Dore Steinert
Ich bin Feldenkrais-Lehrerin in Berlin Pankow und möchte mich auf die Arbeit mit motorisch eingeschränkten Kindern spezialisieren. Im Augenblick arbeite ich unter anderem für das Jugendamt Weißensee mit traumatisierten und entwicklungsgestörten Kindern und stehe in Kontakt zu Sehstern e.V (Einzelfallhilfe für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, Berlin).
Feldenkrais ist keine Heilmethode, sondern eine Körperschulung, die darauf abzielt, möglichst effiziente, kraftsparende Bewegungsmuster im Gehirn zu entwickeln. Feldenkrais ist nicht als Ersatz für ärztliche Therapien gedacht oder als Konkurrenz zu Physio- oder Ergotherapien zu sehen, kann diese Behandlungen aber begleiten und gegebenenfalls einen plötzlichen Entwicklungsschub bei einem Kind auslösen.
Eine erste Probestunde ist bei mir kostenlos, spätestens nach der dritten Stunde sollte eine Veränderung spürbar sein.
Ich lege großen Wert auf die Zusammenarbeit mit den Eltern und nehme mir Zeit, so viel wie möglich zu erklären. Meine Arbeit können die Eltern nicht übernehmen (auch wenn sie, wie so vieles, auf den ersten Blick leicht aussieht). Aber es gibt unzählige Möglichkeiten, die Kinder zu unterstützen – ich sehe sie höchstens einige Stunden, die Eltern vierundzwanzig Stunden am Tag.
Für weitere Nachfragen über die Methode stehe ich natürlich gern zur Verfügung.
Feldenkrais: Einige Informationen vorab-
Es gibt in der Feldenkrais-Methode Einzel- und Gruppenstunden. Gruppenstunden werden für Kinder nur selten angeboten, zur Entwicklungsförderung bei starken motorischen Schwierigkeiten sind sie sicher nicht das Mittel der Wahl. Meine Erklärungen beziehen sich daher auf Einzelstunden, die sogenannte Funktionale Integration.
- Feldenkrais ist eng verwandt mit der in diesem Forum vielleicht bekannteren Anat Baniel Methode. Anat Baniel war eine Schülerin von Moshé Feldenkrais´, sie selbst beschreibt ihre Tätigkeit auf ihrer Homepage mit folgenden Worten: Anat Baniel demonstriert die Feldenkrais –Arbeit mit Kindern.
Ein großartiges Beispielvideo gibt es unter : http://video.google.com/videoplay?d.....ype=search&plindex=0#
(Es ist ein sehr langes Video. Vielleicht genügt es, sich die ersten drei Minuten anzusehen, und dann vielleicht die zwanzigste, um sich einen Überblick zu verschaffen.)
Grundlagen der Feldenkrais-Methode
Feldenkrais ist eine Körperschulung, die darauf abzielt, möglichst effiziente, kraftsparende Bewegungsmuster im Gehirn zu entwickeln.
Die kindliche Entwicklung wird im Regelfall unterstützt von sinnlicher Erfahrung und biologisch vorgegebenen frühkindlichen Reflexen. Sie beeinflussen die Entwicklung vom Drehen und Krabbeln über die Feinmotorik der Hände und des Schluckens bis zur Ausbildung der Konzentrationsfähigkeit und des Gehörs.
Obwohl diese Entwicklung spielerisch und scheinbar selbstverständlich abläuft, beruht sie auf hochkomplexen Lernprozessen. Ein Kind lernt durch Versuch, Irrtum, sinnliches Vergnügen und Neugier. Dieses Lernen findet zum Teil blitzschnell statt. Ein gutes Beispiel sind plötzlich einsetzende Entwicklungsschübe bei Kindern.
Die Feldenkrais-Methode hilft Kindern, neue Bewegungsvariationen zu finden, zu stark ausgeprägte Reflexe weiter zu entwickeln und die natürlichen Entwicklungsschritte nachzuholen.
Wie bei der regulären kindlichen Entwicklung bilden in der Feldenkrais-Methode Spaß und Neugier wichtige Elemente der Lernerfahrung.
