Verfasst am: 09.03.2010, 11:20 Titel: Wie bekommen wir einen Schulbegleiter?
Hallo zusammen,
So richtig weiss ich nicht wo ich Anfangen soll zu schreiben...
Ich versuche es mal (das schreiben liegt mir leider nicht so...also wenn ich mich einmal unmissverständlich ausdrück-bitte nachhaken ))
Ich beschreibe euch erst mal meinen grossen Schatz:
Mein Sohn Kevin ist ein ehemaliges Frühchen aus der 28 SSW. Kevin wird im Sebtember 6 Jahre alt und er wird nächstes Jahr eingeschult-Regelschule-mit GU
Er hat einige defizite, in Unterschiedlichen Bereichen (Wahrnehmungsstörungen in fast allen Bereichen) Muskelhypoton und eine allg. Entwicklungsverzögerung, er hat einen SBA von 30.
Kevin sieht auf den ersten Blick (für laien auch auf den 2. Blick) wie ein gaaaanz "normales" Kind aus, erst wenn man genauer hinschaut merkt man es....
Kevin war 2 Jahre in einem Heilpädagogischen Kindergarten, dank seiner guten Entwicklung konnte er letztes Jahr in eine Regeleinrichtung wechseln-mit einer Integrationskraft, ich möchte noch kurz erwähnen das die Kindergartengruppe auch nur aus EINER GRUPPE besteht, es sind nur 25 Kinder in dieser Einrichtung.
So, nun beginnt ja im Herbst dieses sogenannte AOSF - Verfahren, ich denke mal das es nicht das grosse Problem sein wird, die GU Schule bewilligt zu bekommen (wir haben uns diese Schule im Vorfeld schon angeschaut)-und sind der Meinung das er dort gut aufgehoben wäre....aber
jetzt kommt das "eigentliche Problem":
Kevin ist sehr unselbstständig, er braucht viel Hilfe, bei alltäglichen Dingen, wie zum Beispiel das Anziehen, Toilletengang, etc. Die Feinmotorik ist auch ein grosses Problem von Kevin-er kann nicht malen....wir waren vor wenigen Wochen noch bei Dynamischen kritzelbewegungen, jetzt beginnt er mit dem ausmalen, mal klappt es besser-mal schlechter.
Er braucht auch oft einfach nur die Sicherheit: da ist jemand, der passt auf mich auf...
Kevin hängt sehr an seiner Erzieherin (die I-Kraft aus dem Kiga) er rennt ihr oft hinterher, wenn Sie mal einen Tag nicht da ist, ist Kevin sehr unausgeglichen, er jammert und weint dann ohne erkennbaren Grund.
Er hat leider auch nicht das beste Selbstbewusstsein, er traut sich so vieles nicht zu, er sagt oft ich kann das nicht...hilf mir..etc.
Auserdem ist Kevin ein absoluter Träumer, man muss ihm alles sooo oft sagen bis er es dann macht, was er soll.
Ich weiss das er auch nächstes Jahr im Sommer nicht so weit sein wir das er alleine gut klar kommen wird, er wird eine Person brauchen die Ihm sagt was er machen soll.
WIR, bzw. KEVIN BRAUCHT AUF JEDEN FALL EINEN SCHULBEGLEITER.
Wir leben übrigens in NRW, ich habe gehört das es sehr schwierig sein soll einen Schulbegleiter bewilligt zu bekommen, das macht mir grosse Sorgen, da ich ja auch weiss wie Kevin "rüber kommt" er ist ja ein fittes Kerlchen, wie ich schon oben erwähnt habe wirkt er nicht "anders" als andere...
IST ER ABER.
Ach, Mensch, was mache ich bloß, wie kann ich gut argumentieren, das Kevin diese Unterstützung braucht???
Ich bin euch für alle Tipp´s sehr, sehr dankbar.
Sorry, das es so lang geworden ist.....
P.S Eine Förderschule kommt für Kevin übrigens nicht in Frage, da wir hier leider nur Förderschulen haben, die einen sehr schlechten Ruf haben-es ist eine Tatsache, das man dort sein Kind nicht hinschicken dürfte.....
