Verfasst am: 10.03.2010, 13:34 Titel: Hat jemand Erfahrung mit einer Schulverlängerung?
Mein Sohn soll 2011 von der Schule gehen. Er geht auf eine KB-Schule.
Er hat letztens ein Praktikum in der Werkstatt gemacht. Er war in der Guppe für mehrfach-schwerstbehinderte, denn er kann nicht arbeiten.
Jetzt sagte man uns dort, sie können ihn nicht gerecht werden und die Werkstatt sei nichts für ihn. Sie sagten auch , es gibt eine Schulpflicht aber keine Werkstatt pflicht.
Zudem ist er körperlich weit zurück, es ist ein Krabbelkind, wird sondiert und gewickelt. Die KB- Schule ist für ihn perfekt. Wir wollen gerne das er weiter dort hin geht. Er wird zwar 2011 mit 19 Entlassen, aber dibt es nicht für solch einen Fall eine ausnahme. Er ist zur 17 Jahre alt, ist 1,16m große oder klein, in seiner Entwickung wie ein 3 jähriger. Da er tolle fortschritte machte in den letzten 4 Jahren, würden wir ihn gerne noch langer zur Schule schicken.
Hat jemand die selben Erfahrungen gemacht und kann uns Tipps geben?
Wäre sehr schön, denn ich habe viele schlaflose Nächte hinter mir. _________________ Domenic 1992 geboren hat das Cornelia de Lange-Syndrom
ich kenne mich nur ein wenig mit den gesetzlichen Bestimmungen bezüglich Schulbesuchsverlängerung für gb Schüler in Nds aus, weil ich selbst eine Abschluß-Stufe in einer Tagesbildungsstätte der Lebenshilfe leite und gerade für 3 meiner "fälligen" Schüler eine Verlängerung beantragt habe. Aber ich habe mal eben für Dich die Bestimmungen von NRW gegoogelt:
Schulgesetz NRW (Stand: 15. 2. 2010)
§ 19 Sonderpädagogische Förderung
(4) Schülerinnen und Schüler mit einer geistigen Behinderung, die ihre Schulpflicht erfüllt haben, sind bis zum Ablauf des Schuljahres, in dem sie das 25. Lebensjahr vollenden, berechtigt, eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt
Geistige Entwicklung zu besuchen, wenn sie dort dem Ziel des Bildungsganges näher gebracht werden können.
Demnach dürfte Domenic zumindestens in einer Förderschule für Geistige Entwicklung über seine reguläre Schulzeit hinaus weiter beschult werden - vielleicht läßt sich ja eine Ausnahmegenehmigung erwirken, so daß er an seiner gewohnten Schule bleiben darf ( da er dort ja entsprechend seines Entwicklungsstandes sicher auch nach den Richtlinien für GB unterrichtet wird )?
In welcher Werkstatt hat er denn Praktikum gemacht? Habe mal nach der Lebenshilfe bei Euch geschaut, die haben jedenfalls auch einen "Förderbereich für Schwerstmehrfachbehinderte", die meinem Verständnis nach genau das Richtige für Euch sein könnte ( oder war er bereits dort???). Bei uns ( LH Celle ) gibt es jedenfalls an die Werkstatt angeschlossen eine Fördergruppe für dieses spezielle Klientel. Dort wird mehr Wert auf Tagesstruktur, Pflege und Förderung gelegt - "Produktion" und "Werkstattfähigkeit" spielt dort meines Wissens nach keine Rolle.
Ich hab in meiner Klasse übrigens auch einen jetzt 18-jährigen"Syndrom-Kollegen" Deines Sohnes, der körperlich allerdings nicht so schwer betroffen ist. Aber er ist schon ein reizendes Paradiesvögelchen: manchmal eine wahre pädagogische Herausforderung, aber auch Quell von Heiterkeit und Lebensfreude. Er hat gerade sein erstes Praktikum in der "GmbH" ( unserer Werkstatt-"Gruppe mit besonderen Hilfen" ) ganz stolz gemeistert...
Hoffe, ich konnte Dir etwas helfen?! Alles Gute für Euch!
Liebe Grüße
Anne _________________ Anne&Thomas (43&47) mit David (9),Judith (8) & HANNAH (4) - Mitochondriopathie ("Morbus Leigh"), Entwicklungsverz., Ataxie, Stammhirnschädigung mit zentr.Koordinationsstörungen beim Sehen,Schlucken,Atmen&Herzfrequenz,daher Button&Tracheostoma, GuK, z.N. nächtl. Beatmung & Betablocker -> es hat sich schon viel regeneriert!!!
