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Integr. Beschulung eines mehrfach-beh. Kindes - Erfahrungen?
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melle tigerente
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BeitragVerfasst am: 20.06.2010, 19:40    Titel: Antworten mit Zitat

hallo sabine, unsere tochter kann einen stift halten, aber nicht allein malen, eher isst sie den stift auf Surprised) aber blind oder taub ist sie nicht, du hast natürlich recht, dass es kinder gibt, die noch größere schwierigkeiten haben, leider. heute ist unser besuch (ein schulfreund von unserer tochter mit bruder und eltern) wieder nach einem schönen wochenende nach hause und sagte "merlina ist trotzdem süß und wir helfen ihr alle, damit sie ganz viel lernt und von uns abkucken kann". er schiebt den buggy wenn wir unterwegs sind, rückt die brille zurecht, streichelt sie, zieht jacke und schuhe an, kuckt mit ihr buch an,... und das können wir von fast allen kindern in ihrer klasse erfahren (das ist keine 1:1 betreuung, es ist ungefähr eine 15 zu 1 betreuung). auch meinen sie oft zu anderen kindern, welche aus anderen klassen nicht soviel mit merlina zu tun haben, "passt auf, unsere merlina"...früher hatten wir solche kontakte kaum, merlina hat auch keine geschwister, welche gesunde kinder mitbringen und für uns persönlich ist es wirklich gut so.
schönen abend noch, lg, melle.

_________________
Merlina / 12 Jahre / partielle Trisomie 2 p / besucht 6. Klasse der Waldorfschule als Integrativkind /Ergotherapiepraxis für Kinder und Jugendliche
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AnnaL
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BeitragVerfasst am: 21.06.2010, 15:09    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Leute,

ich weigere mich, von meinem Kind Dinge zu verlangen, die es einfach nicht kann. Ich weigere mich aber auch, ihn deswegen von dem normalen Leben auszuschließen.
Vor kurzem habe ich einen sehr schönen Vortrag einer Lehrerin aus Wien gehört. Sie sprach davon, dass sie fest davon überzeugt ist, dass ihre schwerstkranke schwerstmehrfachbehinderte Schülerin sicher nicht so lange glücklich gelebt hätte, wäre sie nicht in ihrer integrativen Klasse gewesen.
Und das glaube ich auch von meinem Sohn. Sicherlich mache ich Dinge mit ihm, die andere Eltern nicht machen würden. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass gerade das ihn glücklich macht.
Wenn mein großer Sohn mit körperlichen Schrammen oder seelischen Verletzungen nach Hause kommt, dann ist das normal. Er wächst heran mit gleichaltrigen Rabauken wie er einer ist. Im Leben käme ich nicht auf die Idee, ihn deshalb in eine Sondereinrichtung zu geben. Das Leben muss eben auch mal weh tun, damit man es spürt.
Ich habe dem großen erzählt, dass es rein basale, sprich Klassen mit Kindern ausschließlich wie David gibt. Ein großes Fragezeichen blinkte auf seiner Stirn. „Was bringt das?“ Ich weiß es auch nicht.
Ich kenne mitlerweile viele Eltern, die den Schritt wagen, auch mit sehr kranken und behinderten Kindern.
Ich verurteile niemanden, der sich anders entscheidet.
Aber der Kopf ist nun mal rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.
Natürlich sollen die Bemühungen um Inklusion nicht auf dem Rücken von egal wem ausgetragen werden.
Aber wenn die Menschen immer nur darauf gewartet hätten, das die Welt sich ändert, wenn Niemand bereit und in der Lage gewesen wäre für wichtige Veränderungen zu kämpfen...

Ich sitze hier oft und lecke meine Wunden. Aber ich weiß auch warum. Und ich freue mich ganz besonders, wenn meine „Kämpfe“ auch anderen Menschen zugute kommen, die nicht die Kapazitäten haben, und auf den scheinbar einfacheren Weg angewiesen sind.

Liebe Grüße
Anna
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EmanuelsMama
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BeitragVerfasst am: 21.06.2010, 15:23    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Anna,

das hast du toll geschrieben.

Ich hoffe sehr, dass ich mit Beginn des neuen Schuljahres auch über die (guten) Erfahrungen berichten kann.

Gruß, INgrid

_________________
Ingrid (Jg. 1968) und Arno (Jg. 1968), Emanuel (*08/2003, +03/2011 nach PEG-Anlage) und Elisabeth (*09/2006). Beide Kinder haben eine massive globale Entwicklungsstörung. Kein Laufen/Krabbeln, keine Sprache, Hypotonie, kein selbständiges Essen. Aber Spaß am Leben. Emanuel war seit 07/2010 I-Kind an einer Regelgrundschule.
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Sabine
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BeitragVerfasst am: 21.06.2010, 15:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anna,

schade, dass du keine einzige meiner Fragen, die ich dir gestellt habe, beantwortet hast.