Feldenkrais in der Praxis
Voraussetzung für das Erlernen von Koordination ist das Körpergefühl, der Sinn für Propriozeption, nicht die gespürte Anstrengung. Bewegungsmuster können auch bei passiver Bewegung der Körperteile zueinander erlernt werden.
Das Kind liegt voll bekleidet auf einem Tisch oder einer Matte, bei kleineren Kindern ergibt sich die Arbeit aus dem Kontext (Sitzen / krabbeln / Kopf heben …)
Am Anfang der Stunde stehen zwei Fragen: was kann das Kind bereits – und was möchte es lernen?
Ich suche nach ungenutzten Bewegungsmöglichkeiten und Entwicklungsschritten, die es eventuell übersprungen hat.
Zuerst versucht der Feldenkrais-Lehrer, das Kind zu bewegen und zu erforschen, in welchen Bereichen das Kind seine Bewegungen hemmt. Fehlt die Seitbeugung der Wirbelsäule? Behindert die Spannung in den Rippen die Drehung der Brustwirbelsäule? Lässt sich der Oberschenkel nicht heben, weil die Rückenmuskulatur dagegen arbeitet?
(Die Bewegungen sind sanft, teilweise ungewohnt oder sehr komisch und sollten durchgehend nicht schmerzhaft sein. Eine „Mobilisierung“ versteifter Gelenke gehört dagegen in die Hände eines Physiotherapeuten.)
Dann werden verschiedene Bewegungsvariationen erforscht:. Ein Fuß z.B kann von mir gestreckt werden. Er kann sich aber auch nach außen beugen, einzelne Zehen bewegen, einrollen, anziehen etc. Das Kind bleibt dabei weiterhin weitgehend passiv und wird bewegt, damit es nicht automatisch in seine gewohnten Muster zurückfällt.
Zuletzt – und hier findet das eigentliche Lernen statt – wird der Fuß in einer sinnvollen Bewegung eingesetzt. Aus allen möglichen Variationen sucht der Feldenkrais-Lehrer die für die erforderliche Bewegung (hier: Stehen oder Abdrücken) sinnvollste Stellung heraus. Man zeigt sie dem Kind, zuerst passiv, dann auch aktiv in verschiedenen Zusammenhängen. Damit wird die Bewegung eines Körperteils in einen sinnvollen Zusammenhang integriert und gespeichert.
Grundsätzliches
Vorraussetzungen: Feldenkrais verbessert Funktionen, kann (und will) aber an der Struktur eines Körpers nichts ändern. Verletzungen und akute Erkrankungen sollten auf jeden Fall von einem Arzt oder Physiotherapeuten behandelt werden.
Jedes Gehirn, das bei Bewusstsein ist, kann grundsätzlich lernen, wenn auch vielleicht nicht in unbegrenztem Umfang. Die frühkindlich/motorische Entwicklung ist nonverbal und weder von sprachlicher Entwicklung noch von kognitivem Verständnis abhängig. Feldenkrais wird bereits auf einigen neonatologischen Abteilungen eingesetzt und kann theoretisch in jedem Lebensalter begonnen werden – im Rahmen der ärztlichen Vorgaben.
Kosten
In der Regel werden Feldenkrais Einzelstunden von den Kassen noch nicht bezahlt, obwohl die Methode inzwischen von der Hufelandgesellschaft anerkannt ist. (Ausnahme: einige Privatkassen, Sekurvita. Bei Krankheitsbildern wie MS und Bechterev sind Ausnahmen möglich)
Feldenkrais wird auch von etlichen Physiotherapeuten angeboten, allerdings ist die rechtliche Grundlage schwierig und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Unter Umständen könnte eine Nachfrage lohnen.
Preise für eine Einzelstunde liegen im Schnitt bei 50 bis 80 Euro.
Therapeuten / Lehrer
Anbieter mit einer mindestens vierjährigen (berufsbegleitenden) Ausbildung nach internationalen Richtlinien finden Sie über den Feldenkraisverband unter www.feldenkrais.de / Mitgliederadressen. Erkundigen Sie sich bei den einzelnen Anbietern, ob sie Erfahrung in der Arbeit mit Kindern haben.
es ist richtig, daß diese Methode von den Krankenversicherungen/Kassen nicht erstattet wird (Ausnahme vielleicht im Einzelfall, z.B. bei infausten Diagnosen!?). Es liegt daran, daß es sich bei der Feldenkraismethode um ein wissenschaftlich nicht fundiertes Verfahren handelt!