P.S.:
Mögliche Begründung für die Schulbesuchs-Verlängerung könnte ja vielleicht sein, ihn durch weitere schulische Förderung gezielt auf den Besuch in der Fördergruppe vorzubereiten, um seinen "beruflichen" Werdegang überhaupt erst ermöglichen zu können?! Sprecht doch mal mit Domenics Lehrer / Schulleiter!
Ansonsten muß es doch auch "berufliche" Alternativen für Euren Jungen geben, d.h. pädagogische, tagesstrukturierende und pflegerische Betreuung nach der Schule. Man kann ja wohl schlecht von ihm und Euch erwarten, daß er anschließend bis zur Rente und darüber hinaus zuhause herumsitzt?
LG Anne! _________________ Anne&Thomas (43&47) mit David (9),Judith (8) & HANNAH (4) - Mitochondriopathie ("Morbus Leigh"), Entwicklungsverz., Ataxie, Stammhirnschädigung mit zentr.Koordinationsstörungen beim Sehen,Schlucken,Atmen&Herzfrequenz,daher Button&Tracheostoma, GuK, z.N. nächtl. Beatmung & Betablocker -> es hat sich schon viel regeneriert!!!
das ist echt lieb von Dir das Du Dich so schnell gemeldet hat. Prima. Natürlich hast Du mir schon weiter geholfen.
Bevor er aud diese KB Schule ging, war er vorher auf eine GB-Schule hier im Ort.
Beim Wechsel stand das körperliche im Vordergrund. Er hat seit dem er auf diese KB-Schule geht, Mengen an Fortschritten gemacht. Er bekommt viele Tehrapien die er auf der GB- Schule nicht hatte. Dort bekam er nur KG und war mit seinem Einzelbetreuer fast nur alleine unterwegs. er hat seit Jahren einen eigenen Betreuer, da soniert werden muß, Hilfe beim Essen benötigt. Er ißt fast alleine mit dem Löffel. Da er eine große Magen Op (Fundoplikatio nach Nissen) hintersich hat, darf er nur kleine aber viele Mahlzeiten einnehmen. Die Ernährung und seine ganze Pflege ist so aufwändig, das er seit Jahren einen Einzelbetreuer hat. Die Schulen konnte ihm ohne Betreuer nicht gerecht werden. so auch die Lebenshilfewerkstatt hir im Ort. Zudem ist Domneic noch gar nicht soweit eine Werkstatt zu besuchen. Finde es viel zu früh wegen seines Entwicklungsstandes. Ich hatte mit seinem Lehrer schon darüber gesprochen, aber er sagte er könne das nicht entscheiden, sondern die Konferenz.
Bevor ich mit der Schulleitung speche, wollte ich mir vorher Infos einziehen. Denn ich habe angst, das es abgelehnt werden könnte und wir keine Cahnce mehr haben. Ich habe auch schon daran gedacht ihn wieder auf eine GB-Schule zu bekommen. Denn ich weiß, dort könnte er lange hingehen.
Aber die Therapien an seiner Schule sind einfach nur genial. Er bekommt 2 mal KG, Reitherapie, sie haben ein eigenes Scwimmbad im Hause. Domenic würde diese Schule arg fehlen, weil er dort richtig gerne hingeht und auch nachts viel besser schläft als sonst. Er ist sehr ausgeglichen.
Weißt Du vielleicht, ob er an diese Schule auch bis 25 Jahre gehen könnte, oder soll ich lieber wechseln?
Denn ich galube in Ausnahmefällen bekommt man dort nur 1 Jahr verlängert.
Ich bin schon dabei mir viele Entwicklungsberichte und Empfehlungen einzuholen, die eine Schulverlängerung bei meinem Sohn zu Grunde liegt.
Drücke uns die Daumen.
Da wo er das Praktikum gemacht hat, ist er ein Ausnahmefall und könnten ihm nicht gerecht werden. Obwohl es eine spezielle Gruppe ist, die auch mit Produktion nichts zu tun haben. Aber dennoch hatten sie noch nie ein Krabbelkind. Der Leiter dieser Werkstatt hat auch gesagt, er soll doch lieber auf eine Schule weiter gehen.
Ich glaube bei seinem Klassenlehrer muß ich noch viel Überzeugungsarbeit leisten.
Er kennt ihn fast gar nicht, da Domenic viel mit dem Einzelbetreuer unterwegs ist.