LG
Sabine

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angela
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BeitragVerfasst am: 21.06.2010, 18:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

ich stolpere gerade über den Thread.
AnnaL hat folgendes geschrieben:
Aber der Kopf ist nun mal rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.
Anna, ich finde das einen wunderschönen Satz. Wink
AnnaL hat folgendes geschrieben:
Ich habe dem großen erzählt, dass es rein basale, sprich Klassen mit Kindern ausschließlich wie David gibt. Ein großes Fragezeichen blinkte auf seiner Stirn. „Was bringt das?“ Ich weiß es auch nicht.
Und diese Frage möchte ich gern knapp beantworten. Die immer schwächsten Schüler einer Klasse können unter Umständen EINMAL die Stärksten in so einer Klasse sein. Wink

Mein Großer ist auch ein mehrfachbehindertes Kind und selbst in seiner Klasse an einer gB-Schule seit Jahren der Schwächste. Dank des basalen Kurses ist er dort der Stärkste - ich finde seinem Selbstbewußtsein tut das auch mal ganz gut. Wink Und er zeigt es, daß andere mal schwächer sind als er - er genießt es und irgendwie sag ich, das darf er auch.

Alles hat zwei Seiten (oder mal rund gedacht) und für meine Kinder gesprochen ist es die beste Wahl, die Förderschule. Eh ein Aufschrei kommt - ich spreche nur für meine Kinder. Das andere, auch schwerstbehinderte, Kinder an Regelschulen gut mitkommen bezweifle ich gar nicht, aber in unsrem Fall ist eben die Förderschule das Beste .

LG - Angela

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Anan
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BeitragVerfasst am: 21.06.2010, 19:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ihr,

ich habe es schon irgendwo mal geschrieben - ich glaube, dass gerade Kinder und Jugendliche mit sehr schweren Behinderungen in einem integrativen Umkreis möglicherweise sogar mehr soziale Kontakte haben als in einer Klasse mit anderen Kindern und Jugendlichen mit ähnlich schweren Behinderungen.

Der Jugendliche, den ich begleite, kann körperlich nur sehr wenig. Er kann beispielsweise die eigene Mimik nicht vollständig kontrollieren, hat Schwierigkeiten mit der Kontrolle der Blickrichtung und der Kopfkontrolle und kann sich kaum lautsprachlich äußern. Von sich aus Kontakt aufzunehmen mit anderen Kindern/Jugendlichen fällt ihm trotz Interesse an anderen sehr schwer. Auch in der KB-Schule ist er, @ Angela, meist der Schwächste.
Jahrelang besuchte er deshalb eine Klasse für Schwerstmehrfachbehinderte. Dort hatte er überhaupt keinen Kontakt zu den anderen Kindern. Nur zu erwachsenen Personen. Dann wechselte er in eine Klasse mit weniger stark behinderten Kindern. Dort hat er zumindest ein wenig Ansprache.

Immer, wenn ich diesen Jugendlichen in einer Gruppe nicht behinderter Kinder und Jugendlicher sehe, dann lebt er auf. Denn auf Ansprache kann er reagieren, kann Fragen beantworten. Es gibt Situationen, in denen seine Behinderung noch nicht einmal auffällt - zum Beispiel, wenn er gemeinsam mit anderen Jugendlichen seines Alters irgendwelche witzigen Youtube-Filme ansieht.
Ich bin 100%ig sicher, dass dieser Jugendliche trotz seiner schweren Behinderung mehr gelernt hätte und besser integriert wäre, wenn er eine Regelschule besuchen würde. In der Sonderschule gab es zumindest in der Grundschulstufe nur ein Klassenziel (basale Förderung) - daneben blieb kaum Zeit, sich um individuelle Bedürfnisse zu kümmern. Kognitive Fähigkeiten blieben so sogar verborgen oder wurden zumindest durch die Schule weder wahrgenommen noch gefördert.

Natürlich ist das nur ein sehr subjektiver Einblick. Und natürlich bräuchte dieser Jugendliche auch mehr, als eine durchschnittliche Regelschule bieten könnte - individuelle Begleitung, ein vernünftiges Klo, Hilfsmittel zum Sitzen, Liegen, Stehen, einen Sonderpädagogen und extra Förderstunden. Aber nur, weil es das jetzt nicht gibt, heißt das ja noch lange nicht, dass es das nicht geben soll oder geben kann.

Und deswegen finde ich es sehr bewundernswert, wenn sich Eltern entgegen allen Bedenken durchsetzen und dafür kämpfen, dass ihre Kinder so unterrichtet werden, wie es für genau diese Kinder das Optimale ist. (Und das kann ja dann durchaus auch eine Förderschule sein. Eltern wissen doch meist, was zu ihrem Kind am besten passt.)

Einen Gruß
Anan.

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angela
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BeitragVerfasst am: 21.06.2010, 19:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anan,

das mag alles richtig sein! Es kommt nur für meine nicht in Frage. Wink
Was ist beispielsweise mit der Überforderung Dank Lautstärke an einer Regelschule (trifft bei meinen massiv zu)? Mein Junior hat bei normalem Anfassen oder leichtem Schubsen sofort einen Anfall - nicht prickelnd!
Es müssen viele individuelle Besonderheiten bedacht werden. Und zwar die, die neben dem Lernen ansich stehen.