Gruß
Sonja _________________ Sonja mit Nico (Arthrogryposis multiplex congenita Typ 1b)
Dass Feldenkrais nicht erstattet wird, ist richtig - deshalb habe ich auch extra darauf hingewiesen.
Die erste Stunde biete ich kostenlos an, damit Eltern sich ein Bild machen können, bevor es sie etwas kostet (außer Zeit natürlich), und ich habe ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich die ersten Ergebnisse in sehr kurzer Zeit zeigen sollten.
"Wissenschaftlich nicht fundiert" stimmt bisher auch - wobei das nicht heißt, dass die Methode nicht wirksam ist. Ich habe Feldenkrais deshalb ausdrücklich als Körperschulung und nicht als Therapie dargestellt.
Es gibt in letzter Zeit Hinweise und neue Untersuchungen, die die Möglichkeit dieser Methode zeigen. Aber man sollte dabei berücksichtigen, dass z.B. die Neuroplastizität des Gehirns erst seit wenigen Jahren nachgewiesen werden konnte und anerkannt ist, Spiegelneuronen wurden erst kürzlich entdeckt etc.
Moshé Feldenkrais, Ida Rolf, Bobath, Vojta - sie alle haben ihre Methoden und Techniken entwickelt, bevor die Neurologie in der Lage war, den entsprechenden Nachweis zu liefern, weil es an bildgebenden Verfahren mangelte.
Und, ähnlich wie bei Bobath oder der Akupuntkur, ist es sehr schwierig in diesen Bereichen überhaupt evidenzbasierte, prospektive Doppelblindstudien zu erstellen. (Die Akupuntur hat es ja jetzt geschafft). Ich wäre die Erste, die glücklich wäre, wenn es derartige Studien gäbe! Nur, wenn Berührung ein wesentlicher Bestandteil der Methode ist - wie teilt man die Vergleichsgruppe ein, ohne dass sie weiß, dass sie nicht "behandelt" wird? Was gibt man als Placebo?
Es ist sicher richtig, dass auch der Feldenkrais-Verband noch Nachholbedarf bei der Erstellung derartiger Studien hat. Wir arbeiten daran, genauso wie an der Kassenzulassung - aber das dauert leider. sowohl aus bürokratischer als auch finanzieller Sicht.
Ich werde in nächster Zeit versuchen, selbst ein Video herzustellen, um ein genaueres Bild zu vermitteln. Dauert natürlich aber auch.
Feldenkrais ist ein mögliches alternatives Angebot wie viele andere auch - nicht mehr und nicht weniger.
Wir machen seit 5 Wochen auch Übungen mach Feldenkrais und mein Sohn Dominik ist mit voller Begeisterung dabei.
Ich denke es tut ihm gut er ist natürlich anschliessend total kaputt aber in den 45 Min. auch zu 100 % dabei..........besser als bei der KG.
lg claudi _________________ lg claudi
Die Zukunft sollte man nicht voraussagen wollen,
sondern möglich machen (Antoine de Saint Exepury)
es wäre wirklich schön, wenn es eine Alternative, z.B. zur Vojta-KG, gäbe, die den Kindern nicht das Gefühl "Therapie" vermittelt und darüber hinaus auch noch Erfolg bringt! Ich bin ein wenig skeptisch, wenn es um Therapieverfahren geht, die noch nicht fundiert sind! Habe immer ein wenig Angst, daß man mir, Respektive den anderen Eltern besonderer Kinder, das "Geld aus der Tasche zieht". Oder Hoffnungen weckt etc. Wenn alle schulmedizinischen Möglichkeiten ausgschöpft sind, ist es etwas anderes.
Neue Bewegungsvariationen findet mein Kind in der Ergotherapie und in der Frühförderung. Hier erlernt meinem Sohn doch auch Alternativen, Anregungen und Strategien.