Domenic fährt viel Fahrrad, läuft mit seiner Gehhilfe und im Klassenverband hat er nur Musikunterricht. Sonst sind sie viel ausgegrenzt.
Damals auf der GB-Schule drufte er jahrelang nur bis Mittag die Schule besuchen, weil sie nicht das Personal hatten, Domenic gerecht zu werden. In all den Jahren hatten wir schon so viel Kraft aufwenden müssen um Domenics Rechte zu kämpfen. So langsam gehen meine Kräfte den Bach runter.
Aber das er zu Hause ist, bis zur Rente, geht gar nicht..zu mal ich ja auch nicht jünger werde.....grins.....Ich will halt nur das Beste für meinen Sohn.
Vielen Dank für Dein offenes Ohr......tut gut alles los zu werden.
PS wissen die Eltern von Domenic´s Syndrom Kolegen das es unseren Verein gibt?
Und seit neustem auch ein Forum
danke, ja ich glaube, der Papa unseres Schülers ist Mitglied einer Selbsthilfegruppe, weiß nur nicht genau, welche. Gibt wohl unterschiedliche?! Er hat uns jedenfalls mal ne Info-Broschüre mitgegeben...
Also rechtlich kann ich Dich leider gar nicht beraten, hab einfach zuwenig Ahnung. Zumal wir ja in unterschiedlichen Bundesländern sitzen.
Aber hier ein paar eher pädagogische Gedanken zu Eurem Thema:
Schaut Euch bitte rechtzeitig nach anderen Betreuungsformen für Euren langsam erwachsen werdenden Domenic um. Auch was das Wohnen betrifft - selbst wenn es Dir jetzt und heute noch viel zu früh erscheint. Irgendwann muß evtl schnell einmal eine Entscheidung her - und dann ist es gut, sich vorher schlau gemacht zu haben...
Jetzt ist noch Zeit, für die Zukunft Eures Jungen die Weichen zu stellen, vielleicht Anregungen für Veränderungen in den Einrichtungen zu geben, langsame Prozesse ins Rollen zu bringen, damit Ihr später ernten könnt.
Hat Euch der LH-Kollege in der Fördergruppe denn Alternativen für "nicht werkstattfähige" junge Leute genannt? Oft sind Wohneinrichtungen für Schwerstbehinderte mit "Tagesstrukturierenden" Gruppen ausgestattet, wo die Leute eben den Tag verbringen und nach Möglichkeit weiter gefördert werden. Ob es sowas bei Euch irgendwo gibt und ob dort z.B. auch Externe betreut werden können ( solange Domenic noch daheim wohnt ), müßtet Ihr selbst herausfinden.
Was Domenics Entwicklungsstand angeht, so kann ich mir gut vorstellen, daß Ihr Euch mit dem Thema "Werkstatt" und "Arbeitsleben" schwer tut. Wenn er noch weiter an seinen Fortschritten anknüpfen kann, selbständiger und stabiler wird, so kann es in ein paar Jahren ja vielleicht schon ein wenig anders aussehen. Aber manche unserer Leute werden nie einen Entwicklungsstand erreichen, mit dem sie "werkstatt-tauglich" , d.h. produktiv tätig werden könnten. Und trotzdem können sie ja nicht den Rest ihres Lebens in den Schulen verbleiben...
Erkundige Dich doch mal beim Sozialamt, bei dem Behindertenbeauftragten, bei der Reha-Abteilung der Argentur für Arbeit oder beim Sozialdienst der LH-Werkstatt nach Alternativen, wenn Domenic selbst für die Fördergruppe zu hohen Hilfebedarf haben sollte. Vielleicht kann er später ja auch übers "persönliche Budget" einen Intergrationshelfer selbst bezahlen, der ihn so wie jetzt in der Schule in der Werkstatt betreut?
Sollte ein längerer Verbleib auf der KB-Schule nicht gehen, so weiß ich nicht, wann ein Wechsel auf eine GB-Schule sinnvoll wäre. Die Therapien an der jetzigen Schule bis zur letzten Möglichkeit voll auskosten? Oder durch einen zeitigen Wechsel die Eingewöhnung an der neuen-alten Schule erleichtern, zumal dann die Schulbesuchs-Verlängerung wohl einfacher durchzusetzen wäre, als wenn Domenic erst auf der KB-Schule ausgeschult werden würde und dann womöglich Probleme auftauchen, ihn auf der anderen Schule neu unterzubringen?