Ich sag ja nicht das es integrative Beschulung auch mehrfachbehinderter Kinder nicht geben soll Wink - wo es paßt - gern!

LG - Angela

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Sabine
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BeitragVerfasst am: 21.06.2010, 19:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Anan,

ich sehe es auch so wie Angela - wenn es passt, bin ich auch für integrative Beschulung.
Diejenigen, die ihr Kind integrativ beschulen lassen, sind aber meist vehement gegen Förderschulen, Schwebi-Klassen etc. ohne zu überlegen, dass es meistens schon seinen Sinn hat, dass die Kinder diese Klassen besuchen. Mein Sohn hat ja einige Unterrichtseinheiten auch noch mit weniger stark beeinträchtigten Kindern, eben da, wo es Sinn macht (Musik, Werken, Kunst). Ich finde es nur wirklich schwachsinnig, ein mehrfachbehindertes Kind, dass auch geistig schwer eingeschränkt ist, im Namen der Integration mit Matheformeln zu beschallen, es einfach nur dabeistehen zu lassen und dann von "Integration" zu sprechen. An einigen Schulen passiert das tatsächlich, oft ist es aber auch so, dass die mehrfach behinderten Kinder dann doch aus dem Unterricht geholt werden und anders beschäftig werden, Therapien haben etc. Letzten Endes haben sie dann - genau wie mein Sohn - dann auch nur bestimmte Unterrichtseinheiten wie Sport oder Musik mit der Regel- oder I-Klasse.
Es gibt zudem mehrfach behinderte Kinder, die extrem unruhig sind, dauerhaft stark lautieren etc. Sollen diese Kinder in der Klasse verbleiben, wenn die anderen einen Aufsatz schreiben müssen oder über ihren Matheaufgaben brüten? Wie soll da Unterricht für die Regelschüler stattfinden?
Insofern: Ich bin auch für Integration, wenn alle Seiten etwas davon haben und es passt. Aber es gibt nun mal Kinder, die an Förder- und KB-Schulen besser aufgehoben sind, weil ihre Behinderung eine Regel- oder I-Beschulung nicht zulässt.
Das müssen auch diejenigen akzeptieren, die Schwebi-Klassen per se schlecht finden ohne die Klassen zu kennen und die behinderten Kinder erst recht nicht.

LG
Sabine

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Anan
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BeitragVerfasst am: 21.06.2010, 20:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sabine, hallo Angela,

ich weiß natürlich, dass ein Regelschulbesuch nicht für alle Kinder die Optimallösung darstellt. Und ich weiß auch, dass der oben von mir beschriebene Jugendliche, für den ich mir eine Regelklassenbeschulung sehr gut vorstellen könnte, mit Unterrichtsinhalten wie Prozentrechnen oder den Feinheiten der Grammatik nicht wirklich was anfangen könnte. Geschweige denn mit Kurvendiskussion oder Mme Bovary auf Französisch oder Isobaren oder Hölderlin oder dem Höhlengleichnis oder Ovid oder was weiß ich, womit man sich in der Schule alles rumquält.

Mir schwebt eben eine Schule vor, in der alle Kinder, also diejenigen, die auf dem kognitiven Stand eines Säuglings sind genauso wie Kinder mit schweren Verhaltensauffälligkeiten und Kinder, die ihren Altersgenossen weit voraus sind, irgendwie zusammen lernen können. Das setzt voraus, dass beispielsweise die Lerngruppen immer wieder neu zusammengesetzt werden, dass es Rückzugräume gibt, in denen man ein Referat vorbereiten oder Englischvokabeln einüben kann, in denen sich aber auch zum Beispiel eine Gruppe 15jähriger Leseanfänger treffen oder ein Autist zurückziehen kann.

Und ja: Ich weiß, dass die Regelschulen so nicht aussehen. Ich kenne zumindest zwei Sonderschulen und dort auch die "Schwebi-Klassen". Und selbst dort ist dermaßen individueller Unterricht bisher meist nicht möglich - wie zum Beispiel die Geschichte des Jugendlichen, den ich begleite, zeigt. Trotzdem. Zumindest im Kleinen kann man anfangen (und hier bin ich so kinderaugenblau-naiv, dass ich glaube, dass eine bessere, gerechtere und individuellere Beschulung als jetzt irgendwann möglich sein wird. Auch, wenn das Optimale wohl nur ein Traum bleibt (der auch in meinen Vorstellungen überhaupt nicht konkretisiert ist)).

Noch einen Gruß von
Anan.

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melle tigerente
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BeitragVerfasst am: 21.06.2010, 21:22    Titel: Antworten mit Zitat

...ich bin jetzt mal raus aus der diskussion, da wir uns eben alle im kreis drehen und jeder irgendwie immer wieder das gleiche schreibt Surprised) könnte wahrscheinlich ewig so weiter gehen...ja für mein kind ist das das beste und ja für mein kind ist das das beste...da in spätestens 3 tagen die frage im forum erneut auftauchen wird (wie schon so oft gefragt und diskutiert), treffen wir uns doch da wieder alle Surprised) liebe grüße und einen schönen abend noch, melle.
ich denke wir haben alle recht, jeder für sich.

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