Schade, daß wir so weit voneinander weg wohnen! Würde sonst gerne eine Probestunde mit meinem Kind bei Dir vereinbaren!
Mein Posting von heute Morgen war auch nicht böse o.ä. gemeint; habe in der letzten Zeit bzgl. alternative Methoden einiges erlebt und schaue daher ganz besonders auf die Fakten!
Wünsche Dir einen schönen Sonntag Abend!
LG
Sonja _________________ Sonja mit Nico (Arthrogryposis multiplex congenita Typ 1b)
Ich habe selber Erfahrung (nur positiv!!!!) mit der Feldenkrais Methode gemacht.
Ich habe das Thema "Arbeiten mit geistig eingeschränkten Personen" mit meiner Trainerin/Therapeutin besprochen, es ging dabei sowohl um Kinder als auch um Demenzkranke.
Sie meinte, es sei ausgsprochen schwierig und erfordere ein hohes Maß an Erfahrung, da der "Patient" (oder wie soll ich sagen?) ja sich mit hineinfühlen muss.
Meinst Du, ich könnte das mal mit meinem etwas aufgedrehten Sohn (emotional wie 5, tatsächlich 8) ausprobieren? Oderdoch eher Kinder-Yoga?
ich würde auch gerne eine probe Stunde machen? Bin mir aber unsicher ob mein Kleiner dafür in Frage kommt. (siehe unten, Diagnose) Wo ist ihre Praxis oder wo findet man Therapeuten die, die Feldenkreis Methode anwenden?
LG Alex _________________ Alexandra mit Prinz (2007) Frühchen, Gehirnblutungen 3.Grad, Hydrocephalus mit Shunt, Tetraspastik, BNS-Anfälle, Reflux, Sehbehinderung, Schilddrüsenunterfunktion, Lateralisation und drohende Luxation der rechten Hüfte, Skoliose, Rippenbuckel--- wird über alles geliebt, so wie er ist...
Hallo SonjaM,
für mich persönlich ist die Feldenkrais-Methode eine Alternative zu Vojta und Co.
Ich habe eine ICP und wurde als Kind intensiv mit Vojta und Bobath therapiert. Diese Therapien haben viel gebracht und haben mich vor starken Einschränkungen bewahrt. Meine Spastik ist heute kaum noch sichtbar. Nur leider haben mir diese Therapien nicht geholfen meine Behinderung zu akzeptieren, sondern das Credo war, kämpfe dagegen und du wirst deine Behinderung überwinden.
Dies änderte sich, als ich die Feldenkrais-Methode mit 24 Jahren kennenlernte. Meine, von Spastik-Mustern durchzogene, Art sich zu bewegen, galt nicht als falsch und wurde nicht überwunden. Für mich eine neue Erfahrung. Ich lernte mir selbst und meinen Bewegungen zu vertrauen und dadurch änderten sich auch allmählich meine Bewegungsmöglichkeiten. Natürlich hat auch die Feldenkrais-Methode meine Spastik nicht zum Verschwinden gebracht, aber ich habe dadurch gelernt, besser mit meinen Einschränkungen umzugehen.
Mittlerweile bin ich selbst Feldenkrais-Lehrerin und sehe die Sache von mehreren Seiten. Ich kenne die Möglichkeiten der Feldenkrais-Methode, aber auch die Schwierigkeiten, die manche Menschen mit ihr haben. Ich gebe selbst Feldenkrais-Stunden in einer psychosomatischen Rehaklinik . Dort ist Feldenkrais, wie in vielen anderen Rehakliniken, ein Therapie-Modul in der Behandlung von neurologischen Störungen, Depressionen und von chronischen Schmerzen. Viele Patienten, die Feldenkrais erstmals kennenlernen, sind irritiert und brauchen zwei bis drei Stunden bis sie die Möglichkeiten erkennen, da die Stunden für sie ungewöhnlich ablaufen.
Feldenkrais ist natürlich nicht besser, als andere Methoden. Ich selbst mache sowohl Feldenkrais für mich selbst und habe auch KG nach Bobath. Beides ist für mich wichtig.