Hallo Bea,
man könnte meinen, dass Du meinen Sohn (14) beschreibst. Auch er ist ein ehemaliges Frühchen (25.SSW) und hat seit Jahren mit denselben Problemem zu kämpfen, wie Du sie beschreibst. Er hat aber zudem noch eine Halbseitenlähmung links, wobei besonders der Arm betroffen ist. Auch ihm sieht man auf den ersten Blick seine Vielzahl an Problemen nicht an und in der Grundschulzeit wurde ihm das immer als Faulheit und Unselbständigkeit ausgelegt. Er hatte damals noch keine Schulbegleitung und musste versuchen, mit nur einer Hand zeitgleich mit den nichtbehinderten Kindern mitzukommen. Allein das Bereitstellen der Arbeitsmaterialien dauert ewig, zeichnen fällt ihm sehr schwer und er ist auch ein Träumer, der immer mal wieder an seine Aufgaben erinnert werden muss. Beim Ankleiden hat ihm auch keiner geholfen, so dass er auch bei Frostgraden ohne Jacke auf mich vor der Schule gewartet hat oder auch so in die Pause gegangen ist. Er tat uns dann schon oft leid, aber, wie Du es auch beschreibst, eine Förderschule ist auch keine echte Alternative, weil Joel sich auch stets an den Leistungen der anderen orientierte und auch viel lernte. Jetzt geht er aber auf die wohnortnahe Realschule und er hat dort eine liebevolle Schulbegleitung, die ihm hilft, wenn er es benötigt. Dadurch läuft alles viel besser. Sie hilft ihm z.B., wenn er mal nicht mit dem Abschreiben mitkommt, "weckt" ihn bei Bedarf auch mal auf ind vieles mehr. Joel war auch schon immer sehr erwachsenenorientiert. Er sucht bei Ihnen immer noch etwas den Schutz. Joels Behinderten grad liegt allerdings aufgrund seiner Halbseitenlähmung und einer Epilepsie bei 60% (bisher sogar bei 70% mit den Merkzeichen "B" und "G" und "H""). Er hat auch eine Pflegestufe, so dass eine Genehmigung der Schulbegleitung für uns sicherlich erheblich leichter war. Wir haben aber leider erst sehr spät davon erfahren, dass es so etwas gibt. Ich kann aber eine Schulbegleitung allen Kindern, die Hilfe brauchen, nur wärmestens empfehlen. Es gibt übrigens 3 Qualifikationsgruppen der Schulbegleiter. Vielleicht reicht es ja bei Deinem Sohn für eine Schulbegleitung mit der geringsten Qualifikation (z.B. Ziwi). Ich drück Euch die Daumen!
Viele Grüße
Ellen
erstmal danke für deine Antwort. Es ist doch immer wieder schön nicht alleine dazu stehen.
Ich hoffe es können mir noch mehr Mitglieder hier bei REHAkids weiterhelfen und mir Tipps geben wie ich am besten argumentieren kann um einen Schulbegleiter durchzusetzen.
Ja, liebe Ellen, auch ich habe gemeint du beschreibst meinen Sohn, Kevin würde sich wohl auch nie die Jacke zu machen, er würde es wohl einfach vergessen.
den Schulbegleiter für Deinen Sohn musst Du möglichst frühzeitig beim Sozialamt beantragen - er wird über die Eingliederungshilfe finanziert. Du solltest - soweit vorhanden - Berichte von Ärzten, Kita, SPZ etc. beilegen, damit der Amtstarzt sich ein Bild von ihm machen kann. Auch ein Schreiben der Schule, in dem sie die Notwendigkeit einer Schulbegleitung bestätigt, wäre hilfreich. Danach steht mit Sicherheit eine Vorstellung beim Amtsarzt an. Falls Dein Antrag abgelehnt wird, was nicht unwahrscheinlich ist, weil alle Kommunen versuchen, Geld zu sparen, wo sie können , solltst Du unbedingt Widerspruch einlegen. Das ist uns auch schon zweimal passiert, obwohl die Sachlage bei meinem Sohn wahrscheinlich eindeutiger ist (Rolli-Fahrer), aber jedes Mal wurde unserem Widerspruch stattgegeben. Wenn nicht, hilft nur noch die Klage vor dem Sozialgericht.
