Schulfähigkeit ein Jahr Vorklasse gemacht. Hat ihm sehr viel gebracht.
Versuche alle Hebel in Bewegung zu setzen. Was du später nicht mehr brauchst, kannst du auch wieder absagen. Aber erst einmal den Fuß in der Tür drinnen haben.
Kopf hoch, Zähne zusammenbeißen und durch.
Du schaffst das!!!
Ganz viel Kraft und liebe Grüße
Anne
Wenn du in Hessen wohnst (???) _________________ Anne 10/71 mit Marcel 02/02 HFA-Autist mit ADHS und 02/04 mit Verdacht auf selektiven Mutismus spricht seit März 2010 wie ein Wasserfall
Unsere Tochter hat Mutismus und früher hat sie auch so reagiert wie deine Tochter jetzt.
Inzwischen ist sie 9 Jahre und besucht wöchentlich eine Kinder und Jugendpsychologin - mit Erfolg, wenn auch minimal. Such dir einen Logopäden der sich mit Mutismus auskennt und renne allen die Türen ein, SPZ und so weiter.
Ein normaler Grundschulbesuch ist möglich. Wir haben auch Therapeuten und die Integration. Lass dich nicht unterkriegen.
LG Kathrin _________________ Kathrin mit Marie *10/00 selektiver Mutismus und Moritz 10/03 gesund und wild
Hallo Kathrin,
spricht deine Tochter heute? Ich frage nur deshalb, weil Yvonne es ja jetzt endlich geschafft hat, ich aber nicht weiß, ob sie weitere therapeutische Behandlung benötigt. Ich denke mal Rückschläge können immer wieder mal passieren.
Da Yvonne ganz schön sensibel aber auch sehr zickig ist, kullern bei ihr da mal sehr schnell die Tränen. Im Kindergarten ist das vielleicht noch ok., aber wie sieht es in der Schule aus? Da wird sie dann schnell zur Heulsuse getauft. Sie hat jetzt schon 3 Mädchen aus ihrem Kindergarten die ebenfalls in der selben Ballettgruppe sind und sie jetzt schon zwischendurch hänseln. Und mit einer von ihnen wird sie garantiert in eine Klasse kommen.
Im April haben wir noch mal einen Termin bei der Psychotherapeutin. Bin mal gespannt was sie sagt.
Mich würden aber auch die Meinungen und Erfahrugen anderer betroffener Eltern interessieren.
Liebe Grüße - Anne _________________ Anne 10/71 mit Marcel 02/02 HFA-Autist mit ADHS und 02/04 mit Verdacht auf selektiven Mutismus spricht seit März 2010 wie ein Wasserfall
Hallo Ihr!
Was ich hier alles lese kommt mir sehr bekannt vor. Bei unserer tochter wurde bei der U9 das erstemal das Wort Mutismus erwähnt. Sie hat alles gemacht außer sprechen. Wir haben es bei Psychologen versucht ( Spieltherapie ), Logopäde und jetzt bei einer Psychotherapeutin die auf Verhaltenstherapie spezialisiert ist. Ich habe das Gefühl, das es bei dieser jetzt klappen wird ( Tochter wird im Nov. 16 ) Die Therap. kommt ihr so na wie vor ihr keiner. Jetzt da die Therap. etwas Druck macht merkt sie glaube ich wie wichtig es ist wenigstens einwenig zu sprechen. Ihr werden die Nachteile des nichtsprechens deutlich. Die Vorteile werden auch deutlich aber die Nachteile überwiegen und das wird ihr klar. Sie möchte gerne Tierarzthelferin werden. Ganz ohne reden geht das nicht. Sie würde auch gerne ein Auslandsjahr in Südafrika machen. ( dort ist sie gerade bei ihrer Freundin, die dort mit der Fam. noch 2 Jahre bleibt. ) Es kann ein l a n g e r Weg werden aber wie sagte mir ein Psych. Mutismus ist eine krankheit und viele Krankheiten sind heilbar. Ich drücke euch die Daumen und schicke euch Kaft. _________________ Katja mit Franzi 15 selektiver Mutismus und Sebastian 11 ( bis vor 3 J oft Asthmaanfälle)
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