Hallo,
erst mal danke für die vielen Rückmeldungen. Das ist eine nette Begrüßung!
Sonja, ich verstehe deine Bedenken. Es gibt etliche alternative Heilmethoden, mit denen ich meine Probleme habe.
Wie gesagt, ich erwarte - auch und in erster Linie von mir selbst - schon relativ schnelle Resultate. Wobei es erst Mal eine erhöhte Aufmerksamkeit oder Lust, sich zu bewegen, etwas zuzutrauen, mehr Ausgeglichenheit sein kann - aber ETWAS sollte auf jeden Fall innerhalb der ersten paar Stunden zu sehen sein - und zwar eine Entwicklung zum Besseren. Sonst sollte man sofort ansprechen, ob das Ganze Sinn macht. Spielerisch, natürlich (wenn das Kind sich sperrt, geht nichts) - aber nicht beliebig, sondern durchaus zielstrebig.
Frühförderung und Ergo haben natürlich einen Sinn, empfehle ich auch immer - allein schon, weil es von den Kassen übernommen wird und kostengünstiger ist.
Feldenkrais ist vielleicht in mancher Hinsicht ein konzentrierterer Ansatz - die Kinder werden eine Stunde lang intensiv bewegt, angeregt und herausgefordert, mit ständigem Körperkontakt, ihre Bewegungen werden ständig begleitet. Der Schwerpunkt liegt, vielleicht stärker als bei anderen Methoden, auf dem LERNEN.
Vielleicht ist es auch nur ein neuer Blickwinkel, mit all den Überraschungen, die darin stecken. (Deshalb empfehle ich auch nicht nur Feldenkrais - es sei denn, jemand fragt explizit nach Alternativen).
Und wenn alles gut läuft, haben sie einen Höllenspaß dabei! Das ist das Schönste daran -
Renate, es könnte schon was für deinen Sohn sein, ihn runterbringen und erden (ich nehme an, dass du die Erfahrungen bei dir selbst gemacht hast?).
Allerdings weiß ich nicht genau, wie du das Problem einschätzt. Geht es um ein etwas „wilderes“, manchmal unausgeglichenes Kind? Oder gibt es massive Schulprobleme, Ärger mit Gleichaltrigen, Schwierigkeiten beim Einfügen in Gruppen? Dann solltest du vielleicht mit einem Arzt oder Schulpsychologen sprechen.
Bei Feldenkrais kommen in der Regel für Kinder nur Einzelstunden in Frage, das ist intensiver, kostet aber natürlich mehr. Kinderkurse sind extrem selten, weil die Gruppen relativ homogen sein müssten.
Insofern ist es nicht wirklich mit Kinderyoga zu vergleichen. Von Kinderyoga habe ich zu wenig Ahnung, um wirklich kompetent antworten zu können, und will auch keinen Kollegen in den Rücken fallen - wenn es läuft, ist es sicher gut. Aber bei einem sehr lebhaften Jungen besteht natürlich auch die Gefahr, dass Yoga ihn (und er die Yogalehrer/in) wahnsinnig macht. Ich kann immer nur raten, auszuprobieren - Yoga, aber auch Judo oder kicken und auspowern ... ohne wirkliche Begeisterung entwickelt ein Kind keine Ausdauer oder Selbstdisziplin.
Und wir Erwachsenen machen schließlich auch immer das, was uns liegt, ob es nun sinnvoll ist oder nicht.(gestresste Manager, die Ruhe bräuchten, laufen Marathon, träge Menschen machen Aromatherapie - ich habe Jahre gebraucht, um mir das einzugestehen)
Außerdem hängt es von den Umständen ab. In manchen Fällen bedeutet das: nein, du kannst nach dem Mittagessen nicht mehr raus, wir müssen gleich los, rein ins Auto, anschallen, halbe Stunde Fahrt, Parkplatzsuche, Mutter und Kind kommen gestresst an, dann wieder das Gleiche zurück, nebenbei noch kurz in den Supermarkt, was ja auch sein muss - und bis die Hausaufgaben gemacht sind, ist der ganze Nachmittag weg und das Kind hat sich gerade mal eine Stunde - wenn überhaupt - bewegt. Wenn das fünf Mal die Woche so läuft - dann würde ich als Mutter eigentlich eher zu einem Abenteuerspielplatz raten: Bäume klettern, schaukeln, im Matsch wühlen, um die Wette rennen - für ein Kind, das keine ganz konkrete Hilfe von Profis braucht, ist da eine Menge drin.