Guten morgen,
allso, man kann es über das Sozialamt machen, es über das Jugendamt und sogar über das Schulamt.Mein Sohn kommt ja in die Weiterührende Schule und hat ein H im SBA und eine Wahrnehmungsstörung.Und wir bekomen es über das Jugendamt, aber leider nicht"offiziel",da ich gegen das JA gerade Klage beim sozialgericht, dieser wird bei uns anders "verechnet",sprich wir haben ein diel. Manchmal muß man auch auf sowas eingegehn.
Es könnte ein problem geben wen die Komune kein Geld hat, und es wird defintiv auch dei Frage gestellt ob es nicht besser wäre ein Föderschule(das Schulamt würde auf dei Föderschule bestehen).
Das sind so die Schienen wo sie die Ämter gerne abwälzen udn natürlich die Zuständigkeit.
Es ist nicht einfach, den sowas kostet.Aber denke mit etwas ellenbogenkraft bekommt man das auch hin, und zur Not kann man Klagen, aber da sollte man realistisch sein, Klagen kann verdammt lange dauern(bei uns schon 1,5jahre)...lg felicitas
Hallo Bea,
bei uns war der DRK (FED), der jetzt auch den Schulbegegleiter stellt, von Anfang an bei der Antragsstellung behilflich. Das war ein großer Vorteil, weil die sich mit der Rechtslage sehr gut auskannten und uns gut beraten haben. Vielleicht findest Du ja bei Euch in der Gegend auch eine Institution, die Dir beim Antrag stellen behilflich sein kann.
Viele Grüße
Ellen
Hallo Bea,
hier noch ein kleiner Tipp, gegen die Förderschule könnt ihr euch auf jeden Fall wehren. Deutschland hat (ich glaube 2006) einer UN Bestimmung zugestimmt, die die Inklusion von Behinderten fördert. Da steht im Endefekt drin, dass alle Kinder (egal welche Behinderung) ein Recht auf Beschulung in einer Regelschule haben und diese Schule (wohnortnah) die Vorraussetzungen für diese Inklusion (nicht mehr nur Integration) schaffen muss. Google mal ein bisschen nach Inklusion und UN, da findet sich sicher einiges hilfreiches. Für uns steht das Problem diese Jahr auch, aber wir haben hier zwei sehr gute Kö Schulen und hoffen nun das er in die für uns nähere eingeschult werden kann, eventuell sogar in eine Kooperationsklasse in einer "normalen" Grundschule.
Liebe Grüße
Kathleen _________________ Mama von A. 05/04, ICP nach Mediainfarkt links, Hemiparese rechts und J. 5/07
wir möchten auch einen Schulbegleiter für unseren Sohn haben.
Ich habe schon mit dem Sozialamt gesprochen. Die haben mir gesagt, wenn die ASOF-Testungen laufen, kann man dies beantragen kann.
Am 19.3. müssen wir nochmals zum Gesundheitsamt.
Und unsere Frühförderstelle hat uns gesagt, wir sollen den Antrag mit "Hilfe zum Leben" begründen. Dazu gibt es auch wohl einen entsprechenden Paragraphen.
Unser Sohn ist ähnlich wie euer. Zum Glück geht er mit 7 in die Schule (wir haben ihn erfolgreich zurückgestellt)
Sodas er vieles in diesem geschenkten Jahr aufholen konnte.
Durch seine auditive Wahrnehmungsstörung bekommt er manchmal nicht alles mit oder er schaltet ab wenn es zu schwer wird es zu zuverstehen. Und deshalb brauch er jemanden, der ihn dabei unterstützt. Denn ein Lehrer schafft dies nicht allein in der Klasse.
Die Therapeuten (Ergo, Logo, Frühförderung) haben schon angefangen nach dem IntraAct Konzept mit ihm Konzentration und Lesen zu lernen. Und er kann es.
Wir sind der Meinung, das er die Regelschule als GU-Schüler schaffen kann. Und wollen deshalb auch eine Schulbegleiter.
Vielleicht können wir uns ja mal austauschen, wir kommen auch aus NRW.
Gruß Deborah _________________ D. *70
M. *69
R. *05/01 Kiss
T. *01/03 sprachlich und motorisch entwicklungsverzögert, auditive Wahrnehmungsstörung, Neurodermitis (ohne Symthome, da er mit der Pekur-Creme behandelt wird)
Eine gute Ausbildung ist fast so wichtig wie eine fordernde Mutter.
Charles M. Schulz
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