Gut, daß Du schon jetzt beginnst, Erkundigungen einzuholen! Es sit eine vielschichtige Thematik, die Berdenmühlen mahlen langsam, oft müssen Zuständigkeiten geklärt werden etc.
Ich wünsche Euch dafür viel Geduld und noch mehr Erfolg!
Herzliche Grüße
Anne _________________ Anne&Thomas (43&47) mit David (9),Judith (8) & HANNAH (4) - Mitochondriopathie ("Morbus Leigh"), Entwicklungsverz., Ataxie, Stammhirnschädigung mit zentr.Koordinationsstörungen beim Sehen,Schlucken,Atmen&Herzfrequenz,daher Button&Tracheostoma, GuK, z.N. nächtl. Beatmung & Betablocker -> es hat sich schon viel regeneriert!!!
ich danke Dir für Deine Anregungen, von Herzen.
Wir werden wohl einen Schulwechsel auf eine GB- Schule anstreben, bevor er entlassen wird. Aber ich werde noch Gespräche führen.
Da ich Morgen mit meinem Sohn auf Eltern-Kind-Fahrt mit der Schule auf den Weg in die Eifel mache, gibt es bestimmt Gelegenheit mit den Lehrern in Ruhe zu sprechen.
Ich kann mich ja noch mal melden, wenn alles in trockenen Tüchern ist und wir eine gut Lösung für meinen Sohn gefunden haben.
Für euch alles Gute, vor allem Gesundheit und ich bin Dir sehr dankbar
Herzlichst Michaela _________________ Domenic 1992 geboren hat das Cornelia de Lange-Syndrom
ich wünsche euch beiden gaaaanz viel spaß auf der fahrt.
liebe grüße
Hallo Anja,
vielen lieben Dank. Hab soweit schon alles gepackt. Gregor kommt gleich und wir freuen uns auf das gemeinsame lange Wochenende. Kommen erst Montag Abend zurück und am Dienstag haben die Kinder die mitfahren schulfrei. Domenic hat zur Zeit dollen Schnupfen uns Husten....wie das nun mal so ist, wenn man was tolles vor hat.
Wir drücken Euch und bestell liebe Grüße zu Hause.
Was macht Domenic? Gehts ihm gut, oder macht er immer noch so Probleme? Kopf hoch Süße
Micha _________________ Domenic 1992 geboren hat das Cornelia de Lange-Syndrom
ich freue mich, wenn meine Gedanken für Euch hilfreich sind. Habe selbst hier schon so oft Unterstützung und Aufmunterung erfahren, daß ich nur froh bin, etwas davon weitergeben zu dürfen.
Eltern-Kind-Fahrten? Interessant! So ein Konzept kenne ich gar nicht. Berichte doch mal bitte kurz, wenn ihr zurück ( und halbwegs vom Streß erholt ) seid.
Auf daß es eine tolle Freizeit wird!
Alles Gute und viele liebe Grüße
Anne _________________ Anne&Thomas (43&47) mit David (9),Judith (8) & HANNAH (4) - Mitochondriopathie ("Morbus Leigh"), Entwicklungsverz., Ataxie, Stammhirnschädigung mit zentr.Koordinationsstörungen beim Sehen,Schlucken,Atmen&Herzfrequenz,daher Button&Tracheostoma, GuK, z.N. nächtl. Beatmung & Betablocker -> es hat sich schon viel regeneriert!!!
ja, ich empfinde es ganuso. Wenn ich Hilfe geben kann, mache ich es auch. Dieses Forum ist einfach toll.
Hatte damals schon ganz tolle Hilfe von einer sehr netten Dame hier, die uns beim Förderortwechsel sehr geholfen hat.
Ja, diese Eltern-Kind-Fahrt ist einfach toll. Es ist schon unsere dritte.
Hier ein Link zur Schule. http://kmschulewuppertal.de/cms/
.unter Sonderfahrten findest Du die Eltern-Kind-Fahrt. Unsere Schule hat dafür sogar mal einen Preis bekommen.
Es geht für uns schon zum 2ten mal in die schöne Eifel in einem perfekten Haus der Caritas. http://www.caritas-lebenswelten.de/.....sefshaus-klinik-mitte.htm
Deine Gedanken sind einfach hilfreich und Du hast mir sehr geholfen.
Liebe Grüße nach Celle aus Remscheid Michaela
PS. werde mich melden wenn wir zurück sind und gebe kurzen Bericht.
Bleibt gesund _________________ Domenic 1992 geboren hat das Cornelia de Lange-Syndrom
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