Und wenn er ausgepowert ist - dann kann man immer noch in Ruhe Tiere beobachten (ich kenne kein Kind, das das nicht mag) und schmusen und runterkommen.
(Bei einer kleinen Stadtwohnung und einem Yogastudio um die Ecke sieht das natürlich ganz anders aus. Und Kinderyoga ist auf keinen Fall irgendwie "schlecht"!)
Was du völlig kostenlos auf jeden Fall machen kannst: regelmäßige "Massagen" - vielleicht als Teil eines Gute-Nacht-Rituals, den ganzen Körper "abtasten", mit weichen Händen, aber einem relativ starken Griff, um immer wieder ein Gefühl für den ganzen Körper zu bekommen: alle Finger. Wusstest du, dass du zwei Knochen im Unterarm hast, die kann man fühlen. Hier sind deine Rippen, die bewegen sich beim Atmen - selbst hier, zwischen den Schulterblättern, Mann, hast du starke Oberschenkel etc. Und zum Schluss Decke drüber und noch Mal langsam und fest über den ganzen Körper streichen, von Kopf bis Fuss.
(Das ist natürlich nicht unbedingt Feldenkrais - aber wesentlich effektiver, als es sich anhört. Und für ältere Kinder, die sich allmählich zu erwachsen zum Schmusen fühlen, außerdem ein gutes Mittel, um in Kontakt zu bleiben )
Alex,
wenn du nicht gerade extrem gern reist oder Freunde in Berlin hast (da sitze ich), dann kommt mein Angebot für dich wohl nicht in Frage (sonst gern!).
Anbieter in ganz Deutschland findest du unter www.feldenkrais.de / Mitgliederadressen.
Ich würde einfach mal ein paar Leute anrufen und nachfragen, wer dir liegt und Erfahrung hat (kostenlose Einzelstunden bieten die Meisten leider nicht an).
Guter Tip (den hast du nicht von mir! sondern beim Recherchieren gefunden): in Frankfurt findet gerade wieder eine Ausbildung statt, die Trainer und Assistenztrainer geben manchmal nebenher Stunden - das ist die internationale Elite, sozusagen. Und die sind streckenweise wirklich unglaublich. www.feldenkrais-ausbildung.de / Frankfurt / Termine
Und ich denke schon, dass dein Kleiner dafür in Frage kommt (es sei denn, die ärztliche Indikation spräche dagegen - auch gegen Physio oder Ergotherapie und Bewegung im allgemeinen?). Genau kann dir das natürlich nur jemand sagen, der das Kind auch wirklich sieht und erlebt.
Gerade Frühchen lernen in den ersten Lebensmonaten im Krankenhaus, dass Bewegung unangenehme Konsequenzen hat - rechts ein Katheder, links ein Zugang, eine Sonde, ein ausgelöster Alarm. Das alles muss sein und rettet ihr Leben, keine Frage - aber für das Bewegungsverhalten bedeutet es eben auch: lass´ es sein. Bewegung ist schlecht und schmerzhaft.
Da kauft man den kleinen Würmern leider eine Menge Mumm ab, und beschneidet Möglichkeiten, die sie gehabt hätten. Aber zumindest das lässt sich nachholen.
Liebe Grüße erst Mal.
Und es ist Frühling! Juhu.
Dore Steinert
Schön zu hören, daß Du mit deinem Handicap so gut im alltäglichen Leben zurecht kommst! Genau das ist mein Ziel, daß auch mein Kind ein selbstständiges Leben führen kann und seine Körperbehinderung akzeptiert! Werde mich mit dem Thema "Feldenkrais" näher auseinandersetzen!
VlG
Sonja _________________ Sonja mit Nico (Arthrogryposis multiplex congenita Typ 1b)
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